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./> x ^ Die Meldung hierüber traf mich auf der Insel Csepel. Um mich persönlich zu überzeugen, was an der Sache sei, kehrte ich nnverweilt nach Adony zurück. In den Straßen des Orts traf ich bereits die Massen der Bevölkerung und des daselbst concentrirten südlichen Landsturmes in höchst feindlicher Aufregung gegen die beiden Gefangenen. Während des Nachsorschens nach dem Gewahrsam der Letztern begegnete ich zufällig zwei Stabsoffizieren (einem Oberst und einem Major) der sogenannten HuiMdu-Schar. Beide waren in Folge einer Verordnung des Premierministers, ohne Rücksicht auf Aneiennetät und Rang, unter mein Commando gestellt. Von ihnen erfuhr ich, daß sie während meiner Abwesenheit bereits die Verfügung getroffen hätten, die arretirten Grafen nach Pest eseortiren zu lassen. Ich forschte nach dem Grunde dieser Verfügung. Der Oberst that geheimnißvoll und ersuchte mich, ihm in seine nahe Wohnung zu folgen. Nachdem wir diese erreicht hatten, raunte er mir selbstgefällig zu, er habe dafür gesorgt, daß die beiden Grafen das Schicksal des Grafen Lamberg treffe. „Hier, der Herr Major", fuhr er auf diesen hinzeigend fort, „wird die Führung der Eseorte persönlich übernehmen und das Volk in den Straßen von Pest gegen die Gefangenen haranguiren, während diese zu Fuß durch die Stadt geführt werden. Das Volk ist gewiß noch von der Ermordung des Grafen Lamberg für die wiederholte Ausübung der Lynch-Iustiz begeistert — —."

Ich traute kaum meinen Sinnen. Die Ausführung dieses Planes hätte zwei Menschen, ihres bloßen Namens wegen, der blinden Volkswuth geopfert! — Nachdem ich vergebens bemüht gewesen, die Schändlichkeit desselben Denen, welche ihn ausgebrütet hatten, zu Gemüthe zu führen, sah ich mich genöthigt, von der Macht, welche mir über sie gegeben war, Gebrauch zu machen. Ihre Anordnungen verwerfend, befahl ich, daß die Gefangenen nicht nach Pest zu escortiren, sou

i, ^ dern sogleich zu vernehmen und, nach Maß ihrer Schuld oder Nichtschuld am Landesverrathe, entweder standrechtlich abzunrtheilen oder freizulassen seien; worauf ich zur Antwort erhielt: „Ich möge dies immerhin nur selbst versuchen auszuführen und überhaupt die Verantwortung für die Folgen dessen, was ich vorhabe, allein übernehmen."

Die Ereeutirung meines Befehles war in der That höchst zweifelhaft. In der Nähe von Adony, auf dem rechten Donaunfer, hatte ich außer dem Landsturm und der Hunyady-Schar keinen Mann zur Disposition. Der Landsturm betrachtete die Vernichtung Aller, die ihm verdächtig schienen oder so geschildert wurden, als seine erste Aufgabe, und die beiden Grafen hatte man ihm bereits als Landesverräther bezeichnet. Die Hunyady-Schar dagegen war eine sehr wenig diseipli- nirte Truppe, der erwähnte Oberst ihr unmittelbarer Commandant. Er hatte sie organisirt, er alle Chargen besetzt; er duldete jede Zügellosigkeit, ihm war sie ergeben: während sie mich kaum dem Namen nach kannte, und überdies mein (des Majors) Verhältniß als Obercommandant zu ihrem Commandanten (dem Obersten) für die Truppe selbst etwas Verletzendes hatte. Hierzu kam noch, daß auch die HunyadySchar bereits gegen die beiden Grafen aufgehetzt war, und für diese Letzter n unter der ganzen Masse der dort versammelten Bewaffneten nicht Eine Stimme sich erhob, Alles wider sie haranguirte.

Die höhnende Anspielung des Obersten auf die Folgen meiner Absicht, die beiden Grafen im Falle ihrer Nichtschuld freizulassen, gewann durch diese Umstände eine fatale Bedeutung. Ich konnte leicht erkennen, daß ich, wenn es mir mit der Ausführung des gegebenen Befehles Ernst war, hier entschieden, rasch und zwar persönlich handeln müsse, um durchzugreifen. Vor allem mußten die Gefangenen nach der Insel Csepel, also über die Donau, geschafft werden. Dort standen beiläufig 40 0 Mann jenes Bataillons, welches ich selbst organisirt hatte und auf deren Gehorsam ich mich bereits verlassen konnte. Dort zogen zur Zeit nur mehr kleine Scharen verspäteter Landstürmler umher, gegen deren feindliche Absichten die Gefangenen hinreichend geschützt werden konnten, H^

Die Communieationsmittel über den großen Donauarm zwischen der Insel und dem Orte Adony waren nicht bedeutend, somit von dem am Adonyer Ufer versammelten Landsturme und der HunyadySchar auf der Insel nicht viel mehr zu fürchten. Allein eben das Hinüberschaffen der Gefangenen auf die Insel Csepel war der schwierigste Theil der Aufgabe und drohte bei der augenscheinlich zunehmenden

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Aufgeregtheit der Massen bald ganz unausführbar zu werden. Deshalb schien mir die größte Eile geboten.

Ich suchte sogleich die Gefangenen auf und fand sie eben beim Mittagessen im Zimmer eines in der Nachbarschaft meines Quartiers gelegenen Hauses, die Wache im Hofe, bei den Gefangenen selbst aber den Offizier, der sie hierher gebracht hatte. Die nächste Umgebung des Hauses war von so dicht gedrängten Massen umgeben, daß ich nur mit Mühe hinein gelangen konnte. Bei meinem Eintreten in das Zimmer der Gefangenen wurden sie mir von dem wachhabenden Offizier vorgestellt, und Graf «Zugen Zichu fügte, als sein Name genannt wurde, erläuternd hinzu: er sei der unglückliche Administrator dieses Comitats (des Stuhlweißenburger), auf dessen Person der allgemein gegen die Administratorwürde angeregte Haß gegenwärtig in um so höherm Grade gefallen sei, je strenger er seiner Zeit das Regiment geführt habe. „Uebrigens war ich", setzte der Graf fort, „stets ein guter Patriot und habe auch in früherer Zeit zu den Liberalen gehört." An der Fortfemiüg feiner Aede wurde er durch seinen Leidensgefährten unterbrochen, welcher als schlagenden Beweis seiner patriotischen Gesinnung erwähnte, daß er erst in den letztvergangenen Tagen seine Offiziercharge bei einem k. k. Cavalerieregimente quittirt habe, um nicht gegen sein Vaterland kämpfen zu müssen. Ich ersuchte beide Grafen, ihre Entschuldigungen für den Moment ihrer gerichtlichen Vernehmung aufzusparen, und deutete ihnen an, sich zum Transport auf die Insel Csepel bereit zu halten. Hierauf verließ ich sie wieder, um für die Escorte derselben zu sorgen.

Da es sich bei dieser Eseortirung weniger um die Vereitelung eines von Seite der Gefangenen zu befürchtenden Sclbstbefteinngsversuchs, als vielmehr darum handelte, sie inmitten der dichtgedrängten Massen der, besonders gegen oen Grasen Eugen Zichy, erbitterten Bevölkerung Adouys und des Landsturmes vor thätlichen Mishand lungen zu schützen, so stand mir wohl keine große Auswahl an hierzu geeigneten Individuen zu Gebote. Dennoch gelang es, unter der Mannschaft der Hunyady-Schar Einige zu finden, welche schon früher gedient hatten und eben glücklicherweise nüchtern waren. Diese bestimmte ich zur Escorte und blieb, während die Gefangenen aus ihrem Gewahrsam an das Ufer der Donau gebracht wurden, stets in der Nähe derselben; denn ich fürchtete die tückischen Agitationen der erwähnten beiden Stabsoffiziere und traute selbst der Eseorte nicht. Einige Nationalgarde-Offiziere, welche sich noch in Pest meinem Ausmarsche auf die Insel Csepel freiwillig angeschlossen hatten, blieben auch diesmal an meiner Seite und unterstützten mich redlich, die Gefangenen gegen die feindlichen Absichten der Massen in Schutz zu nehmen.

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Wir bedurften wohl einer halben Stunde Zeit, um das Ufer der Donau zu erreichen. Der Weg dahin führte durch die größere Hälfte des Fleckens und ferner knapp an dem Lager des Landsturms vorüber.

Ansangs, so lange unsere nächste Umgebung noch aus jenen Massen bestand, die ich unmittelbar vor unserm Aufbruche in einer kurzen Anrede vor jeder Gewaltthätigkeit gegen die Eseortirten nachdrücklich gewarnt hatte, fanden keine Störungen statt. Bald aber wurden diese ursprünglichen Massen durch andere verdrängt, die immer wieder unter den gräßlichsten Verwünschungen die Schranken der Escorte durch brechen wollten, um der Gefangenen habhaft zu werden. Es galt nun, diesen sowie den erstern Massen, wo möglich ohne Anwendung der äußersten Mittel zu imponiren; denn bei der großen Anzahl von Betrunkenen, welche sich unter der Menge befanden, konnte ein vorzeitiger Gebrauch der Waffen gerade die der beabsichtigten entgegengesetzte Wirkung hervorbringen.

Die Angriffe selbst der Tollsten galten einzig und allein immer nur dem Grafen Eugen Zichy. Einzelne sprangen hart an die Escorte an und verlangten mit Ungestüm, man solle ihnen zeigen, welcher von Beiden es sei, damit sie mit ihm abrechneten — und nachdem sie zurückgeschlendert worden, machten sie ihrer Wuth gewöhnlich in den schreiendsten Anklagen gegen ihn Luft. Diese bestanden meistens in Schilderungen seines unmenschlichen Verfahrens gegen seine Unterthanen.

Unter dem mannigfaltigsten Wechsel ähnlicher Seenen, deren Bedeutung immer drohender wurde und immer einschüchternder auf die Escortemannschaft wirkte, erreichten wir endlich das Ufer der Donau, Ich hatte früher schon einigen Offizieren den Auftrag ertheilt, die zum Ueberschiffen nöthigen Mittel bereit zu halten. Allein auf das bloße Gerücht, ich wolle die beiden Grafen nur nach der Insel bringen, um sie desto gewisser entwischen zu lassen, waren plötzlich alle Fahrzeuge verschwunden. Umsonst mühten sich die ausgesandten Offiziere ab, einige derselben herbeizuschaffen. Die Gefahr für das Leben der Gefangenen steigerte sich zusehends mit jedem Augenblicke unsers fernern Aufenthaltes: unmittelbar am flachen Ufer der Donau, von den aufgehetzten Bauern hart an den Fluß gedrängt, fern jeder schützenden Oertlichkeit!

Rettung ohne Fähren war undenkbar. Diese mußten um jeden Preis herbeigeschafft werden. Die hierzu ausgesandten Offiziere hatten, nachdem selbst Drohungen erfolglos geblieben, zwei Müller des Orts festgenommen, und sich mit ihnen bis zu mir durchgearbeitet. Ueber diese Letztern verhängte ich den Tod, wenn sie nicht augenblicklich unsere Ueberschiffung möglich machten. Das wirkte. Nach Verlauf weniger Minuten waren zwei Müllerkähne zu unserer Aufnahme bereit.

Indessen hatte die Volkswuth den höchsten Gipfel erreicht. Knapp an der Stelle, an welcher wir die Fahrzeuge erwarteten, lagen hoch aufgeschichtet mehrere Hunderte von Sensen, für den Landsturm bestimmt. Zur Bewachung derselben stand von meinem eigenen Bataillon ein Posten dabei. Die Escorte hatte ihre Zurückweisungen hauptsächlich nur an die bewaffneten Zudringlichen gerichtet, wodurch es geschah, daß unsere nächste Umgebung zuletzt fast durchgehends aus Unbewaffneten bestand. Das ansteigende Ufer gestattete den Massen, den Gegenstand ihrer feindseligen Leidenschaften fortwährend im Auge zu behalten. Dieser Umstand war den Hetzereien gegen die Grafen besonders günstig. So oft diese von einem der Agitatoren wiederholt der Volksrache empfohlen wurden, konnte derselbe gleichzeitig unmittelbar auf sie hindeuten. Das erhöhte den Effeet. Kurze Anreden in dem Sinne, daß jene Beiden längst an den nächsten Bäumen hingen, wenn es arme Bauern und nicht eben hochadelige Grafen wären,

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