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Idee befreundet, zunächst die äußern Feinde der 1848er Verfassung Ungarns vollends aus dem Lande zu jagen, um nachträglich mit den inncrn desto leichter fertig zu werden, und so jene Verfassung wieder zu Ehren zu bringen, deren Umsturz der Punkt war, in welchem sich die — für das damalige Ungarn — politischen Ertreme berührten.

Indessen zerfloß die Zuversicht auf die Realisirbarkeit dieser Idee, trotz der jüngsten Siege, durch welche die letztere angeregt worden, vor einem einzigen nüchternen Blicke des Soldaten auf die jüngste Vergangenheit, die Gegenwart und die nahe Zukunft, in pure Schwärmerei.

In einem Zeitraume von vier Wochen hatten die ungarischen Waffen freilich so Ungewöhnliches geleistet, daß dessen Vorherverkündigung sich ohne weiters den schwunghaftesten Proclamationen Kossuth's vollkommen ebenbürtig an die Seite hätte stellen können: bei unsern, denen des Feindes entgegengehalten, verhältnißmäßig geringen Streitkräften aber durfte ich mir schlechterdings nicht verhehlen, wie jene Leistungen das Aeußerste waren, was Ungarn von seiner Armee, auf dem Standpunkte ihrer damaligen kriegerischen Ausbildung, zu erwarten hatte.

Nach meinen eigenen Erfahrungen im Felde mußten wir leider zugeben, daß nicht etwa eine durchweg höhere Tapferkeit der „jungen Armee" den Sieg an unsere Fahnen gefesselt habe. Ia wir mußten — wie gewaltig auch die Eigenliebe sich dagegen sträubte — erkennen, daß ein ansehnlicher Theil des Dankes der Nation für die so rasche und glückliche Beendigung der eben geschilderten April-Campagne, in letzter Analyse, dem F.-M. Fürsten Windijch-Grätz, und dem Ban Baron Iellachich gebühre.

Wir hatten blutige Siege erfochten. Das ließ sich freilich — selbst mit dem besten Willen feindlicherseits — nicht wegbülletiniren: aber die Palme der meisten dieser Siege gebührte stets nur einem geringen Theile unserer Armee, fast immer nur einem und demselben. Bei diesem waren die jungen ursprünglichen Honved-Soldaten zwar gediegen, aber dennoch unverhältnißmäßig schwächer vertreten denn die alten, die sogenannten regulären, die einstigen Bestandtheile der uns feindlich gegenüberstehenden Armee. Dieser Theil unserer Streitmacht durfte, bei der argen Unverläßlichkeit des weit größern Restes, nie und nimmer geschont werden; er wurde, bei jedem feindlichen Conflicte, am härtesten mitgenommen, die Mehrzahl der Opfer, mit welchen wir jeden Vortheil auf dem Schlachtfelde erkaufen mußten, waren stets in den Reihen unserer besten — der unersetzlichen — Truppen gefallen.

Und der Rest hatte im Laufe des Feldzuges noch lange nicht so viel an Disciplin und Tapferkeit gewonnen, um hierdurch die erlittenen Verluste moralisch zu decken. Die strenge Kriegszucht, welche ich, mit Hilfe der ältern Offiziere, während des Winterfeldzugs, bei dem Armeecorps von der obern Donau — dermalen dem 7. — einzuführen nicht ganz ohne Erfolg bemüht gewesen, fand bei den Commandanten der übrigen Corps (Aulich ausgenommen) wenig Anklang. Als blos zeitweiliger Stellvertreter des Obercommandanten F.-M.-L. Vetter aber entbehrte ich faetisch der hinreichenden Macht, um meine Kameraden zu gleichen Bemühungen nachdrücklich anzuhalten.

Der größte Theil der jungen hoffnungsvollen Armee konnte noch immer nicht, auf mehr als einen Tag voraus, mit Lebensmitteln unmittelbar betheilt werden: folglich war die unausgesetzte hartnäckige Verfolgung des geschlagenen Feindes noch immer nicht möglich: ohne solch eine Verfolgung aber keine vollständige Niederlage, und ohne diese keine glückliche Beendung eines Krieges, welcher, wie der zwischen Ungarn und Oesterreich, zumal nach dem 14. April 1849, eben nur mit der vollständigen Niederlage einer oder der andern Kriegsmacht enden konnte.

Das Lager der meisten Armeecorps wimmelte überdies buchstäblich von Offiziers-, Unteroffiziers- nnd Marketender-Equipagen, die für den Transport des täglichen Lebensbedarfes nöthigen Fuhrwerke gar nicht gerechnet. Diese von der Armee unzertrennliche Wagenburg — schon dem raschen unaufgehaltenen Vorrücken derselben überaus hinderlich — machte bereits jede zufällig gebotene Seitenbewegung zu einem schwer löslichen Probleme, und jeden Gedanken des Feldherrn an die mögliche Nothwendigkeit eines Rückzuges zu einem haarsträubenden.

Um sonach bei diesem disciplinären Zustande der Mehrzahl unserer Truppen den Sieg an die ungarische Tricolore dauernd zu fesseln, mußte entweder die Armee so großartig vermehrt werden, daß dem Feinde, an allen von ihm bedrohten Punkten des Vaterlandes, numerisch überlegene Kräfte unter tüchtigen Führern entgegenständen: oder die Führer des, dem Feinde an Zahl, Diseiplin und Tapferkeit im Ganzen nachstehenden, ungarischen Kriegsheeres mußten den feindlichen Feldherren, Eins ins Andere gerechnet, in dem Maße an Kriegsglück oder Talent überlegen bleiben, in welchem dies bisher der Fall gewesen.

Der erstern Forderung dieser Alternative zu genügen, war rein unmöglich; denn wie bereitwillig auch das Land die zur Errichtung neuer Bataillone erforderlichen Rekruten liefern mochte: es fehlten die Mittel, um die neuen Bataillone, nach den Anforderungen der modernen Kriegführung, kampffähig auszurüsten. Und der Gedanke, das Heer etwa mit Sensenmännern oder wohl gar mit Amazonen auf die gewünschte Stärke zu bringen, mag, allenfalls in einer hochphrasigen Polemik für die Unüberwindlichkeit dieser oder jener Nation, als Knalleffect an ihrem Platze sein: die Lippe eines erfahrenen Soldaten jedoch, dem an der Achtung seiner Kampfgenossen noch etwas gelegen, darf ihn nie ohne Ironie aussprechen!

Die andere Forderung der oben aufgestellten Alternative konnte nun vollends nur an jene Firma gestellt sein, bei welcher die „frommen Wünsche" realisirt werden.

Zwar nennt die Kriegsgeschichte geniale Feldherren, welche trotz der Minderzahl ihrer Truppen den Sieg zu fesseln verstanden: nirgends aber finden wir bestimmte Maße und Formeln gegeben, mit deren Anwendung sich, um vom Kriegsglück zu schweigen, erst die StrategenGenialität eines Individuums, dann das Marimum des relativen Minus in der Truppenzahl vorausermitteln ließe, welches durch eine gewisse Quantität Feldherrngenie noch ausgleichbar wäre. Ia selbst die Angabe ähnlicher Maße und Formeln in der Kriegswissenschaft, bei uns aber die Fertigkeit, von denselben den möglichst richtigen Gebrauch zu machen, vorausgesetzt, hätten wir uns zwar bei der Wahl der eigenen Truppencommandanten so manchen trostlosen Misgriff ersparen können: das günstige Verhältniß jedoch, in welchem bisher die Führer unserer Kriegsheere den feindlichen Feldherren an Kriegsglück oder Talent überlegen schienen, bleibend zu erhalten, wäre dessenungeachtet nicht mehr in unserer Gewalt gelegen, nachdem das feindliche Armee-Obercommando bereits vom F.-M. Fürsten Windisch-Grätz auf den F.-M.-L. Baron Melden übergegangen. Denn galt auch das Renommee des Letztern, in der Fassung nämlich, in welcher es damals bis in unsere Reihen herübergedrungen war, mehr dem Schriftsteller als dem Feldherrn: so hatte uns dennoch der für die österreichische Armee so klägliche Umschwung der Situation vom December 1848 zu der vom April 1849 sattsam überzeugt, daß eine für uns noch günstigere Berufung zur feindlichen Oberfeldherrnschaft, als die des F.-M. Fürsten WindischGrätz, kaum mehr möglich, eine gleich günstige höchst unwahrscheinlich sei.

Unsere Lage drohte somit, nach dem erwähnten Wechsel im feindlichen Armee-Obercommando, trotz unserer letzten Siege jedenfalls bedenklicher zu werden, als sie vor demselben gewesen, der für uns verhängnißvollen Consequenzen des 14. April gar nicht zu erwähnen.

Zog ich vollends auch diese noch in Betrachtung: dann mußte ich wohl erkennen, daß es — bei der Wahrscheinlichkeit, die feindlichen Streitkräfte in Bälde bis zum erdrückenden Uebergewichte gegen uns vermehrt zu sehen — eigentlich ganz gleichgiltig war, ob F.-M. Fürst Windisch-Grätz oder sonst wer an der Spitze der feindlichen Armee stehe. Der Wechsel im österreichischen Obercommando sank, den unheilverkündenden Aussagen der am 26. April kriegsgefangen gemachten österreichischen Soldaten gegenüber, zu einem, für die Eristenzfrage Ungarns, bedeutungslosen Nebenumstande herab.

Iene Kriegsgefangenen erzählten nämlich: ihre Offiziere hätten sie ob der wiederholten Retiraden mit der Versicherung getröstet, daß eine russische Armee bereits in Anmarsch gegen uns begriffen sei, und die österreichische sich blos zurückziehe, um den Einbruch jener in Ungarn abzuwarten.

Zwar wurden diese Aussagen von unsern Optimisten als ausgesprengte Gerüchte verlacht. Ia mir selbst kamen sie unerwartet; denn ich hatte vorausgesetzt, die Regierung Oesterreichs würde, da nun einmal für die Rettung der Monarchie ein ungewöhnliches Opfer zu bringen nothwendig schien, sich aus Gründen, deren Aufzählung überflüssig, leichter zur Räumung Italiens als zur ,Annahme fremder Hilfe entschließen. Allein das Unerwartete jener Aussagen konnte die Glaubwürdigkeit derselben in den Augen derer kaum beeinträchtigen, welche unbefangen genug waren, zu überlegen, daß die feindlichen Offiziere, schon aus Eifersucht auf den Ruf der Sieghaftigkeit ihrer eigenen Armee, Anstand genommen haben würden, ihre bestürzten Untergebenen mit der Aussicht auf die rettende Hilfe einer fremden zu trösten, wenn ihnen nicht derselbe Trost von ihren Generalen, wie diesen von den Ministem in Wien wäre gespendet worden.

Ich zweifelte keinen Augenblick länger, daß der Kaiser von Rußland in Ungarn interveniren werde.

Zwar meinten unsere Optimisten wieder: England, Frankreich, Sardinien, Nordamerika, ganz Deutschland, die Türkei ic. würden in diesem Falle dem Kaiser von Rußland unverzüglich den Krieg erklären. Allein, wie plausibel auch diese Ansicht noch vor dem 14. April gewesen: nach diesem Tage schien mir deren in der That auffallend rasche Verbreitung nur ein trauriger Beleg dafür, wie stark überhaupt in meinem Vaterlande eine gewisse politische Schwindel-Epidemie bereits grassire. Uebrigens kann es für den Verfechter irgend einer Sache, welche in Folge der feindlichen Einmengung eines Dritten fällt, am Ende nur höchst gleichgiltig sein, ob diesem Dritten die Befugniß sich einzumengen von einem Vierten oder Fünften nachträglich abgesprochen wird oder nicht.

Die Debreeziner Gesetzgeber vom 14. April hatten nun einmal mit der russischen Intervention den Geist der letzten Stunde des Vaterlandes heraufbeschworen: ihn wieder zu bannen, fehlte ihnen die rechte Zauberformel. Sie vermochten diese mit all ihren optimistischen Orakelsprüchen nicht zu ersetzen; vermochten nicht die klaffenden Wunden hinwegzuzaubern, an welchen ich im Geiste mein Vaterland verbluten sah; vermochten nicht den nüchternen Blick zu bethören, vor welchem, wie gesagt, die Zuversicht auf die Realisirbarkeit der Idee, die Landesverfassung, deren äußern Feinden, wie deren innern, eben jenen Debreeziner

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