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überdies bei dem durch angehäufte Eismassen gehemmten Laufe des Granflusses gar nicht zu denken, und jeder Versuch, die hoch überschwemmten Wegstrecken zu durchwaten, drohte nach den Betheuerungen der Bewohner jener Gegend zum sichern Verderben der Truppen zu führen.

Und so schien der theilweise Untergang meines Corps diesmal wirklich unvermeidlich; denn weder von Büesa noch von Altsohl führte irgend ein, wenngleich noch so nothdürftig prakticabler Weg nach Neusohl, auf welchem sich die fatale Ueberschwemmung hätte umgehen lassen.

Die Rettung aus dieser verzweifelten Lage verdankten wir sonderbarerweise den moralischen Folgen eines tragi-komischen Ereignisses, welches sich bereits am 22. Ianuar, also noch vor der Ueberschwemmung, bei der Division Guyon in Büesa unmittelbar nach deren Rückzug von Schemnitz zugetragen hatte.

Oberst Graf Guyon nämlich wollte — furcht- und einsichtslos wie er stets war — kaum in Büesa mit seiner geschlagenen, vom Marsche erschöpften Division angelangt, nach kurzer Rast wieder gegen Schemnitz aufbrechen, um den Siegern des Tages sogleich Revanche zu geben. Da nun seine Soldaten der hierzu erforderlichen Kampflust zufällig ganz und gar entbehrten, so gedachte er ihnen diese mittels Branntwein beizubringen: aber sie wurden mehr trunken als kampflustig davon. Die Diseiplin, auch sonst nicht die stärkste Seite der Division Guyon, lag bald so sehr danieder, daß schon der alltägliche blinde Lärm „der Feind rückt an!" eine Verwirrung im Lager herbeizuführen genügte, welche nach der vollständigsten Niederlage kaum ärger hätte werden können. Die Meisterschrockenen liefen bis Neusohl zurück. Zwar sammelten sich die aufgelösten Abtheilungen nach und nach wieder in Bücsa, aber die Angst vor einem feindlichen Angriffe war nun einmal da; sie stieg in der Folge mit den Wässern der Gran, und wurde endlich größer als die Furcht vor dem Ertrinken. Nur so war es dem Obersten Grafen Guyon möglich, den Rückzug auf der hoch überschwemmten Straße versuchen zu lassen: und das gelungene Wagniß brachte die Bewohner der Gegend in Verdacht, die Gefahren dabei, aus verrätherisch-feindlicher Absicht gegen uns, so abschreckend geschildert zu haben.

Die Division in Altsohl war bei einem ähnlichen Versuche ungleich schlimmer daran. Sie hatte den Fluß selbst auf der hoch überfluteten Brücke in der Stromschnelle zu passiren; auch stand der Weg, welchen sie nehmen mußte, bedeutend tiefer unter Wasser. Aber das Beispiel der Division Guvon wirkte: und wenige Stunden später waren alle vier Divisionen des Armeeeorps von der obern Donau in Neusohl vereinigt.

In einer spätern Zeit erfuhren wir freilich, daß wir ganz gemüth- lich das Sinken des Hochwassers hätten abwarten können; da die feindliche Brigade des G.-M. Wieß, von welcher wir Altsohl bedroht glaubten, plötzlich gegen Pest zurückgezogen worden, und die Sieger von Windschacht, Hodries und Schemnitz sich zu fernern Angriffen zu schwach gefühlt, ja selbst einen Angriff unsererseits erwartet haben sollten. Allein wir hatten von dem allen nichts geahnt, obschon es nicht gar so selten vorkömmt, daß sich Einer vor dem Andern fürchtet, und meistens Beide ohne Grund.

Indessen würden wir — selbst frühzeitig genug hiervon in Kenntniß gesetzt — die Bergstädte doch nicht länger haben behaupten können; denn der eigentlich unwiderstehliche Feind, welcher uns daraus vertrieb, war der Hunger, weil das Thauwetter die Wege nach den südlichen Comitaten, aus denen wir uns verproviantiren mußten, grundlos, und die Getreidezufuhren von dorther für längere Zeit unmöglich gemacht hatte.

Unmittelbar nach meinem Eintreffen in Schemnitz war mir vom Kriegsminister Meszäros der Befehl zugekommen, ohne Aufschub meinen Rückmarsch gegen die obere Theiß anzutreten, und in Uebereinstimmung mit dem damaligen Obersten Klapka, welcher soeben anstatt des Kriegsministers das Commando über dessen vom k. k. F.-M.-L. Grafen Schlick wiederholt jämmerlich geschlagenes Corps übernommen hatte, gegen den letztern zu operiren. Ich sollte nämlich das Schlick'sche Corps von Südwesten angreifen, während Klapka das Gleiche von Süden zu thun beabsichtigte.

Dieselben Gründe, von welchen ich in Levenz zu dem Flankeumarsche nach den Bergstädten bestimmt worden, hatten in Schemnitz meinen Entschluß ins Leben gerufen, dem erwähnten Befehle des Kriegsministers einstweilen nicht zu gehorchen: denn ich durfte die Nachtheile, welche dem Vaterlande aus diesem Ungehorsam entspringen konnten, nur höchst geringe anschlagen im Vergleiche mit jenen, welche die voraussichtliche Aufreibung des Armeeeorps von der obern Donau unvermeidlich zur Folge haben mußte.

Nach der unverhofft gelungenen Coneentrirung des Armeecorps in Neusohl standen nun freilich die Verhältnisse ganz anders, und anstatt ein ferneres Misachten jenes Befehles zu rechtfertigen, drängten sie mich im Gegentheile, den Antritt des Rückzuges nach der obern Theiß nicht länger zu verschieben.

Nicht ob, sondern wie dieser Rückzug ausgeführt werde; war nunmehr die Frage.

Von Neusohl standen uns hierzu damals nur zwei Wege offen: entweder durch das obere Granthal bis Vöröskö, von dort über die südliche Grenze des Granthalgebietes in das Muränyer Thal und das des Iölsva-Flüßchens, dann über Tornalja, Putnok in den muthmaßlichen Operationsbereich des Klapka'schen Corps; oder über die Zips (82el'e« me^e), das Säroser, und Abaujvärer Comitat.

Auf der erstern Linie war ein feindlicher Conflict höchst wahrscheinlich, auf der letztern gewiß, und noch dazu mit dem gefluchteten siegreichen feindlichen Corps des F.-M.-L. Grafen Schlick, welches eben die genannten Comitate besetzt hielt.

Dessenungeachtet wählten wir diese letzte Route, weil wir auf der erstern, bei der anhaltend milden Witterung, grundlose Wege und bei Tornalja feindliche Angriffe von zwei entgegengesetzten Seiten, und zwar noch während des Marsches, zu fürchten hatten; denn von unserer Bewegung zeitig genug unterrichtet, konnte einerseits ebenfalls das Corps des F.-M.-L. Grafen Schlick, oder doch ein Theil desselben, von Kaschau (1l»««») auf dem Tornaer Wege, andererseits die Brigade des G.-M. Wieß, welche wir damals bereits bei Altsohl voraussetzten, über Vämosfalva (Milna), Zelene, und Rimaszombat, weit früher als wir, bei Tornalja eintreffen, und uns entweder kampfgerüstet erwarten, oder gar während des Marsches überfallen.

Auf der Route durch die Zips dagegen durften wir auch bei fortwährendem Thauwetter, wo nicht auf gute, so doch auf feste Straßen rechnen, waren selbst die Angreifer, und hatten während der ganzen Dauer des Marsches keinen unvermutheten feindlichen Angriff in den Flanken oder im Rücken zu befürchten; da wir nach der damals von uns combinirten Stellung der feindlichen Corps weder auf derselben Route eingeholt werden, noch durch den forcirten Marsch irgend eines feindlichen Corps auf einer andern Route den Vorsprung einbüßen konnten, welchen wir bereits gewonnen hatten und dessen wir eben höchst dringend bedurften, um unsere Angriffe auf das Corps des F.-M.-L. Grafen Schlick mit Muße vorzubereiten und — unbeirrt in Rücken und Flanke — auszuführen.

Demzufolge wurde nachstehender Rückzugsplan entworfen: Das ungarische Armeeeorps von der obern Donau tritt den Rückzug von Neusohl gegen die obere Theiß, über die Zips, und zwar in zwei gleich starken Colonnen an. Die eine, bestehend aus der Division Guvon und der des linken Flügels, bewegt sich durch das obere Granthal und ferner über Pohorella, Vernär, Sztraezena und Huta nach Iglö; die andere, aus den Divisionen Aulich und Kmety bestehend, zieht nach Ueberschreitung der Wasserscheide zwischen der Waag und Gran durch das obere Waagthal in das der Popräd, und ferner über Donnersmark (s!«8t8, lLkbel)) nach Leutschau (I^ü'eze).

Die glückliche Erreichung der beiden angegebenen letzten Marsch objecte mußte dem Gedanken an eine ernste Offensive gegen das Corps des F.-M.-L. Grafen Schlick unbedingt vorangehen.

Die südliche Colonne, welche das Granthal zu durchziehen hatte, erhielt als Arrieregarde einen Train von mehrern hundert Wagen, beladen mit Staatsgütern der verschiedensten Art, darunter Monturvorräthe, eine mobile Gewehrfabrik, Vorräthe von Zucker und Kaffee, Zinn, Kupfer, Gewehrbestandtheile u. vgl. m. Es waren dies zumeist vom Landesvertheidigungs-Ausschuß bestellte Lieferungen, welche wir auf unserm Zuge von Waizen nach Schemnitz, theils schon unterwegs nach den bereits vom Feinde besetzten Hauptstädten, theils erst zur Absendung dahin, an verschiedenen Orten vorgerichtet fanden und unfern Bewegungen folgen ließen, um sie möglichst sicher an den neuen Sitz der Regierung gelangen zu lassen.

Die fernere Deckung der zu einer ungewöhnlichen Ausdehnung angewachsenen Wagencolonne schien mir aber ein zu aufreibender Dienst für die schon durch den forcirten Rückzug allein übermäßig angestrengten Truppen, und da ich den Transport nicht vorausdisponiren durfte, weil das unbedeutendste feindliche Gerücht von unserm Rückzugsobjeete her ihn zum Stocken gebracht und dadurch die nachsolgenden Divisionen in ihrem Marsche aufgehalten haben würde, so mußte er den Truppen auf gut Glück nachziehen.

Die erwähnten Staatsgüter waren nun freilich wohl eine sichere Beute des Feindes, wenn es diesem einsiel, unsere südliche Colonne zu verfolgen; aber dann mußte dieser auch den ganzen Transport vorerst sich selbst aus dem Wege räumen, um die bereits zwei Tagemärsche weiter vorausgeeilten Divisionen einzuholen, und der Commandant des dem Transporte — nicht etwa zu dessen Vertheidigung, blos zur Ueberwachung der Fahrordnung — beigegebenen kleinen Detachements hatte den Auftrag, dem Feinde die Beute, wo thunlich, nur partieenweise zu überlassen, und dadurch sowohl, wie durch häufige Verrammelungen der Straße mittels der preisgegebenen Wagen, wie endlich durch Mitnahme oder Vernichtung der Bespannungen, dessen Nachdrängen möglichst zu erschweren.

Der in Folge dieser Maßregeln der südlichen Colonne nachhaltig gesicherte Vorsprung aber war wichtig genug, um uns für den Verlust der Staatsgüter schadlos zu halten; denn es darf nicht übersehen werden, daß unser Rückzug aus den Bergstädten gegen die obere Theiß zugleich eine Offensive gegen das Corps des F. - M. - L. Grafen Schlick war, und unser Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein mußte, von den uns nachziehenden feindlichen Brigaden der Generale Götz und Fürst Iablonowski nicht, bevor wir den Marsch durch den damaligen Opcrationsbereich des F.-M.-L. Grafen Schlick foreirt hatten, eingeholt zu werden.

Indessen verfolgte der Feind die südliche Colonne nicht, und der ganze Gütertransport blieb somit zur Disposition der Regierung.

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