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Ein in den Bergstädten vorgefundener Vorrath an theils geprägtem, theils ungeprägtem edlen Metall sollte der größern Sicherheit wegen unter dem Schutze der nördlichen Colonne fortgeschafft und später gleichsalls der Regierung übergeben werden. (Das Letztere geschah von Kaschau aus.)

Dieser Rückzugsplan gelangte ungesäumt zur Ausführung.

Am 27. Ianuar 1849 verließen die letzten Abtheilungen des Armeeeorps von der obern Donau die Bergstadt Neusohl. Mein Hauptquartier marschirte mit der nördlichen Colonne, und erreichte am 28. Rosenberg (Iickl«»be^).

Hier erschien, aus der Zips kommend, ein — wie er angab — vom F.-M. Fürsten Windisch-Grät z an mich Abgeordneter, und verlangte nach einer geheimen Unterredung mit mir.

Ich gewährte ihm diese.

Er vertraute mir an: es wäre der Wunsch des F. - M. Fürsten Windisch - Grätz, daß ich das Armeeeorps von der obern Donau Seiner Durchlaucht zuführe — ich zweifelte keinen Augenblick daran — und mir würde, wenn ich diesem Wunsche nachkäme, volle Amnestie und eine sorgenfreie Eristenz — jedoch außerhalb Oesterreich — garantirt. Auch hieran zweifelte ich nicht im Geringsten, ließ jedoch nichtsdestoweniger — nachdem der Abgeordnete geendet hatte — einige Stabsoffiziere in das Gemach treten, theilte ihnen den Gegenstand der eben gepflogenen geheimen Unterredung mit, und übergab dem Abgeordneten ein lithographirtes Eremplar meiner Proclamation von Waizen als Antwort für Den, der ihn gesandt hatte, mit dem Bemerken: dies sei das Ultimatum des Armeeeorps von der obern Donau und seines Commandanten.

Auf unserm Rückzuge von der Lajtha bis Budapest fanden wir — wie erwähnt — nur geringe Theilnahme bei der Bevölkerung; in den Bergstädten und den nördlich angrenzenden Comitaten war diese nun vorwiegend sogar gegen uns gestimmt, verhielt sich übrigens durchgehends passiv, einzelne tricolore Denuncianten abgerechnet, deren Thätigkeit jedoch keinen andern Erfolg hatte, als daß auf meinen Befehl in Schemnitz einige als schwarzgelbe Zeloten verrufene Individuen eingezogen, nach Neusohl gebracht und dort nach einigen Tagen wieder freigelassen, von St.-Nikolaus (sieut IMkIÜ«) hingegen ein Dutzend obseurer slowakischer Agitatoren gefangen mitgeführt und später nach Debrecjin geschickt wurden.

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"lachdem zur Sicherung des Marsches der nördlichen Colonne vorerst eine Demonstration gegen die aus dem Türöezer durch das Arvaer Comitat uns nachdrängende feindliche Brigade des G.-M. Höt z mittels der Arrieregarde eingeleitet, und dieser letzter n zugleich die Zerstörung sämmtlicher im Waagthale von uns passirten Brücken übertragen worden; das Gros des Schlick'schen Corps aber derzeit eben gegen Tokaj, mit der Absicht, den Uebergang über die Theiß bei dem genannten Orte zu foreiren, wiewohl erfolglos, operirte: so konnten beide Colonnen des Armeeeorps von der obern Donau leicht die für den ganzen Marsch aus den Bergstädten in die Zips schon in Neusohl ertheilten Detaildispositionen genau einhalten; und sie standen bereits am 2. Februar 1849: die südliche Colonne mit ihrer Tete, der Division Guyon, in Iglö im Hernädthale, die nördliche Colonne auf gleicher Höhe mit jener, im Thale der Popräd.

Leutschau war an diesem Tage noch von einer schwachen Abtheilung vom Schlick'schen Corps besetzt. Oberst Graf Guyon achtete dieser nicht, und fertigte die seiner Befehle harrrenden Offiziere mit der einschläfernden Weisung ab, daß der folgende Tag ein Rasttag sein werde.

Allein dem folgenden Tage sollte noch eine kritische Nacht vorangehen. Im Laufe derselben nämlich wurde die Division Guyon in Iglö von der erwähnten Leutschauer feindlichen Colonne überfallen und verlor ein Geschütz. Der Feind selbst aber, welcher sich durch die in Folge des Ueberfalls im Guyon'schen Lager entstandene Verwirrung unklugerweise hatte verleiten lassen, seine Angriffe länger fortzusetzen, als dies bei seiner geringen Stärke rathsam gewesen, verlor einen Theil seiner Raketenbatterie, worauf er sich eiligst über Kirchdrauf (8üepe5 - Värah») auf den Branyiszkö, jene Einsattlung des Säros Zipfer Grenzgebirges, über welche die kürzeste Straßenverbindung zwischen Leutschau und Eperjes führt, zurückzog.

War nun auch dieser Ueberfall, wegen des empfindlichen Verlustes, welchen der Ueberfallende selbst dabei erlitten hatte, kein gelungener zu nennen: so gab er uns doch eine Probe von dem Geiste kriegerischer Entschlossenheit, welcher das feindliche Corps des F.-M.-L Grafen Schlick auszeichnete, und ließ auf unserm weitern Durchbruchsversuch gegen die obere Theiß Hindernisse vorahnen, mit deren Ueberwindung wir um so mehr eilen mußten, als die uns im Waagthale vereint nachdrängenden feindlichen Brigaden der Generale Götz und Fürst Iablonowski mit ihrem Verbündeten, dem slowakischen Landsturme, nur mehr zwei Tagmärsche von uns entfernt, in unserm Rücken standen, und die fatale Combination der Rückenangriffe dieser, mit dem gleichzeitigen energischen Widerstande des Schlick'schen Corps in unserer Front sehr leicht die Niederlage des Armeecorps von der obern Donau herbeiführen konnte.

Wohl hatten wir noch einen Ausweg offen, mit dessen Benutzung es möglich gewesen wäre, die Vereinigung unsers Armeecorps mit dem des Obersten Klapka ohne Kampf zu bewerkstelligen, und den F.-M.-L. Grafen Schlick sofort von Süden und Südwesten — nach der ursprünglichen Idee des Kriegsministers Meszäros — anzugreifen. Dieser Ausweg war: die Verlegung des Armeecorps in das Thal des Bodva- Flüßchens von Iglö aus in zwei Colonnen; mit der einen über Rosenau (No«u^6'l»üu^2), Härskut, Almas, Görgö, Torna nach Moldau (8en«i) und der andern über Svedle'r, Einsicdel (ttemele), Stösz, Metzenseifen, nach Iäszö ausgeführt. Allein dann würde dem Feinde gleichfalls die Vereinigung seiner durch das Armeeeorps von der obern Donau voneinander getrennten Streitkräfte zu gute gekommen, und der Siegesnimbus des Schlick'schen Corps, welcher unfern Truppen am meisten imponirte, noch bedenklicher gesteigert worden sein.

Die Gründe, welche uns auf diesen Ausweg verzichten ließen, waren in der That vorwiegend moralischer Natur. Es waren dieselben, welche uns zur Forcirung der Bergstraße über den Branyiszkö drängten, während im Hernäd-Thale über Krompach und Kluknö blos Demonstrationen gemacht wurden; dieselben Gründe, welche mich bestimmten, bei dieser Foreirung die unverläßlichsten Truppen voran zu disponiren.

Der Bergstraße über deu Nranyiszkö war in Folge redseliger Ubertreibungen das Renommee eines Passes, und noch dazu eines von Westen her uneinnehmbaren, zugefallen. Den Branviszkö forciren, hieß damals soviel als: den Stier bei den Hörnern fassen. Das aber war es eben, wozu ich meine mit Ausnahme nur weniger Bataillone unverläßliche Infanterie endlich einmal bringen wollte.

Die Division Guyon bestand an Infanterie aus dem 33. HonvedBataillon, welches am 21. Ianuar bei Windschacht total zersprengt worden; dem 13. Honve'd-Bataillon, welches am folgenden Tage bei dem von Schemnitz aus versuchten Angriffe auf die Umgehungscolonne des Obersten Collerv gleich nach den ersten Schüssen der feindlichen Iäger gänzlich versagt hatte; ferner einem Bataillone sogenannter Pionniere, einem Zuge ungarischer freiwilliger Jäger, und zwei erst vor vierzehn Tagen in Neusohl aus ganz rohen, vom Lande gestellten Reeruten errichteten Honved-Bataillons. Das 33. und 13. Bataillon standen seit den Tagen von Windschacht und Schemnitz begreiflicherweise im Geruche der Feigheit, und waren zum Decimiren reif; die sogenannten Pionniere und die etwa 30 Mann starken ungarischen Iäger waren in der Affaire noch unbekannte Größen, weil unerprobt: was konnte man von den vierzehntägigen Soldaten der letztgenannten

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