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entsprungen sein, ich hätte, auf die Festung Arad gestützt, beiden feindlichen Heeren genugsam imponiren können, um ihnen humane, ehrenvolle Capitulationsbedingnisse abzunölhigen.

Gestützt konnte die von mir befehligte Armee auf die Festung Arad allerdings werden und zwar im Rücken. Die Deckung des letztern wäre auch zunächst unerläßlich gewesen, denn von Norden her drohte die russische, von Süden her die österreichische Hauptmacht. Dem sonach dringenden Bedürfnisse, den Rücken der Armee zu decken, ließ sich freilich ganz einfach mit der Aufstellung der letztern rings um der Festung, abhelfen. Durch eine derlei Aufstellung würde die Armee jedenfalls im Rücken unangreifbar geworden sein. Eine imponirende Stellung, durch welche dem Feinde ehrenvolle Capitulationsbedingnisse abgenöthigt werden sollen, verlangt jedoch zufällig außer der Unangreifbarkeit im Rücken auch noch die Sicherung der Front durch natürliche oder künstliche Terrainhindernisse, und zwar in dem Maße, daß ein feindlicher Angriff nur unter höchst ungünstigen Verhältnissen möglich sei. Doch auch diese Bedingniß war noch zu erfüllen: die Armee durfte sich blos in die Außenwerke der Festung zurückziehen (falls sie darin Platz fand) und hier — im Rücken sturmfrei, in der Front durch die Brustwehren der Außenwerke gedeckt — konnte die Armee sofort unangefochten ein Miserere nach dem andern absingen, daß einer oder der andere der feindlichen Feldherrn sich ihrer erbarme und sie (wenn er schon mit der Bewilligung ehrenvoller Capitulationsbedingnisse nicht eben pressirt sein sollte) wenigstens recht bald angreifen lasse, damit sie nicht am Ende gar in die fatale Nothwendigkeit gerathe, ihre gleichwohl auf die Festung Arad gestützte, imponirende Stellung vollends ohne Schwertstreich zu räumen — natürlich nur — um die Waffen für die nothwendigste Verpflegung in der Kriegsgefangenschaft hinzugeben und hierdurch dem gewissen Hungertodte zu entrinnen.

Meiner Ueberzeugung nach stand der von mir befehligten Armee, nach dem Eintreffen des Berichtes über das Schicksal der Dembinski'scheu, nur noch die Wahl frei zwischen der gezwungenen oder freiwilligen (jedenfalls unbedingten) Waffenstreckung und dem allerdings noch über Radna und Lippa möglichen Durchbruche auf türkisches Gebiet,

Auf dem letztern (überhaupt außer Ungarn) hatten weder ich, noch — so lange i ch commandirte — die Armee etwas zu suchen: denn diese war eine nationale und ich — selbst Ungar — fühlte als Commandant derselben die Verpflichtung, sie von einem Schritte abzuhalten, mit welchem sie den ungarischen Nationalcharakter verläugnet haben würde.

Oder war es etwa Selbsttäuschung, als ich des Glaubens lebte, die wahre unveräußerliche Größe der Nation beruhe:

auf der innersten Abneigung des Ungarn, sein Vaterland selbst dann zu verlassen, wenn ihn daheim der Tod durch Henkershand für dasselbe erwartete;

in dem erhabenen Muthe, mit welchem der Ungar sein Misgeschick bekämpft, und — hilft dies nicht — ungebeugt zu ertragen versteht;

in der männlichen Resignation, mit welcher der Ungar dem Unvermeidlichen — hat er's erkannt — freiwillig und ruhigen festen Blicks entgegenschreitet.

War dieser Glaube ein eitler Wahn?

Durch ihn ward ich bestimmt, den obschon noch möglichen Durch bruch auf türkisches Gebiet nicht einmal zu berücksichtigen, geschweige denn zu versuchen, die freiwillige Waffenstreckung der gezwungenen vorzuziehen.

Die Ehre aber, unsere Waffen unmittelbar aus unfern Händen in Empfang zu nehmen, konnte ich — nach der Intervention Rußlands — unmöglich mehr den Oesterreichern zuerkennen.

Die Oesterreicher hatten den Anspruch auf diese Ehre — meinem Urlheile nach — längst, in jenem Augenlicke schon verwirkt, als sie den durch die Aprileampagne gebrochenen Muth nicht mehr am eigenen Selbstvertrauen, nur an der Hoffnung auf Rußlands nahe rettende Hülfe noch auszurichten vermochten.

Uebrigens wäre mein Entschluß, vor den Oesterreichern die Waffen zu strecken (so lange mir noch die Wahl hierin frei blieb) eine Verläugnnng jenes Principes gewesen, für welches die Armee, für welches ich persönlich eingestanden. Nicht, als hätte ich in Rußland einen Garanten der constitntionell-monarchischen Staatsform Ungarns erkannt: wohl aber, weil ich noch viel weniger die Regierung Oesterreichs für einen solchen hielt, weil mir überdies keine Thatsache bekannt war, aus welcher ich hätte schließen können, daß der gewaltmäßige Umsturz der vom Könige Ferdinand V. sanctionirten Verfassung Ungarns etwa von Rußland — nicht von Oesterreich — ausgegangen.

Und in der That hätte die von mir (allerdings auf meine eigene Verantwortung vor Gott, der Nation und der Geschichte) beschlossene freiwillige Waffenstreckung — so lange ich die Armee eommandirte — nur in den beiden Fällen vor den Oesterreichern stattfinden können, wenn entweder die letztem uns ohne der Russen Hülfe besiegt haben würden, oder wenn die von mir befehligte Armee ausdrücklich gewünscht hätte, daß jener Act der Ergebung vor den Oesterreichern — nicht vor den Russen — vollzogen werde.

Nachdem ich die Abdankungsurkunde der provisorischen Regierung und überdies auch schon die dienstliche Meldung erhalten, daß Kossuth bereits abgereift sei, verfaßte ich ein Schreiben an den russischen Corpscommandanten G.-d.-C. Graf Rüdiger, welches im Wesentlichen folgende Punkte enthielt:

die Anzeige, daß die provisorische Regierung von Ungarn abgedankt und die höchste Gewalt mir übertragen habe;

die motivirte Erklärung, daß ich bereit sei, die Waffen unbedingt zu strecken;

einen Appell an die Großmuth und die Gerechtigkeitsliebe des Zars im allgemeinen Interesse der Nation, im besondern der vormals österreichischen Offiziere der Armee — mit Ausnahme meiner eigenen Person;

die ausdrückliche Bedingniß, daß der Act der Ergebung nur vor russischen Truppen stattfinde;

die Marschroute der Armee für den 12., 13. und 14. August (Vilägos, Boros-Ienö und Be'el) zu dem Ende mitgetheilt, damit G.-d.-C. Graf Rüdiger mit seinen Truppen sich zwischen uns und die Oesterreicher ziehe, um uns von den letztern abzuschließen;

endlich die vorsorgliche Bemerkung, daß ich — falls jenes Manoeuvre durch die Oesterreicher vereitelt würde — die Angriffe der letztem zurückweisend, auf der angegebenen Route gegen Groß-Wardein zurückziehen wolle, um in den Bereich der russischen Armee zu gelangen.

Das fertige Concept dieses Schreibens theilte ich ungesäumt den inzwischen auf das Hauptquartier zur Abhaltung eines Kriegsrathes berufenen, augenblicklich dienstfreien Generalen und höhern Stabsoffizieren der Armee vollen Inhaltes mit; sodann forderte ich die Versammlung auf, mir nach gepflogener Berathung unumwunden zu erklären, ob sie im Namen der Armee mit der Absendung dieses Schreibens und den Consequenzen dieses Schrittes einverstanden sei, oder nicht. Im letztern Falle sollte die Versammlung zugleich einen positiven Beschluß fassen, zu dessen Ausführung ich mich im vorhinein verpflichtete. Unterstützt habe ich meinen Antrag mit keiner Sylbe. Ich vermied es sogar, den Einfluß meiner persönlichen Gegenwart auf den Gang der Berathung geltend zu machen. Unmittelbar nachdem ich den Inhalt des Schreibens zur Kenntniß der Versammlung gebracht, und obige Aufforderung an die letztere gerichtet hatte, verließ ich das Berathungslocal.

Mein Antrag wurde dessenungeachtet zum Beschlusse erhoben und ich durch zwei Abgeordnete der Versammlung hiervon unterrichtet.

Nach Ablauf des Termins, bis zu welchem Kossuth sich die Gouverneurwürde noch vorbehalten (wie schon erwähnt, war dies eine Abendstunde — wenn ich nicht irre, die achte — des 11.August) verließen drei Parlamentäre das Hauptquartier zu Alt-Arad, um das erwähnte Schreiben an den russischen Corpscommandanten G.-d.-C. Graf Rüdiger zu befördern.

Aus der einfachen Schilderung des Vorganges, wie mein Antrag auf unbedingte Ergebung an die Russen zum Beschlusse des Kriegsrathes erhoben worden, könnte der Leser den Schluß ziehen wollen, daß es mir mit der Waffenstreckung überhaupt, wie insbesondere mit der Vollziehung dieses Actes vor russischen Truppen ursprünglich denn doch nicht so ganz Ernst gewesen sein müsse, nachdem ich mich dem Kriegsrathe gegenüber unaufgefordert und ohne allem Vorbehalte zur Erecutirung eines jeden seiner möglichen Beschlüsse, selbst wenn durch sie mein Vorschlag theilweise oder wohl auch ganz beseitigt würde, in vorhinein verpflichtete, ohne doch früher meiner Sache gewiß zu sein, ohne das Geringste gethan zu haben, um mich derselben zu vergewissern, ohne so manches nahe zur Hand liegende Mittel — als: vorläufige Agitationen, vorbedächtliche Sichtung der Kriegsraths-Mitglieder, meine Präsidirung beim Kriegsrathe selbst — ohne eines dieser und ähnlicher Mittel, welche sicherlich geeignet gewesen wären, die Annahme meines Vorschlages zu garantiren, in Anwendung zu bringen.

Allerdings haben im Lager der von mir befehligten Armee keinerlei Agitationen für die Waffenstreckung stattgefunden, wenigstens ist mir hiervon nicht das Geringste bekannt, es wäre denn, daß vielleicht die sichtliche Eingenommenheit Kossuth's, Szemere's und Graf Kasimir Batthvänyi's für die bodenlose Idee eines Friedensabschlusses mit Rußland, oder die zur Verwirklichung dieser Idee gemachten Anstrengungen jener Männer, oder am Ende gar Kossuth's Abschiedsproelam ähnlich einer indirecten Agitation für die Waffenstreckung gewirkt hätten, obschon diese Wirkung kaum eine bedeutende sein konnte, weil der Credit jener Männer bei der Armee kein namhafter gewesen; allerdings wurde der Kriegsrath nicht etwa aus einigen Auserwählten, sondern ohne Wahl aus den eben dienstfreien Generalen und höhern Stabsoffizieren der Armee zusammengestellt, oder richtiger bezeichnet, zusammengewürfelt, und sogar Individuen, welche nicht mehr oder überhaupt nicht zu der von mir befehligten Armee zählten, ward es gestattet, Theil an der Berathung zu nehmen, wofern sie nur ihrem Range nach hierzu berechtigt erschienen; allerdings habe ich auf den Vorsitz, ja selbst auf meine persönliche Anwesenheit bei der Berathung über den von mir gestellten Antrag, verzichtet: allein die Nichtanwendung aller dieser und ähnlicher Mittel dürfte beim Lichte besehen eben ein unumstößlicher Beweis dafür sein, wie sehr es mir mit der Waffenstreckung überhaupt, wie insbesondere mit der Vollziehung dieses Actes ausschließlich vor russischen Truppen, schon vor dem Ausspruche deS Kriegsrathes Ernst gewesen. Denn nach meinem Dafürhalten würden Agitationen für die Waffenstreckung blos dazu gedient haben, die Truppen zu demoralisiren, sie zu der eventuell nothwendigen Zurückweisung österreichischer Angriffe untüchtig, dagegen zum Auseinanderlaufen desto geeigneter zu machen;

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