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« '« , zeuge in meiner verwegenen Hand — der unerbittlichen Strenge der Kriegsgerichte anheimsielen.

Vergebens forschte ich nach einem Standpunkte, von welchem aus betrachtet mein Schicksal und das meiner unglücklichen Gefähr,.,,.-'ten in Einklang zu bringen wären. Ich fand ihn nicht und mich

..<^„ / ^., dem folternden Gedanken preisgegeben, daß die That von Vilägos, mit ihren, die ungarische Revolution rasch und unblutig endenden Folgen, mir allein zum Verdienst angerechnet und durch meine Amnestie belohnt worden sei.

So tief diese Vermuthung mich einerseits niederbeugt, so fest halte ich an ihr, weil sie mir zum Born der Hoffnung geworden, daß meine noch lebenden einstigen Gefährten der allerhöchsten Gnade Eurer Majestät nicht lange mehr entbehren dürften, wenn es meinem freimüthigen Worte nur vergönnt würde, im Innern Eurer -. "'- "^Majestät widerzuhallen.

Die Ergebung von Vil.igos mit allen ihren Folgen wäre ohne
die hochherzige Mitwirkung aller Derer, über welche seither die
Kriegsgerichte Eurer Majestät theils den Tod, theils die höchsten
Gefängnißstrafen verhängten, unausführbar geblieben.

Die Todten — sie ruhen in Frieden, weder von Furcht noch
Hoffnung mehr berührt.

Aber die Lebenden — sie hoffen noch. Die Vergebung, welche
mir, ihrem Führer, geworden, ermuthigt sie ja fortwährend hierzu.

Für sie wage ich meine Bitte, deren Kühnheit das heilige Interesse der Humanität rechtfertigen, die erdrückende Last meines Kummers entschuldigen möge.

Gnade für sie fleht der Mann, der für sich selbst nie Gnade hoffen, nie erbitten durfte, wenngleich heilige Pflichten ihm verbieten, die freiwillig verliehene von sich zu weisen.

Gnade für Iene, die noch der Tod dem Walten der Gnade
Eurer Majestät nicht entrückt hat.

Für Alle, die bei ihrer Liebe zum Vaterlande, inmitten großartiger sinnverwirrender Ereignisse, von der Bahn ihrer Pflicht » erfüllung einmal weggelockt, den ehrenvollen Weg zur Rückkehr theils zu spät betraten, theils unübersteiglicher Hindernisse wegen gar nicht wieder betreten konnten; und deren treue Vaterlandsliebe eben zu der sichern Erwartung berechtigt, sie würden ihre heilige Schuld an das große gemeinsame Vaterland durch aufopferndes Mitwirken bei der Heilung der Wunden, die sie einst schlagen halfen, mit dreifachen Zinsen abtragen.

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Die auf den Gnadenwink Eurer Majestät entriegelten düstern Gefängnisse, die durch die Gnadenworte «Vergeben und Vergessen« ihrer traurigen Pflicht enthobenen Purifieationseommissionen würden Tausenden ihre Freiheit, ihre Heimat, ihre achtbare Stellung in der Gesellschaft, — dem gemeinsamen Vaterlande eine große Anzahl intelligenter treuer Bürger, dem Staate manchen fähigen erprobten Diener wiedergeben.

Der Besorgniß eines schändlichen Misbrauchs der Gnade Eurer Majestät widerspricht jeder Zug im allgemeinen Grundcharakter der Magyaren, und selbst bei den Nichtmagyaren unter meinen unglück

, „^^/lichen Gefährten schwindet jene Besorgniß vor der Erinnerung an ihre freiwillige Unterwerfung.

Ein einziger Federzug gewänne Eurer Majestät Millionen dankbar ergebener Herzen — ein sicherer Hort zu jeder Zeit — und Milliarden banger, wenngleich lautloser Klagen würden zu hoch freudig ertönenden Segenswünschen für Franz Ioseph den Großmüthigen."

Vier bis fünf Wochen später waren mehrere meiner Kampfgenossen amncstirt, jene nämlich, die gleich mir in die Kategorie der sogenannten quittirten Offiziere zählten, d. h. aus dem Offi ziersstande der k. l. österreichischen Armee zwar schon vor dem Ausbruche des Krieges zwischen Ungarn «nd Oesterreich getreten waren, bei ihrem Austritte jedoch schriftlich gelobt hatten, nie gegen die Heere Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreick zu fechten.

Die Kundmachung dieses Gnadenaetes veranlaßte mich, folgendes Schreiben an den Herrn Minister des Innern gelangen zu lassen.

„An Sc. Eiccllcnz den Herrn Minister des Innern, Alexander von Bach.

Der jüngste Gnadenaet Sr. Majestät, welchem Alle, die als quittirte k. k. Offiziere in der revolutionären ungarischen Armee Dienste nahmen und deshalb von den Kriegsgerichten verunheilt worden, ihre Erlösung aus den Kerkern verdanken, hat die schöne Bedeutung jener trostreichen Worte, mit welchen mich Euer Ereellenz hier entließen, überraschend enthüllt. Die Herzen der nunmehr ihren Familien, ihren Freunden Wiedergeschenkten überströmen in lauten Segenswünschen für jene Männer, welche den Gedanken der Gnade in des Monarchen Herz fallen und darin aufkeimen ließen zur herrlichen That. Ihre Namen, es nennt sie keine der öffentlichen Stimmen; mich aber drängt es gleichwohl, fest daran zu glauben, daß diese Amnestirung einer namhaften Zahl meiner Gefährten von Eurer Ereellenz gewiß auf das entschiedenste bevorwortet worden, und zwar nicht etwa in Folge der hoffnungslosen Schritte, welche ich gewagt, sondern vielmehr trotz derselben; denn ich anerkenne es wohl, wie Alles, was ich mündlich und schriftlich zu Gunsten meiner Gefährten hervorzuheben wähnte, viel mehr aufzureizen als zu versöhnen geeignet war. Kam es doch von mir, dem lebendigen Zeugniß, dem unwiderlegbaren Vorwurfe, daß den Theilnehmern an der ungarischen Revolution die strafende Gerechtigkeit keineswegs mit gleichem Maße zugemessen worden.

Auf den ersten oberflächlichen Blick scheint nun diese Ungleichheit — lassen wir die Todten ruben — gehoben: denn auch ich gehöre ja zu der Kategorie der quittirten k. k. Offiziere. Wer aoer den beschränkten politischen Horizont der Soldaten einerseits und die in der Geschichte ziemlich vereinzelt dastehenden Ereignisse des Sommers 1848 andererseits nicht übersieht, vermag sich der Besorgniß kaum zu erwehren, daß der Vorwurf der Ungleichheit im Strafen und Vergeben durch die Begnadigung aller quittirten Offiziere, angesichts der noch immer verurtheilten aetiven, nur eine breitere Grundlage gewonnen.

Der Monarch, dessen Wille dem Heere Gesetz ist, ward im Sommer des Iahres 1848 durch zwei einander lähmende und dennoch legitime Ereeutivgewalten vertreten, das Heer durch besondere Fahneneide zwischen beiden getheilt. Von beiden öffentlich desavouirt, von einer derselben jedoch insgeheim unterstützt, erhob sich außerdem noch eine dritte nationale Militärgewalt und schleuderte mit unseliger Hast zuerst den Feuerbrand des Bürgerkriegs von Süden her ins Herz der Monarchie.

Inmitten dieser allgemeinen Verwirrung gelang es nur Wenigen, zu errathen, für welche der beiden legitimen Ereeutivgewalten der Monarch sich mit gleichzeitiger Desavouirung der andern erklären werde; denn die Proclamationen, welche geeignet waren, manchen vereinzelten Truppenkörper, dem sie direet zukamen, über den wahren Willen des Monarchen aufzuklären, wurden den übrigen entweder gar nicht, oder bereits zu spät und obendrein noch in entkräftender Weise mitgetheilt. Die ersten Schritte des nach Ungarn beorderten Militärs für die Aufrechthaltung der in Wien bereits eassirten ungarischen Erecutivgewalt geschahen somit unter dem moralischen Einflusse des jüngsten Fahneneides, aus Gehorsam, dem Grundprineipe des Bestehens aller geregelten Kriegsmacht.

Die nun bereits begnadigten quittirten Offiziere unterlagen diesem Einflusse nicht. Sie brachen ihr im Quittirungsreverse gegebenes Versprechen, nie gegen die Truppen Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich mit den Waffen in der Hand zu dienen, aus freiem, selbständigem Entschluß.

Durch die Begnadigung dieser Letztern gewinnen demnach die

noch fortwährend im Vollzug begriffenen Verurtheilungen der activen Offiziere einen Ausdruck von Härte, welcher nicht nur leicht vergessen läßt, daß auch diese bereits im Gnadenwege gemilderte sind, welcher überdies noch das natürliche Mitleid der Menge für die Bestraften zu einer Art Märtvrercultus mit all seinen, namentlich für Oesterreich bedauerlichen traditionellen Consequenzen steigern könnte.

Der bescheidene Ausdruck eines tiefen Dankgefühles, welchen ich meinen Worten zu geben wünschte, ward durch den steten Hinblick auf so manches noch unentriegelte Gefängniß nach und nach in den fast prätensiven einer motivirten Fürbitte umgewandelt; und während ich dies wahrnehme, wird auch der Zweifel wieder in mir rege, ob ich hierdurch nicht vielleicht eben dort schade, wo ich nützen wollte. Es könnte dieser Zweifel mich im Interesse meiner Gefährten für immer verstummen machen, entkräftete ihn nicht die Ueberzeugung, daß Euer Ereellenz, die unwiderstehliche Wirkung der Milde auf das menschliche Herz in ihrer ganzen Größe erkennend, unbekümmert um die widersprechende Parteiansicht, das Versöhnungswerk mit jenem sichern Erfolge der Vollendung zuführen werden, mit welchem es bereits so schön begonnen.

Klagenfurt, am 30. Iuni 1850."

Ich gebe diese Schriftstücke deshalb hier im Vorwort, weil ich glaube, daß ihr Inhalt geeignet sein dürfte, dem Leser die Freimüthigteit der nachstehenden Aufzeichnungen aus meinem Leben und Wirken in vorhinein zu verbürgen.

Was an geschichtlichen Documenten von Werth zufällig in meinem Besitze geblieben, erscheint an den geeigneten Stellen theils dem Wortlaute nach, theils in sinngetreuer Übertragung aus dem Ungarischen ins Deutsche mitgetheilt.

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