Графични страници
PDF файл
ePub

„Ich erfülle diese Pflicht, indem ich vor allem dem Armeeeorps an der obern Donau durch die bevorstehende Diversion gegen eine Nebenmacht des Feindes, die Aussicht auf günstigere Chaneen eröffne; hauptsächlich aber hoffe ich das Selbstbewußtsein im Armeeeorps dadurch zu heben, daß ich über das, was bereits geschehen ist, wie über das, was unsererseits noch ferner zu geschehen hat, offen und ehrlich mein Urtheil, meine Ueberzeugung ausspreche.

„Ich habe den mir angetragenen Posten übernommen, weil ich die Sache Ungarns für eine gerechte halte.

„Und ich werde meinen Posten behaupten, solange er mir anvertraut bleibt, sollten auch die Besten unter uns wankend werden, und ihren Arm der gerechten Sache entziehen.

„Dies Selbstgefühl gibt mir die Kraft, im Beurtheilen der Thatsachen seit 1. November 1848, meine eigenen Fehlgriffe unverhohlen einzugestehen, hoffend, dem Armeeeorps dadurch die sichersten Garantien für die Ergreifung zweckmäßigerer Maßregeln in der Zukunft zu bieten.

„Ich habe gefehlt, als ich aufhörte, den LandesvertheidigungsAusschuß mit unumstößlichen Grünben dahin zu bewegen, daß er den unglückseligen Grundsatz der Grenzvertheidigung und der Grenzsperre aufgebe; da alle übrigen Unfälle, welchen das Armeecorps unverschuldeterweise ausgesetzt wurde, einzig und allein nur dadurch entsprangen, daß unter den aufreibenden Strapatzen des Vorpostendienstes die Organisation der Armee, sowie die Vermehrung und Consolidirung derselben fromme Wünsche blieben.

„Ich habe gefehlt, als ich im Hauptquartiere zu Bieske dem gemessenen Befehl des Landesvertheidigungs-Ausschusses zum Zurückziehen des Armeeeorps in die erste Linie vor Ofen Folge leistete: weil durch diesen nur wenig motivirten Rückzug das Armeeeorps in das zweideutige Licht versetzt wurde, als wiche es einem die gerechte Sache entscheidenden ersten Confliet aus.

„Allein ich hatte diese Befehle von jener Behörde erhalten, welche der vom Lande erwählte, und von unserm König Ferdinand dem Fünften bestätigte ungarische verantwortliche Kriegsminister General Meszäros selbst als oberste Regierungsgewalt anerkannte und noch fortwährend anerkennt; da er selbst, das Commando des Armeeeorps an der Theiß gegen den uns feindlich gegenüberstehenden General Grafen Schlick, in ihrem Auftrage übernommen, unter ihrer Aegide fortführt. Und ich konnte dies mit dem ruhigen Bewußtsein thun, keine illegitime Handlung zu begehen, und auch das meiner Führung anvertraute koniglich ungarische Armeeeorps zu keiner ähnlichen Handlung zu verleiten, solange der Landesvertheidigungs-Ausschuß sich nicht selbst desavouirte.

„Nachdem aber am 1. Ianuar 1849 — als das Armeecorps an der obern Donau, trotz des anbefohlenen Rückzuges in die erste Linie vor Ofen, kampfentschlossen noch bei Hanzsabeg, Tarnek, Söskut, Bia u. s. w. stand — der Landesvertheidigungs-Ausschuß, statt durch heldenmüthiges Ausharren in der Nähe der Gefahr das Vertrauen zu rechtfertigen, welches wir stets in dessen Loyalität setzten, die Hauptstadt unbegreiflicherweise plötzlich verließ, und uns dadurch, mehr noch aber durch die, ohne unser Vorwissen und Einwilligung an den Obereommandanten der feindlichen Truppen entsendete Deputation, einer rath- und trostlosen, ja sogar zweideutigen Lage überlieferte: da mußte in Manchem unter uns der Argwohn auftauchen, als wären wir von der Höhe, die uns als Vertheidiger der eonstitutionellen Freiheit Ungarns gebührt, zu jener Tiefe herabgewürdigt worden, in welcher man die gewöhnlichen Mittel zur Erreichung egoistischer Privatinteressen mit Erfolg aufzusuchen Pflegt.

„Ohne die Loyalität des Landesvertheidigungs - Ausschusses — so sehr derselbe auch durch sein plötzliches Verschwinden aus der Hauptstadt unser Vertrauen zu ihm erschütterte — in Abrede zu stellen: halte ich es somit dennoch für meine Pflicht, das Armeecorps, damit selbes vor dem elendesten aller Geschicke vor der gänzlichen innern Auflösung bewahrt werde, aufzufordern, daß es folgende Erklärung, welche zum Zwecke hat, uns vor allen, unsere ehrenvolle Stellung begeifernden Zumuthungen zu bewahren, nach reiflichem Ueberlegen entweder zu seiner eigenen mache, oder seine hierüber abweichende Ansicht offen kund gebe." (Folgt meine Unterschrift).

Diese Erklärung lautet wie folgt:

„Das königlich ungarische Armeeeorps an der obern Donau, reffen

Kern und Intelligenz einst dem vereint österreichischen Armeestande angehörte, bevor durch die Sanctionirung des königlich ungarischen Kriegsministeriums die ungarischen Regimenter einzig und allein unter dasselbe gestellt wurden, legte, gehorsam dem Willen des constitutionellen Königs von Ungarn, den Eid auf die Constitution von Ungarn ab; wurde zuerst unter dem Obercommando des Erzherzogs - Palatin den k. k. Truppen unter Iellachich feindlich entgegengestellt, und hat seither trotz der betrübendsten politischen Wirren, immer treu seinem Eide, nur den Befehlen des königlich ungarischen verantwortlichen Kriegsministers, oder des durch diesen als legitim anerkannten LandesvertheidigungsAusschusses Folge geleistet.

„Auf diese unwiderlegbare Thatsache gestützt, verwahrt sich demnach das Armeeeorps an der obern Donau auf das entschiedenste gegen jede Zumuthung, als hätte selbes je Privatinteressen irgend einer Partei in Ungarn gedient, und erklärt alle derlei Gerüchte für niederträchtige Verleumdung. Aber eben diese unwiderlegbare Thatsache der unerschütterlichen Treue, mit welcher das Armeeeorps an der obern Donau, im Kampfe für die Aufrechthaltung der ungarischen Constitution, sich allen Verordnungen des Landesvertheidigungs-Ausschusses, trotz der unsäglichsten Entbehrungen und Enttäuschungen, unverdrossen fügte, berechtigte das Armeeeorps zu der billigen Erwartung, daß der Landesvertheidigungs-Ausschuß wenigstens Eins gewissenhaft vermeiden werde, nämlich: das Armeeeorps in irgend eine zweideutige Lage zu versetzen.

„Nachdem das Armeeeorps von der obern Donau auf die Verordnung des Landesvertheidigungs-Ausschusses die Grenze durch ein und ein halb Monat lang mit seltener Selbstverleugnung durch den angestrengtesten Vorpostendienst geschützt hatte; nachdem es in dem Gefechte bei Wieselburg den bedeutend stärkern Feind siegreich zurückgedrängt; nachdem es sich in der trostlosen Raabe r Position unerschrocken bis zu jenem Augenblicke hielt, wo es bereits von der feindlichen Ueber macht in der rechten Flanke umgangen war, und seinen zur Sicherung der Hauptstädte nöthigen Rückzug nun durch ein hartnäckiges Gefecht mit der feindlichen Umgehungseolonne möglich machen konnte; nachdem es, ohne bei dem Landvolke des Kreises jenseits der Donau jene vielgeträumten Sympathien gefunden zu haben, und ohne daß von Seiten des Landesvertheidigungs-Ausschusses auch nur das Geringste vorbereitet worden wäre, um das Vordringen der feindlichen Uebermacht auf den Haupt- und Nebenwegen der Dotiser, Bänhidaer, Neszmelyer, Csäkvärer, Zämolyer, Ondöder und Särkanyer Communicationen zu hindern, sich theils vor-, theils rückwärts der genannten Orte schlagfertig hielt, bis das siegreiche Vordringen des feindlichen rechten Flügels über Moor unsererseits die Offensive über Märtonväsär veranlaßte, auf ausdrücklichen Befehl des Landesvertheidigungs-Ausschusses jedoch aus dieser Offensive in die Defensive vor Ofen übergegangen werden mußte: da blieb dem vielbedrängten Armeecorps nur noch eine tröstende Aussicht — die des entscheidenden Kampfes unmittelbar vor und i n den Hauptstädten Ungarns.

„Der frühere entschiedene Ton der Verordnungen des Landesvertheidigungs-Ausschusses, wie seine Proclamationen an das Volk, berechtigten zu der Erwartung: es werde derselbe in dem lang ersehnten, endlich gegenwärtigen entscheidenden Momente eine Alles begeisternde Energie entwickeln. >'

„Und statt alles dessen, was geschehen hätte sollen und können, traf am 1. Ianuar 1849 im Hauptquartiere zu Promontorium

1) die Anzeige ein, daß der Landesvertheidigungs - Ausschuß die

Hauptstädte verlassen habe;

2) eine Verordnung desselben, daß auf der sogenannten ersten Linie

vor Ofen, in der Höhe von Te'teny, Bia u. s. w. eine entscheidende Schlacht geliefert werde, ohne aber das Armeecorps zu opfern, noch die Hauptstädte einem Bombardement auszusetzen, d. h. das Armeecorps — sollte die Schlacht verloren gehen — trotz des einzigen sichern Ueberganges und trotz des verfolgenden Feindes ohne Stadtvertheidigung auf das linke Donauufer zu retten;

3) die Weisung, eine Deputation zu dem Obereommandanten der

feindlichen Armee gelangen zu lassen. „Iede dieser drei Thatsachen wäre für sich hinreichend gewesen, das Vertrauen des Armeeeorps in die Männer des LandesvertheidigungsAusschusses zu erschüttern; in ihrem Zusammenwirken aber mußten sie sogar die Befürchtung auftauchen machen, als wäre das Armeeeorps bisher — um den gelindesten Ausdruck zu brauchen — ein brauchbares, aber gefährliches Werkzeug in ungeübter Hand gewesen.

„Um also inmitten der politischen Umtriebe, denen besonders in der nächsten Zukunft unser armes Vaterland preisgegeben werden dürfte, seine Stellung auf streng gesetzlichem Boden unerschütterlich behaupten zu können, gibt das Armeeeorps an der obern Donau hiermit öffentlich folgende Erklärung ab: „1. Das Armeeeorps an der obern Donau bleibt treu seinem Schwur, für die Aufrechthaltung der vom König Ferdinand dem Fünften sanetionirten Constitution des Königreichs Ungarn gegen jeden äußern Feind entschieden zu streiten. „2. Mit derselben Entschiedenheit aber wird das Armeeeorps an der obern Donau auch allen Denen entgegentreten, welche durch unzeitige republikanische Umtriebe im Innern des Landes das constitutionelle Königthum zu stürzen versuchen wollten. „3. Aus dem Begriffe der constitutionellen Monarchie, für welche das Armeeeorps an der obern Donau bis auf den letzten Mann einsteht, folgt von selbst, daß es einzig und allein nur jenen Befehlen folgen dürfe und wolle, welche ihm vom verantwort lichen königlich ungarischen Kriegsminister oder dessen durch ihn selbst ernannten Stellvertreter (gegenwärtig General Vetter) in gesetzlicher Form zukommen. „4. Da das Armeeeorps an der obern Donau, eingedenk des auf die Constitution Ungarns geleisteten Eides und eingedenk seiner Ehre, sich vollkommen bewußt geblieben, was es soll und will: so erklärt es schließlich, daß es das Resultat irgend einer mit dem Feinde gepflogenen Uebereinkunft nur dann anerkennen werde, wenn solches einerseits jene Verfassungsform Ungarns, aufweiche das Armeeeorps beeidet worden, andererseits die Kriegerehre des Armeeeorps selbst garantirt."

(Folgt meine Unterschrift.)

« ПредишнаНапред »