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Uferwalde zusammenhängt) mit dem 17. Bataillon zu fassen; während das andere Klapka'sche Bataillon als Reserve disponibel bleiben sollte. Natürlich mußten vorerst die im freien Terrain ü ekeval der Poststraße entwickelten feindlichen Streitkräfte an Artillerie und Reiterei vollends verdrängt werden.

In der Lösung dieser letztern Aufgabe begriffen, war ich bereits bis auf Geschützertrag der erwähnten Waldpartie nahe gerückt; als mich eine schriftliche Meldung des Generals Damjanics etwa folgenden Inhalts ereilte: „Der Feind hat Verstärkung erhalten. Nagy-Sändor mit dem Gros der Cavalerie ist geworfen. Klapka retirirt gegen das Donaufort. Wenn der rechte Flügel noch weiter vorrückt: vermag ich ihn gegen eine Umgehung links nicht mehr zu decken, ohne meine eigene Linke preiszugeben."

Auf diese Nachrichten hin mußte ich meine Vorrückung unterbrechen; ja ich disponirte sofort das Bataillon der Reserve nach dem Monostor zurück; damit es vorläufig die nächstgelegenen Schanzen wieder besetze.

An Damjanies aber schrieb ich: er solle, gleich mir, selbst einer feindlichen Uebermacht nur zögernd Raum geben, und im schlimmsten Falle die in seinem Rayon liegenden Erdwerke des verschanzten Lagers um jeden Preis halten.

Mittlerweile schien auch der feindliche linke Flügel namhafte Verstärkungen erhalten zu haben, denn er nahm das seinerseits schon unterbrochene Gefecht mit überlegener Artillerie nun plötzlich wieder auf, während von meinen acht Geschützen sechs Piecen wegen Munitionsmangel, nach kurzer Erwiderung der feindlichen Kanonade, verstummten. Die zur Abfassung neuer Schießvorräthe zurückgeschickten Pulverkarren waren soeben alle wieder, aber leer, zurückgekehrt. Nur zwei Piecen blieben noch auf einige Zeit kampffähig. Die Wirksamkeit dieser letztern mußte jedoch auf den möglichen Fall aufgespart werden, daß der Feind etwa die Absicht hätte, diesmal energischer denn bisher die Zurückeroberung des Monostor zu versuchen.

Ich zog demnach alle acht Piecen vollends aus dem Gefechte, und ließ sie nach dem Monostor zurückfahren. Der Commandant des 1. Husarenregiments mochte diese Maßregel für das ersehnte Zeichen zu einer allgemeinen Retirade genommen haben, denn er beeilte sich mit seinem Regimente, früher noch als die Geschütze, den Monostor zu erreichen. Die beiden Festungsbataillone wollten dem Beispiele der Husaren folgen: indessen nahm ich dies glücklicherweise noch zur rechten Zeit wahr, um es zu verhindern.

Ich ließ die beiden Festungsbataillone im feindlichen Geschützfeuer e„ »out marschiren, und zwang sie, dasselbe stehenden Fußes auszuhallen. Durch diesen, gleichsam zur Schau gestellten, Beweis von Todesverachtung wollte ich dem Feinde in vorhinein den Erfolg eines Sturmes auf unsere Position am Monostor zweifelhalft erscheinen lassen. Ich hatte dabei mit den an die schützenden Brustwehren der Festungswälle gewohnten Truppen — mehr noch mit dem Stabsoffiziere, unter dessen Commando beide Festungsbataillone standen — meine liebe Noth; und am Ende war der ganze Versuch, dem Feinde durch passives Standhalten zu imponiren, ein überflüssiger, weil der Feind bei aller Heftigkeit seines erneuten Angriffes dennoch keinerlei Offensivabsichten hegte; denn wäre z. B. die Wiedereroberung des verschanzten Lagers in seiner Absicht gelegen, so hätte er in einer gleichzeitigen Vorrückung im Walde längs dem Donauufer gegen den Monostor — auf welche er in der That verzichtete — durchaus nicht entrathen können.

Sobald ich dieses Umstandes — freilich erst, nachdem die Festungsbataillone bereits empfindlich gelitten hatten — inne geworden: erlöste ich dieselben aus ihrer peinlichen Situation, ihnen den allmäligen Rückzug aus dem Bereiche des feindlichen Artilleriefeuers gestattend.

Hierdurch gelangte die vorderste Gefechtslinie unsers rechten Flügels auf gleiche Höhe mit jener des Centrums unter Damjanics, welcher in Folge der Flucht Nagy-Sändor's und der anfänglichen Retirade Klapka's zwar seine Vorrückung eingestellt, den bereits eroberten Terrain aber standhaft behauptet hatte.

Mit dem Aufgeben der Offensive unsererseits erreichte das Treffen des Tages schon in den ersten Nachmittagsstunden sein Ende. Es trat ein unverabredeter Waffenstillstand ein.

Der Feind, damit zufrieden, daß er von uns nicht weiter bedroht wurde, ließ von fernem Angriffen auf unsere Stellung vor dem verschanzten Lager gänzlich ab, während die beiden Armeecorps Damjanics und Klapka wegen des bereits allgemein fühlbar gewordenen Munitionsmangels zu gleicher Unthätigkeit verdammt blieben, die von Perbete herbeieilenden, mit Schießbedarf noch ziemlich versehenen zwei Drittheile des 7. Corps aber, wegen der großen Entfernung jener Ortschaft von Komorn, erst bei einbrechender Nacht, als der Feind nämlich seinen Rückzug vom Schlachtfelde schon geraume Zeit bewirkt hatte, auf dem rechten Donauufer erschienen.

Der Tag blieb gleichwohl unser; denn wir hatten das verschanzte Lager sammt der feindlichen Tranchce, der Armirung einer Belagerungsbatterie und namhaften Vorräthen an Schanzzeug und Projectilen, ja selbst das feindliche Zeltlager erobert, die Festung vollständig entsetzt: während der Feind, weit entfernt uns den Besitz alles dessen streitig zu machen, sich mit der momentanen Deckung seiner Retirade vom Schlachtfelde über Raab bis Wieselburg begnügte, wobei ihm freilich die wegen Munitionsmangel eingetretene Kampfunfähigkeit der Artillerie unserer beiden an der Action des Tages betheiligten Armeecorps Damjanics und Klapka, wie das zu späte Anlangen Pöltenberg's auf dem Schlachtfelde trefflich zu statten kamen.

Mit dem vollständigen Entsatze von Komorn war die Ausführung des in Gödöllö — nach dem Treffen bei Isaszeg — von unserm Generalstabs - Chef entworfenen Operationsplanes befriedigend gelungen, dank der unerschütterlichen Standhaftigkeit des Generals Damjanics während des Treffens bei Nagy-Sarlö, wie der bewunderungswürdigen Ausdauer und seltenen Meisterschaft, mit welcher General Aulich das vor Pest concentrirte österreichische Hauptheer so lange zu fesseln und über unsere wahren strategischen Absichten zu täuschen wußte, bis deren zu spätes Erkennen nur mehr geeignet schien, unsern verblüfften Gegner seiner schmählichen Niederlage bei Nagy-Sarlö entgegenzuführen.

Achtes Capitel.

Rückblick aus mcine ralhlofc Sage als Conimandanl der Amcc, nach dcr ersten Nachricht von der Unabhängigkeitserklärung. — »ic mir die Ereignissc hilsttich bcigesprungen, Die Situation dc« Augenblicks und mcine Proclamalion von Komoni.

Äls am 17. April 1849 die Nachricht von dem drei Tage früher gefaßten Beschlusse des Reichstages in meinem Hauptquartiere zu Levenz anlangte, und alle zufällig anwesenden Offiziere meiner nächsten Umgebung sofort die ungeheucheltste Entrüstung über diesen Beschluß kund gaben; als am folgenden Tage Offiziere des 7, Armeecorps mich geradezu an die Erfüllung namentlich des zweiten Punktes der in meiner Proclamation von Waizen gegebenen Schlußerklärung erinnerten, und mir überdies vorläufig bekannt gaben, das gesammte 7. Armeecorps sei gesonnen, dasselbe bei nächster Gelegenheit officiell zu thun; während doch gleichzeitig in den Armeecorps Damjanics und Klapka eine nichts weniger als ungünstige Stimmung für das neue Gesetz vorzuwalten schien: da mußte ich wol ernstlich befürchten, die Armee sei ihrer Auflösung nahe.

Die eigentlichen Conjuncturen des Augenblickes (siehe Capitel 5 dieses Bandes) drängten mir den Entschluß auf, im äußersten Falle — wenn nämlich das 7. Armeecorps darauf bestehen sollte, daß ich im Sinne der Proclamation von Waizen gegen den Beschluß vom 14. April entschieden auftrete — die Stabsoffiziere der Armee und überdies Abgeordnete der subalterner Offizierscorps aller Truppenkörper zu einer consultirenden Versammlung einzuberufen, und den Ausspruch der Majorität dieser Versammlung als Compromiß für die meinungsverschiedenen Parteien der Armee aufzustellen.

Das Gefährlichste eines ähnlichen Schrittes, angesichts demnächst zu erwartender Conflicte mit dem Feinde: die Aufregung der Leidenschaften während der Diseussion, die hierbei unvermeidliche, entmuthigend grelle Beleuchtung der für Ungarn verderblichen Folgen des 14. April, die voraussichtlich kaum halbe Theilnahme Derjenigen an den fernem Kämpfen, welche, bei der constatirten Meinungsverschiedenheit für und wider das Gesetz vom 14. April — was immer der Beschluß der Majorität sei — gegen ihre Ueberzeugung zu fechten gezwungen wären: alle diese unleugbaren Consequenzen jenes verzweifelten Entschlusses zeigten mir, da ich gleichwohl keinen bessern Ausweg zu finden wußte, deutlich genug, daß ich hier mit meinem Scharffinn zu Ende sei.

Am Schlusse jenes Capitels, in welchem hier des 14. April zuerst Erwähnung geschah, habe ich, der chronologischen Reihenfolge dieser Aufzeichnungen vorgreifend, bereits zugeben müssen, daß mir in dieser rathlosen Lage die Ereignisse hilfreich beigesprungen: und so war es denn auch.

Das 7. Armeecorps — zufällig nicht vereint — konnte vor dem Treffen von Nagy-Sarlö zu keiner Entscheidung über die beabsichtigte Demonstration gegen den Beschluß vom 14. April gelangen. Nach diesem Treffen erreichten die, durch den verzögerten Brückenschlag über den Granfluß, mehrtägig unterbrochenen Operationen unsererseits wieder jene Höhe offensiver Entwickelung, auf welcher sie mit den physischen Leistungen des Soldaten zugleich dessen geistige Thätigkeit vollkommen absorbiren; und während die bekannten Erfolge dieser Operationen — die Niederlagen des Feindes bei Nagy-Sarlö am 19., dessen Retirade von der Wahlstatt bei Kemend über die Donau am 20., der theilweise Entsatz von Komorn am 22., der vollständige am 26. April und endlich der allgemeine Rückzug der österreichischen Armee gegen die Landesgrenzen — die Gegner wie die Nichtgegner des 14. April gleich befriedigten: wurden die erstern, durch eben dieselben Erfolge, mit der

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