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Herausgabe. Der Chef des Generalstabs vom 7. Armeecorps nahm die Sache ernst und ließ Dembinski eine Wache vor die Thüre stellen.

Ich billigte vollkommen diese Maßregel, und machte sogleich dem Regierungs-Obereommissär Szemere die Anzeige von Dembinski's Verhaftung. Auf diese Wendung der Dinge war Szemere nicht gefaßt gewesen, erklärte sich mit der Verhaftung Dembinski's durchaus nicht einverstanden und setzte diesen sogleich wieder in Freiheit.

Tags darauf traf der Präsident Kossuth mit dem Kriegsminister Mcszäros und F.-M.-L. Vetter in Tisza-Füred ein.

Szemere hatte nämlich — zweifelsohne gleich nach dem Anlangen meines letzten Poroszlöer Schreibens an Dembinski — nach Debreezin berichtet, daß in der Armee Meuterei ausgebrochen sei.

Noch vor diesem Schreiben Szemere's waren zwei Stabsoffiziere, von Klapka und mir abgeordnet, in Debreezin eingetroffen, um der Regierung über die nächsten Ursachen des mislichen Fortganges unserer Kriegsoperationen die Augen zu öffnen.

Diesen Schritt nahm die Regierung für ein den Bericht Szemere's bestätigendes Vorzeichen.

Daher die Eilfahrt Kossuth's von Debreezin nach Tisza-Füred.

Nun begann ein großartiges Verhör mit den Stabsoffizieren der Armee. Die Spitze desselben war gegen mich gerichtet.

Als Verhörrichter fungirten Mcszäros und Vetter.

Mein Poroszlöer Schreiben an Dembinski schien nicht genügend, um auf dieses allein hin mir den Proeeß zu machen, während man Dembinski dennoch eclatante Satisfaclion zu geben wünschte.

Dieser mochte — wie am Morgen des 2. März in Poroszlö vor mir, so jetzt in Tisza-Füred vor Kossuth und dessen Begleitern — die Schuld an seinem (Dembinski's) Rückzuge hinter die Theiß auf die Armee selbst und namentlich auf Klapka und mich gewälzt und somit den Verdacht angeregt haben, daß wir Beide durch absichtliches Herbeiführen ungünstiger Gefechtsresultate — an den Tagen von Käpolna und Eger-Farmos zum Beispiel — die Durchführung seines uns unbekannten Operationsplanes vereitelten, um ihn (Dembinski) als ungarischen Oberfeldherrn für die Zukunft unmöglich zu machen.

Die Enthüllung von Thatsachen, welche diesen Verdacht bestätigen sollten, schien somit der Endzweck jener Verhöre. War dieser erreicht, so sielen zwei Fliegen auf einen Schlag: „Dembinski" und „Sieg" würden aufgehört haben Widersprüche zu sein, ich und meine Proclamation von Waizen aber hätten ausgerungen!

Die letztere nämlich verursachte Kossuth viel Kummer. Hauptsächlich um ihre und ihres Verfassers Bedeutung unschädlich zu machen, ward Dembinski von Paris verschrieben, wurden die selbständigen Armeedivisionen erfunden. Das kön. ungarisch - conftitutionelle Armeeeorps von der obern Donau sollte in der polnisch »ungarischen Revolutions - Armee aufgehen, damit „Oetavianus"-Kossuth endlich ungenirt mit „Antonius"-Bem und „Lepidus"-Dembinski „Triumvirat en mmmtnre" spielen könne.

Ie mehr nun das unerwartete Fiaseo Dembinski's die bereits so heitern Aussichten hierzu wieder umnebelte, desto sehnlicher mußte begreiflicherweise Kossuth wünschen, daß sich „die Schuld an diesem Fiaseo" Klapka und mir nachweisen lasse. Meszäros und Vetter inquirirten demnach — ich weiß nicht mehr, wieviel Tage hindurch aus Leibeskräften.

Allein sie fanden nicht, was sie suchten.

„Dembinski" und „Sieg" blieben fortwährend Widersprüche; ich und die Proclamation von Waizen sollten noch immer nicht ausgerungen haben!

Meine Strafe für den Ungehorsam gegen Dembinski beschränkte sich auf eine langathmige humoristische Leetion, mit welcher Meszäros — nachdem sämmtliche Stabsoffiziere vernommen waren — mich eines Tages, unmittelbar nach Tische, in Gegenwart Vetter's bedachte.

„ln vino veriw«" — begann er beiläufig — „sagt ein lateinisches Sprüchwort; ich habe daher heute absichtlich einige Gläser Wein über den Bedarf zu mir genommen, um Ihnen desto unumwundener die Wahrheit zu sagen. Bald nach Ihrer Ernennung zum General und Commandanten des obern Donau - Armeecorps mußte ich bemerken, daß Sie dem Kriegsminister jene Rücksicht vorenthalten, welche Sie ihm, dächte ich, schuldig gewesen wären. Unzählige Male haben Sie mich mit Ihren Vorschlägen an den Landesvertheidigungs-Ausschuß gänzlich übergangen. «Der alte Meszäros ist ein alter Zopf; wozu den Zeitverlust?» mochten Sie dabei gedacht haben. Ich fügte mich darein, denn ich bin kein Freund vom Fingerziehen. Da erfuhr ich eines schönen Morgens, daß Sie plötzlich den alten Meszäros als die einzige Autorität proelamirt haben, welche Sie im Lande anerkennen. Sie begreifen wohl mein gerechtes Erstaunen darüber? begreifen wohl, wie schwer es mir geworden, den Grund dieser von Ihnen am allerwenigsten erwarteten Auszeichnung meiner Wenigkeit zu begreifen? begreifen wohl, welche Mühe es mir machte, um mich blos in meine neue Würde, als einzige von Ihnen anerkannte Autorität im Lande, recht hineinzudenken. Endlich gelang mir dies, und ich glaubte nun desto gewisser auf Ihren Gehorsam rechnen zu dürfen, je mehr Sie in dieser Beziehung noch aus früherer Zeit gut zu machen hatten. Allein welche Enttäuschung! Sie geruhten blos zu scherzen, und haben mir eben so wenig nach wie vor gehorcht, und gehorchten eben so wenig in jüngster Zeit dem Manne, welchen ich Ihnen zum Obereommandanten gegeben habe. Es scheint also, als wären Sie von der Vorsehung ausersehen, das Sprüchwort «Wer befehlen will, müsse erst gehorchen lernen» Lügen zu strafen." . . .

Dieser Einleitung folgten dann einige rhapfodische Vorträge aus dem Dienstreglement der k. k. österreichischen Armee, und ein gemüthliches „Nichts für ungut" überzuckerte zum Schluß auch noch die wenigen im Conterte des harmlosen Verweises dem gutmüthigen alten Herrn wahrscheinlich gegen seinen Willen entschlüpften Bit terkeiten.

Ich glaubte mich für so viel wohlwollende Nachsicht nicht dankbarer erweisen zu können, als indem ich, die Erörterung der mir vor geriebenen Inconsequenzen in meiner Haltung Meszäros gegenüber mit schonendem Stillschweigen übergehend, mich auf die Rechtfertigung meines Ungehorsams gegen Dembinski durch einige Gegeneitate aus eben demselben Dienstreglement beschränkte, aus wel

chem der eigentlich verweisende Theil der Rede des Kriegsministers geschöpft war.

Meszäros benutzte meine Antwort als Anknüpfungspunkt, um mir hierauf bekannt zu geben, daß Dembinski bereits vom Obercommando entfernt sei und Vetter dasselbe übernehmen werde.

Zweiunddreissigstes Capitel.

Oberst Johann Damjllnic« siegt bei Szolnok. — Dembin«ki läßt un« nachträglich seinen dperlllion«plon erkennen.

Aossuth hatte entweder nicht den Muth, dem von der Stabsoffizier-Versammlung über Dembinski gefällten Urtheile entgegenzutreten, oder er erkannte es als ein gerechtes an; genug — Dembinski erhielt für die erlittene Schmach augenblicklich keinerlei mir bekannte Genugthunng. Er mußte selbst dazu sehen, wie er sich tröste oder räche.

Einige Tage nach erfolgtem Rückzuge der Armee bis Tisza-Füred stand Oberst Iohann Damjanies — nachdem er die Theiß mit seiner Armeedivision (der einen Hälfte des 3. Armeecorps) bei Czibakhäza überschritten hatte — plötzlich auf der Pest-Szolnoker Eisenbahnlinie zwischen den feindlichen Brigaden Ottinger in Abany und Kargem in Szolnok, griff die letztere an und brachte ihr eine Niederlage bei.

Nun vindieirte Dembinski die Ehre dieses Sieges sich allein; weil er etwa 8 bis 14 Tage früher dem 3. Armeecorps, welches Szolnok gegenüber und bei Czibakhäza am linken Theißufer stand, den Befehl zugeschickt hatte, den Feind in Szolnok in den ersten Märztagen anzugreifen. Weder Damjanies, noch seine braven Truppen, noch die Indolenz der feindlichen Brigade Ottinger in Abany, noch das behagliche Sicherheitsgefühl der feindlichen Brigade Karger n in Szolnok,

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