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nach Szegedin zurückzubeordern, wo sie mit dem Corps der Reserve und jenem des General Vysocki unter dem Obercommando DembinskiMe'szäros (früher Me'szäros-Dembinski)") vereinigt, bei der — wie es hieß — beabsichtigten Offensive gegen die österreichische Hauptarmee mitwirken sollten.

Siebenbürgen betreffend, war — aus den mir zugekommenen allgemeinen, theils officiellen, theils Privatandeutungen über den dortigen Stand der Dinge — zum mindesten soviel als gewiß anzunehmen, daß F.-M.-L. Bem an der Behauptung des zur Hälfte gleichwohl schon verlorenen Landes noch immer nicht verzweifle.

Also, einerseits Siebenbürgen, andererseits die Linie der Mittelund Nieder-Theiß, allerdings noch nicht aufgegeben, aber jedenfalls ernstlich bedroht und überdies die Festung Temesvär — inmitten des gleichzeitig gegen Ost und West zu vertheidigenden Gebietes — noch in Feindesgewalt: das war, übersichtlich gegeben, die, wie gesagt, aus den bis zum 26. Iuli mir zugekommenen Nachrichten erkennbare strategische Lage im Süden Ungarns.

Eine irgendwie günstige Veränderung dieser unleugbar precairen Situation mußte nun — meiner Ansicht nach — mit dem Falle von Temesvär beginnen, damit vor Allem die mobile Nieder-Theißarmee verstärkt werden könne. Denn bei dem Umstande — daß der Ban Baron Iellachich zwar geschlagen und aus der Bacska verdrängt, der Möglichkeit aber, auf dem rechten Ufer der Nieder-Theiß jeden Augenblick wieder offensiv aufzutreten, gleichwohl nicht entblößt worden — mußte der von Szegedin aus gegen den F.-Z.-M. Baron Haynau zu eröffnenden nördlichen Offensive ein namhafter Theil der genannten Armee, als zur eventuellen Deckung Szegedin's und der Nieder-Theiß (gegen den Ban im Süden) unentbehrlich, entgehen, mithin der Erfolg jener Offensive schon von vorneherein, wegen Unzulänglichkeit der hierzu disponibeln Streitkräfte, zweifelhaft erscheinen. — Zwar ließen Szege

') Wann dieser Wechsel im O'bercommando eigentlich stattgefunden, vermag ich nicht mit Bestimmtheit anzugeben. Ich combinire blos aus anderweitigen leb» haftern Erinnerungen, daß derselbe den letzten Lulitagen angehören dürfte.

Aiimerkung des Verfassers,

diner Nachrichten die zu jener Offensive bestimmten Theile der mobilen Nieder-Theißarmee in der Gesammtstärke von 50,000 Mann siguriren. Nach meiner Berechnung aber konnten sich unter den angeblichen 50,000 Mann kaum 30,000 Mann organisirter Truppen befinden — miteingerechnet das, obschon noch immer nicht in allen seinen Theilen kampffähig ausgerüstete, Reservecorps. Die übrigen 20,000 Mann mochten allenfalls „Landsturm" gewesen sein (über dessen praktischen Werth bei Kriegsoperationen: siehe Band I. Capitel 3.); wenn sie ihr harmloses Dasein nicht etwa gar einem officiellen error cslculi zu verdanken hatten.

Von einer Offensive mit 30,000 Mann gegen die österreichische, durch eine russische Heeresabtheilung verstärkte, Hauptarmee unternommen, ließ sich in der That nicht viel erwarten. Sobald jedoch Temesvär gefallen, konnte jenes bei 30,000 Mann starke Heer mittels Zuziehung unsers Belagerungscorps (General Graf Ve'csey) und der in neuester Zeit ausgehobenen, mit den in Temesvär eroberten Waffen schleunigst kampffähig auszurüstenden, Recrnten allerdings auf nahe an 00,000 Mann gebracht werden. Es dürfte sonach genügend erklärt sein, weshalb ich den Fall der genannten Festung für das nächste Postulat der Annahme einer zu erwartenden günstigen Wendung der strategischen Sachlage im Süden Ungarns erkennen mußte.

Nun aber war zur Ermöglichung der Einnahme von Temesvär hinwieder die fernere Behauptung der Mittel- und Nieder-Theiß und Siebenbürgens — zum mindesten seines südwestlichen Theiles — unerläßlich; die Lösung dieser Aufgabe endlich bedingte, daß die russische Hauptarmee möglichst fern von der Maroslinie gehalten werde: denn in dem Maße, als sie sich der Maros näherte, mußten Siebenbürgen und die Theißlinie an Haltbarkeit verlieren, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die russische Hauptarmee mit der Maros zugleich die Möglichkeit gewann, unsere Armee in Siebenbürgen, wie die bei Szegedin, unmittelbar im Rücken anzugreifen.

Mein Entschluß, an dem Hernäd stehen zu bleiben, war somit nicht allein durch das Erholungsbedürfniß der in Folge des forcirten Rückzuges überaus erschöpften Armee, und nicht allein durch die in jenen Tagen der allgemeinen „Noth an Mann" keineswegs geringfügige Absicht gerechtfertigt, die unthätig in der Märmaros stehende bei 7,000 Mann starke Division Kazinczv für den Kampf zu gewinnen. — Iener Entschluß, die Position am Hernäd je länger zu behaupten, war — wie ich oben auseinandergesetzt — strategisch motivirt: und ich würde ihn unter den gleichen Conjuncturen auch dann gesaßt haben, wenn der Rückzug von Waizen die Kräfte der Armee nicht erschöpft, und die Gelegenheit, die wirklich activen Streitkräfte des Landes um jene 7,000 Mann der Division Kazinczy zu vermehren, mir nicht gewinkt hätte.

Ob jene Motivirung meines Entschlusses, den Rückzug nach dem Banate, in der Stellung am Hernäd zu unterbrechen, eine strategisch richtige war: ist allerdings eine Frage, welche jetzt, nachträglich, nicht unbedingt bejaht werden kann. Iene Motivirung basirte nämlich auf der Annahme der in unserer Position am Hernäd gebotenen zwiefachen Möglichkeit, je nachdem: entweder dem vollkräftigen Frontalangriffe der russischen Hauptarmee längere Zeit Widerstand zu leisten, oder die etwa mittels eines kritischen Flankenmanoeuvres von Miskolcz über TiszaFüred gegen Debreczin beabsichtigte Verlegung unsers Rückzuges zu vereiteln (nämlich durch rechtzeitige Wiederfortsetzung des letztern). — Die Annahme dieser zweifachen Möglichkeit hinwieder basirte auf der bekannten Voraussetzung, daß die russische Hauptarmee kaum 60,000 Mann zähle, folglich der am 26. Iuli bei Miskolcz gelagerte Heerestheil das Gros derselben sei.

Diese Voraussetzung nun als richtig gedacht, und gleichzeitig die oben — insofern sie mir am 26. Iuli enthüllt war — angedeutete strategische Stellung sämmtlicher in Ungarn operirenden Heere im Auge behalten: läßt sich gegen meinen Entschluß, am Hernäd stehen zu bleiben, freilich kaum etwas Erhebliches einwenden.

Allein eben diese Voraussetzung (wie sie entstanden, ist bereits erklärt) war eine ganz und gar unrichtige; denn die Gesammtzahl der dem russischen Feldherrn gegen die unter meinem Befehle vereinigten drei Armeecorps zur Disposition gestandenen Streitkräfte belief sich auf 120,00« Mann: und folglich hatten wir am 26. Juli durchaus nicht das Gros, sondern nur etwa ein Drittheil jener Macht der Front unserer Stellung am Hernäd gegenüber, während das Gros mit seinen Vortruppen am selben Tage schon Tisza-Füred in unserer Linken erreicht hatte, also bereits um mehr denn 6 Meilen näher zu Debreczin stand als wir. Die Entfernung von Tisza-Füred nach Debreczin beträgt nämlich 9 Meilen; unsere Armee hingegen mußte, um Debreczin aus ihrer Stellung am Hernäd zu erreichen, durchschnittlich 16 Meilen zurücklegen.

Unter diesen Verhältnissen nun war mein Stehenbleiben am Hernäd allerdings ein strategischer Unsinn: aber ein ungeahnter; — ein zweckloses Preisgeben der letzten Möglichkeit, die Verbindung mit den südlichen Streitkräften durch ununterbrochen rasche Fortsetzung des Rückzuges wieder herzustellen: aber ein unbewußtes.

Wie es kam, daß ich trotz der schon am 26. Iuli erfolgten Besetzung von Tisza-Füred durch etwa 20,lXX) Mann Russen, am Hernäd Halt machen konnte: habe ich oben bereits flüchtig angedeutet. Ich war nämlich am 26. Iuli von der feindlichen Vorrückung gegen TiszaFüred noch nicht unterrichtet. — Wie es jedoch geschehen, daß über die gleichwohl schon am 25. Iuli begonnene Forcirung des linken Theißufers bei Tisza-Füred, selbst am Morgen des 27. Iuli noch keine Anzeige im Hauptquartiere zu Szerencs eingetroffen war: dies zu erklären, muß ich dem unglücklichen Commandanten jener Colonne überlassen, deren Aufgabe die Besetzung von Poroszlö, die Beobachtung des Feindes auf dem rechten Theißufer und endlich die Vertheidigung des Poroszlö-Tisza-Füreder Ueberganges gewesen.

hierunddreissigstes Capitel.

Kossuth rügt meine Antwort an den russischen Fcldherrn. — Besondere Motive, welche mich bestimmen, diese Rüge stillschweigend hinzunehmen. — Der eigentliche Zweck eine« Schreibens an General Klapka. — Bedingungen zu einem günstigen Umschwünge der Sachlage im Süden Ungarns. — Ich ratbc Kossuth zur Entsernung Dembiniki's vom Obercomuianbo. — Kossuth stimmt bei, und will das Obereommando selbst übernehmen. — Ein projcctirtes Rendezvous mit Kossuth kommt nicht zu Stande.

ch hatte nicht unterlassen der Regierung in Szegedin umständlichen Bericht über den Parlamentärwechsel zu erstatten, welcher zwischen der russischen und der unter meinen Befehlen stehenden Armee stattgefunden.

Bekanntlich enthielt meine Antwort an den Obercommandanten der russischen Interventionsarmee die Berufung auf das vom König Ferdinand V. im Frühjahre 1848 sanctionirte Constitutionsgesetz für Ungarn.

Diese Berufung war — abgesehen von dem Einklange derselben mit dem leitenden Gedanken meiner persönlichen Theilnahme am Kriege gegen Oesterreich — von der Armee dictirt.

Nichtsdestoweniger rügte Kossuth diese Berufung als eine von mir allein ausgegangene Demonstration gegen ihn und sein Werk, die Unabhängigkeitserklärung vom 14. April.

Ich nahm diese Rüge gleichwohl ohne Erwiderung hin, weil ich die Kluft zwischen mir und Kossuth nicht noch mehr erweitern, sondern

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