Графични страници
PDF файл
ePub

v. Nicolai

von Nicolai.

[ocr errors]

S. B. I. S. 69. Im ersten Bande seiner Vers mischten Gedichte stehen zehn Elegieen, voll wahren, wenn gleich nicht immer starken, Ausdrucks der Empfindung, und glücklich versificirt.

[blocks in formation]

So meinst du, Lena, denn, Tibulls gedämpfter Leier
Sei nur ein schmachtend Lied, ein weicher Ton ver-
liehn?

Und niemals tob' in ihr ein juvenalisch Feuer,
Nie könn' ein Dichterherz von Zorn und Rache
glühn?

Erfahre, was es sey, den Fichter zu betrügen,
Der ewig dich erhöhn und ewig schmåhen kann:
Dann geh und brüste dich, mit den verrufnen Zügen!
Dann sieh dein kluges Werk mit stolzer Wollust an!
Gewiß! es ahnete der Muse dein Vergehen,

Weil nie dein Name noch aus ihren Lippen brach,
So viel und oft ich ihr mit ungeduld'gem Flehen
Von meiner zarten Glut, und deinem Lobe sprach.
Vergönne mir ein Lied (so bat ich oft) für Lenen
Und zeichne Lenens Bild bei meinem Bildniß ab.
Dann sage der Parnaß: Hier hångt mit seiner Schö

nen

Tibull; und hier das Paar, das uns die Brausche

gab.

Wie konnt' ich Blinder nur den kühnen Trieb ernåh:

ren,

Dem fie, die Göttinn, sich so sehr zuwider wies! Und o! wie reuen mich die schlecht vergossnen Zähren, Da mich der Muse Rath den Rhein verlassen hieß. Wie sauer war der Schritt, von Lenen aufzubrechen! Wie zögerte mein Fuß, der Schwelle zu entfliehn!

t

v. Nicolai.

Wie oft erhob ich mich, den Abschied auszusprechen,
Und seßte, neu vertraut, mich wieder zu ihr hin.
Die Roffe rafften mich umsonst durch Thal und Hd:
hen,

Und Meilen trennten mich umsonst vom süßen
Rhein;

Unmöglich schien es mir, sie tåglich nicht zu sehen,
Und alles ohne sie schien mir ein Traum zu seyn.
Sie fand mein reger Geist in jeder neuen Scene;
Im Hüttlein, das bemoost im Schoos der Alpen
liegt;

Im nie geschmolznen Schnee: Begegne mir, o Lene!
So blühet hier der Lenz, so leb ich dort vergnügt.
Das Kleinod der Natur, der Siß der Boromåen,
Den der verliebte See von allen Seiten küsst,
Schien mir ein Libyen, mit Lenen nicht gesehen ;
Indessen Tempe grunt, wo sie zugegen ist.
Mein Auge maß den Reiz der thuscischen Cythere
Nach Lenens Zügen ab: Und wo sie Lenen glich,
Da pochte meine Brust, o Künstler! dir zur Ehre;
Und tabelte dein Bild, wo es von Lenen wich.
Es glühet meine Brust! sprach ich am heissen Munde
Des ruhigen Vesuv; und, brach der Donner
Graus,

Der Flammen graffer Strom, aus dem geborstnen
Schlunde;

Was ists? Ich zittre mehr, sieht Lena zornig aus.
Wie froh verließ ich nicht Siciliens Gefilde,

Der langen Jrre Ziel! Ihr Winde, folget mir!
Beflügelt meinen Mast! Seht her nach Lenens Bilde!
Ihr dient dem Geize nicht; der Liebe dienet ihr.
Jht war mir jeder Schritt auf dem durcheilten Wege
Ein schon erfüllter Theil der Hoffnung, ein Genuß.
Ist dacht ich, fühlet sie, wie du, die frohen Schläge;
Und rechnet, wo du bist, und sinnt auf ihren Gruß,
Nur zu geflissen war die Freiheit des Empfanges;

Zu sicher Lenens Aug', die Worte zu gewählt;
Kein abgebrochnes Wort, kein Zeichen jenes Zwanges,
Mit dem der Zeugen Schaar ein volles Herze
quålt:

Ein angebotner Kuß, um ihn nicht abzuschlagen;
Mein Lispeln abgelehnt, und lahm die stolze Hand:
Unzeitig muntrer Scherz, und fühlungslose Fragen;
Und Lob der frohen Zeit, die, seit ich schied, vers
schwand

Ich fühlte wechselsweis des Unmuths wilde Flammen;
Den aufgebrachten Stolz, des Zweifels still’re Pein;
Und Furcht, ich möchte sie vielleicht zu schnell verdams
men;

Und dann Entschuldigung und neuer Hoffnung

Schein.

Doch zu gegründet war der Kummer der mich drückte,
Zu bald erfuhr ich es, als ich von Lenen wich,
Und auf der Schwelle noch den neuen Freund erblickte,
Der an der dürren Hand des alten Kupplers schlich.
Ein Körper, ausgezehrt vom Gifte geiler Küsse,

Das ihm sein rothes Aug' zur steten Quelle macht,
Schleppt er am dicken Rohr die beulenvollen Füße,

Und spürt die Küchen aus, wo helle Flamme kracht; Schleicht durch die Tempel hin, bleibt in den Straßen

stehen,

Und merkt die Mädchen an, die reif zum Manne

find;

Er ist der Mütter Rath, der Måtter fetter Ehen,
Und jeder Liebe feind, bei der er nichts gewinnt.
Dies ist des Alten Bild, der erstlich mit Verdachte,
Dann mit Verlåumdungen, o Lena! dich betrog;
Dann, kühn auf den Erfolg, als niedrig mich ver:
lachte,

Und dann sein stolzes Aug' auf seinen Buhler zog.
Allein du wusstest nicht (so kann man Eitle blenden)
Daß schnöder Eigennuß an dieser Liebe hieng;
Daß deiner Küsse Preis aus deinen eignen Hånden
Verstohlen in die Hand des Kupplers übergieng.
Wie plöhlich sahest du so stolz auf mich zurücke!
Entehrte dich mein Blut? Schien dir mein Erbe
flein?

Auch ich verließ um dich den Wunsch nach höherm Glús

[ocr errors]

Und wählte, klein wie du, doch klein mit dir zu

v. Nicolai.

[blocks in formation]

v. Nicolai. Ihr Musen, råchet mich! So müssen meine Lieder
Mich über Lenen weit in fremder Luft erhöhn!
Und kehr ich einft bemerkt zur sanften Jlle wieder,
Dann lasst mit hohem Blick mich vor ihr über gehn.
Ihr Name, dunkel noch in dem erfreiten Stande,
Erreiche, schwerberühmt, den Tadel spåter Zeit!
Wohin mein Lied ertdut, ertöne Lenens & chande;

Zum Sprüchwort werde sie bestrafter Eitelkeit!
Du aber, dessen Rath mir Lenens Herz entzogen,
Dir fresse scharfes Gift die falschen Wangen ab!
Die Wuth der Jünglinge, die du, wie mich, betrogen,
Durchstoße deine Brust, und laß dich ohne Grab.
Verhönet liege lang', ein Scheusal jeden Blicken,

Bis wir dein ekles Aas mit Kieseln überstreun.
So müsse später Fluch dein kahles Denkmal drücken,
Und wer vorübergeht auf deine Grube speyn!

[merged small][ocr errors]

S. B. L. S. 445.

--

Hier ist die erste von den in seis nen Gedichten gesammelten fünf schönen Elegieen, die samts lich zu den besten deutschen Mustern dieser Art gehören.

[blocks in formation]

Aber ich hefte den Blick auf den Bach, der voller hins

abstürzt,

Gleite sanft wie ein Traum gegen die schäumende

Fluth,

Und mein horchendes Ohr hört leisen Laut, wie des Måda chens

Liebe seufzendes Ach, tief in des Falles Geräusch. Denkt mein Mädchen an mich? und erfüllt mit zitterns der Ahndung

Hier im Blumengedüft, etwa ihr Engel mein Herz? O so beschwör' ich dich bei des Mädchens reinster Em:

pfindung,

Die ihr mit Himmelswonn' Augen und Wangen vers

flårt;

Zeige mir die Gestalt der Herrlichen, welche voll Tiefs

sinn,

Fern auf verlassener Flur, ihres Erkohrenen denkt! Irrt sie im bunten Thale, von frohen Gespielen gend: thigt,

Stumm, den grünen Hut über die Augen gesenkt; Pflückt ohn' Absicht Blumen, und springt ißt freudig zur Blüthe

Jenes Hollunders, der einst unsere Küsse verbarg? Oder zum rieselnden Quell, den in hohler Hand sie bet

Einst zu trinken mir

Mondschein

bot? Spielet sie zögernd im Quell,

د.

[ocr errors]
« ПредишнаНапред »