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27 Mit stillem Ernste oant ich dir,

wenn ich sie dente;
mit Freudenthrånen, mit namenloser Wonne,
dant' ich, o Bater, dir, wenn ich sie fühle.

28 Augenblicke deiner Erbarmungen,

o Vater, finds, wenn du das himmelvolle Gefahr
deiner Allgegenwart
mir in die Seele strömít.

29 Ein solcher Jugenblick,

Allgegenwärtiger,
ist ein Jahrhundert
voll Seligkeit.

30

Meine Secle dürftet,
wie nach der Auferstehung veroorrtes Gebein,
so búrstet meine Seele
nach diesen Augenblicken deiner Erbarmungen.

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31 Id liege vor dir auf meinem angesicht;

o låg' ich, Water, noch tiefer vor dir,
gebudt in dem Staube
der untersten der Welten!

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33 o die du anschaun wirst!

Durd, wen, o meine Seele?
Durch den, Unsterbliche,
der war, und der ist, und der sein wird.

E. .

34 Du, den Worte nicht nennen,

deine noch ungeschaute Gegenwart
erleucht' und 'erhebe jeden meiner Gedanken!

Leit' ihn, Unerschaffner, zu dir! 35 Deiner Gottheit Gegenwart

entflamm' und beflügle
jebe meiner Empfindungen!

Leite se, Unerschaffner, ju dir. 36 Wer bin ich, o Erfter!

Und wer bist du !
Starte, fräftige, gründe mich,

daß ich auf ewig dein sei!
37 Dhu' ihn, ber mich gelehrt, fich geopfert hat

für mich, tonn ich nicht dein rein.
Ohne ihn war der Gebante deiner Gegenwart
Grauen mir vor dem allmächtigen Unbetannten.

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38 Erd' und Himmel vergehn;

deine Berheißungen, Gottlicher, nicht!
Bon dem ersten Gefallenen an,
bis zu dem lekten Erldften,

39 ben die Posaune der Auferstehung

wandeln wird,
bist bei den Deinen du gewesen,
wirst du bei den Deinen sein.

In die Bunden deiner Hånde legt' ich meine finger nicht; in die Wunde deiner Seite legt' ich meine Hand nicht: aber du bist mein Herr und mein Gott!

Anmertungete

1

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Diese Ode erschien zuerst im Nordischen Aufseher I, St. 41. 2) und 3) gleid lautend in der Darmstadter und Schubartiden Sammlung; 4) in der Hamburger Ausgabe S. 15. 5) in der Leipziger l. 144. Sie ist die erste von den fünf religiösen Oden oder Hymnen, die st. in den Jahren 1758 und 1759 gedichtet und in der · angeführten Wochenschrift . U. Cramers, reines Freundes, dem Nordischen Aufseher, zuerst betannt gemacht hat. Sie fangen eine neue Reihe (yrischer Gedichte an; denn in den 5 Jahren von 1754 bis 1758 hatte die höhergestimmte Telin geruhet; diese Zeit war der fortfeßung des Epos und daneben, von 1756 an, Gefángen für den offentlichen Gottesdienst gewidmet. S. Einleitung S. 45. und Briefwechsel II. 123. Unter den prosaischen Auffäßen, die er in jener Zeit für die genannte Wochensdrift fieferte, gehört auch die Abhandlung ,,Bon der besten Art über Gott zu denken,"

Einleitung S. 54. In dieser lehrt er, daß es besonders dreierlei Urten gebe, über Gott zu denken: 1) „die kalte metaphysischer die Gott beinahe als das Objekt einer Wissenschaft ansieht; 2) fromme Betrachtungen, die sich jedoch nur selten zur Bewunderung Got: tes erheben; und 3) ein tiefsinn, der sich zuleßt in Erstaunen auf loft." Diefe dritte Art zu denken (?) zieht er den andern Arten poč. „Sich auf dieser obersten Stufe der Erhebung zu Gott,' ragt er, lange zu erhalten, ist in diesem Leben nicht möglich; aber sich ihr durd mehr als Betrachtung oft und lange nähern, ist auch hier möglich und die höchste aller Glücseligkeiten.". - Hierdurch ist, für dep benkenden Leser, der Charakter dieser und der folgender Oden, so wie mancher seiner Kirchengesånge, ziemlich genau angegeben. Wenn er hier an dem Gebiet des Mystizismus Hart vor: beistreift, ro war das bei der feurigen Phantasie des christlichen Did: ters, damahls wohl nicht anders zu erwarten, da fein Geist mit den orientalischen Vorstellungsarten von Gott, in jener Periode reis ner poetischen Arbeiten fast ausschließlich angefüllt war, und er sich, nach der angeführten Abhandlung, eine vermeinte Theorie, süß zu fchwarmen, gebildet hatte. Aber, hiervon abgesehn, spricht sich in dem Sangen dieser Oden, mit dem unerschütterlichen Glauben an das Dasein des unendlichen Geistes, ein fromme Semůth aus, das seine Gefühle der innigsten Liebe und Bewunderung, in einem un: erichópflichen Strom glühender Rede ergießt, welcher, allen metris schen Zwang verschmähend, sich selbst unaufhaltsam in solchen rhythmischen Zeilen fortwalzt, wie sie fidh, als Mitausdruck der einzelnex Sedanteu, bem finuigen Dichter dgrboten, Die Diction dieser

Hymnen ist dem erhabnen Gegenstande angemessen: einfach, klar, schmuclos, im Einzelnen wenig bildlich und doch durch die Gedankenstellung dichterisch. Einen künstlichen lyrischen Plan muß man in diesen Oden nicht suchen, No. 44. etwa ausgenommen; in der gegens wärtigen geht der Dichter von dem Gedanken aus, den er in der angeführten Stelle ausdrúďt, daß es ihm schwer rei, fich zu jenem feligen Tiefsinn zu erheben, und läßt sich dann von der Einbildungskraft, nach zufälligen Ideenverbindungen forttragen, ohne ein bestimmtes Ziel vor Augen zu haben. Sie hatte ihn, nach der ersten Gestalt der Ode, anfangs noch etwas weiter getragen; denn nach dem jeßigen Schlusse hatte das Gedicht sonst noch 30 Zeilen mehr, die er aber in der Ausgabe 1771 weggelassen hat; denn der Flug der Ode war schon ermattet und selbst in der lekten der aufbehaltenen Strophen zu Betrachtungen gemeiner Afcetif hinabgesunfen.

Str. 1. Da du 10. ach Lukas 22, 44. Und es kam, daß er mit dem Tode rang, und båtete heftiger. Es war aber sein Soweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde."

Str. 3. Willig ist eure Seele u. Matth. 26, 41. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Mit diesen Worten will Christus eigentlich seine Jünger entschuldigen, daß sie, múde und traurig, sich des Schlafs nicht erwehren können.

Str. 8. Das fah kein Auge 16. Anwendung der Ausdrúc de in 1 Corinth, 2, 9. „Das kein Auge gesehen und kein Ohr ges hört hat, und in keines Menschen Herz kommen ist, das Gott bereitet hat, denen, die ihn lieben.“

Str, 10. Wenige – fiud, deren Aug' in der Soó: pfung den Schöpfer siebt. Der Leser dankt es dem Dichter, daß er hier aus jenem mystischen Erůbfinn erwacht und auf etwas 'kommt, wobei er, über das Thema der Ode, doch etwas klares denken kann, auf die Spuren der Almacht, Weisheit und Gús te Gottes in der Natur. Hier sehen wir Gott in feiten Wir: kungen; hier ist er allgegenwärtig, weil er die Urfach von Allem ist.

Str. 13. im Heiligthume, und Str. 14. in dem aller: heiligten, bildlich von diesem Leben auf Erben, und jenem im Himinel, wo die Seeligen Gott schauen. Diere Bilder sind von der Benennung des Heiligen und des after heiligsten entlehnt, weldies abgesonderte, durch einen Vorhang getrennte Derter in der Stiftshütte und in dem Tempel der Israeliten waren. 2 Mor. 26, 33.

Dierer Gedanke der Ewigkeit, nach der frübern Lesurt: dieser himmlische Gedanke.

Str. 13. mit lauten chránen der Freude. Wie tón: nen Chránen laut, hörbar fein? Hörbar nicht, aber ver ne hin: lidh, wenn sie das Gefühl der Freude ausdrúden.

Str. 16. und auferstehn aus der. Allerdings eine fühne Abweichung der Wortfolge, anstatt: aus der ich auferstehn werde, wie es auch nach den ersten Lesarten hieß. Der Dichter ånderte so, schon in der Ausgabe 1771, um den Ton auf das wichtige Wort aufersteh n zu bringen,

Str. 21. Die Höhen werden sich bứ đen . Das Bú: den hier Aeufrung des Gehorsams und der Unterwerfung. Aehnliche Ausdrücke, wie in Jesaias 2, 17. - Die 21. u. 22. Str, wor: in der Dichter, 'yon seinem Thema absdyweifend, auf die gehoffte Auferstehung der Todten kommt und Gott für diese geschenkte Hoff nung preist, sind eine, purch jene zufállige Ideenverbindung entstand: me Parenthese.

Str. 24. Nacht der Wetten, der gestirute Himmel. – in bem dunkeln Wort; in der Offenbarung durch mensdliche Spra: che, welde, nac se - $ Ansicht, unvollkommen ist, die Vor: stellungen nicht erschöpft; f. bei No. 4. V. 39 – 42. Die Ausdrúce sind aus der Stelle 1 Cor. 13, 12. nad Luthers Uebersekung: Wir fehen jeßt durch einen Spiegel, in einem dunkeln Worte, (in aiviyati) dann aber von Angesicht zu Angelicht.“

Str. 31. Id liege u. Warum wird das Gefühl der tiefsten Demuth hier so stark und wortreich ausgedrückt? Soll es die Bitte Str. 34. und 35. einleiten? So demüthigte sich Abraham vor dem Herrn, ais er eine gewisse Bitte wagen wollte, 1 Mof. 18, 27 ff. Aber warum unterbricht der Dichter dieses Vorwort wieder durch et: was anders? Str. 32. 33. Dię Ode scheint hier etwas fragmentas risch zu werden.

Str, 37. Obn' ihn war der Gedante deiner Gegen: wart Grauen mir vor dem all machtigen unbekannten! Die Ausbrúce spielen an auf Apostelgeschichte 18, 23. Dem Nicht: dyristen ist also (nach S - $ darahliger Meinung) der Gedanke an Gottes Gegenwart und seine alles durchdringende Wirksamkeit etwas Schredliches. Aber warum? Kann er, wenn er die Natur betracha ter und Philosophie ihm' das Auge schärft, in jener Wirksamkeit die Hand des Augutigen nicht mit Freude erbticen? muß er dem dum: men Wilden gleichen, der sich seinen Gott als ein bóses, schadens frohes Wesen denkt und meint procul a Jove procul a fulmine? Nodunduldsamer erschien der Didyter in der ersten und zweiten Ausgabe, wo es in diefer Strophe hieß:

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