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Da nun Klapka — wie erwähnt — seinen anfänglichen Rückzug von Isaszeg hauptsächlich dadurch motivirte, daß seine Bataillone keine Patronen hätten, so kann man nicht umhin, den wenngleich obsoleten Einfall jener Bataillone, ihre Patronen geradezu wegzuwerfen, — ausnahmsweise Klapka gegenüber — einen sehr gelungenen zu nennen.

Die Munitionsreserve traf endlich bei Isaszeg ein; unter den ausgetheilten Infanteriepatronen wurden nun aber auch solche entdeckt, deren Füllung größtentheils gewöhnlicher Straßenstaub war. Wer sich dies neuartige Verdienst um die feindliche Armee erworben, blieb mir unbekannt.

Begreiflicherweise verzögerte die Ausscheidung der mit Sand gefüllten Patronen unser Vorrücken gegen Gödöllo noch mehr, und F.-M. Fürst Windisch Grätz fand somit hinreichend Zeit, seinen aus strategischen Gründen (sie) gewählten Rückzug, von Gödöllö gegen die Hauptstädte, unangefochten anzutreten.

Seine Arrieregarde hatte bereits Kerepes erreicht, als wir uns mit dem gleichzeitig von Bag und Aszöd gegen Gödöllö vorrückenden 7. Armeecorps im letztern Orte wieder vereinigten.

Das 7. Armeeeorps hatte — wenn ich nicht irre — am 5. April den Befehl erhalten, im Laufe des 6. Aszöd zu nehmen, und sich den Uebergang über die Galga für den 7. zu sichern, an welchem Tage es angriffsweise auf Gödöllö losrücken sollte.

Am 5. war der Feind mit zahlreichen Streitkräften von Aszöd gegen Hatvan vorgerückt, schien anfangs die Stellung des 7. Corps bei letzterm Orte angreifen zu wollen, zog sich aber bald wieder, unter dem Schutze seiner Cavalerie, gegen Aszöd zurück.

Diese nun attaquirte der Commandant des 7. Armeecorps mit zwei Divisionen Husaren, und wurde dabei mit Verlust zurückgeschlagen.

Nichtsdestoweniger ergriff derselbe, dem erhaltenen Befehle gemäß, Tags darauf (den 6. April) mit seinem ganzen Corps die Offensive — mit den Divisionen des linken (Pöltenberg) und des rechten Flügels gegen Aszöd, und jener des Centrums (Kmety) gegen Bag, — fand aber diese Orte vom Feinde bereits verlassen. Von Aszöd sandte er nun jenen Offizier, welcher mir — wie im letzten Capitel des ersten Bandes erwähnt — im Isaszeger Walde — während ich eben von Koka nach dem Schlachtfelde unterwegs war — begegnete, mit der Meldung von dem geschehenen Vormarsche des 7. Corps bis Aszöd und Bag an mich ab. Dieser Offizier mochte auf seinem Ritte, von Aszöd gegen den rechten Flügel unserer Stellung vor Isaszeg, die Bager Poststraße quer passirend, zufällig den Marsch der Division Kmety auf derselben wahrgenommen und für ein Vorrücken des ganzen 7. Armeecorps gegen Gödöllö angesehen haben. Daher die Bestimmtheit, mit welcher er mir meldete, das 7. Armeecorps marschire bereits unmittelbar auf Gödöllö los.

Oberst Kmety, mit seiner Division in Bag angelangt, vernahm daselbst den in Aszöd nicht mehr hörbaren Geschützdonner von Isaszeg, und forderte den Commandanten des 7. Armeecorps in der That dringend auf, die demselben gleichwohl erst für den folgenden Tag anbefohlene Offensive gegen Gödöllö sogleich zu eröffnen, allein vergebens! — der Commandant des 7. Armeecorps glaubte sich auf die Beobachtung der vom Hauptquartiere erhaltenen Dispositionen beschränken zu müssen.

Indessen ließ sich Oberst Kmety durch die Bedenklichkeiten seines Corpsommandanten keineswegs abhalten, wenigstens mit seiner Division allein, gegen Gödöllö vorzurücken. Auf halbem Wege dahin, vor dem Kloster Besenyö, stieß er jedoch auf eine feindliche Position, zu deren Forcirnng seine Streitkräfte nicht ausreichten: und die ArmeecorpS Damjanics, Aulich und Klapka mußten somit den Sieg von Isaszeg ohne Mitwirkung des 7. Armeecorps erfechten.

Freilich erschien nun — in Folge der übergroßen Scheu des Commandanten vom 7. Armeecorps vor jedem über die bestimmt vorgezeichnete Linie hinausgehenden Schritte — das Verdienst jener drei Armeecorps bei dem Siege von Isaszeg, sowie des letztern moralische Bedeutung zu Gunsten der ungarischen Waffen wesentlich gesteigert; dessenungeachtet aber mußten wir um so ernster bedauern, daß der Commandant des 7. Armeecorps die weisen Rathschläge Kmety's nicht befolgt habe, als dadurch dem Feinde Zeit gelassen worden, sich einer — bei der gegenseitigen Stellung der Armeen am 6. April mehr als wahrscheinlichen — Niederlage zu entziehen.

Nach der, wie bereits erwähnt, am 7. April im One Gödöllö bewirkten Vereinigung der von Isaszeg her anrückenden Armeecorps mit dem 7. wurde einem Theile des letztem die Verfolgung des gegen die Hauptstädte retirirenden Feindes übertragen; diese blieb indessen ohne besondern Erfolg, und ward nach einigen mit der feindlichen Arrieregarde gewechselten Schüssen sogleich wieder aufgegeben.

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«Hm Laufe des 7. April, wenige Stunden nach unserm Einrücken, langte auch Kossuth sammt Gefolge in Gödöllö an. Er schien mit den Leistungen der Armee zufrieden, und sprach viel und schön vom ewigen Danke der Nation.

Nach einer Weile verlangte er mich auf seinem Wohnzimmer unter vier Augen zu sprechen. Bei dieser Gelegenheit erhielt ich die ersten Andeutungen über die Haupttendenz seiner Politik.

Ietzt — meinte er — sei es an der Zeit, auf die oetroyirte Verfassung vom 4. März etwa mit der Losreißung Ungarns von Oesterreich zu antworten.

Er nannte den Langmuth der Nation erschöpft; diese dürfe — will sie sich anders der Freiheit würdig zeigen — eine Zumuthung, wie sie die Octrovirte aussprach, nicht nur nicht dulden, sondern müsse überdies vollwichtige Repressalien dafür nehmen. Die Völker Europas werden die Gediegenheit der ungarischen Nation nach der Antwort beurtheilen, welche sie auf jene Verfassung ertheilt. Die Sympathien jener werden von diesem Urtheile abhängig sein (sie). England, Frankreich, Italien, die Türkei, ja selbst ganz Deutschland, Oesterreichs eigene Erbländer nicht ausgenommen, warten ja nur darauf, daß Ungarn sich als unabhängigen Staat erkläre, um demselben ihre factische Hilfe um so reichlicher angedeihen zu lassen, je zurückhaltender sie damit bisher gewesen. Die hartgeprüfte, unterjochte Schwesternation der Polen werde rasch dem Beispiele der Ungarn folgen, und mit diesen vereint, in der — durch Oesterreichs und Rußlands Politik in ihren Interessen so vielfach verletzten — Pforte einen mächtigen Schutz- und Trutzverbündeten finden. Mit Ungarns Freiheit fällt die Freiheit Europas; dem Siege Ungarns werden ebenso viele siegreiche Schilderhebungen gegen ein verhaßtes Regierungsprincip folgen, als Europa unterjochte Völker zählt.

„Unser Sieg ist gewiß", fuhr er beiläufig fort, „aber wir können weit mehr noch thun, als für uns allein; wir können und müssen für die Freiheit Aller, die uns den Sieg wünschen, kämpfen und siegen. Unser Wort aber muß der That, unser Siegsgeschrei dem gewissen Siege voraneilen und dessen erlösende Nähe allen geknechteten Völkern vorherverkünden, damit diese wach und gerüstet seien, damit sie den rettenden Augenblick nicht stumpffinnig verschlafen, und unsern gemeinschaftlichen Feinden nicht abermals Zeit gönnen, sich zu erholen, zu sammeln und neu zu kräftigen. Schweigen dürfen wir nicht, nachdem die octrovirte Verfassung unsere Eristenz in Abrede gestellt hat. Unser Schweigen wäre halbe Anerkennung jeuer Acte, und alle unsere Siege blieben fruchtlos! Wir müssen uns also erklären! Eine Erklärung aber, wie ich sie wünschte, würde das Selbstgefühl der Nation heben, hinter den noch immer unentschlossen hin- und herdrängenden Parteien, in- und außerhalb des Reichstages, mit einem Male alle Brücken abwerfen, die Parteiinterressen ob des nächsten und wichtigsten gemeinsamen Zieles in den Hintergrund drängen, und so den gewissen Sieg erleichtern, beschleunigen."

„Mir will dies Alles nicht ganz einleuchten", war beiläufig meine Entgegnung. „Nicht das Wort wird Ungarn frei machen: die That allein kann es. Und diese That zu vollbringen wird kein Arm außer Ungarn, wohl aber werden Armeen sich erheben, damit sie nicht vollbracht werde. Und gesetzt, es wäre Ungarn für sich allein stark genug, sich augenblicklich von Oesterreich loszureißen: wird es nicht dennoch zu schwach bleiben, um sich als unabhängigen Staat in einer Nachbar

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