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vernommen; der Stand der Dinge daselbst könne somit unmöglich ein solcher sein, bei welchem die persönliche Anwesenheit des F.-M.-L. Bem im Operationsbereiche seiner eigenen Armee entbehrlich schiene: wie durfte demnach F.-M.-L. Bem seinen Posten in Siebenbürgen verlassen? wie konnte er bei Temesvär eine Armee commandiren, deren Führung dem G.-L. Dembinski anvertraut worden?

Kossuth entgegnete hierauf, er habe schon zu jener Zeit, da er mich zu dem bewußten Rendezvous (in Kardszag oder Ais-Ujszälläs) einlud, die Nothwendigkeit erkannt, den Oberbefehl über sämmtliche vaterländische Streitkräfte einem einzigen Manne anzuvertrauen, und die persönliche Zusammenkunft mit mir hauptsächlich nur gewünscht, um mich über die Wahl des Obercommandanten zu Rathe zu ziehen; nachdem aber diese Zusammenkunft nicht zu Stande gekommen und sein Vertrauen in die Geschicklichkeit des G.-L. Dembinski von Tag zu Tag immer mehr erschüttert worden, schien es ihm zur Rettung des Vaterlandes nothwendig, die Führung der Banater Armee schleunigst in verläßlichere Hände zu legen; und so wurde denn F.-M.-L. Bem für seine Person nach dem Banate berufen, um wo möglich wieder gut zu machen, was G.-L. Dembinski verdorben.

Aus dieser Erklärung war noch immer nicht zu entnehmen, wer an F.-M.-L. Bem's Statt die Siebenbürger Armee commandire, und welche Stellung nun G.-L. Dembinski bei der Banater Armee einnehme, überhaupt in welcher Form die Citirung F.-M.-L. Bem's aus Siebenbürgen nach dem Banate erfolgt sei; — ich bat also nochmals um Aufklärung über dies Alles.

Die frühern Mittheilungen Kossuth's über die Kriegsereignisse bei Temesvär verriethen deutlich genug die zwiefache Tendenz, den in Folge der Retirade Nagy - Sändor's niedergedrückten Geist der Versammlung wieder aufzurichten und zugleich den F.-M.-L. Bem gewissermaßen als denjenigen Mann hinzustellen, der durch die Vorsehung zur glorreichen Errettung des Vaterlandes berufen sei. Nun mochte es dem Gouverneur allerdings schwer fallen, meine Frage, wer die Siebenbürger Armee in Bem's Abwesenheit commandire, zu beantworten, — denn es gab eben keine Siebenbürger Armee mehr! — er zog es demnach vor, nicht länger zu verheimlichen, daß er F.-M.-L. Bem bereits zum Oberbefehlshaber ernannt habe.

Es war für mich unter den damaligen Conjuneturen unschwer vorauszusehen gewesen, daß es sich bei dieser Ministerberathung hauptsächlich um die Wahl des Oberbefehlshabers handeln würde. Begreiflicherweise mußte mir demnach in die obenangeführten Mittheilungen Kossuth's über die Temesvärer Kriegsereignisse, die Angabe, daß F.-M.-L. Bem in G.-L. Dembinski's Gegenwart die Armee des letztern commandirte, um so mehr auffallen, als sich dieser Umstand eben nicht anders als durch eine vorausgegangene Ernennung F.-M.-L. Bem's zum Oberbefehlshaber enträthseln ließ. Ich war also zu dem Argwohn berechtigt, daß die Berufung dieses Ministerrathes abermals blos eine Spiegelfechterei Kossuth's sei; daß Kossuth jenen Posten — über dessen angeblich erst zu erfolgende Besetzung der versammelte Ministerrath einen Beschluß fassen sollte — längst, ohne die Minister zu befragen, eigenmächtigerweise besetzt hatte. In dem Augenblicke jedoch, als Kossuth's Mittheilungen über die Temesvärer Kriegsereignisse mir die bereits erfolgte Betrauung Bem's mit dem Oberbefehle verriethen, entbehrte ich gleichwohl noch aller Beweise für die Untrüglichkeit der Annahme, daß jene Betrauung Bem's wirklich ohne Vorwissen der Minister ins Leben getreten. Es konnte sich möglicherweise bei der gegenwärtigen Berathung vielleicht auch nur darum handeln, im Einverständnisse mit den Ministern mich allein zum Besten zu haben.

Mein — wie oben mitgetheilt — wiederholtes Verlangen nach Aufklärung des räthselhaften Dienstverhältnisses zwischen F.-M.-L. Bem und G.-L. Dembinski hatte somit den ausschließlichen Zweck, mir darüber Gewißheit zu verschaffen, ob bei der obenerwähnten Ministerrathssitzung blos ich allein von der gesammten Regierung, oder mit mir auch die Minister, von Kossuth allein, hinters Licht geführt werden sollten. Das Resultat meiner Forschungen war — wie wir also gleich sehen werden — ein mittleres: es waren nämlich in der That keineswegs alle Minister, — Einer von ihnen, der Communicationsminister Csänyi, hingegen jedenfalls (vielleicht auch mehrere) mit auserkoren, der eben angeordneten Berathung über die Wahl des Oberbefehlshabers als vn,,e Kossuth's beizuwohnen.

Kaum hatte Kossuth — durch meine wiederholten Fragen dazu gedrängt — eingestanden, daß er den F.-M.-L. Bem wirklich bereits zum Oberbefehlshaber ernannt: so erklärte Csänyi diese Ernennung für gesetzwidrig, da sie der Contrasignatur eines Ministers entbehre.

Dieser entbehre sie durchaus nicht — erwiderte Kossuth — denn sie sei allerdings von einem Minister und zwar vom Kriegsminister (Aulich) contrasignirt worden.

Hierzu wäre der Kriegsminister nicht berechtigt gewesen — bemerkte Csänyi entgegen — denn es konnte ihm (Aulich) ebenso wenig, wie dem Gouverneur selbst, unbekannt sein, daß der Regierung vom Reichstage nicht F.-M.-L. Bem sondern ich für die Oberbefehlshaberstelle in Vorschlag gebracht worden, wie, daß der Ministerpräsident Szemere im Namen der Regierung zustimmend auf diesen Vorschlag des Reichstages geantwortet habe.

Die letztere Behauptung Csänyi's wurde nun von Szemere bestritten, indem dieser versicherte, dem Reichstage auf den erwähnten Vorschlag nicht mehr geantwortet zu haben als: die Regierung nehme den Vorschlag zur Kenntniß.

Csänyi hinwieder machte die Gegenbemerkung, wie diese Antwort vom Reichstage gleichwohl nur für eine zustimmende genommen werden konnte, und der Regierung, nachdem sie diese Antwort gegeben, nur die Wahl des Zeitpunktes für die Ernennung eines Oberbefehlshabers sämmtlicher Truppen, nicht aber die Wahl des Oberbefehlshabers selbst mehr zustände, und wie er (Csänyi) demnach bei seinem Ausspruche, die Betrauung des F.-M.-L. Bem mit dem Obercommando sei gesetzwidrig, beharren müsse.

Die übrigen Minister fanden, gleich mir, keine Veranlassung, sich an dieser Erörterung zu betheiligen.

Nachdem Csänyi's Ausspruch nicht wieder bekämpft wurde, nahm der Iustizminister Sabbas von Vukovics das Wort und erklärte die Frage, wer mit dem Oberbefehle über sämmtliche Truppen betraut werden solle, für eine offene; der unleugbar dringend gebotene Abschluß derselben bedinge jedoch, seiner Ansicht nach, die vorläufige Ausgleichung gewisser Differenzen zwischen dem provisorischen Gouvernement und meiner Person: es sei nämlich — fuhr Bukovics in seiner Erklärung sort — der Regierung nicht unbekannt, wie die meisten ihrer Schritte, im Lager der von mir befehligten Armee, ja zumeist in meiner unmittelbaren Nähe, einer kaustischen Kritik unterzogen würden; wie überhaupt alle unter den Offizieren der genannten Armee einheimischen Urtheile und Bemerkungen über die provisorische Regierung darauf berechnet scheinen, die höchste im Lande bestehende Civilautorität in den Augen der Armee möglichst herabzusetzen und die letztere nachgerade für die Idee des „Militärdespotismus" zugängig zu machen u. dgl. m.; ich möge mich demnach zuvörderst von dem Verdachte reinigen, daß die aufgezählten regierungsfeindlichen Erscheinungen in den Reihen der von mir befehligten Armee durch mich selbst absichtlich ins Leben gerufen worden, und daß sie der Abglanz meiner politischen Gesinnung, die Anzeichen meiner persönlichen Bestrebungen; ich möge dies unverweilt thun, da er die Ueberzeugung hege, der gegenwärtig versammelte Ministerrath könne, so lange jener Verdacht auf mir lastet, nicht ohne Befangenheit zur Wahl des Oberfeldherrn schreiten.

Von dem Argwohne der provisorischen Regierung, die Militärdespotie sei das Endziel meiner und der Armee Bestrebungen, war ich längst unterrichtet. Stand doch Kossuth an der Spitze der Regierung, und hatte doch er selbst die Fabel von jenen Bestrebungen erdichtet (um den Reichstag zur Unabhängigkeitserklärung zu drängen) und war's ihm doch mit dieser Fabel ergangen, wie's Kindern mit dem Popanz zu ergehen pflegt, den sie, um ihren Gespielen zu schrecken, aufstellen, und vor welchem sie am Ende selbst sich zu fürchten beginnen. Desgleichen war ich längst darauf gefaßt, neuerdings allerlei Regierungsmaßregeln ins Leben treten zu sehen, welche von jenem Argwohne dictirt, selbst meine Entfernung von der unter meinen Befehlen stehenden Armee, wie die Auflösung der letztern zum Ziele haben könnten. Die ernstliche Zumuthung des Iustizministers aber, ich solle durch eine einfache Erklärung jenen Verdacht von mir wälzen, von welchem ich in den Augen der Regierung belastet erschien, kam mir in der That höchst unerwartet: denn ich konnte nicht absehen, wie nun plötzlich eine einfache Erklärung meinerseits zu demselben Zwecke genügen sollte, dessen Erreichung mir mit all meinen frühern, dem Gouverneur Kossuth so oft wiederholten ähnlichen Erklärungen nicht geglückt. Die Andeutung des Iustizministers, als hätte die Regierung ihren Argwohn gegen meine Person erst aus jenen regierungsfeindlichen Erscheinungen geschöpft, welche bei der Armee, in Form kaustischer Kritiken über gewisse Regierungsmaßregeln des Gouvernements u. s. w. bemerkbar geworden, — diese Andeutung kam mir vollends noch unerwarteter: denn ich konnte unmöglich annehmen, es sei dem Iustizminister die Erinnerung an das aus den ersten Iulitagen datirende gründliche Zerwürfniß zwischen der Hauptarmee und der Regierung bereits entschwunden, — ein Zerwürfniß, welches der Regierung allerdings um so größere Besorgnisse für ihr Fortbestehen einflößen mußte, je gewisser ihre beiden durch Stellung und Einfluß hervorragendsten Mitglieder (Kossuth und Szemere) der moralischen Fähigkeit entbehrten, die Armee zu überzeugen, daß sie (Kossuth und Szemere) zur Veranlassung jenes Zerwürfnisses, in letzter Analyse durch etwas Anderes verleitet worden, als durch den Mangel an innerm Beruf, die Brücke, wie einst hinter der Nation, so nun auch hinter ihren eigenen werthen Personen abzuwerfen.

Die Beschwerde des Iustizministers über die erwähnten regierungsfeindlichen Erscheinungen im Lager, wie im Hauptquartiere der von mir befehligten Armee, war allerdings nicht ohne Grund.

Regierungsmaßregeln, wie die Fasten- und Kreuzzugspredigten gegen die russische Intervention, — die Anordnung, alle Ortschaften, welche unsererseits vor dem Feinde geräumt werden mußten, niederzubrennen, — die Creirung des Obercommandos Me'szäros-Dembinski und des svcitern Dembinski-Meszäros, — die officielle Kundmachung, daß Oesterreich von Frankreich der Krieg erklärt worden, — die (nicht einmal originelle) Farce mit dem Ausspruche der Iudenemancipation und der Gleichberechtigung aller Nationalitäten, zu einer Zeit wo die Regierung selbst nur einen einzigen Zufluchtsort im Lande, und auch diesen nur für einige Tage, mehr übrig hatte: diese und ähnliche

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