Графични страници
PDF файл
ePub

Aber die Fragen: Wohin zu, und wie weit sie zurückgedrängt worden? — ob sie nicht im ersten Schrecken etwa gar bis Neusohl zurückgelaufen sei, und so dem wahrscheinlich rasch nachrückenden Feinde die Möglichkeit geboten habe, einerseits die Division in Altsohl, andererseits die in Kremnitz von einander und den übrigen beiden in Neusohl abzuschneiden, dadurch mein Armeeeorps in drei Theile zu trennen, und jeden derselben einzeln aufzureiben? — heischten dringende Antwort.

Diese vermochte mir in Zsarnöcz Niemand zu geben. Auch mußten die Dispositionen für die Division Aulich noch im Laufe der nächsten Nacht erlassen, ja theilweise ausgeführt werden. Ich eilte somit von meinem Adjutanten begleitet zu Wagen nach Kremnitz voraus.

Man hatte mich in Zsarnöez gewarnt, ohne starke Bedeckung zu reisen, da eine feindliche Abtheilung von Hodrics aus quer über den nördlichen Bergrücken längst die Straße von Zsarnöez nach Heiligenkreuz erreicht haben konnte, und ich diese Route nehmen müsse. Ich aber hatte der Warnung nicht geachtet.

Unfern des Ortes, der mir als gefährlich für meine Sicherheit bezeichnet worden, unterbrach nun in der That ein drohendes „Halt, wer da!" in deutscher Sprache den Lauf der Pferde, und im nächsten Momente war unser Wagen von weißberiemten Fußsoldaten umringt. Der deutsche Anruf, das weiße Riemzeug machten uns mistrauisch. Mein Adjutant wollte nicht gleich mit der Farbe heraus. „Ein General", antwortete er zögernd, und „von welchem Bataillone seid ihr?" frug er barsch entgegen, sich gleichzeitig weit aus dem Wagen hinauslehnend, um trotz der Dunkelheit irgend ein bestimmteres Abzeichen an einem der Soldaten zu entdecken. „Nichts da Bataillon! Was für ein General?" war die Antwort, begleitet von dem nähern Heranrücken der Soldaten an den Wagen.

Unsere Lage wurde unangenehm. Wir mußten nun Auskunft geben. Erfolgte auf diese irgend eine feindliche Erklärung: so konnten uns nur ein Schuß auf den zudringlichen Frager, ein Sprung auf den Wagenbock, und ein kräftiger Hieb in die Pferde noch allenfalls retten.

Ich hatte dies bald überlegt, mich allmälig von meinem Sitze erhoben, eine Pistole ergriffen, den Hahn geräuschlos gespannt, und

[ocr errors]

harrte so sprunggerecht mit zurückgehaltenem Athem der Dinge, die da kommen sollten.

Indessen zögerte mein Begleiter noch immer mit der Auskunft, Fortwährend bemüht, früher zu erkennen, als erkannt zu werden, neigte er sich noch mehr über den Wagenschlag gegen die zunächst herangetretenen Soldaten vor. Die kurze Pause dünkte mir eine Ewigkeit. Ich glaubte den Augenblick der Entscheidung kaum mehr erwarten zu können.

„'s ist Alerander Infanterie!" rief endlich der Adjutant, und gab nun ohne weiteres die verlangte Auskunft. Er hatte nämlich einen Unterosfizier der genannten Truppe wieder erkannt, welchem er zufällig am Morgen vor dem unglücklichen Confliete irgend einen besondern Auftrag persönlich ertheilt zu haben sich entsann. Alerander Infanterie trug damals noch weißes Niemzeug. Dieser Umstand war uns Beiden jedoch im ersten Augenblicke der Ueberraschung nicht eingefallen, ebenso wenig wie jener, daß die uns bei Hodries gegenüber gestandenen Iäger schwarzes Riemzeug hatten.

Der erwähnte Unteroffizier sammt der geringen eben um unsern Wagen vertheilten Mannschaft war der kleine Rest jener Compagnie, welche ich während unsers Vorrückens über Hodrics von diesem Orte aus als Recognoseirnngs-Patrouille gegen Windschacht entsendet hatte. Diese war auf ihrem Marsche durch den Wald plötzlich von allen Seiten angegriffen und größtenheils gefangen genommen worden. Nur jenen Wenigen gelang es, sich nach rückwärts durchzuschlagen, und Hodrics dort, wo der Fußsteig von der südlichen Thalwand quer durch die schmale Ortschaft auf den nördlichen Bergrücken führt, zu passiren; nachdem sie vorher in einem nahen Verstecke das Vorüberziehen einer, unfern Rückzug nach Zsarnöez beobachtenden feindlichen Patrouille abgewartet hatten. Ungefährdet gelangten sie hierauf, nach Uebersteigung des erwähnten Bergrückens, auf die Straße von Zsarnöez nach Heiligenkreuz, und waren eben im Begriffe zu ihrem Bataillon in Zsarnöez zu stoßen, als sie uns begegneten.

Ich bedeutete ihnen, ihr Bataillon an Ort und Stelle abzuwarten, da es schon auf dem Rückmarsche sei, und setzte nun meine Fahrt nach Kremmt z ohne weitere Störung fort.

Neunzehntes Capitel.

Dic Niederlage ber Division Guyon dei Nindschachl <ll. Januar» und ihr Rückzug von Schemnitz bi» Nücsa (ll. Januar» nachträglich in Erfahrung gebracht. — Kritische Lage de r Division Aulich. — Rettung au« berselben. — Noch kritischere Lage der Division Guyon und de r linken Flügelbivision. — Endliche Nicbervcrcinigung de« Armeccorp« von der obmi Donau in Ncusohl. — Ein ilterer Rückzug«defehl oc« Kricg«minister« wird nachttäglich erwogen. — Unsere Ruckzug«linien von Neusohl gegen die odere Iheiß. — Rückzug«plan bi« in die Zip«. — Ein Lastwagentrain al« Arrieregarde. — Der Rückzug wirb angetreten. — Ein Versucher. — Stimmung ber Bevölkerung.

^)n Kremnitz fand ich bereits authentische Nachricht vom Obersten Guyon, welche alle meine Besorgnisse leider größtentheils bestätigte. Er war schon am vorhergehenden Tage, den 21. Ianuar, bei Windschacht geschlagen worden und hatte sich nach Schemnitz zurückziehen müssen. In der Nacht darauf erhielt er meinen Befehl zum Angriff der feindlichen Umgehungseolonne, unternahm diesen auch am folgenden Morgen, aber seine Leute suchten — ähnlich den meinen bei Hodrics — schon nach den ersten feindlichen Schüssen das Weite. Mittlerweile wurde er durch den feindlichen Angriff von Windschacht her gezwungen, auch Schemnitz zu räumen; ja die Muthlosigkeit seiner Truppen nöthigte ihn sogar die Gran bei Breznieska zu passiren und bis Büesa zurückzugehen.

Hierdurch schien nun, wie ich befürchtet hatte, die Vereinigung der Division Aulich mit den übrigen Divisionen auf der durch das Granthal führenden Straße unmöglich gemacht; denn diese bildete an mehrern Punkten, ganz knapp am rechten Ufer des Granflusses, enge und gegen das linke Ufer hin offene Desilcen. Von einem Feinde aber, welcher bei der Ausführung seiner Operationen vor so gewagten Zügen, wie der jüngste des Obersten Collerv aus dem untern Granthale über Zsärnöcz und Hodrics gegen Schemnitz gewesen, nicht zurückschrak, durfte ich um so weniger voraussetzen, daß er das linke Granufer, gegenüber den oben angedeuteten, für den Marsch der Division Aulich durch das Granthal höchst ungünstigen Stellen, unbesetzt lassen werde, als er bereits durch den eiligen Rückzug des Obersten Guyon bis Büesa in den ungefährdeten Besitz des linken Granufers längs der erwähnten Straße gelangt war.

Durch das Thalgebiet des Tliröcz-Flüßchens über Perk, Turcsek, Stuben gegen Mosöcz, und dann mittels einer Rechtsschwenkung über Cseremosne, Bartoska und den Berg Hermanecz die Vereinigung der Division Aulich mit dem Gros des Armeeeorps nördlich von Neusohl zu bewerkstelligen, schien bei der drohenden Stellung des G.-M. Götz auf jener Linie und der uns abholden Stimmung der Einwohner jener Gegend wo möglich noch gefährlicher.

Es blieb also nichts Anderes übrig, als den precären Weg über den Gebirgsrücken zwischen Kremnitz und Neusohl selbst auf die Gefahr hin zu benutzen, daß ein Theil des Gepäcks und der Geschütze dabei eingebüßt werden sollte.

Von Kremnitz wie von Neusohl aus führen steile Waldwege bis hart unter den obersten Grat des Gebirges; dieser aber wird von einem Felsenkamme gebildet, über welchen nur einzelne Fußgeher gelangen konnten. Die Bewohner der Gebirgsabhänge benutzten diese Wege, wie man uns versicherte, nur ausnahmsweise im Winter, und auch dann nur mit leichten Schlitten in der Art, daß sie, unter dem Grat angelangt, diese abluden, zerlegten, Alles Stück für Stück über den Kamm auf die jenseitige Fortsetzung des Weges schleppten, dort die Schlitten wieder zusammenfügten und darauf sammt ihrer Fracht nach dem Ziele ihrer Reise hinabglitten.

Um diese schon wegen ihrer Steilheit hinreichend beschwerliche Communication wenigstens ohne jene fatale Unterbrechung benutzen zu können, hatte man einst den Felsenkamm an der schmalsten Stelle seiner Basis durchbrochen; seither aber war dieser Tunnel en lmm»ime wieder theilweise eingestürzt.

Wir mußten denselben somit erst wieder ausräumen und bedeutend erweitern, um ihn auch mit Artillerie Passiren zu können.

Am 24. Ianuar war dies, und in der darauf folgenden Nacht auch der Durchzug der Division Aulich durch den Tunnel — obschon mit unsäglicher Anstrengung von Seiten der Truppen — bewerkstelligt.

Mittlerweile brach jedoch die Gefahr, von dem Gros des Armeecorps getrennt und für sich allein aufgerieben zu werden, unvorhergesehenerweise über die Division Guyon und die des linken Flügels herein.

In derselben Nacht, in welcher die Division Aulich ihren beschwerlichen Marsch über die Szkalka (so, glaube ich, heißt der kurze Ausläufer, welcher von der Wasserscheide der Flüsse Gran und Waag zwischen den Bergstädten Neusohl und Kremnitz südöstlich hinziehend mit dem Laurinberge endigt) vollbracht hatte, war plötzlich abermals so starkes Thauwetter eingetreten, daß die Gran schon am nächsten Morgen, über ihre Ufer hinaustretend, die Straßen zwischen Neusohl, Altsohl und Bücsa mehrere Schuh hoch überschwemmte. Hierdurch wurden die Divisionen in Altsohl und Büsea nicht nur vom Gros in Neusohl, sondern auch die eine von der andern vollkommen isolirt, und ihre Lage erschien hauptsächlich deshalb ungleich gefährlicher, als es jüngst die der Division Aulich in Kremnitz gewesen, weil einerseits dem siegreichen Feinde in Schemnitz meines Wissens kein Hinderniß entgegenstand, welches ihn hätte abhalten können, die Division Guyon bei Bücsa mit Uebermacht anzugreifen und, da ihr Rückzug nach Alt- oder Neusohl durch das überschwemmte Terrain unmöglich war — gänzlich aufzureiben oder geradezu gefangen zu nehmen; andererseits von der Division in Altsohl schon in den letzten Tagen wiederholte Meldungen eingelaufen waren, daß von Karpfen (Narpon») zahlreiche Cavaleriepatrouillen immer kecker gegen Altsohl vordringen, und diese als Vorboten eines demnächst auch von dieser Seite her zu erwartenden feindlichen Angriffes angesehen werden müßten.

An ein schnelles Verrinnen der zurückgestauten Gewässer war

« ПредишнаНапред »