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Zufällig aber hatten die Batterien der Armeecorps Damjanics und Klapka im letzten Treffen (am 26. April) nahezu ihre letzte Patrone verschossen, und die Nachschübe an Feldgeschütz-Munition, von jenseits der Theiß her, waren plötzlich, unerklärlicherweise, ausgeblieben. Die Batterien der beiden Armeedivisionen des 7, Corps — unter Pöltenberg — im verschanzten Lager bei Komorn, der dritten Division desselben Corps — unter Kmetv — bei Gran, und — wenn ich nicht irre — auch die des 2. Corps (Aulich) bei den Hauptstädten, waren wohl noch kampffähig, aber gleichsalls nur für einen, höchstens zwei ernste Schlachttage.

Die Ausführung der naheliegenden Idee einer ununterbrochenen Fortsetzung unserer Offensivoperationen gegen die feindliche Hauptarmee wurde somit durch die, bei der Gewißheit mit jedem Schritte vorwärts den Widerstand des Feindes wie die Gefährlichkeit seiner Riposten erhöht zu finden, unabweisliche Nothwendigkeit, das (laut der dienstlichen Anzeigen, welche der Artilleriecommandant der Armee hierüber erhalten) längst mögliche Eintreffen des nächsten Munitions-Transportes vorläufig abzuwarten, verzögert; und die, durch das Debrecziner Impromptu vom 14. April, begreiflicherweise ungewöhnlich lebhaft angeregten Reflexionen, vorwaltend politischer Natur, hatten bald das gänzliche Aufgeben jener bereits erfaßten Idee um so gewisser zur Folge, als meine beiden strategischen Rathgeber (General Klapka und der Chef des Generalstabs) in ihren Ansichten über die augenblicklich zweckmäßigste Wahl des nächsten Operationsobjectes nicht übereinstimmten.

Der Chef des Generalstabes nämlich beharrte bei seinem ursprünglichen Antrage, die Offensive gegen das auf der Raaber Straße retirirende Gros der feindlichen Armee — mit gleichzeitiger Vorrückung eines Theiles der Komorner Besatzung in der Insel Schütt gegen Preßburg — fortzusetzen, indem er zugleich die große Wahrscheinlichkeit, die zufällig unterbrochenen Munitionszufuhren binnen den nächsten Tagen wieder geordnet einleiten zu können, hervorhob.

General Klapka hingegen plaidirte für die Dringlichkeit der Einnahme Ofens, darauf hinweisend, wie diese Festung, solange sie feindlich besetzt bleibt, die, während der eben beantragten Offensive, für uns wichtigste Communication über die Donau, die Kettenbrücke, sperre. Diese Communication sei — fügte er hinzu — deshalb die wichtigste weil sie auf der kürzesten Linie zwischen der am rechten Donauufer activen Armee und den Kriegsvorrathskammern hinter der Theiß gelegen, und als permanent solide Verbindung der beiden Donauufer den wenigsten störenden Einflüssen ausgesetzt.

General Klapka erwähnte ferner, wie die feindliche Besatzung von Ofen den Hanptstraßenknoten Mittelungarns unsicher mache und den Verkehr auf der Donau zwischen dem Norden und Süden des Landes vollends hemme. Der Straßenknoten könne wohl einstweilen außer den unmittelbaren Bereich der Festung verlegt und durch die enge Cernirung der letztern, mit einer zur Vereitlung aller Ausfälle der feindlichen Besatzungstruppen hinreichenden Streitmacht, vollkommen gesichert werden; allein während der Abgang so bedeutender Streitkräfte, als zur engen Cernirung erforderlich schienen, bei der eben beantragten Offensive gegen Raab schlechterdings nicht zu verschmerzen sei; würde mit jener Cernirung doch nur ein einseitiges Palliativ gewonnen; denn der Verkehr auf der Donau bliebe nach wie vor an seiner empfindlichsten Stelle unterbrochen. Diese könne, nur durch eine entschiedene, auf den Fall der Festung berechnete Unternehmung gegen Ofen wieder hergegestellt werden.

Eine solche Unternehmung erscheine überdies auch durch die Aussicht, in den für Ungarn hochwichtigen Besitz der Armirung des festen Platzes und der in demselben massenhaft aufgespeicherten Kriegsvorräthe aller Art zu gelangen, am dringlichsten aber durch die Erwägung geboten, welch begeisternden Impuls, zur angestrengtesten Fortsetzung des Kampfes, die Nation durch die Wiedereroberung Ofens, ihres historischen Palladiums, erhielte.

Endlich — behauptete General Klapka — habe der Marsch gegen Ofen die Sympathien der Armee für sich; und wenn man überdies — meinte er schließlich — einerseits die nach allen bisher eingelaufenen Nachrichten über den moralischen Zustand der Besatzung kaum zu bezweifelnde Gewißheit, mit einer imponirenden Macht auf den ersten Anlauf, wo nicht ohne Schwertstreich, der Festung Herr zu werden, andererseits die Wahrscheinlichkeit in Erwägung ziehe, daß die Kunde von dem unerwartet raschen Falle Ofens die gegenwärtige Bestürzung im feindlichen Lager nur erhöhen, und unsere gleich darauf mit ungetheilter Kraft zu eröffnende Offensive desto mehr begünstigen dürfte: so müsse man die Wiedererobernng Ofens als die augenblicklich nächste kriegsoperative Aufgabe der unganschen Hauptarmee erkennen.

Der Vorschlag Klapka's ging mit den letzten Weisungen Kossuth's an mich in so fern Hand in Hand, als diese gleichfalls, vor Allem, die Wiedereroberung Ofens betrieben.

Auch darin stimmte Klapka mit Kossuth überein, daß er den Gerüchten über die Muthlosigkeit der Ofener Besatzung Glauben schenkte. Er that dies gleichwohl nicht in so hohem Maße wie Kossuth, nach dessen Ansicht schon das bloße Uebersetzen einiger Bataillone Aulich's, vom Pester Donauufer auf das Ofener, den Fall der Festung zur unmittelbaren Folge haben sollte: indessen war Klapka's Vertrauen auf die Stichhaltigkeit jener Gerüchte immerhin groß genug, um ihn zu der Annahme zu verleiten, daß es die Festungsbesatzung, einer imposanten Macht gegenüber, auf eine förmliche Belagerung nicht werde ankommen lassen.

Nichtsdestoweniger mistraute ich jenen, Verachtung des Gegners athmenden, Gerüchten auf das entschiedenste. Sie rochen nach demselben nationalen Uebermuthe, welcher in dem Gesetze vom 14. April seinen erschöpfenden Ausdruck und — für mich überraschenderweise — selbst in den Reihen der „jungen Armee" ein tausendstimmiges Echo gefunden. Und wenn ich die Wahrscheinlichkeit, der Festung Ofen ohne förmliche Belagerung Herr zu werden, gleichwohl nicht in Abrede gestellt: so hatte dies seinen Grund einzig und allein in dem Umstande, daß mir die Möglichkeit den unsererseits kaum vier Monate früher vor der siegreichen Armee des F.-M. Fürsten Windisch-Grätz ohne Schwertstreich geräumten, anerkannt unhaltbaren Punkt mittels einiger passagerer Befestigungsbauten in einen haltbaren umzuwandeln, zweifelhaft erschien.

Allein weder die von Klapka und mir — trotz der verschiedenen Motivirung — übereinstimmend irrthümlich vorausgesetzte Leichtigkeit der Einnahme Ofens, noch die übrigen Gründe, auf welche Klapka seinen Antrag gestützt, noch das Drängen Kossuth's nach demselben Ziele, auf welches Klapka zunächst loszusteuern empfahl, noch endlich der Umstand, daß ich die Ungewißheit der schleunigen Regelung des gestörten continuirlichen Nachschubes an Feldstück-Munition wohl ungleich höher anschlug, als dies der Chef des Generalstabes that, genügten, mir den kriegsoperativen Gedanken des Generals Klapka annehmbarer als jenen des Generalstab-Chefs erscheinen zu lassen.

Die Motive, welche mich zunächst bestimmten, die Idee der ununterbrochenen Fortsetzung unserer Offensivoperationen gegen die feindliche Hauptarmee aufzugeben, waren — wie ich bereits angedeutet habe — vorwaltend politischer Natur.

Meine persönliche Ueberzeugung von der Unmöglichkeit, die gegen das Gesetz vom 14. April gestimmten Theile der Hauptarmee — selbst nach dem vorausgesetzt günstigsten Verlaufe der auf der Raaber Linie beantragten Operationen — zu einer Fortsetzung derselben über die Landesgrenze hinaus zu bewegen: ließ mich, bei der militärisch unwichtigen Bedeutung der dem rechten Ufer der Donau zunächst gelegenen Westgrenzen Ungarns den abgeschlossenen strategischen Gedanken, welcher jenen Operationen zu Grunde liegen sollte, vermissen.

Durch jene Ueberzeugung ward ich ferner auf die Idee geleitet, jenen Operationen — sollte uns das Kriegsglück.während derselben wiederholt lächeln — mindestens einen politischen Abschluß dadurch zu geben, daß ich, an der Lajtha angelangt, im Namen der siegreichen ungarischen Armee die österreichische Regierung wie den ungarischen Reichstag sofort einlüde, den Weg des friedlichen Vergleiches, auf Grundlage der 1848er Verfassung Ungarns, der erbitterten Fortsetzung eines unseligen Bürgerkrieges vorzuziehen.

Die Wahrscheinlichkeit für den Erfolg dieses Schrittes entwickelte ich mir aus folgenden Betrachtungen:

Die Olmützer „Octroyirte", welche dem Königreiche Ungarn, und der Debrecziner Reichtagsbeschluß, welcher dem Kaiserthum Oesterreich den fernem Bestand absprachen, standen beide auf ein und demselben Niveau „praktischer Undurchführbarkeit ohne auswärtige Hilfe".

In Olmüy wie in Debreczin hatte man ein großes Wort gesprochen, ohne vorher reiflich erwogen zu haben, ob auch die disponiblen eigenen Kräfte wohl ausreichen dürften, das Wort durch die That — wenngleich nur im Sinne des Faustrechts — zu rechtfertigen.

Die Olmützer, welche hierin den Debreczinern mit gutem Beispiele vorangegangen waren, behielten — so wollte es der Zufall — auch auf dem Pfade, welcher beide einer demüthigenden Enttäuschung entgegenführte, den Vortritt vor den Debreczinern.

Das Resultat der Aprilcampagne schien — nach den bekannten Aussagen der kriegsgefangenen österreichischen Soldaten über die bevorstehende russische Intervention in Ungarn — den österreichischen Ministern mit der Erkenntniß der Größe jener Gefahr, in welche sie Oesterreich durch ihre Wirksamkeit gebracht hatten, zugleich das äußerste Mittel zur Rettung Oesterreichs, die Hilfe Rußlands, aufgedrungen zu haben.

Die Frage stand nun: ob der österreichischen Regierung das Verzichten auf die Realisirung der Octroyirten, oder das Dementi, welches sie ihrer eigenen Kraft durch die Zufluchtnahme zu russischer Hilfe zu geben im Begriffe war, mehr schade.

Nach meinen einfachen Begriffen von Staatsklugheit sollte die österreichische Regierung, so ihr die Durchsührung des Erperimentes, aus den heterogenen Bestandtheilen. der österreichischen Monarchie — unter gleichzeitiger Garantie der eher zu trennen als zu verbinden geeigneten Gleichberechtigung der Nationalitäten — einen homogenen Staat, wenngleich nur provisorisch zu bilden, ohne auswärtige Hilfe unmöglich erschiene: von diesem hoffnungslosen Erperimente lieber ganz ablassen, und zu dem durch unsere im Iahre 1848 modificirte Landesverfassung geregelten staatsrechtlichen Verhältniß Oesterreichs zu Ungarn zurückkehren.

Die österreichische Regierung konnte dies — nachdem der ungarische Reichstag in gleicher Weise auf die Durchsührung seines ohne auswärtige Hilfe noch hoffnungsloseren Erperimentes, ein selbständiges

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