Графични страници
PDF файл
ePub

Daß der wiederholte Versuch der Wiener Minister, die Verfassung Ungarns mit Waffengewalt umzustürzen, darum nicht minder revolutionär blieb, weil unser Versuch, den gegen die gesetzmäßige Landesregierung empörten Kroaten-Ban Baron Iellachich auch dann noch, oder vielmehr erst dann, nachdem er sich bereits unter die Aegide des F.-M. Fürsten Windisch-Grätz und seiner Armee verkrochen hatte, auf deutsch-erbländischem Boden anzugreifen, ein scheinbar gegen Oesterreich aggressiver gewesen.

Daß die Verfassung Ungarns eines blutigen Kampfes werth sei.

Daß einen solchen Kampf selbst der alleinige Erfolg: die Wiederherstellung des alten Unterthänigkeitsverhältnisses vorder Hand unmöglich zu machen, hinreichend rechtfertige.

Daß die Nation es ihrer Ehre schulde, für die staatliche Eristenz Ungarns jetzt um so gewisser das Schwert zu ergreifen, als sie bisher leider müssig zugesehen, wie der tölpelhafte Uebermuth Einzelner aus ihrer Mitte den größten Theil der Slawen und Romanen zur offenen Empörung trieb, und so blödsinnigerweise nur die Absichten Derer förderte, welche nichts sehnlicher wünschten als den Untergang des Staates Ungarn.

Dies Alles hatte ich wohl noch in Preßburg ersannt.

Nichtsdestoweniger mußte ich schon in Waizen zugeben:

Daß die Nation sich verzweifelt wenig um ihre Ehre kümmere, und ich der Macht entbehre, sie hierzu zu zwingen.

Daß der Feind über eine der unsern weit überlegene Streitmacht gebiete.

Daß der Kampf somit — obschon er dreifach geboten — ein vergeblicher bleiben dürfte. —

Hierzu trat überdies noch die durch das unwürdige öffentliche Benehmen Kossuth's erregte Besorgniß vor Umtrieben seinerseits, welche hinreichen konnten, die Gewaltstreiche der Wiener Regierung — wenngleich nur anachronistisch — zu rechtfertigen.

Was konnte mich denn also, bei der sichtlichen Versunkenheit der Nation, bei der riesigen Ueberlegenheit des Feindes und dem erschüt lerten Vertrauen in die Lauterkeit der Politik Kossuth's, noch abhalten, die schleimigste Verzichtung auf jeglichen fernern Widerstand als die nächste Pflicht gegen meine Waffenbrüder zu erkennen? —

Die Ueberzeugung war's, daß, wenn der Umsturz der reformirten Verfassung Ungarns auf den ersten Anlauf gelänge, Millionen von Familien sogleich wieder zu Gunsten einiger Tausende in das alte Ioch der Unterthänigkeit gespannt würden.

Und die mit dem festen Vertrauen zu mir aufblickten, daß ich sie nicht untergehen lassen werde in der Trostlosigkeit vergeblicher Anstrengungen, thaten wohl daran, mir zu vertrauen; denn keine Anstrengung ist vergeblich, wenn es sich um die Vertheidigung der nothdürftigsten persönlichen Rechte von Millionen handelt; und jeder Tag, welchen das Armeeeorps von der obern Donau unter meiner Führung überlebte, war für die Sicherung jener Rechte gewonnen, gewonnen nebenbei auch für die sehr heilsame Züchtigung (leider nicht die unmittelbar persönliche) jener Männer, welche (ich führe beispielsweise blos eine Thatsache an) gewissenlos genug gewesen, dem Monarchen zu rathen, daß er heute einen Theil der Armee auf die ungarische Verfassung beeiden lasse, und morgen demselben Theile der Armee zumuthe, mit den Feinden der beschworenen Verfassung — etwa aus loyalem Instinct? — gemeinschaftliche Sache zu machen.

So wurde ich quitt mit der Vergangenheit; so blieb ich fortan gefeit gegen alle Waffen, welche die Zukunft gegen mich kehren mochte, um den Lebensnerv meines festen Entschlusses, die Verfassung zu retten oder zu rächen — die Ueberzeugung nämlich, daß ich Nichts von Allem, was ich bereits hierzu gethan, noch dessen Folgen zu bereuen habe —, tödtlich zu verletzen.

Mit dem Oleichmuth der Resignation sah ich nun der noch immer zögernden Kunde von dem Ausgange des Kampfes am Branyiszkö entgegen.

[graphic]
[ocr errors]
[graphic][ocr errors][ocr errors][subsumed]

Aus jener feindlichen Depesche konnten wir nämlich mit Gewißheit annehmen: daß die feindliche Colonne an der Hernäd noch weit schwächer sein müsse als die vom Branyiszkö delogirte; und wir sonach vor Eperjes kaum mehr einen Widerstand finden dürften; denn hätte G.-M. Graf Deym es überhaupt für möglich halten können, mit seiner verhältnißmäßig schwachen — wenn ich mich recht entsinne, kaum 2WO Mann starken — Brigade unser Vordringen selbst mit gänzlicher Preisgebung seiner Truppen zu vereiteln, so würde er die Position am Branyiszkö gar nicht verlassen haben, wie er sie kaum verlassen haben würde, wenn er auch nur im geringsten hätte hoffen dürfen, im Laufe des Tages oder mindestens der folgenden Nacht durch irgend eine eben im Vorrücken gegen uns begriffene und bereits hinreichend nahe Abtheilung des Schlick'schen Corps namhaft verstärkt zu werden.

Die — nach der Voraussetzung, am Abende des 5. bereits das Schlick'sche Gros in zwei Colonnen am Branyiszkö und an der Hernäd vor uns zu haben — überraschend geringe Stärke des vom erstern Punkte delogirten Feindes deutete zunächst darauf hin, daß

entweder der feindliche Theißübergang bei Tokaj gelungen fei, F.-M.-L. Graf Schlick sonach bereits Debreezin zunächst bedrohe, und auf dies allerdings wichtigste Objeet mit Entschiedenheit losrückend, seine Operationsbasis unbeirrt preisgebe;

oder daß er vor dem gelungenen und dennoch verunglückten Ueberfalle auf Iglö (in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar) die Bedeutung des Armeecorps von der obern Donau unterschätzt hatte, nach diesem Ueberfalle aber die Zeit nicht mehr ausreichte, um uns an den genannten Sperrpunkten eine größere Macht entgegenzustellen.

Beide Andeutungen drängten uns zur raschen Fortsetzung der günstig begonnenen Offensive.

Am 6. ward die Division Aulich aus den« Popradlhale in die Linie Kirchdrauf, Krompach, das Hauptquartier nach Kirchdrauf disponirt. Ich persönlich eilte zu Wagen dem Obersten Guyon gegen Eperjes nach, um mich von der wahren Sachlage der Dinge selbst zu überzeugen. Es gelang mir indessen nicht mehr, ihn einzuholen; denn ich mußte noch vor Abend wieder in Kirchdrauf zurück sein, um die Dispositionen für den folgenden Tag zu berathen und ausfertigen zu lassen. Wohl aber erreichte ich die der Division Guyon auf dem Fuße folgende linke Flügeldivision und erfuhr vom Commandanten derselben, daß Oberst Guyon bereits Eperjes erreicht und vom Feinde verlassen gefunden habe.

Dies unerwartet schleunige Aufgeben der Operationsbasis brachte uns nun wieder auf die Vermuthung, daß F. - M. - L. Graf Schlick nach dem Verluste des Branyiszko plötzlich den Entschluß gefaßt habe, vor allem die Vereinigung seines Corps mit den Brigade-General-Majoren Götz und Fürst Iablonowski zu bewerkstelligen, daß er dies auf der kürzesten Communieation zwischen Kaschau und Leutschau über Bela, Hämor und Kluknö beabsichtige, und deshalb den vom Branyiszkö zurückgedrängten Theil seines Corps so ungewöhnlich rasch auf der Eperjeser Straße gegen Kaschau zurückziehe. Seine Bagagen konnte er hierbei einstweilen ganz gut von Kaschau über Iäszö, Schmölnit z (Hxomuluoli) in die Zips eseortiren lassen.

Da uns nun von Klapka's Operationen, außer der erwähnten officiellen Mittheilung vom 24. Ianuar und den noch ältern Gerüchten über die Gefechte von Tarezal und Keresztur, nicht das Geringste bekannt war, so hatte diese Annahme gar keine Unwahrscheinlichkeit gegen sich, und bestimmte uns (am 7. Februar) die ganze Division Kmety auf ihrer frühern Demonstrationslinie an der Hernäd zu lassen, die Division Aulich aber von Kirchdrauf nur bis auf den halben Weg gegen Eperjes zu disponiren, während das Hauptquartier mit der linken Flügeldivision nach Eperjes verlegt wurde.

Allein nach den am 7. Abends eingelaufenen Kundschafterberichten schien der Feind hinwieder Eperjes nur geräumt zu haben, um sich hinter dem Tareza-Fluß zu eoneentriren und abermals gegen uns vorzurücken; denn die Spione meldeten, sie hätten große Truppeumasseu sich von Kaschau gegen Eperjes bewegen gesehen.

Es stand damals zu erwarten, daß der Feind Tags darauf selbst angreifen werde, und vorsorgend ward die Division Aulich nun vollends

« ПредишнаНапред »