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( 114 ),

Der rechte Entschluß.

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(1781,)

Wer nicht fürchtet, nicht hofft, nur der ist glücklich!

Also denkt er: Der Weis' erwartet ruhig,

2 Du, dem's hier sich noch wölkt, du wähnst die Zukunft auszuspähen. Du Thor, wirst du denn niemahls

vom ganz anderen Ausgang,

dir zum Heile, gewarnt?

was ihm senden die Vorsicht

werde, Freud' oder Schmerz.

Lernst du niemahls, daß du, ach durch die Hoffnung auch, dich quälest? Denn sie, wenn sie nun scheidet,

reicht, im größeren Kelche,

herbes Trunkes viel mehr.

Und verscheuchest du nicht, was jeho da ist, durch des Künftigen Traum? und lebst ein Leben, welches, leer des Genusses,

Heut nicht, Morgen nicht hat?

Sei, Erwartung gegrüßt, des Beisen Stärke, und, Zufriedenheit du mit dem, was Gott schickt! Leiter ferner; ihr führtet schönen, einsamen Pfad

hin am Meere, wo, nach verschwundner Heitre, Stürme brausen, verweht der Nothschrei jammert, bis die Lasten der Lotse

zählt, die Leichen nicht mit!

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wo, nach leiserem Spiel der sanften Welle, Begen branden, daß dumpf das Felsgestad kracht, und der schwellende Todte

strömt zum weißen Gebein.

Anmerkungen.

E. die Leipziger Ausgabe II. 53. Eine philosophische Ode! das Ergebnis philosophischer Betrachtungen, die K. um jene Zeit über das Wesen der menschlichen Glückseligkeit angestellt zu haben scheint; er fand, es sei Gemüthsruhe, ein Seelenzustand, der durch keine leidenschaftlichen Bewegungen gestört wird; worin man die Zukunft ruhig erwartet, weder künftige Uebel ängstlich fürchtet, noch gewünschte Güter sehnlich hofft, also der Gemüthszustand des Weisen, der ohne Leidenschaft ist, wie diesen Be griff die stoische Schule aufstellt. Denn das Wort der Weise, nimmt der Dichter hier, wie diese Schule, für das Ideal des Menschen, den ganz guten und vernünftigen Menschen. Mit dieser Ode vergleiche man, des ähnlichen Inhalts wegen, die: das Gt: genwärtige (No. 142.) vom Jahr 1789.

2. Dem's hier sich noch wölft, wörtlich, dessen Verstand in diesem Stück noch mit Wolken bedeckt ist, d. i. der es noch nicht einsieht..

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vom ganz anderen Ausgang, „wenn es ganz anders tam, als man gefürchtet oder gehofft hatte."

4. durch des Künftigen Traum, durch die Vorstellung eines fünftigen Glücks, welches uns die Phantasie mit so schönen Farben ausmalt, daß man sich der süßen Hoffnyug ganz hingiebt und darüber die Gegenwart vergist.

5. ihr führtet vst. mich; ihr habt mich bisher den schdnen, stillen Weg durch die Welt, das menschliche Leben, geführt." Denn dieses, worin wir nach allen Seiten so viel Uebel, Unglück und Elend sehn, ist hier dem Dichter bildlich d`as Meer, an dessen Ufern er hinwandelt, während Schiffe und Menschen im Sturm rettungslos untergehn.

7. der schwellende Todte, 'Leichen Ertrunkner, die so lange im Wasser gelegen haben, bis sie in Fäulnis übergehn, da sie denn über dem Wasser schwimmen. zum weißen Gebeln, an einen Strand, wo die Gerippe, die weißen Knochen von Men

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schen liegen, die die Fluth schon ehedem hier ans Land geworfen hatte.

Man übersehe die bewundrungswürdige Kürze nicht, womit K-8 Meisterhand die Hauptzüge des Schiffbruchs zeichnet! Wie viel Vorstellungen liegen in den Worten: wo verweht der Nothschrei jammert? Ein Schiff ist in Gefahr unterzugehn; die Leute rufen durch Nothschüsse andere Seefahrer um Hülfe an; aber diese hdren's vor dem großen Sturme nicht, es verweht, und die Unglücklichen jammern fort, bis sie sinken. Wie viel sagt ferner der hingeworfne Zug die Leichen nicht mit? Das antreibende Schiffgut, die Tonnen, Kisten, Ballen sind dem alten Lotsen freilich viel wichtiger, als die umherschwimmenden vielen Leichen!

Vom Sylbenmaße. Es ist eins von K-8 Erfindung und aus griechischartigen Versen zusammengeseßt, nåinlich aus 2 Phas läzischen, einem Pherekratischen und einer Penthemimeris.

a.

b.

C.

d.

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*

Davon haben a und b den Einschnitt im dritten Fuß; in c kann der erste Fuß ein Spondeus sein; in d ebenfalls, aber nicht der zweite, welcher ein Daktylus sein muß. Jede Strophe, muß. sich als ein vollständiger Saß abrunden, wenn nicht etwa, durch Abweichung von dieser Regel, eine höhere metrische Schönheit ers reicht werden kann, wie hier in der 5. Str. die mit der Wortfolge in die 6te hinübergeht und so das lange Wandeln am öden Gestade mit ausdrücken hilft.

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( 115 )

Die Maßbestimmung.

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Freude! da steht's, ein Geniuswerk; und mir ist doch etwas nicht da; ich entbähre ! Der Entzückung Strahlen, die es auf mich herströmet, wie ist das? nicht ganz,

treffen

(1781.)

hüllen sich dort und hüllen sich da, wie in Dåmmrung, strahlen nicht ganz in das Herz hin; denn ich wünsche! Und doch lockt ihm das Haar die Schönheit, hellt ihm mit Lächeln den Blick,

3 füllt ihm die Stirn die Hoheit mit Ernst, mit dem

Heitern

in dem Gesicht des Entschloßnen, wenn er That thut,
oder thun will. O du, der Frie
Faden, wo liegst du? was fehlt?

Stimmet vielleicht der Teile Verein nicht harmonisch? Dich, Harmonie, der gehorchend, sich zu Mauern Felsen wälzen, der Baum, zu schatten,

wandelt ins Sonnengefild,

5

zaubert sogar der Meister nicht ståts. Hat das Urteil etwa den Teil und das Teilchen nicht mit scharfem Blick gemessen? bemerkt es Ausart

in das zu Groß und zu Klein,

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die nicht? Genau das Maß nicht gedacht und der Umriß

ründet sich nicht mit der Biegung, der es glücket. Ohne Messung gelang selbst Venus

Gürtel den Grazien nicht.

75 Faden, o da, da windest du dich, von Athene's
Finger gedreht, zu der Leitung aus der Jrre.
Maßbestimmung! auch du lehrst Felsen
wallen und Haine, den Strom

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säumen! Vermiss” im Lied' ich dich oft, so entschlüpf' ich, frei nun, dem Kreis, den sein Zauber um mich herzog; und der winkt mir vielleicht vergebens

dann mit dem mächtigen Stab.

Anmerkungen.

Diese Ode (in der Leipz. Ausg. II, 55.) ist åsthetischen Juhalts! Von dem schönen Ebenmaße der Teile eines Kunstwerks, der riß der poetischen Darstellung, in dem nichts zu viel und nichts zu wenig, und jedes an seinem Orte ist. Davon spricht auch Ho raz in der Epistel an die Pisonen, (V. 137.),,ein Gedicht müsse ein Ganzes fein; und wer das nicht machen könne, qui ponere totum nescit, sei eben ein schlechter Dichter."

r

Str. 1. 2. Freude! Man denke, daß ein Dichter in dem Augenblick, da er eben ein Gedicht, eine Ode, ein Lied ic. vollendet hat, so zu sich selber spricht. Er freuet sich, den Gegenstand nach seinem Ideal durch die Rede dargestellt zu haben, und doch sagt ihm ein dunkles Gefühl, daß dem Ganzen noch etwas fehle.

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Der Entzückung 1c. Die Wortfolge ist: der Entzú ďung Strahlen treffen mich nicht ganz, sie hüllen sich wie in Damrung ein, werden dunkel und strahlen daher nicht ganz in das Herz hin, d. i. ich freue mich nicht von ganzem Herzen, denn ich wünsche, vermisse noch etwas. Und doch lockt ihm, dem Geniuswerk, dem Gedicht, die Schönheit das Haar (wie eine Liebende, die dem Geliebten das Haar in Locken legt, vgl. No. 25.) d. i.,,und doch fehlt es meinem Gedicht nicht an Schönheiten."

3. füllt ihm ic. die Hoheit, das Erhabne in der Kunst füllt ihm, dem Seniuswerk, die Stirn mit Ernst, „es fehlt, auch nicht an Zügen des Erhabnen und Großert."

der Frre Faden, der Faden des Labyrinths, der Weg der Untersuchung dieser schweren Frage.

4. Dich Harmonie 2. Die Wortfolge ist: Dich Harmo

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