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Nls ich am frühen Morgen des 2. März mit den Divisionen Aulich, Pöltenberg und Kmety in Poroszlö eintraf, theilte mir Oberst Klapka mit, daß, in Folge der vorabendlichen Cantonnirungsdispositionen Dembinski's, die Commandanten jener drei Divisionen, welche unter seinem (Klapka's) Commando in Eger-Farmos gestanden, im Namen ihrer Offiziere erklärt haben, keinen Befehl von Dembinski mehr anzunehmen, welcher nicht entweder von ihm (Klapka) oder von mir eontrasignirt wäre. Unmittelbar darauf wiederholten jene Divisionseommandanten (anstatt Bulharin Dessewffy) dieselbe Erklärung persönlich vor mir in Klapka's Gegenwart.

Dembinski hatte die unter Klapka vereinigten drei Divisionen, bereits vor meinem Eintreffen in Poroszlö, zum unverweilten Rückzuge bis hinter die Theiß bestimmt. Sie waren in Folge dessen eben im Abmarsche begriffen, als deren Commandanten mir jenes Ansinnen, den absoluten Oberfeldherrn Dembinski zu einem constitutionellen zu Metamorphosiren, vortrugen.

Nun durfte ich von so erfahrenen Soldaten, wie Oberst Klapka und seine drei Divisionscommandanten, unmöglich voraussetzen, daß es ihnen mit der Anwendung des constitutionellen Princips auf die Führung einer Armee im Kriege Ernst sein könne: und nahm jenes Ansinnen ganz einfach für ein conziliuni alieiiucli, welches dem Oberfeldherrn Dembinski gegeben werden sollte. Da jedoch eine so außerordentliche Maßregel mindestens die Zustimmung einer überwiegenden Majorität der Armee bedurfte, die vier Divisionen des 7. Armeccorps aber — also die größere Hälfte der Armee — ihren Gehorsam dem Oberfeldherrn noch nicht gekündiget hatten, und ich überdies der Meinung war, daß ein so wichtiger Schritt nicht übereilt werden dürfe, so forderte ich unter Beistimmung Klapka's die erwähnten dnt Divisionscommandanten auf, sich in die Anordnungen Dembinski's einstweilen noch unbedingt zu fügen, bis der Rückzug der ganzen Armee hinter die Theiß, welchen Dembinski soeben in Absicht zu haben schien, bewirkt, und die Möglichkeit geboten wäre, ihr Ansinnen mit Muße zu berathen.

Die Divisionseommandanten erklärten sich hierzu bereit, und kehrten zu ihren Truppen zurück, ebenso Oberst Klapka; während ich auf das Hauptquartier Dembinski's eilte, um ihm das Eintreffen der Divisionen Äulich, Pöltenberg und Kmety in Poroszlö anzuzeigen, und seine ferner n Befehle für dieselben einzuholen.

Dembinski empfing mich sehr ungnädig; sprach von Nichtgehorchenkönnen, von Davonlaufen vor jedem feindlichen Kanonenschuß; äußerte, daß es nicht sein Plan gewesen, wieder über die Theiß zurückzukommen, sondern daß wir ihn dazu zwängen, und er deshalb den Rückzug auch schon angeordnet habe. Das 7. Armeecorps sollte den Divisionen Klapka's sogleich nachsolgen.

Mit dieser Weisung abgefertigt, eilte ich dem 7. Armeeeorps (mittlerweile war auch die Division Guyon von Negyes eingetroffen) einstweilen Lagerplätze anzuweisen, bis die Divisionen Klapka's, auf ihrem Rückzuge von Poroszlö über die Theiß, weit genug voraus wären, um den Nachmarsch des 7. Armeeeorps nicht mehr zu beirren.

Dembinski verlegte gleichzeitig sein Hauptquartier nach TiszaFüred. Ich sah ihn am rechten Theißufer nie wieder.

Außer dem 7. Armeeeorps standen zur selben Zeit auch noch sechs Escadronen Cavalerie vom 2. Corps in Poroszlö. Diese gehörten zu jener Armeedivision, welche der Oberfcldherr, während seiner eben beendeten Offensivoperation, zur Sicherung des Theißüberganges zwischen Poroszlö und Tisza-Fürcd, in diesen beiden Orten zurückgelassen hatte, Es sollten nun, Dembinski's letzter Anordnung gemäß, diese sechs Esea- dronen, selbst nach erfolgtem Rückzuge des 5. Armeeeorps hinter die Theiß, noch in Poroszlö zur Beobachtung des Feindes verbleiben.

Ich schickte mich eben an, den Rückzug anzutreten, als der Feind, auf der Besenyöer Straße gegen Poroszlö anrückend, sich plötzlich vor uns in einer der unserigen kaum überlegenen Stärke zu entwickeln begann.

Er that anfangs dergleichen, als hätte er die Absicht einen Angriff auf unser Lager zu versuchen.

An den Rückzug war nun augenblicklich bei den fatalen Eigen- thümlichkeiten unserer Rückzugslinie, nicht zu denken.

Diese bestand in einer Dammstraße, von der Breite, daß sich eben noch zwei Fuhrwerke darauf ausweichen können. Die Theiß war bereits ausgetreten; jene Dammstraße die einzige Communieation zwischen Poroszlö und der Theißbrücke.

Poroszlö ist ein von Norden nach Süden gestreckter Ort, auf einer Terrainerhöhung gelegen, welche den hier über eine Stunde breiten Ueberschwemmungsbereich am rechten Theißufer westlich abgrenzt. Diese Terrainerhöhung böscht sich gegen Osten steil ab, und bildet zugleich das rechte Ufer des Cseröbaches, dessen linkes bereits im Inundationsterrain selbst liegt, über welchen die erwähnte Dammstraße nach der, etwa eine Stunde weit entlegenen Theißbrücke führt. Die Verbindung der Dammstraße mit der diese dominirenden Terrainerhöhung, welche den Ort Poroszlö trägt, ist mittels einer Iochbrücke über den Cseröbach hergestellt.

Der freie Raum zwischen der östlichen Häuserreihe von Poroszlö und der Uferböschung des Cseröbaches gestattet das Auffahren von Batterien, welche die Dammstraße — da diese in senkrechter Richtung auf jene Häuserfront angelegt ist — der Länge nach bestreichen und ins Kreuzfeuer nehmen, somit die auf der Dammstraße retirirenden Truppen buchstäblich von derselben herabfegen können, ohne daß den letzter n irgend eine Möglichkeit geboten wäre, mehr als ein Geschütz — nämlich auf der Dammstraße selbst — gegen die feindlichen Batterien aufzuführen, welches aber dann offenbar die äußerste Nachhut bilden müßte.

Poroszlö ist, der Breite nach, in der Richtung von West nach Ost, von mehrern Gassen durchschnitten. Eine derselben mündet auf dem erwähnten freien Raume, zwischen dem rechten Cseröufer und der östlichen Häuserfront, gerade gegenüber der Brücke; die andern theils unter-, theils oberhalb derselben.

Das 7. Armeeeorps stand, wie gesagt, noch im Lager vor der langen Westlisiere des Ortes, als der Feind etwa anderthalb Geschützerträge vor unserer Front sich entwickelte. Die Aussicht war frei; unser Rückzug konnte nicht maskirt werden.

Der Antritt desselben unter den Augen des Feindes mußte diesen zum Angriffe, zur Verfolgung geradezu auffordern.

Während wir nun von allen den erwähnten Gassen, welche den Ort der Breite nach durchschneiden, nur jene eine gegenüber der Dammstaße ausmündende benutzen durften, wenn wir nicht, durch das Zusammenströmen mehrerer Rückzugseolonnen unmittelbar an der Brücke, in ihren Folgen unberechenbare Stockungen veranlassen wollten: konnte der Feind, durch die übrigen vordringend, gleichzeitig mit unserer Queue den freien Raum von der östlichen Häuserfront erreichen, seine Geschütze gegen den Damm aufführen und »»n« ^öue das Werk der Vernichtung beginnen. Dabei wäre der direete Schaden, welchen sein Feuer uns verursacht haben würde, gar nicht in Anschlag zu bringen gewesen gegen jenen, welcher in Folge des Gedränges auf der schmalen Dammstraße entstehen konnte. Ich fürchtete in der chaotischen Verwirrung mehrere Geschütze und Munitionskarren über die Dammböschungen herunterpurzeln sehen zu müssen, und wollte lieber stehenden Fußes einen selbst ungleichen Kampf annehmen, und mich bis zum Aeußersten wehren, als den Rückzug unter so fatalen Conjuneturen antreten.

Dem anfänglichen offensiven Dergleichenthun des Feindes folgte unsererseits eine Vorrückung: die Sistirung derselben dem Zurückziehen der feindlichen Avantgarde. Und hierauf begnügten sich beide Theile einander den Tag über zu beobachten.

Am späten Nachmittage kehrte eine gegen Heves ausgesendete Husarenpatrouille mit einigen Gefangenen, Uhlanen, zurück, welche von dem Commandanten der feindlichen Colonne in Heves mit einer Depesche „an den k. k. F.-M.-L. Grafen Wrbna in Poroszlö" abgeschickt war. Der Inhalt dieser Depesche belehrte uns, daß wir von Heves keinen feindlichen Angriff zu fürchten hatten.

In meiner Suite diente als Gallopin unter Andern auch ein harmloser Lo-Preszti-Husar. Diese merkwürdige Truppe zeichnete sich vorzüglich durch ihre rothen Mäntel aus. Iener Harmloser fror eben, und hatte den seinen um, als man die Uhlanen einbrachte. Nun sah einer derselben den rothbemäntelten Lo-Preszti-Husaren für jenen Scharfrichter an, welcher — wie man sich's im feindlichen Lager erzählte — den Gefangenen zuerst die Ohren, und nach einer Weile den ganzen Kopf abschneide. Natürlich wurde nun der brave gefangene Uhlane vom bloßen Anblick des rothen Lo-Preszti-Husarenmantels bedeutend galgensieberkrank und genas erst nach anhaltender Labung mit Speck, Brot und Wein.

Wir hatten keine Aussicht mehr im Laufe des Tages angegriffen zu werden. Der Feind vor uns schien sich noch zu schwach zu fühlen und Verstärkungen abwarten zu wollen, welche im Laufe der Nacht eintreffen konnten.

Wir mußten demnach, um den Gefahren eines für den nächsten Tag zu erwartenden übermächtigen Angriffes auszuweichen, den verzögerten Rückzug unter dem Schutze der Nacht bewerkstelligen.

Ich erließ die nöthigen Befehle hierzu, und erstattete an Dembinski die Anzeige von den Ursachen dieser Verspätung.

Für den Abmarsch aus dem Lager wurde die zweite Stunde nach Mitternacht festgesetzt. Noch vor Mitternacht jedoch erhielt ich von Dembinski, als Antwort auf meine Meldung, den Befehl, mit dem 7. Armeeeorps auch den nächsten Tag über in Poroszlö zu bleiben, und den Kampf anzunehmen, wenn der Feind angreifen sollte.

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