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meidlichen starken Geräusche vermochte der Feind unsere Absicht, lange vor dem Anlangen der Sturmcolonne am Fuße der Bresche, zu errathen. Anstatt des Vertheidigers war somit vielmehr der Angreifer der Ueberraschte; denn jener eröffnete den Kampf bereits, ehe dieser noch in der rechten Verfassung, ihn anzugreifen, gewesen. Der Sturm hatte noch nicht begonnen, und schon waren die Truppen des 1. Corps von den Anstrengungen während des Vordringens auf dem beschwerlichen Terrain erschöpft und durch das heftige Feuer des vorfrüh allarmirten Feindes erschüttert. Vor dem nächsten Sturme mußten demnach alle Hindemisse auf dem Zugange zur Bresche vollends beseitigt werden.

Die Garnison war bisher, namentlich im Innern der Festung, von unsern Projectilen nur ausnahmsweise belästigt worden; sie hatte genug der nöthigen Ruhe, um bei einem gleichzeitigen Ueberflusse an Lebensmitteln vollkommen guten Muthes zu bleiben. Es konnte uns bei dem nächsten Sturme zweifelsohne sehr zu statten kommen, wenn sie bis dahin etwas mürbe gemacht würde. Wir glaubten diesen Zweck am sichersten zu erreichen, indem wir von nun an das Innere der Festung so lebhaft, als dies bei der Kargheit unserer Mittel (wir hatten mittlerweile aus der Festung Komorn die schon oben erwähnten vier Mörser bezogen und dieselben theils am Blocksberge, theils in der Wiener Vorstadt aufgestellt) thunlich war, bombardirten und gleichzeitig aus den Zwölfpfünder- und Haubitz-Batterien beschossen, um namentlich jene Gebäude, welche uns durch Kundschafter als feindliche Magazine und Casernen bezeichnet wurden, in Brand zu stecken.

Durch den ersten Sturm — zieht man die hier vorausgeschickten Details desselben in Erwägung — konnte die Besatzung schlechterdings nicht überrascht worden sein. Ie weniger überraschend aber ein Angriff, desto zweifelhafter unter sonst gleichen Verhältnissen sein Gelingen. Es handelte sich demnach vorzüglich auch darum, dem nächsten Sturme auf irgend eine Weise den Vortheil der Ueberraschung zu sichern.

Zu diesem Ende wurden bei Einbruch gleich der ersten Nacht nach dem misglückten Angriffe, auf die ganze Umfassung der Festung, mit Ausnahme der Pester Front, welche für uns unzugänglich war, lärmende Scheinangriffe eingeleitet und etwa bis 2 Uhr nach Mitternacht ununterbrochen fortgesetzt, um diese Stunde jedoch das Kleingewehrwie das Batteriefeuer gänzlich eingestellt und das letztere erst bei helllichtem Tage wieder eröffnet. Die Wiederholung dieses Manoeuvre während der zwei oder drei folgenden Nächte sollte einerseits die, etwa auf Ungangbarmachung der Bresche oder des Zugangs zu derselben berechneten, nächtlichen Unternehmungen des Feindes vereiteln, andererseits den letztern daran gewöhnen, die zweite Stunde nach Mitternacht als den gewissen Zeitpunkt zu betrachten, von welchem an, bis wieder zum Einbruche der nächsten Nacht, er keine femern Angriffe mehr zu befürchten hätte.

Die letzte Wiederholung jener Scheinangriffe fand in der Nacht vom 20. auf den 21. Mai statt.

Mit der zweiten Stunde nach Mitternacht hörte auch diesmal das lebhafte Geplänkel unserer nächtlichen Harcelirer plötzlich auf, und geräuschlos begannen zugleich die Vorbereitungen zum wirklichen Sturme. Verhüllt vom Dunkel der Nacht, näherten sich die Colonnen ihren Angriffsobjeeten, des Signales zum Anlaufe gewärtig.

Schlag 3 Uhr Morgens gaben sämmtliche Batterien eine Decharge; dann schwiegen die Batterien wieder. Das war das allgemeine Sturmsignal.

Die noch einige Zeit anhaltende Dunkelheit machte anfangs die deutliche Wahrnehmung dessen, was an der Bresche vorging — trotz der hierzu günstigen Lage des Hauptquartiers — unmöglich. Aber das Aufblitzen der einzelnen Kanonen- und Flintenschüsse vom Weißenburger Rondell, die kurzen Lichtbogen der aus demselben gegen die nahe Bresche hin geschleuderten Handgranaten, und das lebhafte — unsererseits von einer dichten, hinter den eigentlichen Sturmeolonnen entwickelten Plänklerkette gegen die Vertheidiger zur Erleichterung des Anlaufes unterhaltene — Tirailleurfeuer ließen einstweilen errathen, daß die Unsem bereits auf der Bresche seien.

Bald darauf konnten wir im Dämmerlichte die Massen erkennen, wie sie zu wiederholten Malen die Bresche hinanstürmten, durch das heftige Feuer des Weißenburger Rondells jedoch immer wieder zurück gescheucht wurden. Einzelne erreichten gleichwohl fast bei jedem neuen Anlaufe den Wall. Aber im nächsten Augenblicke waren auch diese nirgends mehr zu erblicken; die Kugeln der Vertheidiger mochten sie hingestreckt haben.

Ie länger wir diese erfolglosen Anstrengungen beobachteten, desto klarer wurde in uns die Ueberzeugung, daß unser Tirailleurfeuer — ungeachtet seiner Lebhaftigkeit — noch lange nicht genüge, um die hartnäckigsten Vertheidiger der Bresche, die Besatzung des Weißenburger Rondells, in dem für das Gelingen des Sturmes erforderlichen Grade zu decontenanciren. Hier mußte mit Geschütz nachgeholfen werden. Die Bresch- und die rechts neben dieser gelegene Demontirbatterie erhielten Befehl, ihr Feuer wieder und zwar gegen das Weißenburger Rondell, jedoch in der Weise zu eröffnen, daß die Projectile möglichst nahe über demselben hinwegstrichen. Wir versprachen uns von dem imponirenden Getöse der in rascher Folge über den Köpfen der Rondellbemannung dahinsausenden Vollkugelu einen für die Stürmenden ungleich günstigem Erfolg als von dem wenngleich mörderischen Kleingewehrfeuer unserer Plänkler.

Bei der ansehnlichen Entfernung der Breschbatterie vom Haupte quartiere währte es gleichwohl noch ziemlich lange, bis jener Befehl zur Ausführung kam, und wir konnten inzwischen deutlich wahrnehmen, wie die mittlerweile fortgesetzten Sturmversuche — von Fall zu Fall mit zusehends minderer Kraft unternommen — immer erfolgloser blieben.

Mit der beginnenden Wirksamkeit jener Batterien aber schien der sinkende Muth unserer Truppen plötzlich wieder neu belebt. Der nächste Anlauf, mit sichtlich höherer Energie versucht, brachte bereits die größere Hälfte der augenblicklich Stürmenden auf den Wall. Das Weißenburger Rondell lag diesen nunmehr links rückwärts; sie wandten sich rechts und verschwanden alsbald wieder vor unsern Blicken in dem noch immer undurchdringlichen Schatten des dunkeln Gemäuers einiger, unweit der Bresche gelegenen, halb ausgebauten Häuser.

Peinliche Ungewißheit ergriff uns ob dem Schicksal dieser Braven.

Ein zweiter Sturmversuch mit nahezu gleich günstigem und gleich räthselhaftem Ausgange, und wohl noch ein dritter, folgten dem ersten in kurzen Zeiträumen. Nach dem letztern aber trat plötzlich ein unerklärlicher Stillstand ein. Die Bresche blieb fortan unbetreten, — und dennoch konnten bisher von den Unfern, nach beiläufiger Schätzung, kaum mehr als die Hälfte eines Bataillons den Wall erreicht haben. Es hatte vollkommen den Anschein, als wäre der Kampf, eben in dem Augenblicke, wo er in eine für die Angreifer günstigere Entwickelungsphase überzugehen begann, von diesen feigherzigerweise aufgegeben worden. Aengstlich forschten wir in den noch immer nur sehr matt erhellten Environs der Bresche nach irgend einer besondern Veranlassung dieser trostlosen Wendung der Dinge.

Das Feuer vom Weißenburger Rondell hatte — dank der Thä- tigkeit unserer Bresch- und Demontirbatterie — eher nachgelassen als zugenommen, obschon es noch ziemlich ununterbrochen fortwährte. Sonst aber war kein Mann der Besatzung auf dem Walle zunächst der Bresche sichtbar; erst in ziemlicher Entfernung, südlich derselben, glaubten wir eine feindliche Abtheilung zu bemerken, welche sich eben auf dem Walle zu sammeln schien, um sofort gegen die Bresche vorzudringen und deren scheinbar verlassene Environs wieder zu besetzen. Allein wir hatten sie bereits längere Zeit im Auge behalten und konnten dessenungeachtet noch immer nicht wahrnehmen, daß sie gegen die Bresche zu Raum gewänne. Anfangs nahmen wir dies für ein günstiges Zeichen, voraussetzend, diejenigen der Unfern, welche früher die Bresche erstiegen hatten, seien noch nicht unterlegen und verwehrten nun jener Abtheilung das Vordringen auf dem Walle gegen die Bresche. Aber es war längs der ganzen Strecke des Walles bis zur Bresche hin noch kein Schuß gefallen, und von Bayonnetangriffen konnte bei der Unbeweglichkeit jener Abtheilung ohnedies nicht die Rede sein.

Die zunehmende Tageshelle löste endlich alle Widersprüche. Jene Abtheilung auf dem Walle scharte sich um die Tricolore eines Honvedbataillons! — sie bestand zum Theil aus den Braven, welche früher die Bresche erstiegen und hier einen Haltpunkt gefunden, zum Theil aus Escaladeurs, welche die Ersteigung der „terrassirten Umfassung" mittels Leitern den fernem Versuchen, über die Bresche auf den Wall zu gelangen, vorzogen. Aber die Escalade, durch das Feuer des Weißenburger Rondells gleichsalls — obschon der größern Entfernung wegen in minderm Grade als die Ersteigung der Bresche — erschwert und überdies bei der obersten Mauer auf eine einzige Leiter beschränkt, lieferte nur höchst spärliche Zuflüsse an neuen Streitkräften zur Verstärkung jener isolirten Abtheilung auf dem Walle.

Die Besorgniß, diese den verzweifelten Angriffen der Garnison unterliegen zu sehen, wenn die Escalade an der Wiener Front und der Sturm auf die Retranchements vor dem Wasserdruckwerke nun etwa plötzlich aufgegeben würden, — da es bereits Tag geworden, ohne daß jene Unternehmungen noch gelungen waren — veranlaßte die eilige Absendung zweier Offiziere aus dem Hauptquartiere an das 3. Corps und di^ Division Kmety, um diesen die ermuthigende Nachricht von den Erfolgen des 1. Corps und zugleich den gemessenen Befehl zur je energischern Fortsetzung der Angriffe auf die genannten Objecte zukommen zu lassen.

Indessen zeigte sich diese Maßregel bald als eine überflüssige. Die beiden Offiziere konnten noch kaum den halben Weg vom Hauptquartiere nach der Wiener Vorstadt zurückgelegt haben, als wir bereits die ersten Escaladeurs des 3. Corps auf dem Walle der Wiener Front gegen den von dieser und der Weißenburger Front gebildeten Winkel vordringen, die Kroaten hingegen, welche diesen Punkt vertheidigt hatten, in das Innere der Festung zurückweichen sahen.

Bald darauf wehte das Zeichen der Ergebung — eine improvisirte weiße Fahne — von einer jener Traversen auf dem Weißenburger Walle herab, welche — wie erwähnt — zum Schutze der daselbst gegen unsere Breschbatterie aufgeführten vier Vierundzwanzigpfünder waren errichtet worden.

Doch hinderte das Wehen jener Fahne die Vertheidiger des Weißenburger Rondells nicht im geringsten, ihr fatales Feuer auf die Escaladeurs des 1. Corps an der terrassirten Umfassung, so lebhalft als solches bei der gegen sie gerichteten Thätigkeit unserer Tirailleurs und

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