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Zögernd näherte sich indessen die Tete der ungarischen Armee dem Mühlencanale. Die enge Fahrbahn der Brücke konnte beim Defiliren über dieselbe leicht Stockungen herbeiführen. Damit nun den Letztern möglichst vorgebeugt werde, kehrte ich mit meinen Begleitern sofort wieder nach der Canalbrücke zurück, und veranlaßte den successiven Aufmarsch e« «issse auf dem Terrain zwischen dem Mühleucanale und dem Dorfe Szöllös — Front gegen das russische Gros bei Zaränd — in zwei Treffen: das erste Treffen vom 3. und 7. Corps, das zweite von der Arader Reservedivision und dem 1. Corps gebildet; im TreffenIntervall sämmtliche Batterien vereint; der Train der Armee hinter dem zweiten Treffen.

Die drückende Schwüle der beim heitersten Himmel von keinem Windhauche bewegten Luft verzögerte ungewöhnlich den Marsch der Truppen. Auch hatten diese nichts mehr zu versäumen.

Als die letzten Abtheilungen der Armee die Canalbrücke passirten, war die Sonne bereits im Untergehen.

Und im Zwielichte des 13. August 1849 musterte G.-d.-C. Graf Rüdiger, der Commandant eines russischen Armeecorps die von mir befehligten ungarischen Truppen. — Aber die Reiterei war abgesessen und hatte den Säbel an den Sattelknopf gehängt; die Gewehre des Fußvolks standen in Pyramiden; die Geschütze eng aneinandergefahren und unbemannt; die Fahnen und Standarten — sie lagen unbeschützt da, vor den entwaffneten Reihen.

Lweiundvierzigstes Capitel.

Nach der Waffenstreckung,

n der Nacht vom 13. auf den 14. August 1849 wurde ich und am Morgen des 14. alle übrigen Theilnehmer an der Waffenstreckung aus dem russischen Lager bei Zaränd nach Kis-Ienö escortirt.

Mit Einbruch der Nacht auf den 15. August mußte ich unter Aufsicht eines russischen Stabsoffiziers Kis-Ienö verlassen, um zu Wagen nach Groß-Wardein, dem Hauptquartiere der russischen Armee, gebracht zu werden. Der Arzt, dessen Hilfe ich noch immer nicht entbehren konnte, und überdies drei bis vier Offiziere aus meiner nächsten Umgebung durften mich begleiten. Die übrigen kriegsgefangenen Generale, Offiziere und Civil-Notabilitäten empfingen im Laufe des 14. August mittels Placat das Aviso, sich für den nächsten Morgen zum Aufbruch gleichfalls nach Groß-Wardein bereit zu halten. Wie ich nachträglich erfuhr, wurden sie auch wirklich am 15. von Kis-Ienö gegen GroßWardein in Marsch gesetzt, aus der Station Nagy-Szalonta aber nach Sarkad (8 Meilen südwestlich von Groß-Wardein) zurückgeführt, und vergebens harrte ich demnach in Groß-Wardein der Wiedervereinigung mit ihnen entgegen.

Ich hatte indessen meinen zu Arad in der Nacht vom 10. auf den 11. August definitiv gefaßten Entschluß, den Impuls zu einer raschen unblutigen Beendigung des hoffnungslosen Krieges zu geben, bis in seine letzten Consequenzen ausgeführt. Eigenhändige Schreiben von mir waren sowohl an die Commandanten der noch von ungarischen Truppen besetzten Festungen, wie an die Führer einzelner im Operationsbereiche der russischen Armee isolirten ungarischen Heeresabthcilungen und Commanden unterwegs. Die Letztern forderte ich in meinen Schreiben geradezu auf, meinem Beispiele zu folgen; den Erstern gegenüber beschränkte ich mich — soviel mir erinnerlich — auf einfache Mittheilung von Thatsachen, und zwar aus dem zweifachen Grunde, weil ich weder die absolute Stellung des Commandanten einer feindlich bedrohten Festung, noch die demselben eventuell gebotene Möglichkeit einer nicht unbedingten Ergebung übersehen durfte.

Das Vertrauen der einst von mir befehligten Truppen war zumeist in jenen Männern concentrirt gewesen, welche — über meine Denk- und Handlungsweise im Klaren — unzugänglich für den Argwohn geblieben, als reflectirte ich bei der unbedtngten Waffenstreckung überhaupt, oder doch bei der Vollziehung dieses Actes vor den Russen, auf die Salvirung meiner eigenen Person. Diejenigen hingegen, welche sich etwa berufen geglaubt, mich der angedeuteten Reflexion zu verdächtigen, sie mochten bei den Truppen entweder in gar keinem, oder vielleicht in so überaus ungünstigem Renommc gestanden haben, daß jene Verdächtigung erfolglos hatte bleiben müssen.

Hierin liegt die Lösung des Räthsels, wie es mir gelingen konnte, den Ergebnngsact — bei gewissenhafter Vermeidung jedweder Spiegelfechterei mit Rettungsaussichten, ja selbst bei gleichzeitiger Desavouirnng aller ähnlichen Illusionen — zu vollziehen, ohne daß die Disciplin in den Reihen der Armee irgendwie namhaft gestört worden wäre.

Und hätte es der siegreichen Allianz gefallen, in Erwägung der Umstände:

daß ich — wenngleich mit der „Debrecziner Unabhängigkeitsacte" nicht einverstanden — dennoch unter ihrer Aegide gegen die „Ollmützer Octroyirte" gekämpft, zu deren Durchführung doch wohl so ungeheuere Anstrengungen gemacht worden;

daß ich ferner — obschon das In-die-Länge-Ziehen des Kampfes gegen die alliirten Heere von vornherein für hoffnungslos erkennend — den Krieg dennoch, und zwar mit Aufbietung aller mir zu Gebote stehenden moralischen und physischen Kräfte, so lange fortführen half, bis endlich Kossuth selbst officiell erklärte, daß für Ungarn iede Hoffnung zunichte, die Landesvertheidigung mit irgend einer Aussicht auf Erfolg weiter fortzusetzen;

daß ich endlich — wenn auch in Folge der Wafferstreckung etwelche Russen und Oesterreicher mehr am Leben blieben — diesen Act in der That weder jenen Russen und Oesterreichern zu Lieb', noch aus Reue über meine Wirksamkeit beschlossen und vollzogen;

wenn es — sage ich — in Erwägung dieser augenfälligen Umstände der siegreichen Allianz gefallen hätte, nicht zu übersehen, wie ihrer Gnade unter allen Theilnehmern an der Waffenstreckung ich zuverlässig der Unwürdigste, und wenn sie folgerecht mich hätte fallen lassen, so hätte sie höchst wahrscheinlich mir den Nachruhm, daß ich mein Vaterland oder doch meine Gefährten verrathen, sich selbst aber die Nachrede, daß ihr der Sieg über Ungarn nur mit Hülfe eben meiner Verrätherei gelungen, um so gewisser erspart, als meines Wissens weder sie noch ich die Enthüllung irgend einer Thatsache zu fürchten haben, aus welcher auch nur im entferntesten dargethan werden könnte, daß sie mit ihrer Gnade um die Waffenstreckung, oder ich mit der letztern um Gnade für mich gefeilscht.

Indessen — gleich am ersten Tage meiner unfreiwilligen Ankunft in Groß-Wardein (den 15. August) befahl der russische Feldherr, daß ich ihm vorgeführt werde; und obschon er mich mit heftigen Vorwürfen ob der Halsstarrigkeit meines Widerstandes empfing und mir vorläufig rund heraus erklärte, ich hätte hierdurch außer meinem eigenen Leben auch das meiner Kameraden verwirkt: so ging er dennoch plötzlich auf die Würdigung der Freiwilligkeit unsers Ergebungsactes über und schloß endlich mit der — meinerseits weder mittelbar noch unmittelbar angesuchten — Zusage seiner Verwendung um Gnade für mich allein.

Und kaum waren acht Tage um, als mir ein Offizier aus der Suite des russischen Feldherrn im Namen des Letztern ankündigte, daß ich von S. Maj. dem Zar begnadigt worden; daß ferner S. Maj. der Zar seinen ältesten Sohn den Großfürsten-Thronfolger mit der Mission betraut habe, mir auch die Vergebung S. Maj. des Kaisers von Oesterreich zu erwirken, und daß ich, wenn mir diese verweigert bliebe, auf kaiserlichen Befehl S. Maj. des Zars nach Rußland gebracht werden solle. Zugleich forderte mir der Offizier meinen Säbel mit dem Bedeuten ab, es sei der Wunsch Sr. Durchlaucht des F.-M. Fürsten Paskiewitsch, daß ich die Honveduniform sofort ablege und mich von nun an civil kleide.

Wenige Tage nach diesem Vorfalle endlich wurden mir durch den österreichischen Major Norbert von Andrässy (Flügel-Adjutanten des F.-Z.-M. Baron Haynau) folgende zwei Documente zugestellt:

1. „K, k. Armee-Obercommando in Ungarn. ..Nr. l»«. geheim.

„Seine Majestät, mein allergnädigster Kaiser und Herr, haben in Allerhöchstdessen angestammter Milde Ihnen Vergebung angedeihen lassen. „Der Aufenthalt in Ungarn wird Ihnen jedoch nicht gestattet, sondern hierzu ein anderes Kronland, und zwar fürs erste Kärnthen angewiesen, wohin Sie sich unter dem Geleite des k. k. Herrn Majors von Andrässy unverweilt zu begeben haben.

„Ihre Familie und Effecten mitzunehmen, unterliegt keinem Anstande. „Hauptquartier Arad, am 26. August 1849.

(gezeichnet) „Haynau, F.-Z.-M. (Adresse) „Herrn Arthur von Görgei."

11.

„Der Herr Arthur von Görgei sammt seiner Frau Gemahlin sind verpflichtet, in Gesellschaft Sr. Hochwohlgeboren des Flügeladjutanten Sr. Erc. des commandirenden Herrn Feldzeugmeisters Baron Haynau, Herrn Majors Norbert von Andrässy, bis an den Ort, welchen der obbenannte Herr Flügeladjutant Beiden bestimmen wird, zn reisen. „Groß-Wardein, am 27. August 1849.

(gezeichnet) „Graf Stephan Szirmay, k. k. Oberstlieutenant und Stellvertreter Sr. Erc. des k. k. Herrn Ober-Landes(I». 8.) commissärs Franz Grafen von Zichy."

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