Графични страници
PDF файл
ePub

Fortsetzung des Kampfes zu gewinnen; und er gab seine Bemühungen erst dann auf, nachdem ich meine Ueberzeugung unumwunden dahin ausgesprochen hatte, wie in unserer augenblicklichen Lage, ohne Kriegsvorräthe, ohne Geld, mit der Verpflegung der Truppen ausschließlich auf Requisitionen angewiesen — selbst wenn wir die Möglichkeit neuer kriegsoperativer Erfolge annehmen — jedenfalls einerseits die Nachhaltigkeit der letztem geradezu in Abrede gestellt, andererseits die Verwerflichkeit eines, nach dem bekannten Wallenstein'schen Grundsatze, im eigenen Lande fortzusetzenden Kampfes unbedingt anerkannt werden müsse. Bei dieser Gelegenheit war es auch, wo Csänyi unaufgefordert erklärte, er wolle sich der Armee anschließen; denn er fühle kein Bedürfniß sein Leben zu retten, wenn er es nicht mehr dem Dienste des Vaterlandes weihen könne.

General Aulich war gleich allen übrigen Generalen berufen, an dem Kriegsrathe Theil zu nehmen, in welchem die Absendung meines Schreibens an Graf Rüdiger genehmigt worden.

Die oben erwähnten Mitglieder des Reichstages endlich hatten sich, wie es schien, eigentlich unmittelbar dem Minister Csänyi angeschlossen. Von dem Gedanken beunruhigt, daß sie diesen Schritt etwa in der trostlosen Erwartung gethan, im russischen Lager Schutz vor den Verfolgungen Oesterreichs zu finden, wandte ich mich, um hierüber etwas Gewisses zu erfahren, an Csänyi. Dies that ich zu Vilägos am 12. August. Und Csänyi versicherte mir, er habe es seinen Gefährten noch in Alt-Arad mitgetheilt, daß unsere Ergebung auf Gnad' und Ungnade geschehe. Einzelne unter ihnen zeigten sich hierauf unentschieden, ob sie bleiben oder fliehen sollten; die Meisten aber erklärten ohne Bedenken, sie seien entschlossen, dem Schicksale, welches ihrer im Vaterlande harre, nicht auszuweichen, nur wünschten sie einstweilen, bis feindlicherseits über ihre Personen verfügt würde, bei der Armee zu bleiben. Den Unentschiedenen habe er selbst zur Flucht gerathen; er bedauere jedoch, daß er dies gethan, denn hierdurch höchst wahrscheinlich verletzt, erklärten nun auch sie, gleich ihm und den Uebrigen ausharren zu wollen; er aber befürchte, daß dieser Sieg ihres Nationalehrgefühles über den Instinct der Selbsterhaltung kein nachhaltiger sei, daß ihr Todesmuth von jetzt nicht unerschütterlich bleiben werde, und nach seinem Dafürhalten sollten wohl Alle, denen es augenblicklich ein moralisches Bedürsniß zu sein scheint, für ihren Glauben an die Gerechtigkeit der Sache des Vaterlandes freiwillig in den Tod zu gehen, — bevor sie den entscheidenden Schritt hierzu thun, sich gewissenhaft prüfen, ob sie die Kraft nicht dennoch verlassen könnte, wenn es gilt, ihren Glauben selbst angesichts hohnlachender Feinde, ja selbst auf der Richtstätte nicht zu verleugnen. Und die sich der Lösung dieser Aufgabe nicht vollkommen gewachsen fühlen, die sollten es eigentlich für ihre nächste patriotische Pflicht anerkennen, zu fliehen, damit die Nation nicht auch die Schmach noch erlebe, ob der Erbärmlichkeit jener Männer erröthen zu müssen, auf die sie einst wie auf Felsen gebaut.

Man ziehe die Thatsachen der zweimaligen Besprechung, welche zwischen Csänyi und mir noch in Alt-Arad über die vom rein patriotischen Standpunkte unleugbare Nothwendigkeit der unbedingten Ergebung stattgefunden, — die Berufung Aulich's und der übrigen Generale zu dem bekannten entscheidenden Kriegsrathe, — das freimüthige Auftreten Csänyi's seinen Gefährten gegenüber — mit dem gebührenden Ernste in Erwägung, und man wird meiner obigen Behauptung unbedingt beipflichten müssen, daß jene Minister, jene Generale und jene Mitglieder des Reichstages, welche bereits in Alt-Arad sich freiwillig der Armee anschlossen, durchaus nicht in die Kategorie Derer gezählt werden dürfen, die — wie wir gesehen haben — verlockt von dem albernen Gerüchte, ich hätte mit den Russen einen vortheilhaflen Frieden abgeschlossen, im spätern Verlaufe des 12. August plötzlich zu Vilägos auftauchten und, rasch enttäuscht, ebenso plötzlich wieder verschwanden.

Der Finanzminister Duschek, dessen Theilnahme am Kampfe Ungarns gegen Oesterreich — wie mir Kossuth selbst versicherte — keine freiwillige war, befand sich zur Zeit meiner Ankunft in Arad (am 9. August) zu Lugos, um daselbst die Banknotenpressen wieder in Thätigkeit zu bringen. Dies war jedoch, in Folge der Niederlage des Dembinski'schen Heeres bei Temesvär, unthunlich geworden. Die Banknotenpressen wurden sonach von Lugos nach Arad transportirt. Die Verordnung hierzu ging noch von Kossuth aus. Der Finanzminister traf demzufolge am I1. August persönlich in Arad ein, aber erst nachdem die provisorische Regierung schon abgedankt hatte. Zum mindesten , ist es mir nicht erinnerlich, ihn daselbst noch vor diesem Zeitpunkte gesprochen zu haben. Ich ertheilte ihm die Weisung, im Laufe des folgenden Tages (des 12. August) den gefammten Vorrath der Staatskasse an Gold und Silber, sei's in Barren, sei's in geprägter Münze, nebst den noch vorhandenen Staatsnoten unverweilt nach Vilägos zu stellen, und bestimmte — von seiner Bereitwilligkeit, meine Befehle zu erfüllen, nicht überzeugt, — zwei Offiziere mit der Ermächtigung an seine Seite, ihn zum pünktlichen Vollzuge meiner Ordre nach Umständen selbst mit Anwendung von Gewaltmaßregeln anzuhalten. So gelangten die Baarvorräthe der Staatskasse zu meiner Verfügung. Ich ließ sie an die Armee vertheilen, um der letztern den schon seit mehren Wochen rückständigen Sold wenigstens theilweise zukommen zu lassen. Zur vollen Auszahlung desselben genügte der vorgefundene Baarrest der Staatskasse leider nicht mehr. Die vorräthigen Barren edlen Metalls ließ ich jedoch unter der Obhut des Finanzministers und stellte es seiner Wahl anheim, sie den Russen oder den Oesterreichern zuzuführen. Er entschied sich für das Letztere.

Außer dem Finanzminister erklärten sich meines Wissens auch noch die Husarenstabsoffiziere Oberst Zambelli und Oberstlieutenant Markovich für Ergebung an die Oesterreicher. Dies erfuhr ich indessen nur zufällig und zwar in Folge eines heftigen Wortwechsels, welcher sich hierüber zwischen den genannten beiden Stabsoffizieren und einigen ihrer Kameraden zu Vilägos am 12. August entsponnen hatte. Ich fand mich hierdurch gleichwohl veranlaßt, in Gegenwart der Generale und Stabsoffiziere der Armee dem Obersten Zambelli und dem Oberstlieutenant Markovich zu bedeuten: ich wolle den Beschluß des Arader Kriegsrathes für die letzte unabänderliche Entscheidung über das Schicksal der Armee angesehen wissen; ich erkenne die Ausführung dieses Beschlusses seit dem Augenblicke, wo mein Schreiben an den russischen Corpscommandanten G.-d.-C. Graf Rüdiger das Hauptquartier zu Alt-Arad verlassen, für eine Ehrenpflicht der Armee; die nachträgliche Discutirung der Frage, ob bei den Oesterreichern, ob bei den Russen mehr Aussicht vorhanden, mit heiler Haut durchzukommen, müsse ich demnach, als mit der Ehre der Armee unverträglich, verhindern; ich mache ihnen zu diesem Ende den Vorschlag, die Armee ohne weiteres zu verlassen und sich an den nächsten österreichischen Vorposten zu ergeben; ich fordere sie hierzu um so bestimmter auf, als es mir ganz unmöglich sei, ihnen russischerseits außer einer nicht brutalen Behandlung, auch nur das Geringste in Aussicht zu stellen, wodurch jene Erwartungen aufgewogen werden könnten, welche sie an die Vollziehung des Ergebungsactes vor den Oesterreichern zu knüpfen scheinen. Die genannten beiden Stabsoffiziere zogen es indessen vor bei der Armee zu bleiben und die fragliche Opportunität des ihrerseits empfohlenen Vollzuges der Waffenstreckung vor den Oesterreichern nicht wieder zur Sprache zu bringen.

Ich hatte in der ebenerwähnten letzten Versammlung der Generale und Stabsoffiziere der Armee meine Ueberzeugung, daß wir von den Russen höchstens eine minder brutale Behandlung als von den Oesterreichern, sonst aber gar nichts erwarten dürfen, namentlich keinerlei Schutz vor der Rache Oesterreichs, absichtlich wiederholt unumwunden ausgesprochen, um den optimistischen Selbsttäuschungen zu begegnen, welchen ein Theil der Offiziere in der Armee bereits am 12. August zu Vilägos — freilich in Folge eines ganz besondern Anstoßes hierzu — Raum zu geben begann.

Diesen Anstoß gab eine noch am selben Tage an mich gelangte Aufforderung des russischen Corpscommandanten G.-d.-C. GrafRüdiger, ihm die dringendsten Anliegen der Armee bekannt zu geben, da er sich für deren Berücksichtigung bei seinem Chef verwenden wolle; und die Muthmaßungen einiger Offiziere der Armee über die Tragweite dieser Aufforderung verstiegen sich bis zur Annahme der nunmehr vorhandenen Möglichkeit, geradezu in russische Dienste überzutreten.

Mehre untergeordnete Offiziere baten sogar, vor der Waffenstreckung noch um einen Grad höher befördert zu werden, weil ihnen — so meinten sie — ihr höherer Rang in unserer Armee einen verhältnißmäßig höhern in der russischen sichern dürfte. Ich stellte diesen Offizieren vor, wie unwürdig es sei, angesichts der eben unmittelbar in Folge der russischen Intervention verlorenen Sache des Vaterlandes auf den Uebertritt in die Armee Rußlands zu reflectiren. Sie schienen jedoch nicht sowohl von meinen Vorstellungen über die Unwürdigkeit ihrer Bitte ergriffen, als vielmehr darüber untröstlich, daß ich ihnen die letztere so eutschieden abschlug. Und in der That ließen sie und ihre Gesinnungsgenossen sich durch den scharfen Tadel keineswegs erschüttern, welchen übereinstimmend mit mir die bravsten Generale und Stabsoffiziere der Armee, über das Refleetiren auf russische Dienste bei jeder Gelegenheit aussprachen. Auf den allerdings unbestreitbaren Satz „Bitten dürfe man um Alles" sich stützend, unbekümmert, ob er deshalb auch der Achtung seiner bisherigen Kampfgenossen verlustig würde, beharrte so Mancher dabei, daß die Bitte, den Uebertritt in russische Dienste Denjenigen, die ihn wünschen, zu gestatten, in das dem G.-d.-C. Graf Rüdiger zu überreichende Verzeichniß der Armeeanliegen aufgenommen werde.

Ich nahm das menschenfreundliche Anerbieten des russischen Corps commandanten G.-d.-C. Graf Rüdiger, von seinem Chef die Berücksichtigung der dringendsten Anliegen unserer Armee zu erwirken, für kein unaufrichtiges; allein die Hoffnung auf einen günstigen Erfolg seiner (Graf Rüdigers) Bemühungen mußte ich leider von mir weisen: denn der russische Feldherr hatte mich in der bekannten Antwort auf die diplomatischen Sendschreiben der Minister Szemere und Graf Kasimir Batthyänyi (siehe Capitel 39) über die Grenzen seiner Aufgabe uns gegenüber, durchaus nicht im Unklaren gelassen, und die Berück sichtigung selbst der natürlichsten Wünsche der von mir befehligten Armee war nicht mehr kriegsoperativer sondern politischer Natur, lag somit schon außerhalb jener Grenzen, welche nach der eigenen Versicherung des russischen Feldherrn, seiner Wirksamkeit in Ungarn gezogen wären.

Unsere Zukunft erschien mir demnach am 12. August zu Vilagos, trotz jenes menschenfreundlichen Anerbietens des russischen Corpscommandanten, nm nichts minder trostlos, denn Tags vorher zu Arad; und ich mußte mich in der That des vom Standpunkte der Nationalehre unverkennbaren Gebotes, die Disciplin in der Armee bis zum

« ПредишнаНапред »