Графични страници
PDF файл
ePub

Erstes Capitel.

Zur Orienlirung.

Ä!it dem Siege von Isaszeg sollte Ungarn leider bereits den Cnlminationspunkt seiner Größe erreicht haben. So wollte es Kossuth!

Der feindliche Sieg von Käpolna hatte die Proelamirung der octrovitten Verfassung vom 4. März 1849 für Gesammt-Oesterreich zur Folge.

Diese Verfassung setzte schon an ihrem Geburtstage Ungarn als erobert voraus, und während sie den Völkern Oesterreichs das constitutionelle Heil nach Ablauf einer provisorischen Ewigkeit in Aussicht stellte, vernichtete sie die ungarische Verfassung vom Iahre 1848 sammt den altern Gerechtsamen des Königreichs Ungarn, erklärte das letztere für eine politische Leiche, verstümmelte frischweg den Cadaver und übergoß die Wundflächen vorsorglich mit dem permanenten Scheidewasser der Gleichberechtigung der Nationalitäten, damit die amputirten Gliedmaßen dem Rumpfe, selbst am Tage der apokalyptisch verheißenen constitutionellen Auferstehung, nicht wieder anwüchsen.

Indessen zählte das provisorisch verstümmelte Königreich Ungarn zufällig noch einige Soldaten, denen die octrovirte Frühgeburt der Centralisten Oesterreichs nicht mehr galt, als das Papier werth war, welches der staunenden Welt die Vermuthung aufdrang, daß die Schlacht von Käpolna die unerwarteten Wehen dieser Frühgeburt gewesen, und somit gewissermaßen anch F.-M. Fürst Windisch-Grätz bei der Entbindung mit assistirt habe.

Iene Soldaten Ungarns waren der Meinung, die Wiener Minister könnten sich zu Tode octroyiren, centralisiren und gleichberechtigen, ohne daß hierdurch die Grenzen auch nur einer einzigen Pußta verrückt würden, solange F.-M. Fürst Windisch-Grätz von dem Wahne befangen blieb, seine Sendung nach Ungarn mit dem Siege von Käpolna non plus ultra erfüllt zu haben und das Uebrige blos mit zwangsweisem Einsammeln von Unterwürsigkeitserklärungen abmachen zu können.

Iene Soldaten Ungarns begrüßten die Octroyirte als den vermeintlichen Retter aus der peinigenden Ungewißheit, in welche sie durch die eigentliche Hegira der ungarischen Revolution — die Flucht Kossuth's von Pest nach Debreczin — versetzt worden waren, der Ungewißheit nämlich, ob die entschiedenem Feinde der Verfassung vom Iahre 1848 „jenseits der March und Lajtha" oder „jenseits der Theiß" hausten, ob dem Kriegsvolke jener, der Armee des Fürsten WindischGrätz, oder den Kämpen dieser, den Polen und Republikanern, zuvörderst die Spitze zu bieten wäre.

Durch die Octroyirte ward in der That einerseits die Doppelzüngigkeit, mit welcher Fürst Windisch-Grätz sich und seine Armee innerhalb der Grenzen Ungarns „constitutionell" nannte, an das hellste Sonnenlicht gefördert, andererseits die Legalität des Standpunktes der erwähnten Soldaten Ungarns so klar und deutlich bestätigt, daß sie selbst Zweiflern von Profession sofort unbestreitbar erschien.

Man hätte dem Präsidenten Kossuth jede Spur von Mutterwitz ex prole««« absprechen müssen, um anzunehmen, daß er — was immer seine politische Tendenz sei — nach dem Erscheinen der Octroyirten auch nur einen Augenblick daran denken könnte, Ungarn aus seiner, früher schon imposant festen, durch die Octroyirte vollends unangreifbar gewordenen Defensivposition zu einer Offensive zu drängen, mit welcher es sich, nebst dem Beifalle der Thoren, nur russisch-österreichische Hiebe und höchstens die einer mannhaften Nation unwürdige Rolle eines Mitbewerbers der polnischen Emigration um das Glück, vom sentimentalen Europa bemitleidet zu werden, erfechten konnte.

In der bescheidenen Voraussetzung also, daß dem Präsidenten Kossuth so wenig Mutterwitz, als zu dieser letztern Erkenntniß hinreichte, von der gütigen Mutter Natur nicht vorenthalten worden, erschienen uns (ich glaube, es versteht sich hier von selbst, daß auch ich zu jenen „Soldaten" Ungarns zählte, von welchen hier die Rede ist) die Polen und vaterländischen Republikaner — die Kämpen, wie erwähnt, der „jenseits der Theiß" hausenden Feinde der 1848er Verfassung — wie harmlose Strandläufer, welchen kaum der lebendige Strom der Geschichte, höchstens der Sumpf der Llironiaue ^anlisleuse Ungarns, als Element, darin sie leben und weben sollten, vom Schicksale angewiesen schien.

Wir hielten sie kaum der Beachtung werth, sondern glaubten erkannt zu haben, was Ungarn ausschließlich Noth thue, indem wir auf die Octroyirte kurz und bündig mit den Tagen von Hatvan, TäpiöBicske und Isaszeg antworteten.

Wir glaubten einerseits die überschwellenden Anmaßungen Kossuth's, durch den unglücklichen Schluß des Iahres 1848, die warnende Proclamation von Waizen, das schmachvolle Debut Dembinski's, die zeitweisen Niederlagen Bem's, den wirklichen Interventionsversuch Rußlands in Siebenbürgen, durch den Verlust der Festung Esseg, des Banales und der Bäcska, zumeist aber durch die Größe der Opfer, welche uns die letzten Erfolge auf dem Schlachtfelde gekostet hatten, in die Schranken erreichbarer, vernünftiger Tendenzen zurückgewiesen: andererseits durch eben dieselben Erfolge unserer Waffen sein Vertrauen in unsern redlichen Willen, die Gerechtsame des Landes bis zum Aeußersten zu vertheidigen, unerschütterlich gefestigt.

Wir hofften ferner, Ungarn werde seine Ehre darein setzen, einem Manne zu gleichen, der im Gefühle seiner Kraft, gleich weit von Uebermuth und Verzagtheit, für ein gutes Recht — aber auch nur für ein solches — in die Schranken tretend, um einen edlen Kampfpreis wirbt und wär's der Tod auf dem Schilde.

Ia, wir erwarteten zuversichtlich, die Nation werde sich mit Herz und Sinn uns anschließen, die wir im Unglücke nicht gewankt, im Glücke nicht zu schwindeln gedachten.

Allein vergebens war all unser Glanben, Hoffen, Erwarten!

Kossuth gedachte des unglücklichen Iahresschlusses 1848 nur, um die Genialität seiner Flucht von Pest nach Debreczin zu bewundern. Das warnende Proelam von Waizen, Dembinski's schmachvolles Debut galten ihm blos als tatsächliche Beweise meines Strebens nach der Militärdictatur. Aus den Niederlagen Bem's, den Verlusten von Esseg, dem Banat, der Bäcska, zog er blos den leichtfertigen Schluß, daß Ungarn nicht viel mehr zu verlieren, desto mehr zu gewinnen habe. Ueber dem Interventionsversuche Rußlands schwärmte er sich in die Unausbleiblichkeit der Gegen - Interventionen Frankreichs, Englands, Deutschlands, Amerikas und der Türkei zu Gunsten Ungarns hinein, und während er die schweren Opfer, mit welchen unsere jüngsten Siege erkauft waren, unterschätzte, dienten die letztern nur dazu, seinen Ueber muth vollends bis zum Wahnsinn zu steigern, und Kossuth's Wahnsinn war leider der gläubigen Nation Evangelium.

Hätte Kossuth den Muth besessen, nur ein einziges Mal die Gefahren Iener auf dem Schlachtfelde zu theilen, deren Siege er so selbstbewußt für unmittelbare Emanationen seiner persönlichen Anwesenheit im Hauptquartiere nahm: das Ende der nächsten Woche würde ihn — wo nicht weiser — doch klüger gefunden haben.

Allein ihm fehlte dieser Muth, und Ungarn sollte — wie gesagt — mit dem Siege von Isaszeg den Culminationspunkt seiner Größe erreicht haben.

[merged small][ocr errors]

Folge der Retirade des feindlichen rechten Flügels von Isaszeg nach Gödöllö mußte nothwendigerweise auch der linke, und zwar noch während der Nacht, welche dem Treffen von Isaszeg ein Ende gemacht die Wahlstatt räumen. Dieser nahm seinen Rückzug ebenfalls nach Gödöllö.

Unsererseits sollte die Vorrückung, zum Angriffe auf das vom Feinde vor diesem Orte bezogene Lager, schon am frühesten Morgen des 7. April beginnen. Unsere Munitionsreserve aber war wegen der zeitraubenden Vorsichtsmaßregeln, welche ihr Durchzug durch die Brandstätten des Isaszeger Waldes unerläßlich machte, noch immer nicht zur Stelle, und der empfindliche Abgang an Schießbedarf nöthigte uns, das Eintreffen derselben bei Isaszeg abzuwarten.

Mittlerweile wurde die Entdeckung gemacht, daß der Isaszeg zunächst gelegene Theil des Schlachtfeldes mit noch uneröffneten Patronen Paketen förmlich übersäet war, welche die Mannschaft der Klapka'schen Bataillone Tags vorher, zweifelsohne schon in den ersten Stadien des Treffens, weggeworfen hatte, um den General Klapka durch Vorzeigen ihrer leeren Patrontaschen zum Aufgeben des Kampfes zu bewegen.

« ПредишнаНапред »