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Das letztere Document war von der die Regierung Oesterreichs im Hauptquartiere der russischen Armee vertretenden Behörde ausgestellt.

Und Major von Andrässy brachte mich ohne weiteres von GroßWardein über Krakau und Wien nach Klagenfurt. *)

Den Vorgeschmack der meinem Leumunde verderblichen Folgen all dieser Thatsachen erhielt ich bereits in Groß-Wardein. Schon allein in Folge meiner Absonderung von den übrigen Kriegsgefangenen verbreitete sich das Gerücht, mir stände die Aufnahme unter die Generalität der russischen Armee bevor, und der Umstand, daß ein ähnliches Gerücht überhaupt Glauben fand, bewies an und für sich zur Genüge, wie sehr die öffentliche Meinung sich beeilt habe, dem Acte der Waffenstreckung den Stempel der Verrätherei aufzudrücken.

Die bald darauf und fast gleichzeitig zur öffentlichen Kenntniß gelangenden Thatsachen, daß der Kaiser von Rußland sich ausschließlich nur über mein Schicksal die Entscheidung vorbehielt, alle übrigen Kriegsgefangenen hingegen unbedingt an Oesterreich auszuliefern befahl, thaten ein Uebriges zur Rechtfertigung des über mich gefällten Verdammungsurtheiles.

Hierzu kam überdies noch, daß man russischerseits eines untergeordneten Individuums, welches zu uns übergelaufen war — bei Gelegenheit unserer Waffenstreckung, wie es hieß — wieder habhaft wurde. Es hatte nämlich jenes Individuum (während die von mir befehligte Armee noch zwischen Miskolcz und Tokaj stand), als Führer einer russischen Cavaleriepatrouille von der Gyöngyöser Chaussee her gegen den damals noch in unserer Gewalt befindlichen Poroszlö-Tiszafüreder Theißübergang entsendet, seinen Entschluß, zum Feinde (in unsere Reihen)

*) Major von Andrässy benahm sich mir gegenüber während der ganzen Dauer seines — wie ich sehr wohl begriff — nichts weniger als angenehmen Kseortedienftes auf eine höchst chevalereske Weise. Nach unserm Anlangen in Klagenfurt hatte Major von Andrässy überdies noch die Güte, mich der Obhut des damaligen Platzcommandanten Hauptmanns von Kurzendorfer, eines Mannes anzuempfehlen, welchen — ich spreche aus eigener Erfahrung — neben ber humansten Gesinnung zugleich der seltene Muth auszeichnet, diese dem Unglücklichen ohne Ansehen der Person, sogar im Widerstreite mit der öffentlichen Meinung, selbständig zu bethätigcn.

Ann,, d, Verfassers.

überzugehen, mit Preisgebung seiner Mannschaft ausgeführt. Der detachirte Commandant unserer Tiszafüreder Colonne ließ hiernach aus eigener Machtvollkommenheit den Ueberläufer — da derselbe unter F.-M.-L. Bem zu dienen wünschte — von Tisza-Füred sofort nach Arad geleiten. Dessenungeachtet aber soll der Ueberläufer, anstatt zur Bem'schen Armee, zufällig in das Lager der von mir befehligten, und durch die Waffenstreckung vor ein russisches Kriegsgericht gerathen sein.

Zwar wurde ich von der Eristenz dieses Individuums hienieden erst während meiner Kriegsgefangenschaft durch einen russischen Stabsoffizier unterrichtet, welcher mir die Thaten und Schicksale des Delinquenten als Gegenstand des Taggesprächs mittheilte; nichtsdestoweniger beschuldigte mich die öffentliche Meinung der absichtlichen Auslieferung jenes Polen (im „Polen" liegt die Pointe) an Rußland und bewillkommte hierin einen handgreiflichen Beleg dafür, wie ich kein Mittel gescheut, um der Gnade des Zars theilhaftig zu werden.

Es war demnach vorauszusehen, daß die Summe von elfhundert Stück Halb - Imperialen in Gold*), welche ich vom F.-M. Fürsten

') Nach der Waffenstreckung betrug meine gefainmte Baarschaft bei S0 Stück Dueaten in Gold und etwa Ü.tXK) fl. in Kofsuthnoten. Nachdem mir die letzter» durch das österreichische Landeseommissariat im russischen Hauptquartiere abgenommen worden, blieb ich darauf angewiesen, meine Pferde um jeden Preis loszuschlagen und die Dienerschaft sofort zu entlassen. F.-M. Fürst Paskiewitsch, hiervon zufällig unterrichtet, ließ gleich in den ersten Tagen meiner Kriegsgesangenschaft die Summe von 3OO Stück Halb »Imperialen in Gold zu meiner Verfügung stellen; und am Vorabende meiner unfreiwilligen Abreise »on Groß-Wardein übergab mir F.-M. Fürst Paskiewitsch persönlich eine Summe von 50tt Stück derselben Münz» sorte, nachdem er in Erfahrung gebracht, daß meine Transportirung nach Klagen- furt nicht auf Staatskosten erfolge, und mir die Möglichkeit, meine Eristenz zu fristen, selbst für die nächste Zukunft in keiner Weise gciichert sei.

Zwar wurden mir beide Summen — in der unvertennbaren Abficht, mein Ge» fühl nicht zu verletzen — blos als Darlehen auf unbestimmte Zeit angeboten. Allein in dem Erwarten, daß die Rückwirkung meiner revolutionären Wirksamkeit auf meine eigene Person mich vor fernern Nahrungssorgen für immer befreien werde, durch meine unvorhergesehene Ainnestirung getäuscht, war ich nun leider in dem Falle, jenes sogenannte Darlehen, trotz der gegründeten Befürchiung, ich würde sie kaum je wieder zurückerstatten können, mit Dank annehmen zu müssen.

Die vom F.-M. Fürsten Paskiewitsch empfangene Gesammtsumme gebe ich oben aus t,lt>v Stück Halb »Imperialen in Gold an. weil nur aiißer den eben Paskiewitsch erhalten, im allgemeinen Urtheile über mich vollends als Häscherlohn für die Auslieferung jenes Polen, wo nicht gar als Blutgeld für den am Vaterlande oder doch an meinen Kameraden begangenen Verrath figuriren werde.

Allein, obschon ursprünglich durchaus kein Verächter der öffentlichen Meinung in Ungarn, hatte ich es dennoch bereits vor dem 13. August 1849 verlernt, sie unbedingt zu achten — Dank ihrer zahlreichen Verirrungen während der gleichwohl nur kurzen Dauer unserer Bekanntschaft.

Und in der That war's die trostlose Zukunft Ungarns und meiner Gefährten, nicht die meiner öffentlichen Ehre, was mich bekümmerte.

Die Zukunft Ungarns gaben nach der Waffenstreckung selbst jene Patrioten verloren, welche während des Kampfes zwischen Ungarn und Oesterreich auf der Seite des letztern (aber nicht im Felde) gestanden*).

Die Zukunft eines großen Theiles meiner Gefährten schwankte augenscheinlich zwischen Kerker und Tod.

Csänyi wurde um ein oder zwei Tage später als ich nach GroßWardein und zwar gleich in den engsten Gewahrsam gebracht. Er hatte einen Theil vom Vermögen seines Mündels in klingender Münze bei sich und verlangte dringend nach einer Zusammenkunft mit mir, in der Absicht, jene Baarschaft durch mich in die Hände seines Mündels gelangen zu lassen. Es war zu spät. Man verweigerte uns die Zusammenkunft. Von Csänyi, wie von allen meinen Gefährten — mit Ausnahme Einzelner — hatte ich zu Kis-Ienö (am 14. August 1849) ohne es zu ahnen, für immer Abschied genommen.

besprochenen 800, noch fernere 3tlv Stück zu Vertheilung an die theils mit mir zugleich, theil« im Laufe der nächstfolgenden Tage, nach Groß-Wardein transxortirten ungarischen Offiziere übergeben worden. Die genannten Offiziere sollten nämlich hierdurch in den Stand gesetzt werden, stch Civilkleider anzuschaffen, da sie gleich nach ihrer Ankunft in Groß-Wardein die Honve'duniform ablegen mußten.

Anm. d. Verfassers.

') Ob die bezeichneten Patrioten etwa früher bezüglich der Rettung des Vaterlandes noch Hoffnungen und welcherlei genährt, ist mir unbekannt; vor der Waffenstreckung hatte ich begreiflicherweise keine Gelegenheit, mit irgend einem von ihnen in Berührung zu kommen. Anm. d. Verfassers,

Mit den übrigen Civil-Notabilitäten, welche sich dem Ergebungsacte angeschlossen hatten, verfuhr man — wie ich hörte — vorläufig minder peinlich. Einige derselben sprach ich sogar noch in Groß-Wardeiu, Sie waren einstweilen mittels Zwangspaß in ihre Heimat entlassen.

Die Husaren- und Honve'd-Mannschaft vom Wachtmeister und Feldwebel abwärts (auch die früher in österreichischen Diensten gestanden) wurde gleich in den ersten Tagen nach der Waffenstreckung amnestirt.

Die Generale und Offiziere aber blieben detinirt, F.-Z.-M. Baron Haynau hatte sich die Entscheidung über ihr Schicksal für eine gelegenere Zukunft vorbehalten. Ich konnte mich über die offröse Bedeutung dieses Vorbehaltes unmöglich täuschen.

Solange sich die Unglücklichen, gleich mir, in russischer Kriegs gesangenschaft befanden, hoffte ich zwar immer noch den F.-M. Fürsten Paskiewitsch zu bewegen, daß er seinen Einfluß, welchen er für mich zu verschwenden schien, vielmehr zu Gunsten meiner Gefährten geltend mache. Ich ging dabei von der Annahme aus, der russische Feldherr sei zu dem Entschlusse, sich nur für meine Rettung zu verwenden, durch das irrthümliche Dafürhalten bestimmt worden, daß unsere Ergebung als unbedingt nothwendige Folge meines absoluten Willens zu betrachten wäre. Die Ueberzeugung des F.-M. Fürsten Paskiewitsch vom Gegentheile war somit das nächste Ziel meiner Bestrebungen. Ich hob die Freiwilligkeit der Zustimmung meiner Kameraden zum Waffenstrecken, ihrer Mitwirkung beim Vollzuge dieses Actes, wie die Unausführbarkeit des letztern ohne ihre Zustimmung und Mitwirkung, gebührend hervor, und erklärte überdies dem russischen Feldherrn, daß ich die Gnade, welche er mir zugedacht, überhaupt nicht, am allerwenigsten dann werthzuschätzen verstünde, wenn es das unabänderliche Loos meiner Gefährten sein sollte, dem F. Z.-M. Baron Haynau überantwortet zu werden.

Allein wie lebhaft auch die menschenfreundliche Behandlung, welche meinen Kameraden und mir im russischen Lager zu Theil geworden, des F -M, Fürsten Paskiewitsch entschiedene Hinneigung zur Großmuth bethätigten: seine Antwort beschränkte sich dessenungeachtet immer nur auf die trostlose Versicherung, daß es ihm leider unmöglich sei, meine Vorstellungen und Bitten irgendwie berücksichtigen. Und nachdem die Uebergabe der Kriegsgefangenen an eine österreichische Escorte uollends zur Thatsache geworden, mußte ich — obschon es mir wohlbekannt war, in welch edler Weise F.-M. Fürst Paskiewitfch direct an die Gnade Sr. Maj. des Kaisers von Oesterreich für meine Gefährten appellirt hatte — an der Rettung der letztern um so gewisser verzweifeln, als sich mittlerweile Dinge zugetragen, deren Tragweite für sich allein hinreichend schien, das Leben jener Unglücklichen im höchsten Grade zu gefährden.

General Damjanics, Commandant der Festung Arad, hatte seinen Entschluß, die Festung Arad nur an russische Truppen zu übergeben, dem G.-d.-C. Grafen Rüdiger gleich nach der Waffenstreckung zu wissen gethan. Der russische General Buturlin, beauftragt, die Unterhandlungen mit der Festung zu eröffnen, und zu diesem Ende mit einem Schreiben von mir an General Damjanics versehen, begab sich demzufolge am 15. August nach Alt-Arad und brachte noch am selben Tage eine Capitulation zu Stande, in welcher sich die Garnison der Festung Arad verpflichtete, den Platz schon am 17. August Nachmittags, und zwar unbedingt, aber nur vor russischen Truppen zu räumen, wogegen General Buturlin die Nichtanwesenheit österreichischer Truppen bei dem Acte der Uebergabe garantirte. Nun war aber die Festung auf dem linken Ufer der Maros von einem österreichischen Corps, dem des F.-M.-L. Grafen Schlick, eingeschlossen. Dieser hatte die Festung, noch bevor sie mit den Russen zu parlamentiren begonnen, zur Uebergabe auffordern lassen, aber eine entschieden zurückweisende Antwort erhalten. Als nun F.-Z.-M. Baron Haynan von dem unmittelbar darauf zwischen der Besatzung und dem russischen General Buturlin abgeschlossenen Capitulationsvertrage Kenntniß erhielt, ließ er dem F.-M.-L. Grafen Schlick einen Befehl zukommen, dessen Vollzug den russischen General Buturlin in die fatale Alternative versetzen mußte, entweder sein der Besatzung von Arad (für die Nichtanwesenheit österreichischer Truppen bei der Uebergabe) verpfändetes Wort uneingelöst, oder seine Truppen denen des F.-M.-L. Grafen

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