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Meiner lieben Frau

zur Erinnerung

an

schöne Stunden gemeinsamer Arbeit

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A thing of beauty is a joy for ever.

KEATS. Das vorliegende Werk ist bestimmt, an die Stelle des englischen Lesebuches von Prof. Ludwig Herrig (geb. 1816 zu Braunschweig, gest. 1889 zu Berlin) zu treten, welches zuerst im Jahre 1850 veröffentlicht und seitdem in fünfundachtzig Auflagen mehrfach von Herrig selbst überarbeitet ausgegeben wurde. In meiner Neubearbeitung habe ich versucht, den Grundcharakter des Herrigschen Buches, nämlich den einer Einführung in die englische Literatur für deutsche Mittelschulen, beizubehalten. Denn trotz gegenteiliger Strömungen, die in den letzten Dezennien die Oberhand zu gewinnen drohten, mehren sich jetzt erfreulicherweise Anzeichen dafür, daß die Übermittelung der fremden Geisteskultur als die vornehmste Aufgabe des neusprachlichen Unterrichtes betrachtet wird und man willens ist, die Lektüre bedeutender literarischer Erzeugnisse in den Mittelpunkt des Unterrichtes zu rücken. Daß dann auch der poetischen Lektüre ein breiterer Raum zugewiesen wird, steht sicher zu erwarten, sobald man die große pädagogische Bedeutung derselben für die Bildung von Geist und Gemüt, sowie die hochgradige Anspannung und Konzentration der Aufmerksamkeit, die zum Verständnis einer Dichtung erforderlich ist, gebührend würdigt.

So treu an dem Grundplan des Herrigschen Buches festgehalten wurde, 80 frei glaubte ich mich andererseits bei der Ausführung desselben bewegen zu dürfen. Galt es doch nicht nur, die Errungenschaften neuerer Forschung in Literaturgeschichte und Textbehandlung zu verwerten und fünfzig Jahre neuester Literaturentwickelung nachzutragen, sondern auch den erhöhten Anforderungen der modernen Literaturbetrachtung gerecht zu werden, sowie die veränderte Bewertung einzelner literarischer Erscheinungen zu berücksichtigen. In der Tat ist so ein fast völlig neues Werk zustande gekommen, wie schon rein äußerlich die Auswahl der Schriftsteller und Texte erkennen läßt. Von den 80 seither in dem Buche vertretenen Schriftstellern sind 30 ausgeschieden und dafür 47 neue aufgenommen, nämlich Sidney, Lyly, Campion, Chapman, Herrick, Walton, Butler, Evelyn, Collins, Chatterton, Crabbe, Blake, Keats, Landor, De Quincey, Kingsley, Thackeray, George Eliot, Hood, Robert Browning, Elizabeth Barrett Browning, Arnold, Froude, Freeman, Green, Newman, Mill, Darwin, Huxley, Ruskin, Rossetti, Morris, Swinburne, Pater, Meredith, Stevenson, Kipling, Poe, Whittier, Hawthorne, Emerson, Thoreau, Lowell, Holmes, Bret Harte, Mark Twain und Whitman. Der hierzu erforderliche Raum wurde dadurch gewonnen, daß der Abdruck ganzer Werke wie Shaksperes Richard II., Sheridans Rivals, Dickens' Christmas Carol und Marryats Three Cutters unterblieb, weil ich der Ansicht bin, daß die Lektüre solch umfangreicher Werke besser nach einer Sonderausgabe erfolgt. Aus obiger Liste ergibt sich, daß nunmehr das Hauptgewicht auf das neunzehnte Jahrhundert verlegt ist, dem jetzt drei Fünftel des Buches gewidmet sind. Auch bei den aus dem früheren Buche übernommenen Schriftstellern sind zum größten Teil andere Texte gewählt worden, so daß sich von den 288 Lesestücken des Herrigschen Werkes nur 25 in der Neubearbeitung wiederfinden.

Bei der Auswahl des Lesestoffes war ich in erster Linie darauf bedacht, die Hauptströmungen der englischen Literatur zur Anschauung zu bringen, und zwar in ihren charakteristischsten Vertretern und ihren nach Inhalt und Form vollendetsten und schönsten Schöpfungen. Natürlich mußte dabei der Rücksicht auf die Schule manches geopfert werden. Dagegen war es bei dem unvergleichlichen Reichtume der englischen Literatur möglich, dem Charakteristischen und dem Schönen in demselben Maße gerecht zu werden und zugleich nach Möglichkeit die Beziehungen zur Gesamtkultur des modernen England und zur heimischen deutschen Literatur zu berücksichtigen. Jedoch konnte ich mich nicht entschließen, aus stofflichen Rücksichten irgendwelchen Texten Raum zu gewähren, welche keinen Platz in der Literaturgeschichte beanspruchen können. Galt es doch auch nicht, durch möglichste Allseitigkeit der Stoffgebiete den Nachweis zu erbringen, welch gewaltigen Anteil die Engländer an der Kulturentwickelung der Menschheit genommen haben; Namen wie Bacon, Harvey, Newton, Locke, Hume, Adam Smith, Watt, Stephenson, Hogarth, Turner, Faraday, Tyndall, Darwin u. a. sagen das jedem Gebildeten.

Inhaltlich ist der Lesestoff im allgemeinen dem Verständnis der Schüler der Oberklassen angemessen; doch fehlt es auch nicht an Stücken, welche sich für die mittlere und untere Stufe eignen würden. Freilich bin ich mir vollauf bewußt, daß manche der aufgenommenen Texte inhaltlich hohe Anforderungen an Schüler und Lehrer stellen. Jedoch hege ich aus den verschiedensten Gründen die feste Zuversicht, daß das Verlangen nach englischen Lesestoffen, welche die Schüler zu ernstem Nachdenken zwingen und der altsprachlichen Lektüre unserer Gymnasien inhaltlich gleichwertig

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