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Pen des Schlick'schen Corps ausgeführten, aber nur theilweise gelungenen Ueberfalle erhalten.

Noch einige Tage früher war eine feindliche Cavalerieabtheilung in Kompolt durch Aristid Dcssewffy, Oberstlieutenant im 1. Armeeeorps, überfallen worden und hatte dabei großen Verlust erlitten.

Diese Ueberfälle brachten Dembinski sehr in Harnisch gegen Klapka. Er behauptete, daß durch derlei Ueberfälle nur unsere Offensive dem Feinde vor der Zeit verrathen, andererseits der Feind verhindert werde, seine eigenen Absichten erkennbar zu entwickeln.

Man kann dieser Ansicht von den Ueberfällen eine gewisse Originalität nicht absprechen. Diese zeigt sich besonders in ihrer natürlichen Consequenz, welche in dem vorliegenden Falle offenbar darauf hinausliefe, daß es Dembinski eigentlich lieber gewesen wäre, wenn sich Oberst Klapka durch die Oesterreicher hätte überfallen lassen, weil dann umgekehrt diese ihre Offensive vor der Zeit verrathen und Klapka gehindert haben würden, die Absichten Dembinski's zu entwickeln.

Außer Klapka war an diesem Tage auch die Regierung ein Gegenstand malcontenter Neußerungen Dembinski's. Er beklagte sich nämlich darüber, wie der stabile Sitz der Regierung in Debreezin und die Nothwendigkeit, diese Stadt fortwährend zu decken, seine Aufgabe dem Feinde gegenüber wesentlich erschwere; ferner wie unverläßlich die Regierung in der Erfüllung ihrer Zusagen sei. So z. B. habe man ihm versprochen, vom 16. Februar angefangen fortwährend vierzehntägige Mundvorräthe für 60,sM Mann in Tisza-Füred disponibel zu halten, während nach den soeben von dort eingelaufenen Ausweisen kaum der Bedarf der nächsten fünf Tage gedeckt sei.

Die 15nlenlu euiilill!,! zwischen Dembinski und mir schien nun angebahnt. Dembinski hatte mich ja bereits zum Vertrauten seines Kummers ob der Ueberfälle Klapka's und der nicht erfüllten Zusagen der Regierung gemacht.

Zufrieden mit diesen Erfolgen meiner versöhnlichen Initiative kehrte ich gegen Abend in mein Hauptquartier nach Mczö - KeresM zurück.

Dem Chef vom Generalstabe des 7. Armeecorps, welcher mich auf diesem Besuche für den Fall begleitet hatte, daß es Dembinski genehm finden sollte, ihn einer gemeinschaftlichen Berathung beizuziehen, waren in der Operationskanzlei Dembinski's die Detaildispositionen für die nächsten Tage übergeben worden, während Dembinski selbst derselben mit keiner Silbe gegen mich erwähnte, und sichtlich bemüht gewesen war, jeder Besprechung über unsere nächsten Operationen auszuweichen. Ich erfuhr somit erst, nachdem ich Dembinski bereits verlassen hatte, um was es sich in den nächsten Tagen eigentlich handle.

Die Dispositionen ließen als nächste Absicht die Besetzung des Tarnaflüßchens von Sirok bis Bod erkennen; nebenbei aber fiel im Detail die Tendenz auf, die zu einem und demselben Armeecorps gehörigen Divisionen voneinander zu isoliren.

Während nämlich die eine Hälfte des 1. Armeeeorps nach Sirok und die andere nach Käpolna disponirt erschienen, mußte die Division Pöltenberg des 7. Armeeeorps, von Mezö-Kövesd über Kereesend vorrückend, sich zwischen jene beiden hineinschieben und die Orte Verpelet und Fel-Döbrö besetzen, die Division Aulich aber ihre Direction auf Kall nehmen.

Die Nachtheile dieses Ineinanderschiebens zweier, an die besondern Eigenthümlichkeiten ihrer Commandanten gewöhnten Armeeeorps zu erkennen, bedarf es — sollte man meinen — keiner überaus seltenen Findigkeit.

Dembmski entbehrte also entweder sogar dieser, oderes lag jener durch die Umstände nicht gebotenen, die Leistungsfähigkeit der einzelnen Divisionen wie der gesammten Armeecorps,hingegen wesentlich beschränkenden Maßregel ein bestimmtes Streben Dembinski's zu Grunde, welches dann kein anderes sein konnte als: die Einzeldivisionen an die Isolirung von ihren Armeecorps-Commandanten zu gewöhnen, hierdurch den gefürchteten Einfluß der Letztern auf die Gemüther ihrer Truppen zu schwächen, und so das Vorwalten des eigenen Einflusses zu ermöglichen.

Dembinski hatte mir am 24. Februar in Mezö-Kövesd zu verstehen gegeben, daß es ihm erwünscht wäre, mich an einem der nächst

folgenden Tage wieder zu sprechen, daß er aber schon Tags darauf sein Hauptquartier nach Erlau (I^er) verlegen werde. Diese Andeutung veranlaßte mich, ihm schon am nächsten Vormittage, den 25., einen zweiten Besuch, und zwar noch in Mezö-Kövesd vor seiner Abreise nach Erlau, abzustatten. Ich fand aber Dembinski nicht mehr in seinem alten Hauptquartiere, und setzte in der Voraussetzung, er habe vielleicht irgend Etwas von Wichtigkeit mit mir zu verhandeln, meinen Ritt sogleich bis Erlau fort.

Unterwegs holte ich ihn ein, schloß mich seinem Einzuge in Erlau an, und harrte dort seiner Befehle.

Gegen Abend entschuldigte er sich, weder Zeit noch Gelegenheit zu einer Besprechung mit mir gefunden zu haben, und beschied mich für den nächsten Tag in sein Hauptquartier.

Ich mußte noch während der Nacht nach Mezö-Keresztes zurück reiten, um einige wichtige Anordnungen in meinem eigenen Hauptquartiere, welches für den 26. Februar nach Mezö-Kövesd bestimmt war, zu treffen.

Am 26. Vormittags war ich indessen wieder in Erlau, der Befehle Dembinski's gewärtig.

Diesmal besprach er mit mir zuerst blos einige Maßregeln, die Verpflegung der Truppen betreffend. Im ferner n Verlaufe der Unterredung jedoch stellte er einige Fragen über Terrain und Fechtart, welche den Truppen des 7. Armeeeorps am meisten zusagten. Ich bedeutete ihm, daß diese bishin zunächst nur den kleinen Krieg im Gebirge kennen gelernt hätten.

Dann forschte er nach der verläßlichsten Truppengattung des Corps, griff aber meiner Antwort durch die Aeußerung vor, daß er unsere Infanterie der Hauptmasse nach für unzuverlässig halte, von der Cavalerie dagegen Ungewöhnliches erwarte. Ich bestätigte seine Voraussetzungen, insofern sie das 7. Corps angingen, denn die andern Corps kannte ich kaum dem Namen nach, machte ihn aber nebenbei darauf aufmerksam, wie unsere Cavalerie, wenngleich an Beweglichkeit und Ausdauer, doch keineswegs an numerischer Stärke der feindlichen überlegen sei.

Dembinski versicherte mir hierauf in vollem Ernste: daß ihm überhaupt ein paar Tausend Mann mehr, als eben zu sei» ner Disposition standen, ungemein erwünscht wären.

Man kann in der That nicht in Abrede stellen, daß Dembinski hierin mit den berühmtesten Feldherren Etwas gemein hatte.

Mittlerweile war der Mittag herangerückt. Dembinski ließ sich von einem Domherrn in Erlau bewirthen, und lud mich sammt dem Generalstabs - Chef meines Armeecorps, der mich bei diesem Besuche abermals begleitet hatte, zu Tische.

Das Mahl war seinem Ende nahe; wir fügten eben nur noch zum Guten das Beste, den weltberühmten Erlauer. Da wurde plötzlich gemeldet, man vernehme in der Richtung von Verpelet lebhaften Kanonendonner.

Dembinski stellte dies » priori in Abrede, und that sogar sehr ungehalten, als die Meldung mit Bestimmtheit wiederholt wurde.

Ich hatte mich mittlerweile, ein Fenster des Saales öffnend, von der Richtigkeit jener Meldung mit eigenen Ohren überzeugt, und lud nun Dembinski ein, das Gleiche zu thun.

Unwillig verließ er die Tafel, trat ans Fenster und horchte, mit dem Ausdrucke der Ueberzeugung in den Mienen, daß wir Alle uns getäuscht hätten.

Allein das wiederholte dumpfe Erdröhnen war zu deutlich vernehmbar und fernem Kanonendonner zu ähnlich, um mit irgend einem andern Geräusch verwechselt zu werden. Von dem Augenblicke an, wo Dembinski dies erkennen mußte, artete sein Benehmen in das Toben eines Besessenen aus; vor allem brüllte er nach Wagen und Pferden. Nun war das einzige im ganzen Dembinski'schen Hauptquartier disponible Fuhrwerk ein Bauernwagen, welcher mich sammt meinem Begleiter — dem Chef des Generalstabs vom 7. Armeecorps — von MezöKövesd nach Erlau gebracht hatte und zu unserer Rückfahrt bereit stand. Wir luden Dembinski ein, sich in unserer Gesellschaft in die Nähe des Kampfplatzes fahren zu lassen. Er hatte keine andere Wahl und mußte sich bequemen. Ich trieb zur Eile an.

Das armselige Fuhrwerk mochte uns etwa hundert Schritte, noch im Innern der Stadt, vorwärts gebracht haben, als plötzlich Etliche aus den schaulustigen Massen des Erlauer Publicums vorsprangen und den Pferden in die Zügel sielen, uns auf gut ungarisch versichernd, sie könnten es unmöglich dulden, daß der Oberfeldherr sich auf solch einem elenden Karren auch nur einen Schritt weiter fahren lasse. Dies wäre — meinten sie — eine Schande für die Stadt Erlau, ja für die gesummte Nation.

Aufgebracht über diese Albernheit, herrschte ich die ungelegenen Verfechter der Stadt- und Nationalehre aus dem Wege. Dembinski, der keine Silbe Ungarisch verstand, gerieth noch heftiger als ich in Jorn, und unterstützte mich mit drohenden Geberden; der Chef vom General stabe half mit schreien und fluchen, und Erlaus Ehrenwächter gaben nach; wir wurden wieder flott.

Dembinski verlangte nun zu wissen, was denn die Leute da eigentlich gewollt hätten. Ich verdolmetschte ihm deren praktische An sichten von Stadt- und Nationalehre, und siehe da — er ließ nun selbst anhalten und erklärte, so lange warten zu wollen, bis bessere Pferde und ein anständigeres Fuhrwerk herbeigeschafft würden.

Ich hatte sehr unrecht gehabt, mit den Verfechtern der Stadt- und Nationalehre so brutal zu sein! —

Indessen bereuete Dembinski gar bald seinen vorschnell gefaßten Entschluß; denn trotz der sichtlichen Eile, mit welcher sich einer der Patrioten hinwegbegeben hatte, um uns seine Equipage zur Verfügung zu stellen, verstrich dennoch ein gutes Stück Zeit, ohne daß wir das versprochene anständige Fuhrwerk zu Gesicht bekamen, und der Kanonendonner nahm fortwährend eher zu als ab.

Aus begreiflicher Vorsicht hatten wir einstweilen unsere Plätze auf dem vielfach geschmähten Leiterwagen fortan behauptet. Der Patriot mit der Equipage konnte ja möglicherweise doch zu lange, oder am Ende ganz und gar ausbleiben. Dembinski und ich saßen auf einem Bund Stroh, welches quer über die Leitern gelegt und durch unser Gewicht in den nach unten zu sich verengenden Wagenkorb theilweise hineingezwängt worden war.

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