Графични страници
PDF файл
ePub

Gesetzgebern, zum Trotze, dennoch wieder zu Ehren zu bringen, als eitel Schwärmerei zerfloß.

Die Thatsachen, deren Betrachtung dies trostlose Resultat lieferte, sie lagen unverhüllt da, vor den Blicken des letzten Soldaten unserer Hauptarmee, sie waren allgemein bekannt. Aus ihnen konnte ein Ieder dieselbe Erkenntniß schöpfen, vor welcher in mir der Glaube an die Möglichkeit einer Rettung Ungarns vor den „Segnungen der Octroyirten" bereits zusammengebrochen war. Es bedurfte hierzu keines besondern Witzes. Ein schwindelfreies Gehirn, ein unbefangener Blick genügten vollkommen.

Und der Wahnglaube, welcher vor jener Erkenntniß nicht Stand zu halten vermochte, welcher allein die Armee noch zusammenhielt, in welchem allein sich die alten constitutionellen Soldaten, trotz ihrer feindlichen Gesinnung gegen die Gesetzgeber vom 14. April, mit den Freunden der letztern zur Bekämpfung des Kriegsheeres der „Octrovirten" vereinten: war somit ein höchst unzuverlässiges Bindemittel für die in ihrer politischen Meinung einander widerstrebenden Theile der ungarischen Armee. Dieselben Truppen, welche der Kampf gegen Oesterreich heute noch vereinte, konnten morgen schon ihre Waffen gegeneinander richten. Der gefährlichste Feind der ungarischen Hauptarmee, er stand nicht ihr gegenüber, er lauerte — dank dem 14. April, der ihn geweckt — in ihren eigenen Reihen; es war der Geist der Zerwürfniß, beschwichtigt einstweilen, aber keineswegs für immer gebannt, durch einen nicht minder gefährlichen Feind, den Geist des Uebermuthes.

Ienen zu überlisten — denn ich mistraute meiner Macht, ihn mit Erfolg offen zu bekämpfen — diesen hingegen mit einem Schlage zu vernichten, mußte ich für meine nächste Aufgabe erkennen, so mir — was ungeachtet des 14. Aprils wirklich der Fall gewesen — die möglichst energische Fortsetzung des Krieges gegen Oesterreich ernstlich am Herzen lag.

Ich versuchte die Lösung dieser Aufgabe mit einer Proelamation, deren Originalconcept in ungarischer Sprache ich zufällig noch besitze. Nachstehend theile ich die deutsche Uebersetzung dieses Documentes mit:

„Komorn. am W. April

„Kampfgenossen!

„Ein Monat ist kaum vorüber, seit wir noch jenseits der Theiß standen, zweifelnde Blicke werfend in unsere zweifelhafte Zukunft.

„Wer hätte es damals geglaubt, daß wir nach einem Monate schon die Donau überschritten, und den größten Theil unseres schönen Vaterlandes befreiet haben würden von dem Ioche einer eidbrüchigen Dynastie.

„Die kühnsten der Unsern hätten es nicht gewagt, soviel mit Zuversicht zu erwarten.

„Aber euch hatte das höhere Gefühl der Vaterlandsliebe begeistert: und der Feind sah in eurer Tapferkeit — Heerscharen ohne Zahl.

„Ihr habt gesiegt — sieben male in ununterbrochener Folge gesiegt — und müsset siegen fortan.

„Denket daran, so ihr wieder zum Kampfe rüstet.

„Entscheidend war jede Schlacht, die wir geschlagen: entscheidender noch wird jede sein, die wir von nun an schlagen werden.

„Euch ward das Glück zu Theil, mit Aufopferung eures Lebens, Ungarn seine alte Selbständigkeit, seine Nationalität, seine Freiheit, seinen dauernden Bestand zu sichern. Dies euer schönster, heiligster Beruf.

„Denket daran, so ihr wieder zum Kampfe rüstet.

„Viele der Unsern glauben, die ersehnte Zukunft sei nun schon errungen. Täuschet euch nicht! Diesen Kampf — nicht Ungarn allein gegen Oesterreich, — Europa wird ihn kämpfen, für die natürlichen heiligsten Rechte der Völker gegen die anmaßende Tyrannei.

„Und die Völker sie werden siegen überall!

„Ihr aber dürftet den Sieg kaum erleben, so ihr euch unerschütterlich treu dem Kampfe weihet; denn dies könnt ihr nur mit dem festen Entschlusse, als Opfer jenes schönsten, herrlichsten Sieges zu fallen.

„Denket daran, so ihr wieder zum Kampfe rüstet.

„Und da in mir der lebendige Glaube waltet, daß Keiner von euch dem rühmlichen Tode ein erbärmliches Dasein vorzöge, daß ihr Alle mit mir fühlt, wie es unmöglich, eine Nation zu knechten, deren Söhne ähnlich den Helden von Szolnok, Hatvan, Tapiö-Bicske, Isaszeg, Waizen, Nagy-Sarlö und Komorn: so hab' ich für euch, selbst im furchtbarsten Donner der Schlacht, fortan nur den einen Ruf:

„Vorwärts, Kameraden! Vorwärts!

„Denket daran — so ihr wieder zum Kampfe rüstet!"

Der Ausfall gegen die Dynastie, welchen ich absichtlich mit dem anerkennenden Rückblicke auf den raschen glücklichen Verlauf des jüngsten Feldzuges verband, war darauf berechnet, die principielle Aversion der alten constitutionellen Soldaten gegen das Gesetz vom 14. April zu erschüttern, und so gewissermaßen zwischen ihnen und dem jenem Gesetze freundlich gesinnten Theile der Armee den Vermittler zu machen.

Dieser an und für sich gewagte Versuch hatte — dank der Popularität, welcher ich namentlich bei den alten Soldaten der Hauptarmee genoß — gleichwohl den günstigen Erfolg, daß diejenigen der in diese Kategorie gehörigen Offiziere, welche ihre fernere Theilnahme am Kampfe, selbst mit der blos stillschweigenden Anerkennung jenes Gesetzes, durchaus nicht vereinbar fanden, wenigstens mit möglichster Vermeidung jedes aufregenden Eelats aus den Reihen der aetiven Armee traten; während die übrigen — die stillschweigende für so viel wie keine Anerkennung nehmend — sich damit beruhigten, daß dem Gesetze vom 14. April im Namen der Armee keinerlei officielle Huldigung dargebracht worden.

Neuntes Capitel.

Der Kriegsschauplatz nach dcm ZK, April. — Anstatt dcr Anfangs bcabsichligten uuunler brochenen Fortsetzung unserer Offensiv-Operalionen gegen dic fcindliche Hauptarmcc gerälh die Berennung der Festung Osen in den Vordergrund,

!^ie Lage der Dinge im Operationsbereiche der ungarischen Hauptarmee war unmittelbar nach dem 26. April (dem Tage des vollständigen Entsatzes von Komorn) folgende:

Am linken Ufer der Donau — außerhalb der Insel Schütt — befanden sich die österreichischen Streitkräfte im Rückzuge nach dem rechten Ufer der Waag, theils gedrängt, theils blos gefolgt, im Thale der Türöcz, vom Armin Görgei'schen Streifcorps, längs der Levencz-Neutraer Straße, von der, wie bekannt, noch vor dem Entsatze Komorns nach Verebcly disponirten Streiscolonne des 7. Armeecorps: in der Insel Schütt selbst überließ das westliche Ceruirungscorps, gegen Preßburg zurückweichend, den zunächst der Festung gelegenen Theil der Insel, auf ein bis zwei Tagmärsche weit, einer detachirten Colonne der Komorner Besatzung.

Am rechten Donauufer hatte die österreichische Hauptarmee nach der schon am 23. oder 24. April erfolgten Räumung der Stadt Pest — einige Bataillone unter dem Commando des G.-M. Hentzi in der Festung Ofen (Kuclavür) als Besatzung zurücklassend — sich in zwei ungleiche Hälften getheilt und ihren Rückzug aus dem Innern des Landes nach dessen Grenzen auf zwei divergirenden Linien angetreten. Die kleinere Hälfte, das Armeeeorps des Ban Baron Iellachich, zog längs der Donau gegen die Drau hinab, während die größere Hälfte (jene Heeresabtheilung mit einbegriffen, welche am 20. April, bei Kernend am Granflusse, vom Obersten Pöltenberg geschlagen und zum Rückzuge auf das rechte Ufer der Donau über die Schiffbrücke bei Gran genöthigt worden) auf der Fleischhauerstraße, der kürzesten Linie gegen Wien retirirend, in ihrer rückgängigen Bewegung durch das Treffen am 26. April zufällig aufgehalten, diese am folgenden Tage — nunmehr in Gemeinschaft mit dem Komorner Belagerungscorps — wieder fortsetzte.

Unsererseits hatte General Aulich, gleich nach der Besitznahme von Pest, die Donauüberbrückung, unterhalb der Hauptstädte, angeordnet, um die Verbindungslinien zwischen der Ofener Besatzung und dem Corps Iellachich sofort zu gewinnen; Oberst Kmety hingegen die DonauSchiffbrücke zwischen Gran und Pärkäny wiederherstellen lassen, und seine Armeedivision auf das rechte Stromufer nach Gran verlegt; während die andern zwei Drittheile des 7. Corps unter Pöltenberg mit den Armeecorps Damjanics und Klapka, nach dem Treffen vom 26. April, im verschanzten Lager bei Komorn vereint blieben, woselbst wir uns am 27. darauf beschränkten, nach dem Abzuge des Feindes gegen Raab, die auf der Raaber Chaussee und der Fleischhauerstraße nächstgelegenen Ortschaften mit starken Commanden besetzen und den feindlichen Rückzug mittels Patrouillen beobachten zu lassen.

Nachdem wir aus den eingelaufenen Meldungen ersahen, wie der Feind, auf jeden offensiven Rückschlag verzichtend, sich in der That beeile, die Aussage der Kriegsgefangenen, daß die österreichische Armee, bis zu dem Einbruche der russischen, die Defensive beobachten werde, zu bestätigen: wäre es, strategisch genommen, unsererseits wohl das Beste gewesen, ohne ernste Rücksicht auf die feindliche Besatzung von Ofen und das gegen Süden abziehende Corps Iellachich, die Hauptcmnee rasch wieder zu vereinigen und den neuen Feldzug, unverweilt, mit einer Offensive auf der feindlichen Hauptrückzugslinie über Raab gegen Wien zu eröffnen.

« ПредишнаНапред »