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nahme Ofens doch nicht so schnell gehen dürfte, als er dies dem Chef des Generalstabs und mir bei unserer Komorner Berathung über die fernem Operationen klar zu machen bemüht gewesen.

Diese Enttäuschung veranlaßte ihn, mir von der Berennung Ofens schriftlich abzurathen. Dem Datum nach schien das Schreiben, in welchem er dies that (es lautete, wenn ich mich recht entsinne, vom 1. oder 2. Mai) darauf berechnet, mich noch auf dem Marsche gegen Ofen zu finden, während die Anstalten, welche Klapka getroffen, um dasselbe an mich gelangen zu lassen, die entgegengesetzte Absicht andeuteten: denn ich empfing dies Schreiben erst, als G.-M. Hentzi bereits sehr kategorisch zur Uebergabe aufgefordert worden war, und hierauf eine eben so kategorisch abfertigende Antwort ertheilt hatte.

Nach jener Aufforderung aber und dieser Antwort darauf erlaubten es mir meine Ansichten über das, was man „Waffenehre" nennt, nicht mehr, von Ofen abzuziehen, ohne vorher das Aeußerste zu dessen Erstürmung aufgeboten zu haben.

Ueberdies wurden die Rücksichten für unsere Waffenehre, in ihrer augenblicklichen Function als Motive für die Belagerung Ofens, auch noch durch jene politischen Gründe unterstützt, welche mich überhaupt bestimmt hatten, in der zu Komorn gepflogenen Berathung über die nächsten Operationen, dem Antrage Klapka's vor jenem des Generalstab-Chefs den Vorzug zu geben (siehe Capitel 9. dieses Bandes).

Hatte ich damals schon in dem raschen Falle Ofens eine Quelle günstiger Chancen für den Versuch vorausgesetzt, die Regierung Oesterreichs, wie den Reichstag Ungarns im Namen der, angenommen, bis an die Lajtha siegreich vorgedrungenen ungarischen Hauptarmee zu einem friedlichen Vergleiche aufzufordern: so mußte ich nach der kernigen Antwort, welche mir G.-M. Hentzi auf meine Aufforderung ertheilt, vollends die absolute Nothwendigkeit erkennen, daß Ofen, gleichviel ob rasch oder nicht rasch, früher falle, ehe ich auch nur im Entferntesten daran denken durfte, jenen Versuch, und stände der augenblicklichen Offensive gegen die Lajtha ein noch so erwünschter Fortgang bevor, mit irgend einer Aussicht auf Erfolg zu wagen.

Zwölües Capitel.

Die Belagnung von Ofcn.

Generalmajor Hentzi hatte nicht zu viel gesagt, als er in seinem Antwortschreiben behauptete, Ofen wäre seit der Besitznahme der Hauptstädte durch die Oestreicher in einen haltbaren Platz umgewandelt worden. Ich sollte bald Gelegenheit finden, mich von der Richtigkeit dieser Behauptung, von der Voreiligkeit meiner entgegengesetzten Meinung, zu überzeugen.

Während der erwähnte kriegsgefangene österreichische Offizier mein Schreiben an Hentzi in die Festung brachte, stand die Division Kmety schon in der Wasserstadt, des Befehles zum Sturme auf die Retranchements gewärtig.

Der Parlamentär kehrte mit der Antwort des G.-M. Hentzi zurück, und wenige Minuten später waren die Angriffsbefehle an die Division Kmety und die auf dem Blocksberge, dem kleinen Schwabenberge und dem Bergrücken gegenüber der Wiener Front postirten Batterien bereits unterwegs.

Herzhaft, wie immer, griff Kmety an, mittelbar unterstützt durch das auf allgemeine Entmuthigung der Garnison berechnete lebhafte Feuer unserer erwähnten Batterien.

Der vorbedachte Endzweck des Sturmes auf die Retranchements vor dem Wasserdruckwerke war die Zerstörung des letztern.

Die Festung Ofen besaß — meines Wissens — weder Cisternen noch Brunnen.

Zwei Wasserleitungen dienten seit jeher dazu, diesem Mangel abzuhelfen. Eine derselben, welche die Festung mit gutem Trinkwasser aus einer Quelle am großen Schwabenberge versah, hatten wir bereits zerstört. Gelang uns dies auch mit der andern, dem ofterwähnten Wasserdruckwerke, noch: so versiegte vollends jeglicher Wasserzufluß im Innern der Festung; und die Besatzung konnte sich, meiner Meinung nach, kaum Tage lang halten.

Allein der Sturm der Division Kmety misglückte, und die Verluste, welche wir dabei erlitten, waren empfindlich genug, um uns von der Wiederholung eines ähnlichen vereinzelten Unternehmens für immer abzuschrecken.

Auch das Feuer unserer Batterien mußte bereits im Laufe des ersten Tages gemäßigt und auf die bloße Erwiderung der vereinzelten feindlichen Schüsse beschränkt werden, weil das räthselhafte Hinderniß, welches die regelmäßigen Munitionszufuhren schon seit geraumer Zeit ins Stocken gebracht hatte, noch immer nicht gehoben war.

Ich entsinne mich sehr lebhaft der Thatsache, daß es dem Artilleriecommandanten der Hauptarmee erst während des weitern Verlaufes der Belagerung von Ofen gelungen, zugleich mit den verspäteten Sendungen an Feldstückmunition auch der Ursache dieser Verspätung auf die Spur zu gelangen.

Gleich nach der feindlicherseits (am 10. April) erfolgten Räumung der Stadt Waizen nämlich hatte sich jenseits der Theiß das Gerücht verbreitet, die Hauptstädte des Landes seien bereits in unserer Gewalt, und die Pest-Szolnoker Eisenbahnfahrten würden demnächst wieder eröffnet.

Von diesem Gerüchte ließ sich das mit der Absendung der Munition an die Hauptarmee persönlich beauftragte Individuum verleiten, die Transporte, anstatt wie bisher über Miskölcz-Ipolysäg oder auf die Gyöngyöser Poststraße, nach Szolnok in der Voraussetzung zu dirigiren, es dürften dieselben mit Benützung der Eisenbahn weit schneller an den Ort ihrer Bestimmung gelangen. Dabei aber unterließ es jenes Individuum, das Artilleriecommando der Hauptarmee von der willkürlich geänderten Transport-Route in Kenntniß zu setzen; und so blieben jene Munitionsvorräthe, welchen der Artilleriecommandant, nachdem deren Eintreffen im Komorner verschanzten Lager einige Tage hindurch vergebens erwartet worden, begreiflicherweise aus allen möglichen Routen, aber nicht auf der unprakticablen Eisenbahnlinie, hatte nachsorschen lassen, zuerst in Szolnok bis zur Wiedereröffnung der Eisenbahnsahrten (Ende April oder Anfangs Mai) und später auch noch in Pest längere Zeit unentdeckt liegen.

Die unvermeidliche Folge hiervon, die nach dem heftigen Artilleriefeuer, mit welchem der Sturm der Division Kmety auf die Retranchements secundirt worden, plötzlich eingetretene und über eine Woche anhaltende, nur dann und wann spärlich unterbrochene Schweigsamkeit unserer Batterien mochte den Feind sicher gemacht haben; denn er that in dem angedeuteten Zeitraume so zu sagen gar nichts, woraus wir irgend eine Beachtung unserer Vorbereitungen zu einem sehr ernsten Versuche, der Festung Herr zu werden, hätten entnehmen können; während wir seinen Blicken eben jene Vorbereitungen am wenigsten entziehen konnten, welche unsere Absicht, einen Theil der Festungsmauer tn Bresche zu legen, am deutlichsten verriethen.

Nach dem erfolglosen Angriffe der Division Kmety auf die Retranchements war ich mit dem Chef des Generalstabes darin übereingekommen, mit der Anfangs ohne Zeitverlust beabsichtigten Escalade so lange zu warten, bis sich diese entweder mit der gleichzeitigen Benutzung einer Bresche werde vereinigen lassen, oder wir die Ueberzeugung gewonnen hätten, daß mit den uns zu Gebote stehenden Belagerungsmitteln die Herstellung einer Bresche unmöglich sei.

Zu diesem Entschlusse gelangten wir durch die Beachtung der für die Anlage einer Breschbatterie ziemlich günstigen Terrainerhöhung (des Spitzberges), der südlichen Hälfte der Weißenburger Front, insbesondere aber jener kurzen Strecke der letztern gegenüber, welche südlich des Weißenburger Rondells unmittelbar zwischen diesem und dem Anfangspunkte der terrassirten äußern Umfassung lag.

An dieser Stelle nämlich war das Innere der Festung, wie an dem überwiegend größten Theile ihres Umfanges, nur durch eine einfache, mächtige zwar, dem geraden Schusse jedoch ganz blosgegebene Mauer gegen außen abgeschlossen.

Die ungewöhnlich große Entfernung des für die Anlage der Breschbatterie geeigneten Punktes von der Festungsmauer ließ gleichwohl die Wahrscheinlichkeit des Erfolges um so ernster bezweifeln, als wir die Breschbatterie höchstens nur mit vier Vierundzwanzig- und einem Achtzehnpfünder zu armiren vermochten'). Indessen war es dem empfindlichen Verluste, mit welchem der Angriff der Division Kmety auf die Retranchemcnts vor dem Wasserdruckwerke abgeschlagen worden, bereits gelungen, mir mit einem Male so viel Achtung vor der Haltbarkeit der Festung Ofen einzuflößen, daß mir der günstige Erfolg einer bloßen Escalade für sich allein noch weit unwahrscheinlicher erschien.

Der Batteriebau am Spitzbergel wurde somit ohne ferneres Bedenken energisch in Angriff genommen; und daran, daß vom Beginne desselben bis zum ersten Breschschuß über eine Woche Zeit verstrich, war weder der Feind, welcher — wie gesagt — zur Verzögerung des Baues äußerst wenig that, noch der Umstand Schuld, daß wir alle zum Bau erforderlichen Materialien erst requiriren mußten, noch unsere Misgriffe während des Baues, sondern einzig und allein die Engherzigkeit des Generals Grafen Guyon, damaligen Commandanten der Festung Komorn.

Dieser nämlich verweigerte Anfangs die Verabsolgung der erwähnten fünf Stück Belagerungsgeschütze, und beschwerte sich bei Kossuth über meine Absicht, die Vertheidigungsmittel der ihm anvertrauten Festung zu erschöpfen.

Zum Glück fiel Kossuth's Ueberzeugung von der Nothwendigkeit der Einnahme Ofens mit der meinen, obschon — wie ich dies später zu erkennen glaubte — aus ganz verschiedenen Gründen zusammen; und

') Es waren dies dieselben fünf unversehrten Pieeen jener Batterie, welche wir bei dem Ueberfalle auf die Tranchee vor Komorn (am 2ö. April) dem österreichischen Blickadecorps abgenommen hatten, die sechste Pi'ece — ein Achtzehnpfünder — war bereits »ernagelt, als er in unsere Gewalt fiel.

Anmerkung des Verfassers.

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