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beiden Truppenkörper erwarten? Die andern drei Divisionen hatten doch wenigstens ein oder zwei bereits erprobte Bataillone.

Allein die Erstürmung des Branviszkö von diesen letztern durchgeführt, würde im Armeeeorps nur geringe Sensation hervorgerufen haben: denn Iedermann war ja im vorhinein überzeugt, daß diese wenigen guten Bataillone ihre Pflicht vor dem Feinde stets mit Bravour erfüllten. Ia es war sogar zu befürchten, daß ein Sieg am Branyisziö von den besten Truppen erfochten, der siren Idee Vorschub leiste, als sei dies günstige Resultat eben nur durch diese Bataillone zu erzielen gewesen. Dies würde in den minder verläßlichen Abtheilungen den höchst gefährlichen Mangel an Selbstvertrauen um so fühlbarer gemacht haben, je frischer noch die Erinnerungen an die letzt erlittenen Schlappen waren. Die verläßlichen Truppen hätten auf diese Art an numerischer Stärke verloren, die unverläßlichen an moralischer nichts gewonnen: während umgekehrt ein unbedeutender Sieg von den letztern erfochten, dem gesammten Armeeeorps eine Quelle höhern Selbstvertrauens werden mußte, welchem gegenüber die etwa größern numerischen Opfer des Sieges kaum beachtenswerth erschemen konnten.

Deshalb ward die Division Guyon allein zum Angriffe auf die feindliche Stellung am Branyiszro vordisponirt, während die zu ihrer Unterstützung bestimmte linke Flügeldivision in Kirchdrauf (8xei»<!«Vm-alj») zu bleiben, die Division Kmety aber auf der Straße längs der Hernäd zu demonstriren hatte. Die Division Aulich blieb im Poprädthale als Rückenhalt der Nachhut, das Hauptquartier in Leutschau.

Am 5. Februar 1849 griff die Division Guyon die feindliche Stellung am Branyiszkö an, während die Ofsiziere des Hauptquartiers und der Colonne desselben in Leutschau harmlos eine 8oiree »»u«»nl,! für die Nacht vom 5. auf den 6. arrangirten. Seit unserm Flankenmarsche von Levenz und Verebe'lu in den Distriet der Bergstädte, wo unsere Lage kritisch zu werden begann, empfahl ich den Divisionen die Anwendung ähnlicher Präservative gegen jene Armesünderstimmung, welche sich nur zu leicht der Offiziere einer — sowie damals das Armeeeorps von der obern Donau — von allen Seiten ernst und nachhaltig bedrohten isolirten Heeresabtheilung bemächtigt, und sofort auch die Mannschaft ergreifend, dem Feinde den Sieg garantirt, ehe noch die Schlacht begonnen.

Ich selbst war gleichwohl an diesem Tage zu sehr von der Ungewißheit über den Gefechtsausgang am Branyiszkö gefoltert, um auch diesmal, wie sonst, an dem improvisirten Balle Theil zu nehmen. Einsam in meiner Wohnung harrte ich mit peinlicher Ungeduld einer Meldung vom Kampfplatze entgegen.

Vom Obersten Klapka wußten wir am 5. Februar nur soviel, daß er noch am 24. Ianuar die Defensivaufgabe hatte, das Vordringen des Schlick'schen Armeeeorps über die Theiß bei Tokaj zu vereiteln; so berichtete uns ein vom Obersten Stein — Generaladjutanten des Kriegsministers — in französischer Sprache abgefaßtes, und vom Kriegsminister Mcszäros eigenhändig paraphirtes Schreiben, datirt von Debreczin den 24. Ianuar 1849, welches mir erst am 5. Februar, also den zwölften Tag nach seiner Ausfertigung zukam. Mittlerweile waren wohl Gerüchte von zwei für die ungarischen Waffen günstigen Gefechten, welche Oberst Klapka dem F.-M.-L. Grafen Schlick am 22. Ianuar bei Tarezal, und Tags darauf am 23. bei Bodrog-Keresztur geliefert hatte, bis in mein Hauptquartier gedrungen: allein das angeführte Geheimschreiben vom 24. Ianuar that keine Erwähnung hiervon und doch konnten beide Siegesnachrichten, da die Entfernung der genannten Orte von Debreczin nur etwa 12 Meilen beträgt, noch vor Abgang jenes Schreibens an mich, im letztern Orte eingetroffen sein. Wir mußten also die Echtheit der Gerüchte von den Siegen des Obersten Klapka bei Tarezal und Bodrog-Keresztur um so mehr bezweifeln, als diese in derselben pomphaften Form auftraten, unter welcher bereits manche Schlappe, die wir erlitten, als obligater Sieg hatte fungiren müssen, um — wie es hieß — die Stimmung im Volke zu heben.

Wir konnten nach dem Wortlaute jener officiellen Mittheilung und um überhaupt sicher zu gehen, auf eine gleichzeitige energische Offensive des Obersten Klapka gegen den F.-M.-L. Grafen Schlick schlechterdings nicht rechnen. Alles, was wir erwarten durften, war: daß Oberst Klapka dem auf die Kunde von unserm Anrücken höchst wahrscheinlich von der Theiß uns entgegeneilenden F. - M. - L. Grafen Schlick auf dem Fuße folgen werde. Eine herzhafte Arrieregarde konnte ihn aber trotzdem leicht so lange aufhalten, bis es dem F.-M.-L. Grafen Schlick gelungen, mit unserm Armeeeorps fertig zu werden. In präeisern Ausdrücken:

F.-M.-L. Graf Schlick stand mit seinem Gros am 24. Ianuar bei Tokaj an der Theiß in der Offensive gegen Debreezin; Oberst Klapka mit seinem Corps ihm gegenüber in der Defensive.

Die Annahme, daß die feindliche Offensive reussirt habe, wäre eine für das Armeecorps von der obern Donau in seiner Lage vom 5. Februar 1849 speeiell günstige gewesen. Wir mußten, um uns vor optimistischen Illufionen zu bewahren, annehmen, daß die sichere Kunde von unserm Anrücken das Schlick'sche Corps noch diesseit der Theiß getroffen habe.

Nun hatte Oberst Graf Guyon vorwitzigerweise schon vier Tage vor seinem Anlangen in Iglö, am frühen Morgen des 30. Ianuar, einen von der feindlichen Colonne in Leutschau gegen uns ausgestellten Avisoposten so ungeschickt überfallen lassen, daß einige Leute desselben entkamen. Diese konnten die zuverlässige Meldung von unserm Anrücken noch am selben Tage nach Leutschau gebracht haben, und Tags darauf, den 31. Ianuar, konnte F.-M.-L. Graf Schlick in Tokaj — wenn näher zu Kaschau, um so schlimmer für uns — wissen, was er zu thun habe, falls er das Armeecorps von der obern Donau nicht unterschätzte, was von einem Feldherrn wie er nicht vorauszusetzen war.

Die Entfernung von Tokaj bis Korotnok am westlichen Fuße des Branyiszkö beträgt 19 Meilen, also fünf aufeinander folgende Märsche » 4 Meilen iiei' Tag. Die Lösung dieser Aufgabe setzt eine brave, abgehärtete Infanterie voraus, übersteigt jedoch — zumal im Winter — noch immer nicht das Marimum ihrer Leistungen.

Die Truppen des F.-M.-L. Grafen Schlick waren abgehärtet und brav.

Das Corps Klapka konnte dem Gros des Schlick'schen Corps auf diesen Eilmärschen unmöglich tmijm»^ ülapi«te bleiben. Warum nicht? Weil der Verfolger gewisse zeitraubende Vorsichtsmaßregeln während des Nachrückens nie außer Acht lassen darf; weil ihm der Verfolgte einen Theil seiner Streitmacht als Arrieregarde wiederholt hemmend entgegenstellt; weil dieser Arrieregarde außer ihrem direeten Widerstande noch überdies namhafte Mittel zu Gebote stehen, das Nachdrängen des Verfolgers auf einer von bedeutenden Terrainhindernissen wiederholt durchschnittenen Straße, wie die von Tokaj nach dem Branyiszko, wiederholt zu unterbrechen. von der Division Guyon eingetroffen, den wirklichen Beginn eines ernsten Kampfes am Branyiszkö bereits außer Zweifel gestellt hatte.

Die Stärke des Schlick'schen Corps ward uns allgemein bei 15,000 Mann angegeben. Der fünftägige foreirte Marsch mußte — das ist klar — eine namhafte Anzahl Nachzügler liefern. Allein selbst diese sammt der Arrieregarde in Rechnung gebracht, konnte F.-M.-L. Graf Schlick am 5. Februar mit 10,000 Mann in zwei Colonnen auf gleicher Höhe, die eine am Branyiszkö, die andere bei Kluknö an der Hernäd, uns gegenüberstehen, während Oberst Klapka an demselben Tage kaum weiter als bis Kaschau vorgedrungen sein durfte.

Den Bagagen des Schlick'schen Corps stand überdies die Route nach Galizien offen.

Ward unser Angriff auf die feindliche Stellung am Branyiszkö am 5. Februar abgeschlagen, so konnte dies den Feind nur zur Ergreifung der Offensive, und zwar in der wahrscheinlichen Aussicht anfeuern, uns wiederholt zu schlagen, bevor Oberst Klapka ihn ereilt habe; während ich einerseits durch das Nachdrängen der Götz- und Iablonowski'schen Brigaden sammt ihren Verbündeten, dem slowakischen Landsturm, andererseits durch meinen Entschluß, dem Kampfe nicht mehr auszuweichen, gleichsalls zur Offensive, nämlich zur formten Wiederholung des Angriffes vom 5. gedrängt wurde, und somit der Zusammenstoß zwischen dem Schlick'schen und dem Armeeeorps von der obern Donau am 6. Februar ein entscheidender werden mußte.

Durch diese Combinationen erhielt in der That schon der Gefechtsausgang vom 5. nahezu die Bedeutung einer Antwort auf die Frage: „Sein oder Nichtsein!" für uns; und die peinliche Ungeduld, mit welcher ich einer Meldung Guyon's entgegenharrte, wird erklärlich, um so erklärlicher, als die im Laufe des Nachmittags von Kirchdrauf erhaltene Anzeige, es seien daselbst schon einige Wagen voll Nlessirter

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Da bei den meisten Infanterieabtheilungen des Armeeeorps, vorzüglich der Division Guyon, bisher nur das Ausreißen mit Zurücklassung sogar der Verwundeten nach jedem ernsten feindlichen Conflicte an der Tagesordnung gewesen, so klang diese Nachricht zwar nicht ungünstig; allein je höher eben mein Hoffen hierdurch angeregt worden, desto tiefer mußte es bei dem unbegreiflich langen Ausbleiben aller ferner n Nachrichten sinken.

Verzweifelnd stand ich an der Schwelle der Abrechnung mit der Vergangenheit. ,,, ^

Die Erkenntniß unvermeidlich naher, großartiger Gefahren drängt uns, wenn das Bewußtsein den Dienst nicht versagt, unwiderstehlich auf jene Höhe geistiger Thätigkeit, von wo der noch hoffende Blick den Schleier der Zukunft kecker als sonst zu durchdringen versucht, um jenseit desselben günstigere Conjuneturen zu entdecken, der schon verzweifelnde aber in entgegengesetzter Richtung nach dem Scheidewege forscht, wo wir etwa den unrechten gewählt.

Die Gefahren, welche die Eristenz des Armeeeorps von der obern Donau und in diesem zunächst die des Vaterlandes bedrohten, waren unvermeidlich nahe und großartig.

Die Erkenntniß dessen hatte zwar mein Bewußtsein nicht erschüttert, wohl aber war darob die Hoffnung von mir gewichen, und an die verlassene Stelle trat gebieterisch Antwort heischend die Frage:

Ob es nicht besser gewesen wäre, jenen Schritt zu unterlassen, welcher mich so weit geführt, daß ich nun nicht mehr zurück konnte, wenngleich Tausende mit dem festen Vertrauen zu mir aufblickten: Ich werde sie nicht untergehen lassen in der Trostlosigkeit vergeblicher Anstrengungen!?

Ob es nicht besser gewesen wäre, anstatt der geharnischten Proclamationen von Waizen einen friedfertigen Aufruf zur freiwilligen Waffenablegung an das Armeecorps von der obern Donau zu erlassen? —

Wohl hatte ich noch in Preßburg erkannt:

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