Графични страници
PDF файл
ePub

Zweiundjwanzigstes Capitel.

Denibinkki wird ungarischcr Öbergeneral. — Neue Eintbcilung ber unganschen Tlreil

kräftc. — Da« Armeecorp« von ber obcrn Donau crhillt den Namen! Vll. Armeccorp«. —

«ntipalbien in demselden gegen die Oberfelddennschaft Demdin«li«.—Ursachen und Folgen.—

Maßnahme gegen die Folgen. — Die Oderfeldherrnschast Dembiniki'« wird anerkanni.

[ocr errors]
[ocr errors]

leich mit der Nachricht von dem gelungenen Ueberfalle bei Szen traf nach langer Pause wieder einmal eine Depecke vom Kriegsminister in meinem Hauptquartiere ein.

Diese enthielt zwei hochwichtige Actenstücke:

1. Eine 0rm-e <le dataille der gesammten ungarischen Streitkräfte.

2. Die Ernennung des polnischen Generallieutenants Dembinski zum

Obereommandanten aller ungarischen Truppen, ausgenommen die unter Bem's Oberbefehl in Siebenbürgen stehenden, die Besatzungen der in unsern Händen befindlichen Festungen und die Cernirungstruppen der vom Feinde besetzten. Demzufolge erschien auch ich den Befehlen Dembinski's unter« geordnet.

Das erstgenannte Actenstück theilte sämmtliche ungarischen Streitkräfte in isolirte Abtheilungen von 4—6000 Mann, welche die Benennung „Armeedivision" und als Sonderbezeichnung eine Nummer erhielten. Diese Armeedivisionen sollten dem Feldherrn bei seinen strategischen Combinationen gleichsam als kriegsoperative Einheit dienen. Die bisherigen Armeeeorps zerfielen somit nach ihrer Stärke in zwei bis drei solcher Armeedivisionen.

Die Stärke des Armeeeorps von der obern Donau — in Folge des durch fortwährende Reerutirungen bewirkten theilweisen Ersatzes der in den Bergstädten erlittenen Verluste immer noch beiläufig 15 — 16lXX) Mann — war zur Zeit, als diese Nriiro ^e d»taille entworfen worden, in Debreezin nicht bekannt. Es figurirte somit das Armeeeorps von der obern Donau als eine einzige Armeedivision — die V11. — in dem erwähnten Ausweise. (Später jedoch wurde mir dessen Abtheilung in drei Armeedivisionen aufgetragen, während es als Armeecorps statt des Beinamens „von der obern Donau" die Nummer V11 erhielt. Es wird also in der Folge unter der Benennung „das 7. Armeeeorps" stets das bisherige Armeeeorps von der obern Donau gemeint sein.)

Das Gerücht war jenen Depeschen bereits um einige Tage vorausgeeilt und im Armeeeorps von der obern Donau auf bedeutende Antipathien gestoßen. Die meisten der Offiziere hatten nämlich, eben so wenig wie ich, auch nur die leiseste Kenntniß von der kriegsruhmreichcn Vergangenheit des G.-L. Dembinski, während die plötzliche Zurückberufung des Klapka'schen Corps nach Miskolez und die für den fliehenden Feind günstigen unmittelbaren Folgen dieser Maßregel nicht eben geeignet waren, das Vertrauen in die Feldherrntalente des unbekannten Fremden aus dem Stegreife zu wecken. Iene Offiziere, mit meiner bisherigen Führung nicht unzufrieden, fanden somit meine Unterordnung unter die Befehle jenes so unglücklich debutirenden Fremden in keiner Weise gerechtfertigt und glaubten die Motive der Ernennung Dembinski's zum Obereommandanten theils in der durch die Proclamation von Waizen hervorgerufenen Animosität des Landesvertheidigungs-Ausschusses gegen mich, theils in der Absicht, ihnen einen Führer zu geben, welcher jene Proclamation nicht anerkenne, aufsuchen zu müssen.

Die erster e Annahme erhöhte die Sympathien der Offiziere für mich und zugleich ihre Eifersucht auf die in Folge der Degradirung des Armeecorps von der obeni Donau zu einer bloßen Armeedivision relativ steigende Bedeutung der übrigen ungarischen Corps, während die letztere Auslegung vollkommen hinreichte, die — zuerst nach der Räumung der Hauptstädte — ausgesprochenen und durch die von der Regierung stillschweigend anerkannte Proclamation von Waizen einstweilen beschwichtigten Besorgnisse „republikanischer Umtriebe" wieder zu wecken.

Die Folgen hiervon waren: fast bei allen Divisionen auftauchende Berathungen mehr oder minder energischer Widerstandsmaßregeln gegen die jüngste Verordnung des Kriegsministers Meszäros, welcher durch diese dem gegründeten Verdachte anheimsiel, daß er sich vom Landesvertheidigungs-Ausschusse misbrauchen lasse.

Von diesen Agitationen wurde ich aber erst dann unterrichtet, als in Folge derselben bereits drei Divisionen sich geradezu gegen meine Unterordnung unter die Befehle Dembinski's und für die Unabhängigkeit meiner Stellung als Commandant des Armeeeorps von der obern Donau erklärt hatten. Ia die Division Kmety ließ mich ihres unbedingten Gehorsams insbesondere selbst für den Fall versichern, daß ich es für nothwendig erachten sollte, sie gegen Debreezin zuführen. Nur die Division Guyon gab im Gegensatze mit den drei übrigen Divisionen des Corps eine ausweichende Erklärung; allein gleichzeitig mit dieser lief von derselben Division als Commentar hierzu die Nachricht ein, Oberst Graf Guyon habe diese Erklärung, ohne sein Offiziercorps zu befragen, abgegeben.

Aus diesen, wenngleich erst nach vorhergegangenen Agitationen erfolgten Aeußerungen einer so lebhaften Antipathie gegen die Oberfeldherrnschaft Dembinski's glaubte ich nichtsdestoweniger den Schluß ziehen zu müssen, daß namentlich den ältern Offizieren, von welchen jene Agitationen ausgingen, die Befürchtung: es könne Ungarns Nothwehrkampf durch die Theilnahme fremder Elemente an demselben über kurz oder lang eine gegen Oesterreich aggressive, die Invasion des F.-M. Fürsten Windisch-Grätz nachträglich rechtfertigende Bedeutung gewinnen — eben so nahe, wie mir selbst liege. Dieser Schluß aber führte mich zunächst auf den Gedanken: entweder ganz von meinem Posten abzutreten, oder mich mit dem Armeeeorps der jüngsten Verordnung des Kriegsministers geradezu zu widersetzen.

Indessen konnte ich nicht lange übersehen, wie der ersterc Schritt unmittelbar die Auflösung des ganzen Armeecorps von der obern Donau nach sich gezogen haben würde. Hatten doch die Nichtigsten, brauchbarsten Offiziere desselben wiederholt erklärt, daß sie nur so lange am Kampfe Theil nähmen, so lange meine Theilnahme daran ihnen die Festhaltung an den in der Proclamation von Waizen ausgesprochenen Grundsätzen auch von Seite des Landesvertheidigungs-Ausschusses garantire. Die Auflösung meines Armeeeorps aber hätte die Widerstandskräfte Ungarns sehr bedeutend geschwächt, ich somit durch meinen Austritt der Sache des Vaterlandes mehr geschadet als z. B. Seine Durchlaucht der hierzu eigens beauftragte Feldmarschall Fürst Windisch-Grätz. Ich durfte also meinen Posten nicht verlassen.

Blieb ich aber in meiner Stellung und wollte nicht gehorchen, so mußte ich auf meine motivirte Entlassung gefaßt sein, deren Folgen gleichbedeutend mit denen meines freiwilligen Austritts gewesen wären.

Mir blieb also nach ruhiger Ueberlegung eigentlich doch nichts Anderes übrig, als zu gehorchen und mich einstweilen mit der eitlen Hoffnung zu trösten, daß die jüngsten Maßregeln der Regierung, wenn auch nicht im richtig erkannten wahren Interesse des bedrängten Vaterlandes, so doch zum mindesten nicht einzig und allein in unreiner Absicht ihren Ursprung fanden.

Einmal zum Gehorsam entschlossen, mußte ich zunächst darauf bedacht sein, wie ich den in Folge der erwähnten Agitationen bereits im ganzen Armeeeorps erregten Geist der Widersetzlichkeit gegen die Verordnung des Kriegsministers wieder paralysire, ohne durch unkluge Verhängung von Strafen auf die Fortsetzung der scheinbar unter meiner Aegide — weil von hochgestellten Offizieren — eingeleiteten Agitationen den Verdacht zu erregen, als billige ich die Ernennung Dembinski's zum Oberfeldherrn, hierdurch das Vertrauen des Corps in mich zum Nachtheile des Vaterlandes zu schwächen, und so statt eines rüstigen, weil freiwilligen, höchstens einen passiven, weil gezwungenen Gehorsam zu erzielen.

Daß ich andererseits die Agitationen nicht billigen durfte, lag auf der Hand; allein auch ignoriren konnte ich sie nicht ganz, weil es bereits allgemein bekannt war, daß ich von dem Resultate derselben in Kenntniß gesetzt worden sei. Ich glaubte diese verwickelte Aufgabe am besten zu lösen, indem ich, alle politischen Beziehungen vermeidend und das Armeeeorps gleichsam nur in seinem „CorpsGefühle" verletzt voraussetzend, folgende beschwichtigende Ansprache an dasselbe erließ:

Tagsbefehl.

Der Kriegsministerialerlaß vom 12. Februar 1849 stellt das Armeeeorps von der obern Donau mit dem veränderten Namen der „königlich ungarischen 16. Armeedivision" unter den Oberbefehl des Generallieutenants Dembinski.

Indem ich dies der gesammten 16. Armeedivision hiermit dienstlich mittheile, fordere ich alle mir unterstehenden Herren Stabs- und Oberoffiziere feierlichst auf, diese scheinbare Demüthigung mit demselben Gleichmuthe hinzunehmen, mit welchem ich, auf meine Selbständigkeit als Armeeeorps-Commandant verzichtend, mich, gehorsam dem Ausspruche des versammelten Landtages, den Befehlen des Generallieutenants Dembinski, eines — wie man sagt — im Kriege ergrauten würdigen Feldherrn, freiwillig unterordne.

Kaschau, am 14. Februar 1849.

(Folgt meine Unterschrift.)

Diese Ansprache hatte den gewünschten Erfolg. Die Agitationen zu meinen Gunsten gegen Dembinski — wenngleich, wie ich später erfuhr, insgeheim fortgesetzt — blieben ferner ohne störenden Einfluß auf die freiwillige Unterordnung des Corps unter die Befehle des Oberfeldherrn.

Der Kriegsminister Mcszaros aber sah diesen Tagsbefehl für das l'orim» »i>Iicti eines von mir gewagten Versuches an, gegen ihn (Meszäros) und Dembinski Meuterei zu erregen, und bedachte mich dafür mit einer, wie es schien, sehr ernst gemeinten Rüge. l. ' 14

« ПредишнаНапред »