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Voß.

Unachtsam des Getåndels um sie; und lispelt vergebens Ihr die Freundin ins Ohr: Mädchen, du bist ja so still?

Oder sißt sie einsam im grünen Dunkel der Laube,

Auf der Stelle, wo einst mir an dem Herzen sie lag? Die ihr die sonnigen Blåtter mit duftender Kühle durch: athmet,

Weht mir den Rosenbusch, freundliche Weste, zurück! Ach! sie lehnt die Stirne, von braunen Locken umflattert, Hingesenkt auf die Hand, an den gebogenen Ast; Thränen neßen die Hand und die glühende Wange; fle seufzet,

Nennet mich, und schwer zittert ihr Busen empor. Selma, Selma! weine nicht so! Du weinest um mich zivar;

Aber es bricht mir das Herz, Beste, dich weinen zu
sehn.

Der mit segnendem Blicke so ähnlich unsre Seelen
Schuf, so wunderbar uns beide vereinigte, Gott,
Unser Vater, beschied uns Trennungen; aber nicht zürs
nend!

Bald vereint uns, bald! wieder ein ewiger Bund!
Still! sie athmet leis', auf die müde geweinten Wimper
Giesst mein Genius ihr duftigen Schlummer herab,
Und umstrahlt ihr den Geist mit des heiligen Tages
Erscheinung,

Der den Locken der Braut Rosen und Mirten ums

flicht:

Athemlos umarmt sie des Bräutigams Bild, und mit

Holdem,

Wolluft schmachtendem Laut drückt sie ihn fester ans
Herz,

Bebt; und wie Abendroth auf regenbeträufelter Rose,
Schimmert ein Lächeln sanft über ihr nasses Gesicht.

Lyri›

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Lyrische Gedicht e.

Hymnen

ebräischer Dichter.

Den ganzen hohen Geißt und die nie von andern Dichs, Hymnen. tern völlig erreichte Würde der ebräischen Poesie der heilis gen Schrift A. T. hat keiner von den Kunstrichtern inniger empfunden, und wahrer und lebhafter, mit eigenem Diche tergefühl und Dichtertalent ausgerüstet, dargestellt, als Herder, in seinem vortrefflichen Werke, vom Geist der ebräischen Poesie. Aus diesem werde ich die meisten hier mitgetheilten Proben entlehnen, deren es dort noch mehrere giebt; und ich verweise übrigens Jeden auf dieß Werk selbst, dem daran gelegen ist, sich mit dem ganzen, nicht bloß lyris schen, Charakter der biblischen Gedichte näher bekannt zu machen. Zu den folgenden Beispielen weiß ich keine würdis gere Einleitung als dieses edeln Schriftstellers

Nach

Zymnen.

Nachahmung der alten ebräischen

Dichtkunst.

Eine Erscheinung.

Ich saß im alten deutschen Bardenhain,
Und lauschte der Vorwelt Lied.

Der Druiden Chöre waren verhallt;
Die Eichen standen summ.

Ich rief dem Nachhall: „hast du keinen Gesang?❤

Der Nachhall murmelte: verstummt!

In Klüften und auf Höhen verstummet ist

Das unschreibbar heilige Wort. *)

Schicksal, warst du immer, immer schon

Unhold auf Deutschlands Geist?

Am Hetla, auf den wilden Hebriden tönts, **)
Und unsre Haine sind stumm!

Der Deutschen Ofsian, Orpheus, (seid ihr gewesen)

kommt!

Erscheint, ihr Geister der Vorwelt mir!

Lasst tönen die Harfen im Nebelgewand',
Einfältig stark und schön!

Sie schwebten um mich! sie giengen daher,
Die Geister der alten Zeit!

Mit Harfegeton' und Hornesklang

Und kriegerischem Schall.

Die

*) Die Verse der Druiden durften nicht aufgeschrieben, fondern nur gelernt werden.

**) Der Skalden und der Kaledonischen Barden Reste.

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