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Batterien nur immer thunlich, fortzusetzen: und so lange dies währte, durften wir von jenem Zeichen der Ergebung begreiflicherweise durchaus keine Notiz nehmen, um so weniger, da es unserer Beobachtung zufällig entgangen, von wem die weiße Fahne aufgesteckt worden. Die anonyme „Bitte um Pardon" konnte auch blos von einem friedliebenden Ofener Bürger herrühren, dessen Haus etwa zufällig mit dem Weißenburger Rondell und unsere Breschbatterie in ein und derselben Richtung lag, und von den Kugeln der letztern vielleicht hart mitgenommen wurd.

Nach einer Weile jedoch trat plötzlich ein Mann der Besatzung an die Traversen, ergriff die Fahne und trug sie mit schwanken Schritten nach dem Weißenburger Rondell.

Dort angelangt, pflanzte er sie auf die Brustwehr.

Einigen unter den Vertheidigern dieses Objectes schien dies ein vollkommener Vorwand, den fernern Widerstand aufzugeben. Der größere Theil fuhr fort zu feuern. Ueberdies erschien wenige Augenblicke später ein Offizier auf dem Rondell, näherte sich der Brustwehr, riß von derselben das Zeichen der Ergebung herab und warf es zu Boden. Kaum aber hatte sich dieser Offizier wieder entfernt, so wehte die Fahne von neuem über der Brustwehr. Und nun schien die Idee der Ergebung bereits die Mehrzahl der Vertheidiger für sich haben; denn nur Einzelne derselben feuerten noch hin und wieder. Auch diese streckten endlich die Waffen. Unsere Batterien und Tirailleurs stellten ihr Feuer ein, und während nun die letztern das Weißenburger Rondell mit Leitern erstiegen, war die Mehrzahl der Bataillone des 1. Corps von ihrem Sammelpunkte auf dem Walle südlich der Bresche, bereits in das Innere der Stadt eingedrungen, hatte bereits der letzte verzweifelte Kampf in den Straßen begonnen. Diesen zu beobachten hinderte uns gleichwohl die Häuserreihe längs dem Walle der Weißenburger Front, wir sahen blos den Dampf der feindlichen Geschütze über den Dächern emporqualmen.

Fast gleichzeitig erhob sich jenseits der Festung eine Pulverdamvfwolke von ungewöhnlicher Ausdehnung. Das hatte der Kettenbrücke gegolten! Aber die vernunftwidrige Absicht war durch die zweckwidrige Anlage jener Mine vereitelt worden, welche die riesigen Ketten der Brücke zu sprengen bestimmt gewesen.

Eine halbe Stunde später erhielt ich die Meldung des Generals Nagy-Sändor: die Feste sammt der Besatzung — G.-M. Hentzi tödtlich verwundet — sei vollends in unserer Gewalt.

Dreizehntes Capitel.

Kritik der Belagerung und Berthcidigung von Osen.

Um die Mittagsstunde des 4. Mai wurde Ofen von uns cernirt, und erst am Morgen des 21. gelangten wir in den Besitz dieses Punktes, hatten somit beinahe 17 volle Tage auf die Eroberung desselben verwendet.

Nächst der Standhaftigkeit der feindlichen Garnison waren der Mangel an allen Vorbereitungen zu den unerwarteterweise nothwendig gewordenen Belagerungsarbeiten, unsere Misgriffe während der letztern, unsere geringen Kräfte an Belagerungsartillerie und überdies auch noch die unzeitigen Bedenklichkeiten, um den glimpflichsten Ausdruck zu wählen, des Komorner Festungscommandanten Grafen Guyon die Hauptveranlassungen jenes für uns jedenfalls empfindlichen Zeitverlustes.

Es läßt sich schlechterdings nicht in Abrede stellen, daß die Festung Ofen, bei der vom G.-M. Hentzi beobachteten Vertheidigungsmethode, längstens binnen 8 Tagen hätte unser sein müssen: wenn ich anstatt der vorgefaßten Meinung, die Festung Ofen mit bloßen Infanterieund Haubitzangriffen erobern zu können, gleich den Belagerungspark von Komorn mitgebracht, die für den Batteriebau erforderlichen Requisitionen vorsorglich eingeleitet, und dem Batteriebau selbst — bei gleicher Energie — mit gediegener Umsicht in Angriff genommen haben würde. Denn die Methode, nach welcher G.-M. Hentzi die Vertheidigung Ofens geleitet, schien auf dem eigenthümlichen Wahne zu fußen, als ob die je längere Behauptung eines belagerten festen Platzes nicht sowohl von der Nachdrücklichkeit der Störungen in den Belagerungsarbeiten, als vielmehr von der Größe der Verwüstungen abhinge, welche an irgend einem Punkte, außerhalb des offensiven Rayons, angerichtet wurden.

Anstatt unfern Batteriebau — ohne dessen Vollendung wir einzig und allein auf die bei der Tapferkeit der Besatzung allerdings sehr precaire Escalade angewiesen geblieben wären — um jeden Preis zu hindern, verwendete G.-M. Hentzi jene kolossalen Mittel, deren Besitzes er sich in seiner Antwort auf meine Aufforderung zur Uebergabe mit vollem Rechte gerühmt, ausschließlich auf die wiederholten Bombardements von Pest.

Während unter seinen Augen am Spitzbergel unsererseits mit sichtlicher Unbeholfenheit unablässig geschanzt wurde, und die Hälfte der bei jenen Bombardements thätigen Geschütze hingereicht hätte, den Aufbau der Breschbatterie zu vereiteln: ließ G.-M. Hentzi vor allem die Demolirung des verödeten Repräsentantenhauses sich angelegen sein, und feuerwerkelte nebenbei einige Dutzend Häuser zufällig durchweg schwarzgelb-gesinnungstüchtiger Pester Bürger in Schutt und Asche; bis ihm endlich das cannibalische Privatvergnügen an der fernern Wiederholung ähnlicher Erperimente durch die donnernden „memeoto mori" unserer mittlerweile zu Stande gekommenen Breschbatterie vergällt wurde.

Erst jetzt, nachdem der Fuß bereits wund, schien G.-M. Hentzi zu merken, wo ihn eigentlich der Schuh drückte.

Von nun an sehen wir ihn freilich wohl das Acußerste aufbieten, um die Brustwehren, deren Entstehen er en büAslelle genommen, nachträglich zu rasiren, die Geschütze, deren Einführung in die Batterien zu hindern er nicht einmal versucht, nachträglich zum Schweigen zu bringen. Wir sehen ihn glechzeitig Defensivbauten, welche er schon am ersten Tage der Cernirnng hätte beginnen sollen, nachträglich mit überraschender Energie in Angriff nehmen und rastlos fortsetzen.

Aber all jene Riesenanstrengungen hatten eben nur den gewöhnlichen Erfolg alles „Nachträglichen". Sie kamen zu spät. Die Tage, an welchen sie hätten gemacht werden sollen, G.-M. Hentzi glaubte sie, wie gesagt, ausschließlich den Bombardements von Pest widmen zu müssen.

Und nun sie um, d. h. unsere Vierundzwanzigpfünder bereits in Thätigkeit waren, konnte er die Herstellung der Bresche nicht mehr verhindern, vermochte selbst die verzweifeltste Gegenwehr der Besatzung den, angesichts unserer Armuth an Mitteln und unserer Unbeholfenheit während der Belagerung, immer vorfrühen Fall der Festung nicht mehr zu verzögern.

Die vorstehend skizzirte Vertheidigung Ofens siechte, bei all ihrer Tapferkeit, an dem Vorwalten einer, nur aus politischem Fanatismus ableitbaren, übrigens ebenso albernen als unbedingt verabscheuungswürdigen Zerstörungswuth.

Die Bombardements von Pest waren, ich wiederhole es, schlechterdings von keinem Standpunkte aus zu rechtfertigen. Vom politischen nicht, weil die Pester „Hausherren", wie gesagt, weder zu den Kossuthianern noch zu den Republikanern zählten; und ebenso wenig vom militärischen, denn jene Bombardements erfüllten (abgesehen von dem bereits dagegen Angeführten) nicht einmal als Repressivmaßregeln ihren Zweck. Als solche hätten sie uns ja bewegen sollen die Cernirung sofort aufzugeben und ohne Weiteres abzuziehen.

Dies geschah jedoch keineswegs, und konnte feindlicherseits (selbst wenn man auf den kategorischen Ton meiner Aufforderung zur Uebergabe durchaus kein Gewicht legte) bei nüchterner Würdigung des damaligen Standes der specifisch-österreichischen Sache in Ungarn, ebenso unschwer, wie die gefährliche Erbitterung vorausgesehen werden, welche unsere Reihen, in Folge jener Verwüstungen der Stadt Pest, gegen die Urheber derselben ergreifen mußte.

Dies Alles vorher erwägend hatte ich von G.-M. Hentzi — wie bekannt — gegen die Versicherung, daß er vom linken Donauufer her keinen Angriff zu besorgen habe, die Schonung der Stadt Pest und der Kettenbrücke gefordert. Ich hatte gleichzeitig ihm und seinen Truppen, selbst wenn sie sich bis zum äußersten hielten, eine menschliche

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