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nach Eperjes beordert, während die Division Kmety den Befehl erhielt, vom 8. an nicht mehr blos demonstrirend, sondern, wo sie Widerstand fände, ernst angreifend, auf dem direeten Wege gegen Kaschau über Hclmor und Bela vorzurücken, und sobald sie in ihrer linken Flanke eine anhaltende Kanonade vernähme, unmittelbar auf Kaschau loszugehen und — selbst wenn ihre Angriffe wiederholt abgeschlagen würden — diese unablässig von neuem zu beginnen.

In der Absicht, den Feind erst über die Tareza kommen zu lassen, bevor wir die beabsichtigte Offensive gegen ihn ergriffen, verhielten wir uns in der Nacht vom 7. auf den 8. defensiv, und wurden am Morgen des 8. von der Nachricht überrascht: der Feind habe die Brücke über den Tarezafluß bei Lemesän abgerissen.

Ich sage „überrascht", weil wir — nachdem der Feind durch die am Vorabende veranlaßte Vorrückung seines Gros gegen di« Tarcza uns hinlänglich überzeugt hatte, daß er an die Ausführung der oben angedeuteten Vereinigung mit den Brigaden Oöt z und Iablonowski nicht denke — aller Veranlassung entbehrten, jene Vorrückung für eine Defensivmaßregel zu nehmen, es wäre denn, wir hätten die nächste Nähe des Klapka'schen Corps im Rücken des Feindes mit Bestimmtheit vorausgesetzt. Dies aber durften wir nicht, da alle unsere zur Auf suchung Klapka's ausgesandten Kundschafter entweder gar nicht, oder unverrichteter Sache wiederkamen. Erst nach dem Rückzuge des Feindes von Lemesan gelang es einem schon vor mehrern Tagen vom Obersten Klapka an mich abgeschickten Spion, mein Hauptquartier zu erreichen.

Nun mußte die Communieation über die Tareza erst wieder hergestellt werden. Bei der geringen Geübtheit und mangelhaften Ausrüstung meines Pionniereorps war dies eine zeitraubende Aufgabe. Wir hofften, bei Felsö-Olcsär eine noch stehende Communieation über denselben Fluß zu finden. Vorläufig eingeholte Nachrichten bestätigten dies und brachten den Entschluß, von Eperjes gegen Kaschau in zwei Colonnen vorzurücken, zur Ausführung, und zwar mit der Division Aulich auf dem linken Ufer der Tareza bis zu dem genannten Uebergangspunkte, mit der Division Guyon aber und der linken Flügeldivision auf der Poststraße über die vorerst herzustellende Brücke bei Lemesän.

Vor dem Eintreffen des Klapka'schen Geheimboten in unserm Lager glaubten wir, F.-M.-L. Graf Schlick beabsichtige, blos bis an den Kaschauer Berg zurückzuziehen, um uns dort — der Stadt Kaschau, dem Vereinigungspunkte der Rückzugslinien seines Gros, und der gegen unsere Division Kmety auf der directen Kaschau - Leutschauer Straße näher gerückt — ein entscheidendes Treffen zu liefern.

Unsere Absicht war, ihn in diesem Falle, mit der Division Guyon und der des linken Flügels auf der Eperjeser Poststraße vorrückend, so lange in der Front zu beschäftigen, bis die Division Aulich bei FelsöOlcsär den Uebergang über die Tareza bewirkt haben würde, dann aber sogleich in den wirklichen entscheidenden Angriff auf die Front und die rechte Flanke seiner Stellung überzugehen, während die Division Kmety, vom Kanonendonner avisirt, dasselbe auf der ihr angewiesenen isolirten Angriffslinie zu thun hatte.

Als wir aber — wie gesagt, erst im später n Verlauf des 8. Februar — durch den erwähnten Spion erfahren hatten, Oberst Klapka sei bereits seit einigen Tagen in der Offensive gegen F.-M.-L. Grafen Schlick begriffen, da ward ich durch den Chef meines Generalstabs darauf aufmerksam gemacht, daß F.-M.-L. Graf Schlick höchst wahrscheinlich Kaschau zu räumen und sich über Torna in den Operationsbereich der österreichischen Hauptarmee zurückzuziehen beabsichtige, und verzichtete auf das Abwarten der durch den Flußübergang bei Felsö-Olcsär möglicherweise aufgehaltenen Division Aulich. Die Division Guyon und die linke Flügeldivision sollten den Feind ohne Bedenken sogleich entschieden angreifen, wo sie ihn fänden.

Allein der Brückenschlag bei Lemesän ging so langsam von statten, daß unsere Vortruppen Kaschau erst am Morgen des 10. Februar erreichen konnten, während der Feind die Stadt schon am 9. Abends geräumt hatte. Gleichzeitig mit jenen trafen auch die des Klapka'schen Corps in Kaschau ein, und das Armeeeorps von der obern Donau war nun mit den mittlerweile stark vermehrten ungarischen Streitkräften an der Theiß wieder vereinigt.

Noch im Laufe desselben Tages erschien Oberst Klapka, und spät am Abend auch ich persönlich in Kaschau, um die ferner n Operationen mit ihm zu besprechen und festzustellen.

Klapka hatte — nachdem es ihm in den Gefechten von Tarczal, Bodrogkeresztur und Tokaj (am 22., 23. und 31. Ianuar) gelungen war, den Theißübergangsversuch des Schlick'schen Corps zu vereiteln — in den ersten Tagen des Februar die Offensive gegen dasselbe auf eigene Faust ergriffen, ohne von mir mehr zu wissen, als daß ich mich — trotz der Weisung des Kriegsministers, an die obere Theiß zurückzueilen — noch immer in den Bergstädten herumschlage.

Erst das nach den heißen Tagen von Tarezal, Keresztur und Tokaj unerwartet rasche Zurückweichen des Schlick'schen Corps gegen Kaschau auf allen Linien führte Klapka zu dem Schlusse, daß ich die Bergstädte bereits verlassen haben und im Rücken seines Gegners erschienen sein müsse. Er beschleunigte nun seine eigene Vorrückung gegen Kaschau mit Aufbietung aller Kräfte, und machte dadurch dem F.-M.-L. Grafen Schlick die Ausführung seines zu spät gefaßten Entschlusses, mit seiner ganzen Macht vorläufig über mich herzufallen und sich erst nach meiner Bcsieguna wieder gegen ihn (Klapka) zu wenden, schlechterdings unmöglich.

Während das Armeeeorps von der obern Donau noch bei Lemejau durch den nur langsam fortschreitenden Brückenschlag über die Tareza aufgehalten wurde, foreirte Klapka mit seinen Vortruppen bereits am Abend des 8. Februar den Hernäd-Uebergang bei Hidas-Ne'meti über die noch stehende zwar, aber von der feindlichen Nachhut bereits in Brand gesteckte Brücke.

F.-M.-L. Graf Schlick mußte nun einsehen, daß er in Kaschau längstens am 10. Februar von den beiden ungarischen Corps im Norden und Süden zugleich angegriffen würde, und räumte, wie erwähnt, am 9. die Stadt, um sein Corps durch einen kühnen, weil gefährlichen, Rückzug über Torna gegen Waizen zu retten.

Obschon nun dieser Rückzug, so zu sagen, vor den Augen Klapka's ausgeführt wurde, so konnte Dieser ihn dennoch nicht hindern, weil das Gros seines Corps am 9., trotz der möglichst beschleunigten Vorrückung, noch theils einen, theils zwei Tagmärsche hinter der Hernäd zurück war und ihm an Ort und Stelle nur die Vortruppen zu Gebote standen. Desto energischer aber gedachte er die Verfolgung des fliehenden Feindes zu betreiben, und disponirte hierzu am 10. Februar die eine Hälfte seines Gros bis Enyiezke und Nagy-Ida, während die andere Hälfte in Hidas-Nemeti, zwei Divisionen des Armeeeorps von der obern Donau aber in Kaschau eintrafen.

So standen die Sachen, als Oberst Klapka und ich am Abend des letztgenannten Tages uns seit der Räumung der Hauptstädte zum ersten Male wiedersahen.

Am 11. Februar gedachte Klapka mittels eines forcirten Marsches dem Feinde nahe genug zu rücken, um ihn schon am folgenden, spätestens den zweitnächsten Tag einzuholen und wenigstens theilweise sprengen zu können. Ich aber sollte gleichzeitig die Vereinigung des Schlick'schen Armeeeorps mit den mir bis in die Zips nachgefolgten Brigaden Götz und Iablonowski um jeden Preis verhindern und, wenn dies gelungen, die letzter n angreifen.

Wir hatten es somit auf die möglichste Schwächung, wo nicht gänzliche Aufreibung der feindlichen Kräfte in Oberungarn abgesehen, um die Hauptarmee des F.-M. Fürsten Windisch-Grätz für die folgenden Angriffe von der mittler n Theiß her desto mürber zu machen.

Ueber die nächsten Details unserer Einzeloperationen verständigten wir uns augenblicklich. Die Erfolge dieser aber sollten die Basis späterer Operationen werden.

Der Wunsch, das Armeeeorps des Obersten Klapka oder doch einen Theil desselben zusehen, bestimmte mich, noch in der Nacht vom 10. auf den 11. nach Hidas-Nemeti zu fahren, wo — wie gesagt — ein Theil des Corps eben Station hielt. Ich wollte diese Truppen am 11. Februar auf ihrem Marsche begleiten, um sie während desselben genauer beobachten und einen Vergleich zwischen ihnen und jenen des Armeeeorps von der obern Donau anstellen zu können.

Dieser Theil des Klapka'schen Corps hatte nämlich am 11. HidasNemeti zu verlassen und dem bereits bis Nagy-Ida und Enyiezke vorgerückten Theile nachzufolgen.

Unterwegs aber traf jenen ein neuer Befehl Klapka's, laut welchem er sogleich wieder umkehren und gegen Miskolcz zurückmarschiren mußte.

Höchst überrascht durch diese unerwartete, unserer vorabendlichen Verabredung geradezu widersprechende Anordnung, verließ ich die nun wieder gegen Hidas-Nemeti zurückkehrende Colonne, und eilte in das Hauptquartier Klapka's nach Enyiczke, um die Veranlassung des Contremarschbefehls zu erfahren. Diese war eine vom G.-L. Dembinski plötzlich eingelaufene Ordre: Oberst Klapka solle mit seinem ganzen Corps augenblicklich den Rückmarsch gegen Miskolez, und zwar in Eilmärschen, antreten.

Nun stand Klapka damals bereits unter dem Obereommando Dembinski's. Er glaubte also gehorchen zu müssen, und ich konnte ihn daran nicht hindern, beschloß aber die von ihm aufgegebene Verfolgung des Schlick'schen Corps sogleich von einem Theile des Armeecorps von der obern Donau — wenngleich verspätet — übernehmen zu lassen, ohne dabei die Offensive gegen die Brigaden Götz und Ia- blonowski aufzugeben.

Noch im Laufe des Tages (des 11.) mußte somit die linke Flügeldivision des Armeecorps von der obern Donau, von Kaschau aufbrechend, dem Schlick'schen Corps nacheilen.

Dieses hatte nun freilich, dank der störenden Dazwischenkunft der Dembinski'schen Ordre, bereits einen Vorsprung von zwei Tagmärschen gewonnen; seine Arrieregarde wurde aber dennoch binnen der nächsten zwei Tage eingeholt und am 13. mit Tagesanbruch bei Szen überfallen. Der Feind büßte dabei im Ganzen etwa 60 —70 Mann Cavalerie und bei 100 Mann Infanterie ein; das war aber auch das einzige Resultat der Verfolgung, und das letzte meiner Wirksamkeit als selbständiger Commandant des königlich ungarischen Armeecorps von der obern Donau.

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