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siebentes Capitel.

Erste Proclamation dc« Firsten Nindisch'Gräh und deren Folgen, — Eine Vorberathung bci Rüga über die bevorstehende dritte Ueberschreitung der Grenze, — Strciflicht auf die beiden ersten Neberschrcitungen der Grenze. — Der Krieg«rath von Mel«dorf. — Kossuth in Parendorf, — Scin Ultimatum an den Firsten Nindisch-Gräh, — Die Agitationen im sager für die Offensten, — Gesangennehmung cine« ungarischen Parlamcntär« im ftind° lichen Lager und deren Folgen,

<3ie Unterbrechung des zweiten Offensivversuches vom 21. October ward dadurch motivirt, daß man erst Kossuth abwarten müsse, welcher mit einer Verstärkung von I2,000 Mann und mehrern Batterien bereits im Anrücken sei.

Mittlerweile gelangte die erste Proelamation des F.-M. Fürsten Windisch-Grät z an die regulären Truppen in das Lager bei Parendorf. Sic war unverkennbar auf die Einschüchterung berechnet, verfehlte jedoch ihren Zweck ganz und gar. Die Offiziere der regulären Truppen empfanden blos gerechte Entrüstung darüber, daß Fürst WindischGrät z den Bruch des Fahneneides bei ihnen subsummire und sie unter Androhung der Todesstrafe von einem Posten abberufe, der ihnen von ihrem Monarchen anvertraut, auf welchem sie von dessen Neffen, dem Palatin von Ungarn, gegen den Ban Iellachich gemustert worden.

Auf die allgemeinen Debatten über die Frage: ob die Lajtha nochmals überschritten werden solle, oder nicht? hatte indessen das Erscheinen dieser Proelamation dennoch wesentlichen Einfluß. Zahlreiche Stimmen ließen sich nämlich wieder gegen die Ueberschreitung der Lajtha vernehmen; weil — meinten sie — die Offensive nun nicht mehr dem Ban Iellachich allein, sondern auch dem Fürsten Windisch-Grätz gelten würde, welcher bisher gegen Ungarn eigentlich noch nichts Feindliches unternommen hatte. Zwar widersprachen Andere dieser Ansicht, indem sie behaupteten, Fürst Windisch-Grätz hätte seine Feindseligkeit gegen Ungarn bereits deutlich genug durch seine Vereinigung mit dem Ban Iellachich an den Tag gelegt, und eben daß er dies gethan, berechtige noch mehr zur Offensive; die letztere Meinung behielt jedoch die Mehrzahl gegen sich.

Meinem Urtheile nach bedingten beide Behauptungen die unerläßliche Entscheidung der Vorfrage: ob und inwiefern die feindselige Ueberschreitung der Grenze zum Schutze der bedrohten Landesverfassung nothwendig sei oder nicht? Diese Entscheidung stand aber nur dem Reichstage zu. Solange diese nicht bekannt war, schien mir jede Betheiligung an den Agitationen für oder gegen die Offensive zwecklos. Ich hielt mich derselben ferne.

Als ich aber bald nach dem Erscheinen der erwähnten Proclamation in das Hauptquartier nach Parendorf berufen, und von Möga in Gegenwart mehrerer Stabsoffiziere geradezu aufgefordert wurde, meine Meinung über die bevorstehende Offensive unverhohlen abzugeben: da stimmte ich aus rein militärischen Rücksichten entschieden dagegen.

„Ia hier", rief Möga in sichtlicher Bewegung, „schreien Alle dagegen; vor den Commissären aber getraut sich Keiner auch nur den Mund aufzuthun, und ich werde dann jedesmal überstimmt. „Auf Sie allein", fuhr er, zu mir gewendet, fort, „vertraue ich noch! Fassen Sie Muth, und sprechen Sie vor dem Präsidenten ebenso unumwunden, wie Sie jetzt hier gesprochen haben."

Erst nach diesem Auftritte sing ich an zu begreifen, wie es beiläufig zugegangen sein mochte, daß die Lajtha bereits zweimal überschritten, und die begonnene Offensive dennoch wieder abgebrochen werden konnte, ohne daß wir, so zu sagen, den Feind auch nur gesehen hätten.

Die Lösung des Räthsels lag unverkennbar in der Erbärmlichkeit der Mehrzahl jener Personen, welche vermöge ihrer Stellung im Lager wie im Hauptquartier berufen waren, auf die Beschlüsse des Kriegs rathes Einfluß zu nehmen. Diesseits der Lajtha stimmten sie, aus Furcht vor den Commissären, gegen Möga, und die Grenze mußte offensiv überschritten werden; jenseits der Lajtha aber stimmten sie, aus noch größerer Furcht vor dem nahen Feinde, gegen die Com missare, und Möga durfte die Armee wieder nach Parendorf zurückführen.

Diese Erfahrungen mochten den Armeecommandanten bestimmi haben, seinen Kriegsrath, noch vor der Ankunft des Präsidenten Kos suth, durch einige neue etwa verläßlichere Mitglieder zu verstärken. Dies der muthmaßliche Grund meiner plötzlichen Berufung in das Hauptquartier. Ich hatte mich verspätet, und trat erst, nachdem bereits alle übrigen Mitglieder des Kriegsrathes ihre, der meinen ähnliche Ansicht über die Offensive ausgesprochen hatten, in das Gemach, in welchem der Kriegsrath abgehalten wurde. Wahrscheinlich hatten meine Herrn Collegen bei der Abgabe ihrer Stimmen das vormärzliche: „pflichtschuldigst einverstanden mit Sr. Ercellenz dem hochgeborenen Herrn Referenten!" so stark vorleuchten lassen, daß Möga sich im vorhinein abermals verlassen sah, wenn er mit diesem Kriegsrathe den eben verhandelten Gegenstand vor dem Präsidenten des Landesvertheidigungs-Ausschusses, Kossuth, zur Sprache brächte: und daher der Unwille, mit welchem er auch meine Aeußerung hinnahm; daher endlich auch die bei mir überflüssige dringende Aufforderung, die eben ausgesprochene Ueberzeugung selbst in Gegenwart des Präsidenten zu vertreten.

Die Gelegenheit hierzu sollte sich bereits nach wenigen Stunden ergeben. Kossuth ward am Abende desselben Tages in Nikelsdorf (!Nilil65lalva) erwartet; und Möga beschloß, mit dem versammelten Kriegsrathe ihn daselbst zu empfangen.

Ein Theil der Verstärkung, welche Kossuth mitbrachte, war bereits in Nikelsdorf angekommen, als wir von Parendorf daselbst eintrafen. Bald erschien auch Kossuth. Eine Viertelstunde später war der Kriegsrath auf dem Absteigquartiere des Präsidenten unter dessen Vorsitz versammelt.

Kojsuth eröffnete die Berathung mit einer darauf berechneten Rede, die Ucberschreitung der Landesgrenze zu Gunsten des belagerten Wien als eine für Ungarn moralische Nothwendigkeit, jeden Gedanken an deren Unterlassung als einen unehrenhaften hinzustellen. Er schilderte mit lebhaften Farben das Verdienst der Wiener um Ungarns junge Freiheit; ihre hochherzige Aufopferung für Ungarns Wohl, und endlich die Drangsale der Blockade, welche sie dadurch über ihre Stadt heraufbeschworen hatten.

„Noch steht Wien", so schloß er beiläufig seine Rede, „noch ist der Muth seiner Bewohner, unserer treuesten Verbündeten gegen die Angriffe der reactionären Feldherren, ungebrochen. Allein ohne unsere Hilfe müssen sie dennoch unterliegen, denn sie kämpfen einen zu ungleichen Kampf.

„Darum lassen Sie uns eilen, meine Herren, eine Schuld abzutragen, welche uns — eingedenk dessen, was wir unfern Brüdern in Wien verdanken — geheiligt erscheinen muß.

„Wir müssen den Wienern zu Hilfe! Die Ehre der Nation erheischt dies von uns. Und wir können es thun mit Siegeszuversicht, denn ich führe dem tapfern Heere, welches den fliehenden Feind erst kürzlich bis über die Grenze hinaus vor sich her trieb, 12,000 unerfahrene zwar, aber von patriotischem Kampfesmuth beseelte Krieger zu, welche vor Begierde brennen, ihren erprobten Kameraden den Lorbeer auf dem Schlachtfelde streitig zu machen. Ia, wir werden es thun! Wir werden vorrücken! Unsere Freunde in Wien zählen ängstlich darauf: und der Ungar hat seinen Freund noch nie im Stiche gelassen!" —

Hierauf nahm Möga das Wort, allein sichtlich nur in der Absicht, die Discussion von dem Felde der Gefühlspolitik abzulenken und uns theils den Fahneneid in Erinnerung zu bringen, theils auf die diseiplinären Mängel der Armee aufmerksam zu machen, und damit einen Fingerzeig zu geben, von welchem Standpunkte wir einzig und allein die Vor- und Nachtheile der Offensive, wie deren Zu- oder Unzulässigkeit zu beurtheilen und danach unsere Stimmen abzugeben hätten. Er schloß seine, übrigens nicht cfsiectlose Rede mit einer kräftigen Aufforderung au alle Mitglieder des Kriegsrathes, ihre Ueberzeugung ungescheut auszusprechen.

Ein langes Schweigen war die trostlose Antwort auf diese Aufforderung. Ich schwieg aus Rücksicht gegen meine altern Kameraden. Als aber Möga mit den Worten: „Nun so sprechen Sie doch, meine Herren! Sie haben ja in Parendorf sehr entschieden gesprochen!" seine Aufforderung wiederholt hatte, da setzte ich jede Rücksicht bei Seite und: „Obschon eines der jüngsten Mitglieder der Versammlung", begann ich, „an Rang wie an Erfahrung, ergreife ich dennoch zuerst das Wort, weil das Schweigen meiner ältern Kameraden anzudeuten scheint, daß sie ssch das spätere Votum vorbehalten wollen.

„Der Herr Präsident hat uns die Nothwendigkeit der Offensive zu Gunsten Wiens vom politischen Standpunkte aus beleuchtet."

„Mir ist weder die Solidarität zwischen unserm Nothwehrkampfe und der Wiener Erhebung klar, noch kenne ich die nähern Beziehungen zwischen den Wiener und Pester Ereignissen; ja selbst über die nackten Thatsachen drangen nur unverbürgte Nachrichten ausnahmsweise bis zu mir.

„Die Dringlichkeit unserer Offensive gegen die feindliche Armee jenseits der Lajtha zu erörtern, muß ich somit Denen überlassen, welche durch ihre politischen Einsichten, ihre Erfahrungen über den Zusammenhang und das innere Wesen der Ereignisse außerhalb der Grenzen unsers Vaterlandes mit denen innerhalb derselben, wie endlich durch ihre öffentliche Stellung hierzu berufen sind.

„Wenn man mir befiehlt, die Grenzen Ungarns in feindseliger Absicht zu überschreiten: so werde ich — unfähig, die politische Tragweite dieses Schrittes gegenwärtig zu beurtheilen — ohne Widerrede gehorchen. Fragt man mich aber, ob ich in unsern gegenwärtigen Verhältnissen zu dieser Offensive rathe: so vermag ich eine Antwort darauf blos vom militärischen Gesichtspunkte aus, und zwar aus folgenden Betrachtungen, zu entwickeln:

„Abgesehen von der numerischen Ueberlegenheit des Feindes, haben wir uns blos zu fragen, ob unsere Armee in jener Verfassung sei, welche das Gelingen einer Offensiv-Operation im Allgemeinen, ins

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