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Dafür spricht auch der Umstand, dass schon im folgenden Jahre eine neue Auflage (QC) derselben erschien. Würde das Publikum dieselbe wol so begierig gekauft haben, wenn sie nicht den ächten Text Shakespeare's enthalten hätte? Um so mehr müssen wir bei dieser Gelegenheit unser Bedauern darüber aussprechen, dass wir noch keinen Wiederabdruck dieser Ausgabe besitzen.

Es ist hier der Ort, das Verhältniss zu bezeichnen, in welchem die folgenden Qs, so wie die Folios zum Texte der QB stehen, so weit uns dies ohne eigene Einsicht in die Originalausgaben möglich ist. Wesentliche Textverschiedenheiten, die aus der Zugrundelegung verschiedener Handschriften entstanden wären, können in den Quartos kaum vorhanden sein, wenigstens haben wir keine nähere Kenntniss derselben, da die englischen Herausgeber bei der Angabe verschiedener Lesarten fast nie die einzelnen Ausgaben unterscheiden, sondern sie insgesammt als Quartos zu bezeichnen pflegen. Die Unterschiede mögen sich also im Ganzen auf die Verbesserung einzelner Lese-, Hör- und Druckfehler wie auf die Zeichensetzung beschränken, was für die kritische Gestaltung des Textes immerhin nicht ohne Bedeutung ist. Was die späteren Quartos (von 1637 an) betrifft, so lässt sich allerdings annehmen, dass die unterdessen erschienenen Folioausgaben nicht ohne Einfluss auf sie geblieben sein werden. Mit Bestimmtheit lässt sich jedoch darüber nichts sagen, so lange nicht ganz zuverlässige und erschöpfende Vergleichungen vorliegen, welche natürlich nur in England gemacht werden können.

In Bezug auf den Text der ersten Folioausgabe von 1623 (FA) stellt der jüngste deutsche Herausgeber, N. Delius, in der Vorrede zum Hamlet mit eben so grosser Zuversichtlichkeit als mit Mangel an Beweisen die Ansicht auf, dass die Auslassungen, Zusätze und Verbesserungen der FA vom Dichter selbst herrühren, und dass der grosse Werth der Folioausgabe darin bestehe, dass sie den Hamlet, nach dem authentischen Bühnenmanuscript abgedruckt, so enthält, wie er auf dem Shakespeareschen Theater nach der Einrichtung des Dichters selbst zuletzt aufgeführt wurde. Die gewichtigen äusseren wie inneren Bedenken gegen diese Ansicht sind zu bekannt, als dass es hier einer Wiederholung derselben bedürfte, durch welche wir uns überdies von unserem Gegenstande entfernen würden, indem sich die Erörterung dieser Fragen nicht auf den Hamlet allein, sondern auf die sämmtlichen Stücke Shakespeare's in gleicher Weise erstrecken müsste. Mit besonderer Bezugnahme auf Hamlet hat T. Mommsen die verschiedenartigen Einflüsse, welche den Text der Folioausgabe vom Original des Dichters mehr und mehr entfernten, ausführlich dargelegt und erörtert. 1

Wenn schon Shakespeare selbst seine Stücke lediglich für die Aufführung und nicht für den Druck schrieb, so ist es natürlich, dass die Schauspieler noch viel weniger daran dachten, dieselben als literarische Werke in ihrer ursprünglichen Gestalt und Reinheit zu erhalten, sondern vielmehr alle anderen Gesichtspunkte dem der Aufführung so wie des dadurch zu erzielenden Beifalls und Gewinnes unterordneten.

Welche Freiheiten sie sich mit den von ihnen gekauften und daher als ihr freies Eigenthum von ihnen betrachteten Stücken herausnahmen, geht am schlagendsten aus einer Stelle des Thos Nash hervor, welche in Farmer's Essay p. 45 angeführt wird. In seiner Flugschrift: The Prayse of the Red Herring beklagt sich nämlich Nash, dass in seinem Schauspiele The Isle of Dogs vier Akte ‘without his consent, or the least guesse of his drift or scope were supplied by the Players.' Auch aus Henslowe's Tagebuche ist die Mode der damaligen Theaterdirektoren, die in ihrem Besitze befindlichen Stücke wiederholt überarbeiten zu lassen, damit sie dem Publikum von Zeit zu Zeit als etwas Neues aufgetischt werden konnten, hinlänglich bekannt. Zugegeben auch, dass Heminge und Condell, die Herausgeber der ersten Folio, mit bestem Willen und angemessenen Kräften an ihre Aufgaben gingen, so bleibt es doch mehr als zweifelhaft, dass es ihnen nach dem Verlauf so vieler Jahre gelungen sein sollte, den Text überall auf die Urschrift des Dichters zurückzuführen. Alle diese äussern Gründe, welche durch eine kritische Textvergleichung bis in's Einzelste bestätigt werden, müssen natürlich

wenigstens für den Hamlet den Werth der Folioausgabe im Vergleich zu den Quartos bedeutend herabstimmen. Der richtigste (und daher von uns nach Kräften inne gehaltene) Weg zur Herstellung des ächten Hamlet - Textes scheint uns demnach der zu sein, dass man sich so treu als möglich an QB anschliesst und die übrigen Quartos, die Folios und den Collier'schen Correktor nur da zu Hülfe nimmt, wo die Berichtigung und Verbesserung wirklicher Fehler und Versehen jeder Art nothwendig erscheint.

Schon bei Shakespeare's Zeitgenossen erregte sein Hamlet allgemeines Aufsehen und fand ungetheilte Bewunderung, eine Thatsache, von welcher ausser den bereits angeführten noch

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die folgenden Stellen Zeugniss geben. Der bekannte Arzt Dr. Gabriel Harvey hat in ein ihm gehöriges Exemplar des Speghtschen Chaucer im J. 1598 die Bemerkung geschrieben, dass zwar die jüngere Gesellschaft von Shakespeare's Venus und Adonis sehr entzückt sei, dass jedoch seine Lücretia und sein Hamlet vielmehr den weiseren Leuten gefielen.' Einige Jahre später (1604) erwähnt Anthony Scoloker in der Dedication seines Gedichtes Daiphantus, or The Passions of Love den Hamlet mit folgenden Worten: 'It (nämlich the epistle) should be like the never-too - well read Arcadia, where the prose and verse (matter and words) are like his mistresses eyes, one still excelling another and without Corivall: or to come home to the vulgars element, like friendly Shake - speare's tragedies, where the commedian rides, when the tragedian stands on tiptoe: Faith, it should please all, like prince Hamlet. But in sadnèsse, then it were to be feared he would runne mad. In sooth I will not be moonsicke, to please: nor out of my wits though I displeased all.'2 Dem Anschein nach hat der überaus glückliche Erfolg des Hamlet sogar gleichzeitigen Dichtern Veranlassung zu verwandten Stücken gegeben. Wenigstens erwähnt Henslowe im Jahr 1597 ein Trauerspiel von Thomas Heywood und Wentworth Smith unter dem Namen Marshal Oserecke, und ein anderes im Jahre 1602 von H. Chettle unter dem Titel Danish Tragedy. Marschall Osrick wurde nach Henslowe am 3. und 7. Februar 1597 wie im Novbr. 1602 aufgeführt. Da leider beide Stücke untergegangen sind, so lässt sich über ihren Inhalt freilich nicht einmal eine Muthmassung aufstellen. Zu dem Beifall, welchen sich Shakespeare's Hamlet so schnell erwarb, und zu dem Einflusse, den er auf die Bühne, wie auf das Publikum ausübte, steht das Honorar, welches der Dichter dafür empfangen haben soll, in einem traurigen Verhältnisse. Oldys giebt nämlich in einer seiner Handschriften an, dass dasselbe fünf Pfund Sterling betragen habe. + Es wäre dies weniger als der gewöhnliche Preis, welcher nach andern gleichzeitigen Nachrichten 20 Nobel, d. i. 6 Pfund 13%, Sh. betrug. Welche Bearbeitung, ob die erste, eine mittlere oder die letzte, ihm diese Summe eingetragen haben soll, wird nicht gesagt, und ob ihn der Buchhändler für das Verlagsrecht entschädigt hat, ist gänzlich unbekannt. 5

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1 Drake 362. Douce, Illustrations of Shakespeare II, 265.
3 Henslowe's Diary ed. Collier 85. 224. 240. 243. Drake 453.

6 Nach einer Äusserung Heywoods (in Farmer's Essay p. 44) konnte ein Schauspieldichter damaliger Zeit sein Stück nicht an einen Buchhändler Nicolas Rowe erzählt in seinem Leben Shakespeare's, er habe von seiner schauspielerischen Thätigkeit weiter nichts in Erfahrung bringen können, als dass der Gipfel seiner Kunst die Darstellung des Geistes in seinem eigenen Hamlet gewesen sei.' So witzig und spöttisch diese Bemerkung klingt, so ungerecht und unwahr ist sie. Der Geist ist weder eine leichte noch eine unbedeutende Rolle, für deren Darstellung im Stücke selbst eine vom tiefsten Verständniss zeugende Anweisung enthalten ist in den Versen (S. 153):

Look you how pale he glares!
His form and cause conjoin'd, preaching to stones,
Would make them capable. Do not look upon me;
Lest with this piteons action you convert

My stern effects. Wir sind sogar geneigt, den Umstand, dass sich Shakespeare diese Rolle auswählte, gerade als einen Beweis für seine Kunst und seinen Scharfblick als darstellender Künstler anzusehen. Denn auch als der Hamlet in Hamburg auf die Bühne gebracht ward, wurde der Geist von F. L. Schröder, einem Schauspieler ersten Ranges, ausersehen und gespielt, und noch in neuester Zeit hielt es Ludwig Devrient nicht unter seiner Würde, den Geist zu spielen. Überdies entfaltet Shakespeare gerade im Hamlet in den berühmten Regeln, welche er den Schauspielern von Hamlet ertheilen lässt, eine meisterhafte Kenntniss seiner Kunst. Man könnte einwenden, dass damit noch nicht bewiesen sei, dass er sich auch als ausübender Künstler ausgezeichnet habe, da ein vortrefflicher Theoretiker keineswegs immer auch ein guter Praktiker sei. Allein gerade der Hamlet bringt auch dieses Bedenken zum Schweigen. Die Rolle des Hamlet ist nachweislich bis in den Anfang des 18. Jahrhunderts genau in der von Shakespeare selbst einstudirten Auffassung zur un

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verkaufen, wenn er nicht durch einen solchen zwiefachen Verkauf den Verdacht der Unredlichkeit auf sich laden wollte.

Drake 206 sq. Halliwell, The Life of Sh. 135. Farmer 37 sq.

2 Über die hinreissende Gewalt seines Spiels in dieser Rolle sei es uns vergönnt, hier die folgende Anekdote einzuschalten. Der Arbeiter, welcher die Versenkung zu bewachen hatte, in der Devrient das Schwört! rief, wurde von dem geisterhaften Ausdruck seiner Stimme so ergriffen und von Furcht erfüllt, dass er dem Regisseur erklärte, er könnees da unten vor Angst nicht aushalten, ein wirkliches Gespenst müsse neben Devrient ‘so kläglich rufen. Der Mann liess sich nur schwer bewegen, seinen Posten zu behalten, und jedesmal, wenn Deyrient aus der Versenkung sprach, standen ihm die Haare zu Berge. Voss'ische Zeitung Okt. 15, 1856.

veränderten Bewunderung der Zuschauer gespielt worden, und wer mag entscheiden, ob sich nicht manches davon durch Überlieferung bis auf den heutigen Tag fortgepflanzt haben mag? Nach einer Angabe in Wright's Historia Histrionica (1699) ist gewöhnlich angenommen worden, dass Joseph Taylor der ursprüngliche Darsteller des Hamlet gewesen sei. Allein Taylor gehörte nicht zu der Gesellschaft, für welche Shakespeare zu jener Zeit schrieb, und Collier hat aus einer handschriftlichen Elegie auf den Tod Richard Burbage's nachgewiesen, dass dieser den Hamlet zuerst gespielt haben müsse.' In diesem schwungvollen Gedichte heisst es :

Hee's gone, and with him what a world are dead,
Which he reviv'd, to be revived soe
No more

young Hamlet, old Hieronymoe,
King Lear, the creuel Moore, and more beside

That lived in him have now for ever dyde. Ja nach einer andern Stelle derselben Elegie gewinnt es den Anschein, als sei die Rolle des Hamlet ausdrücklich für Burbage geschrieben gewesen, und als sei die Wohlbeleibtheit und Kurzathmigkeit Hamlets, gegen welche Göthe’s Aurelie im Wilhelm Meister einen so grossen Widerwillen zeigt, vom Darsteller entlehnt und auf die dargestellte Person übertragen worden. Die Stelle lautet:

No more young Hamlet, though but scant of breath,

Shall cry revenge for his dear father's death. Dass Burbage den Hamlet in Shakespeare's Sinne und vielleicht nach seiner ausdrücklichen Unterweisung dargestellt hat, ist nicht zu bezweifeln. Burbage starb im März 1620, und nach seinem Tode spielte Joseph Taylor, der eine Zeit lang der Blackfriars - Gesellschaft angehörte und jedenfalls Burbage als Hamlet gesehen hatte, den Hamlet wie Wright sagt ‘incomparably well.' Taylor war nach dem Zeugniss von Downes's Roscius Anglicanus (1708) von dem Dichter selbst in dieser Rolle unterwiesen worden 2 und vererbte seinerseits die Darstellung derselben auf Thomas Betterton (1635 — 1710), den er bis in's Kleinste' darin unterrichtete. Betterton spielte den Hamlet zwischen 1662 und 1665 auf Sir William Davenant's Theater in Lincoln's Inn Fields, und mehrere Jahre lang brachte

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Collier, The Works of Wm. Shakespeare Vol. VII, p. 193, so wie zu den Worten: he's fat and scant of breath (f. 234). Collier Hist. of E. Dr. P. I, 430 sq.

Drake 206—7. Halliwell, The Life of Sh. 147.

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