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Dasjenige mitgetheilt, was ich hierüber am 31. Iuli zu Nagy-Källö in Erfahrung gebracht, meinte er hinwieder, es sei meine Wahl zum Oberbefehlshaber allerdings im Reichstage zur Sprache gekommen, das Gerede hingegen von einem Vorschlage des letztern, diese Wahl betreffend, und einer zustimmenden Antwort, welche er (Szemere) hierauf im Namen der Regierung ertheilt haben solle, müsse er als grundlos bezeichnen.

Graf Kasimir Batthyänyi störte in diesem Augenblicke das ^öte-ü-töle, — und nun erfuhr ich den eigentlichen Zweck der officiellen Mission, mit welcher die beiden Minister von der provisorischen Regierung an mich abgeordnet worden.

Dieser Zweck war kein anderer, als das letzte Mittel zur Rettung des (>I. «°. Debreczin den 14. April 1849) von Oesterreich unabhängigen formlosen Staates Ungarn in Anwendung zu bringen, d. h. der Dynastie Romanow die Krone Ungarns anzubieten.

Der Leser könnte aus dem über mein Leben und Wirken bisher Mitgetheilten zu der Ansicht gelangen, daß mein Antrag im Ministerrathe vom 26. Iuni (mit den Russen womöglich blos zu parlamentiren, die Oesterreicher hingegen mit gleichzeitiger Aufbietung aller disponibeln Streitkräfte anzugreifen) der Ursprung jener letzten Rettungsidee.

Diese Ansicht hätte jedoch den bisher unerwähnt gebliebenen Umstand gegen sich, daß Kossuth noch lange vor dem 14. April 1849 die ob der Rettung des Vaterlandes schon damals Verzweifelnden mit der Versicherung tröstete, er habe bereits mit dem Auslande diplomatische Verhandlungen zu dem Ende eingeleitet, damit im schlimmsten Falle der Herzog von Leuchtenberg, gegen Verpflichtung, unter dem Protectorate Rußlands constitutionell zu regieren, den Königsthron von Ungarn besteige.

Freilich könnte man hierauf entgegnen, daß zwischen jener Zeit, in welcher dem Herzog von Leuchtenberg die Ehre zu Theil geworden, als Nothnagel Kossuth's zu fungiren, und dem Tage, an welchem Szemere und Graf Kasimir Batthyänyi mit der bewußten Mission betraut wurden, die russische Intervention und die officielle Kreuzzugspredigt gegen dieselbe als k^sits aoeomplis liegen, — folglich das erwähnte Ostentiren Kossuth's mit seinen auswärtigen diplomatischen Verbindungen zweifelsohne kaum mehr gewesen, denn eine jener zahlreichen Spiegelfechtereien, durch welche er sich im Interesse „der Befreiung Europas" so auffallend oft herabwürdigen zu müssen glaubte. Gegen diesen Schluß stände mir allerdings keine erhebliche Einwendung zu Gebote.

Nichtsdestoweniger müßte ich die Richtigkeit der Annahme verneinen, daß die provisorische Regierung durch meinen Antrag im Ministerrathe vom 26. Iuni auf jene Idee gebracht worden, welche nun von den beiden Ministern Szemere und Graf Kasimir Batthyänvi verwirklicht werden sollte; denn wäre die provisorische Regierung auf diese Idee schon am 26. Iuni in Folge meines erwähnten Antrages — durch eine übrigens ganz unlogische willkürliche Interpretation desselben — gerathen: so hätte dieser Umstand unmöglich einen ganzen Monat hindurch ohne der geringsten thatsächlichen Consequenz bleiben können, eine solche aber ist in der Wirksamkeit der provisorischen Regierung während des Zeilraumes vom 26. Iuni bis Ende Iuli 1849 nirgends vorhanden.

Nach jenen Erfahrungen zu urtheilen, welche ich über die Denkund Handlungsweise Kossuth's und Szemere's (der beiden durch Stellung und Einfluß hervorragendsten Mitglieder des provisorischen Gouvernements) gesammelt, wurde der aus den letzten Julitagen datirende Ministerrathsbeschluß, in Folge dessen Szemere und Graf Kasimir Batthvänyi mit der bekannten Mission plötzlich in meiner unmittelbaren Nähe auftauchten, durch das Zusammenwirken folgender Umstände ins Leben gerufen:

1) Begann Ende Iuli sogar Kossuth's und Szemere's Hoffen auf ein günstiges Resultat der — wie es hieß — gegen die Oesterreicher beabsichtigten Offensivoperationen Dembinski's nachgerade zu erlöschen: Beweis dessen die Unverhohlenheit, mit welcher Kossuth in seinem schon öfter erwähnten versöhnlichen Privatschreiben an mich, meinem ungünstigen Urtheile über das Obercommando Dembinski - Me'szäros beistimmte.

2) Empfing um dieselbe Zeit die provisorische Regierung in rascher Folge meine Berichte:

u) über die von den Russen an mich ergangene Aufforderung zum Niederlegen der Waffen, und meine Antwort hierauf;

b) über den vermeintlich schon mit der Gewinnung der Sajö- linie gelungenen Durchbruch der unter meinen Befehlen agirenden drei Armeecorps durch den Operationsbereich der russischen Hauptarmee;

v) über den Briefwechsel zwischen dem russischen Corpscommandanten G.-d.-C. Graf Rüdiger und mir. Diesem Berichte war — entsinne ich mich dessen recht — der Vorschlag beigefügt, zwei zur Fortführung ähnlicher Unterhandlungen Bevollmächtigte der Regierung in meine unmittelbare Nähe abzuordnen oder mir wenigstens anzugeben, was ich thun solle, falls meine Antwort auf das Schreiben des russischen Corpscommandanten nicht ohne Folgen bliebe, und russischerseits wirklich irgend welche Friedensbedingnisse gestellt würden.

3) Verbreitete sich in Szegedin gleichzeitig das Gerücht von dem bekannten Waffenaustausche. Die Bedeutung des Letztem wurde übertrieben. Ich stehe bereits — so erzählte man sich weiter — im besten Einvernehmen mit den Russen; Unterhändler der Letztern gehen bei mir im Hauptquartiere fortwährend ab und zu; die Offiziere der von mir befehligten Armee fraternisiren mit jenen der russischen; der Krieg werde gleichsam nur zum Scheine noch fortgeführt und der Friede zwischen Ungarn und Rußland wäre längst abgeschlossen, wenn mir die Regierung freie Hand ließe; mit der letztern jedoch mögen die Russen nichts zu schaffen haben; die Rettung des Vaterlandes sei nur auf friedlichem Wege noch denkbar und nur durch mich; denn nur mit mir — dem unverhohlenen Gegner der Unabhängigkeitserklärung vom 14. April 1849 — würden die Oesterreicher wie die Russen unterhandeln u. dgl. m.

Getäuscht in den Erwartungen, welche G.-L. Dembinski als Feldherr zu rechtfertigen berufen worden, und wohlwissend, in welch bedrängter Lage sich F.-M.-L. Bem in Siebenbürgen befinde, also ohne Hoffnung, sich im Banate auch nur vertheidigungsweise dauernd zu behaupten, geschweige denn angriffsweise daraus hervorzubrechen; nicht minder gut unterrichtet von der Ueberlegenheit der russischen Hauptarmee über die unter meinem Commando vereinigten Streitkräfte, und wenngleich unerschöpflich im Entwerfen auf unfehlbare Vernichtung der Oesterreicher wie der Russen berechneter Kriegsoperationspläne, deren Ausführbarkeit gleichwohl selbst bezweifelnd; inmitten dieser trostlosen Situation durch das Schreiben des russischen Corvscommandanten G.-d.-C. Graf Rüdiger an mich überrascht und dasselbe für nicht weniger als einen untrüglichen Beweis nehmend, wie die Russen im Ernste an einen lucrativen Separatfrieden mit Ungarn dächten; in dieser Voraussetzung durch die vorstehend unter Punkt 3. aufgezählten Gerüchte vollends bestärkt; ja durch diese Gerüchte sogar zu dem Argwohn gegen mich verleitet, daß ich die Absicht hege, auf eigene Faust handelseins mit den Russen zu werden und die provisorische Regierung obdachslos zu machen; endlich auch gegen den Doppelwahn, daß Ungarn durch Unterhandlungen allerdings noch zu retten, feindlicherseits aber nur mit mir unterhandelt würde, nicht ganz kugelfest; und so einerseits von der öffentlichen Meinung auf den vermeintlich offenen Pacificationsweg gedrängt, andererseits befürchtend, obdachslos zu werden, falls die angeblich im besten Zuge begriffenen Unterhandlungen fortan mir allein überlassen blieben: faßte Kossuth — secundirt von Szemere — den Entschluß, sich der Unterhandlungen mit den Russen zu bemächtigen, und im äußersten Falle sogar die Krone des heiligen Stephan zu opfern; denn nur indem sie mehr boten, als ich bieten konnte (da die Krone nicht in meinem Besitze war) mochten Kossuth und Szemere hoffen, die Russen zu bewegen, daß sie mit ihnen (Kossuth und Szemere, d. h. der provisorischen Regierung) — nicht mit mir — pacifieirten.

Iener Entschluß konnte somit kein lange zuvor und reiflich überlegter sein; wir dürfen ihn nur als einen aus Verzweiflung gefaßten erkennen und beurtheilen, zumal da Kossuth sich hierdurch in höchst fatale Situationen gegenüber den Polen (seinen ausschließlichen Mitkämpfern „für die Freiheit Europas") verwickeln mußte. Diese gefährliche Consequenz war auch von Kossuth keineswegs übersehen worden, und hauptsächlich um nicht mit den Polen in unangenehme Collisionen zu gerathen, wurde das eigentliche Endziel der bewußten officiellen Abordnung (Szemere's und Graf Kasimir Batthyänyi's in meine unmittelbare Nähe) verheimlicht. Da nun aber die Abordnung selbst unmöglich geheim bleiben konnte: so ließ Kossuth das Gerücht verbreiten, die Minister Szemere und Graf Kasimir Batthyänyi hätten mir die Ernennung zum Generalissimus von Ungarn zu überbringen. Diese Aushilfsmaßregel brachte überdies den Vortheil, daß hierdurch den — wie erwähnt — eben um sich greifenden öffentlichen Sympathien für meine Person, wie den gerüchtweisen Prätensionen des Szegediner Publicums (mir in den „rettenden" Unterhandlungen mit den Russen vollkommen freie Hand zu lassen) Rechnung getragen schiene, folglich die gedrückte Volksstimmung sich einigermaßen wieder heben konnte; ein Vortheil, welchen zu erreichen Kossuth bekanntlich nur wenige Mittel scheute. Daß ihn die Gerüchte von meiner Ernennung zum Generalissimus, und wie mir nun freie Hand gegeben sei, mit den Russen nach eigenem Gutdünken zu pacificiren, — daß ihn diese Gerüchte der Gefahr, mit den Polen (Dank der geringen Sympathien, welche ich für dieselben bishin an den Tag gelegt) in Conflict zu gerathen, vollends unvermeidlich aussetzen könnte: hatte Kossuth nicht zu fürchten, solange G.-L. Dembinski und F.-M.-L. Bem keine Befehle von mir empfingen, — solange er (Kossuth) die wirkliche Ernennung des F.-M.-L. Bem, zum Oberbefehlshaber sämmtlicher Truppen in Ungarn und Siebenbürgen, in seit« hielt, und mit dieser das unfehlbare Mittel, die Polen von seiner Treue gegen sie jeden Augenblick zu überzeugen, — und solange er sich überdies durch consequentes Verheimlichen des wahren Zweckes der Mission Szemere's und Graf Kasimir Batthyänyi's die Möglichkeit sicherte, die etwa durch jene Gerüchte mistrauisch gemachten Polen hinwieder errathen zu lassen, daß Szemere und Graf Kasimir Batthyänyi eben nur zur Verhinderung meinerseits beabsichtigten Verrathes, also gewissermaßen als Hüter „der Freiheit Europas" in meine unmittelbare Nähe abgeordnet seien. Bei alledem ist gleichwohl noch immer nicht erklärt, wie Kossuth darauf rechnen konnte, aus den Unterhandlungen mit Rußland Vortheil zu

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