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Während ich nun mit der Cavalerie den längern Weg über Kälozd fortsetzte, empfahl ich Perezel, der mittlerweile noch kaum das Lager bei Csösz verlasseii hatte, den kürzern Weg, damit er die verlorene Zeit wieder einbringe. Das Resultat späterer Erkundigungen stellte jedoch in Abrede, daß die directe Communicationslinie zwischen Läng und Degh für schweres Fuhrwerk prakticabel sei.

Ich zeigte dies dem Oberst Perezel unverweilt an, und warnte ihn noch bei Zeiten ausdrücklich davor, den eben erst empfohlenen Weg einzuschlagen, wenn dessen Prakticabilität für Geschütz nicht früher außer allen Zweifel gestellt werden könne.

Allein Perezel ließ diese Warnung unbeachtet, marschirte von Läng nicht über Kälozd, sondern geradezu auf Degh, stieß auf bedeutende Hindernisse und kam mit den ermüdeten und ausgehungerten Truppen erst spät am Abend im letztern Orte an, wo ich mit den Husaren den Feind sch^'i i um Mittag erreicht hatte, ohne ihn mit Erfolg angreifen und in seinem geregelten Rückzuge wesentlich beirren zu können.

Durch diesen neuen Zeitverlust ward dem Feinde, der ihn trefflich zu benutzen verstand, abermals ein bedeutender Vorsprung gewährt, unsere Truppen hingegen waren unnützerweise übermäßig fatiguirt worden.

Der Schluß lag nahe, daß ähnliche Ungeschicklichkeiten, öfter wiederholt, unsere Absicht vereiteln dürften, welche in der That keine geringere war, als die gänzliche Aufreibung des Roth'schen Corps.

Seltsam eontrastirte mit dieser Besorgniß der Inhalt eines, vom Landesvertheidigungs-Ausschusse des Reichstages am Morgen desselben Tages an mich gelangten Schreibens. In diesem ward mir als selbständigem Commandanten unserer Erpedition gegen General Roth der Auftrag ertheilt, sobald ich dessen Corps werde vernichtet haben, einem andern feindlichen Parteigänger — ich weiß nicht mehr welchem — dasselbe Schicksal zu bereiten.

Ich hatte dies Schreiben Perezel, noch bevor er mit unserm Gros von der Kalözder Straße abgewichen war, im Originale mitgetheilt, und wollte anfänglich ihm die Beantwortung desselben überlassen. Im Laufe des Nachmittags jedoch entschloß ich mich — aufgebracht über das lange Ausbleiben der Haupttruppe — selbst, und zwar in folgender Weise, darauf zu antworten:

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„Bereits seit dem 3. d. M. der Oberleitung jener Kriegsoperationen enthoben, welche die Aufreibung des unter dem Commando des k. k. Generals Roth stehenden kroatischen Hilfseorps zum Zwecke haben, mußte ich aus der heute erhaltenen Verordnung des Landesvertheidigungs-Comitcs mit nicht geringer Ueberraschung entnehmen, daß man von mir nicht nur die Vernichtung des genannten Corps, sondern auch noch die Zurückweisung der mit einem Einbruch drohenden Serben erwarte.

„Der Landesvertheidigungs-Ausschuß scheint gar nicht zu wissen, was im Lager vorgeht, und ich nehme mir die Freiheit, hiermit zu erklären, daß ich die Verantwortung für die Erfolge dieses Feldzuges gegen Roth in keiner Weise auf mich nehmen könne, überzeugt, daß es die größte Ungerechtigkeit sei, Iemanden ob der Fehler eines Andern zur Rede zu stellen.

„Unsere Sache ist mir zu heilig, als daß ich Anstand nehmen sollte, die Wahrheit selbst dann auszusprechen, wenn deren Offenbarung den Schein niedriger Scheelsucht wider sich hätte.

„Dies vorausschickend, mache ich den geehrten Reichstag darauf aufmerksam, daß zu einer guten Truppenführung außer der Rednergabe und einem guten Willen auch noch militärische Kenntnisse erforderlich seien.

„Das am 2. mir übertragene Commando habe ich bereits am 3. an den Herrn Obersten Perezel übergeben müssen. Degh, am 6. October 1848."

Zugleich schrieb ich auch an Perezel, machte ihm gegründete Vorwürfe wegen des durch seine Unvorsichtigkeit veranlaßten Zeitverlustes und zeigte ihm meinen festen Entschluß an, vorläufig im Sinne des obigen Schreibens, falls aber durch seine Schuld dieser Feldzug zum großen Nachtheile des Vaterlandes verunglücken sollte, noch energischer gegen ihn aufzutreten.

Hierdurch beabsichtigte ich: entweder Perczel, dessen militärische Fähigkeiten mir leider nicht das geringste Vertrauen einflößten, für die Annahme meiner eigenen Nathschläge bezüglich der einzuleitenden Operationen geschmeidiger zu machen, oder meine Entfernung von seinem Corps zu bewirken; denn ich konnte mich mit dem Geiste, in welchem Perczel den Krieg zu führen begann und welcher sich bereits in den ersten Tagen deutlich genug ausgesprochen hatte, schlechterdings nicht befreunden.

Indessen benutzte ich den für eine bedeutende Unternehmung gegen den Feind bereits verlorenen Nachmittag dazu, um dem von Degh noch am selben Tage gegen Ozora am Siö-Flusse retirirenden kroatischen Corps mit einigen Husaren bis an den Saum des zwischen den genannten Orten gelegenen Waldes beobachtend zu folgen, und über die Wirksamkeit des im Rücken des Feindes organisirten südlichen (Tolnaer) Landsturmes möglichst genaue Erkundigungen einzuziehen.

Diese lauteten ziemlich günstig. Die Uebergänge über den SiöFluß im Bereiche der Rückzugslinie des Feindes seien — hieß es — bereits zerstört, und wir könnten sonach sicher darauf rechnen, den hierdurch aufgehaltenen Feind am folgenden Tage in der Nähe von Ozora zu erreichen; doch, meinten die Bewohner der Gegend, wäre es nicht rathsam, den vorliegenden Wald mit Geschütz zu passiren, weil das Fortbringen großer Lasten, auf den im sandigen Boden sehr tief ausgefahrenen Wegen, ungemein beschwerlich sei. Umgangen könne dieser Wald — so ward mir ferner berichtet — zu unfern Zwecken blos an seinem östlichen Ende werden, und zwar auf einem ziemlich guten Feldwege, welcher von Degh über Szilas-Balhäs nach Ozora führt; dies sei aber ein bedeutender Umweg, und es wäre demnach rathsam, die Umgehungseolonne noch vor Einbruch der Nacht nach Szilas-Balhäs in Marsch zu setzen, damit sie am nächsten Morgen nicht zu erschöpft auf dem Kampfplatze erscheine.

Der nördliche Saum des erwähnten Waldes ist von dem Orte Degh beiläufig eine Stunde Weges entfernt. Bis zu diesem war ich dem Feinde gefolgt. Ein ferneres Nachrücken schien gefährlich, ja überflüssig, da alle Aussagen der Bewohner dieser Gegend darin übereinstimmten, daß der Feind nur Eine Direction, und zwar die auf Ozora, nehmen könne, wenn anders der Uebergang über den Siö-Fluß in sei ner Absicht läge. Ich kehrte also mit der Avantgarde nach Degh zurück, und schickte die vom Gros zuerst eingetroffene Artillerie, ohne die Ankunft Perezel's abzuwarten und vorerst seine Zustimmung einzuholen, sogleich sammt der Cavalerie nach Szilas-Balhäs ab.

Erst mit Einbruch der Nacht traf Perezel persönlich in Degh ein. Er stellte mich wegen meines letzten Schreibens an ihn heftig zur Rede. Dabei ging er so weit, mich ob der Ohnmächtigkeit meiner Schritte gegen ihn zu verhöhnen.

„Sie wissen vielleicht nicht", rief er, „daß meine Partei nicht nur im Reichstage, sondern auch beim Landesvertheidigungs-Ausschusse die herrschende ist, und daß es mich nur ein Wort kostet, um Sie jeden Augenblick zu zermalmen!?"

Meine Antwort, daß ich nicht seiner Partei, sondern meinem Vaterlande diene und für dessen Wohl selbst gegen seine Partei einstehe, erbitterte ihn noch mehr. Er ließ die Führer der verschiedenen selbständigen Abtheilungen seines Corps zu einer Art Purisicationscommission zusammentreten und lud mich vor dieselbe. Den Vorsitz in der Commission vindieirte er sich selbst.

„Dieser Herr Major", so eröffnete er, auf mich deutend, die Verhandlung, „hat, wie Ihnen, meine Herren, bekannt ist, selbst eingestanden, daß er gefehlt habe, als er vorgestern, als Commandant meiner Avantgarde, mit dieser — während das Gros noch in Szolga Eguhaza stand — bis Täez vorrückte und einen Angriff aus diesen vom Feinde stark besetzten Ort für sich allein wagte. Ferner hat dieser Her r Major gestern Abend abermals eigenmächtigerweise eine Vorrückung mit der Avantgarde von Täez bis Csösz unternommen, ohne mich davon auch nur in Kenntniß gesetzt zu haben. Und dieser Herr Major wagt es, meine Schritte zu tadeln und mich bei einer Regierung, welche durch meine Partei, aus meiner Partei eingesetzt worden, zu denuneiren."

(Einige Mitglieder der Purisicationscommission äußerten lebhafte Entrüstung.) i

„Verantworten Sie sich!" schrie Perczel mir zu, nachdem er geendet hatte.

„Die strenge Kritik", erwiderte ich, „welcher ich meine eigenen Handlungen unterziehe, berechtigt mich zu der gleich strengen Beurtheilung der Handlungen Anderer. Sie haben heute", fuhr ich fort, „gegen meine Vorstellung, unsere Haupttruppe auf einen Weg geführt, von dessen Praktieabilität Sie keineswegs überzeugt sein konnten. Sie stießen in Folge dessen auf Hindernisse, deren Beseitigung Sie jene Zeit kostete, welche Sie — wenn Sie meinen Vorstellungen Gehör gegeben — hätten ersparen und benützen können, um den fliehenden Feind noch heute einzuholen und anzugreifen. Diese verlorene Zeit einzubringen, steht nicht mehr in Ihrer Macht. Der Feind hat durch Ihr Verschulden einen Vorsprung gewonnen, der — weise benützt — ihn unserer Verfolgung auf immer entziehen kann. Nur ein glücklicher Zufall vermag diesen Schaden wieder gut zu machen. Dieser wird — träfe er auch ein — außer dem Bereiche Ihres Verdienstes liegen. Wohl aber kann durch Wiederholung eines Fehlers, wie der, welchen Sie heute begingen, auch der glücklichste Zufall ohne günstige Folgen für uns bleiben. Dies ist der weiteste Sinn der wenigen Worte, welche ich Ihnen heute Nachmittag schrieb."

„Ich hätte es dabei bewenden lassen können, wenn mir nicht — wie Ihnen bekannt ist — ein Schreiben des LandesvertheidigungsAusschusses zugekommen wäre, worin mich dieser als selbständigen Commandanten behandelt, und für die Erfolge dieses Feldzuges verantwortlich macht. Ich bin es mir selbst schuldig, die Verantwortlichkeit für Ihre Fehler abzulehnen. Dies habe ich in meiner Antwort an den Landesvertheidigungs-Ausschuß gethan, und ihn zugleich aufmerksam gemacht, daß er in Zukunft bei der Wahl selbständiger Commandanten mehr Vorsicht gebrauche. Damit Sie aber wissen mögen, wie Sie mit mir stehen: habe ich Sie gleichzeitig von diesem meinem Schritte gegen Sie in Kenntniß gesetzt."

„Subordinationswidrig mag Ihnen demnach mein Benehmen erscheinen, und Sie können dafür die gesetzmäßige Strafe über mich verhängen. Derjenige aber ist ein Schurke, der sich erfrecht, mich in Folge eines so offenen Benehmens der Denuneiation anzuklagen!"

Nach dieser Entgegnung blieben Perezel scheinbar nur zwei Wege

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