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General Pöltenberg mit dem 7. Corps hatte — wie im 31. Capitel bereits erwähnt worden — die am 23. Iuli von Vatta längs der Gyöngyöser Chausse'e angreifsweise bis auf die Görömbölyer Anhöhe vorgerückte russische Heeresabtheilung sofort wieder zurückgewiesen und hierauf den Befehl erhalten, auch den folgenden Tag über seine Stellung zu behaupten.

Am Vormittage des 24. Iuli liefen jedoch so verläßliche Auskünfte über die Stärke der unserm 7. Corps unmittelbar gegenüber eoncentrirten russischen Streitmacht im Hauptquartiere ein, daß ich bereits für gewiß annehmen zu können glaubte, das nächste Operationsobject der russischen Hauptarmee sei Miskolcz (nicht Tisza-Füred). Ich hielt es demnach für überflüssig, unser 7. Corps noch fernerhin den Gefahren eines überlegenen feindlichen Angriffes auszusetzen, und bestimmte dasselbe ohne weiteres zum Rückzuge über Miskolcz auf das linke Ufer des Sajö.

Indessen war russischerseits aus derselben Richtung wie Tags vorher den 23. (nämlich von Vatta) der ernste Angriff auf die Stellung des General Pöltenberg bei Görömböly schon erfolgt, ehe noch den Letztern jener Rückzugsbefehl erreichen konnte.

General Pöltenberg wurde nach einem mehrstündigen heißen Kampf, welchen er auf der Anhöhe südwestlich von Görömböly muthvoll gegen die feindliche Uebermacht bestanden, zunächst durch das Auftauchen einer starken feindlichen Umgehungseolonne in seiner Linken (bei Mälyi), zum Rückzuge genöthigt. Er bewirkte diesen fechtend längs der Gyöngyöser Chaussee bis Miskolcz, und — nachdem er hier die nach Diös-Györ detachirte Colonne wieder an sich gezogen hatte — auf der Kaschauer Chaussee weiter bis F.-Zsolcza am linken Sajöufer.

Bei einbrechender Dunkelheit hier angelangt, erhielt General Pöltenberg die Weisung, mit dem 7. Corps noch im Laufe der Nacht die Sajölinie von A.-Zsolcza abwärts bis Onod zu besetzen, während General Graf Leiningen das 3. Corps auf der Strecke zwischen A.-Zsolcza und Arnöt coneentrirte.

Die am 23. Iuli als Nachhut der Armee, am 24. hingegen zur Deckung der Rückzugslinie des 7. Corps in Sajö-Szent-Wer zurückgelassene Hälfte des 1. Corps ward nun gleichsalls auf das linke Sajöufer und zwar zur Wiedervereinigung mit der bei Szikszö aufgestellten andern Hälfte des Corps disponirt; woselbst General NagySändor mit dem ganzen 1. Corps vorläufig, zur Abwehr eines von Putnok möglichen Angriffes auf die rechte Flanke der Armee, stehen zu bleiben und wie bisher, die Sicherung der Flußstrecke oberhalb Arnöt bis Sajö-Vämos zu besorgen hatte.

Das Hauptquartier kam mit Einbruch der Nacht vom 24. auf den 25. Iuli nach Onga, am Morgen des 25. nach Gesztely.

Der Feind hatte unser 7. Corps am Abende des 24. Iuli nur bis Miskolcz verfolgt. Am Vormittage des 25. Iuli aber rückte er von Miskolcz bis an den Sajö vor und griff die Stellung des 3. und 7. Corps hartnäckig an, wobei er sich gleichwohl fast ausschließlich auf die thätige Verwendung seiner zahlreichen Artillerie beschränkte. Nur längs dem Fahrwege von Sajö-Keresztur nach Arnöt (auf den rechten Flügel des 3. Corps) ließ er einen lebhaften Cavallerieangriff ausführen. Dieser scheiterte indessen, gleich den wiewohl ungewöhnlichen Anstrengungen, welche von der feindlichen Artillerie gemacht worden, um die Batterien unsers Centrums zu delogiren. Insbesondere zeichnete sich hierin eine der feindlichen Batterien durch die seltene Kühnheit aus, mit welcher sie bis nahe an das Flußufer (A.-Zsolcza gegenüber) vorprellend eine gegen das Feuer unserer Batterien gedeckte und überdies die Linie der Letztern enfilirende Position zu gewinnen verstand. Von dieser Position aus war jene feindliche Batterie unserm linken Centrum in hohem Grade verderblich und die Nothwendigkeit, sie um jeden Preis zu vertreiben, erschien nachgerade unabweislich. Oberst-Lieutenant Gözon vom 7. Corps übernimmt die Lösung dieser kritischen Aufgabe. Mit etwa 50 Freiwilligen seines Bataillons durchwatet er den Sajö, dringt unentdeckt durch das jenseitige Ufergehölz nnd überfällt die am westlichen Saume desselben lagernde, 2 Bataillons starke Bedeckung der unfern davon postirten Batterie. Der Handstreich gelingt so vollkommen, daß beide feindlichen Bataillone blindlings die Flucht ergreifen. Die Batterie beeilt sich, ihre Bedeckung einzuholen: und im Rayon unsers linken Centrums war sofort — und zwar für die ganze fernere Kampfesdauer das Gefechtsgleichgewicht wieder hergestellt.

Das Letztere wußten sich die braven Generale Pöltenberg und Graf Leiningen überhaupt an allen Punkten ihrer gleichwohl unverhältnißmäßig ausgedehnten Stellung durch umsichtige zeitgerechte Verwendung ihrer Streitkräfte zu sichern und bereits,mehre Stunden vor Einbruch der Nacht erlahmten die Angriffe des Feindes ganz und gar.

Beide Armeecorps — das 7. und das 3. — hatten die Sajölinie standhaft behauptet. Dem Feinde jedoch blieb es bei alledem unbenommen, mittels eines nächtlichen Ueberganges über den Hernäd (unterhalb dessen Vereinigung mit dem Sajö) in den Rücken unserer Stellung zu gelangen.

Hierdurch konnten wir gezwungen werden, den fernern Rückzug hinter die Theiß unbedingt und noch dazu unter höchst ungünstigen Verhältnissen anzutreten. Ia, in der Voraussetzung, daß feindlicherseits die Absicht vorhanden, jene Umgehung mit entsprechender Kraft und Schnelligkeit auszuführen, glaubten wir sogar den gänzlichen Verlust unserer Rückzugslinie gegen Tokaj, somit des Preises all jeuer unsäglichen Anstrengungen befürchten zu müssen, welche von der Armee seit der Räumung von Waizen geleistet worden.

Aus dieser Besorgniß entsprang der Entschluß, die Armee noch vor Anbruch des nächsten Morgens (den 26. Iuli) vom Sajö auf das linke Hernädnfer zurückzuziehen.

Die Reihenfolge der Armeecorps blieb in der neuen Aufstellung am Hernäd unverändert. In das Centrum der Letztern nach Gesztely und Käk wurde das 3. Corps disponirt; auf den rechten Flügel von Csanälos bis Baksa das 1. und auf den linken Flügel von HernädNe'meti bis Köröm das 7. Corps. Patrouillen des letztern beobachteten den fernern Lauf des Hernäd bis an seine Einmündung in die Theiß. — Das Hauptquartier kam nach Szerencs. Der entbehrliche Armeetrain und die Wagenburg der Civilflüchtlinge wurden über Tokaj bis auf das linke Theißufer zurückbeordert. — Auf unserm Rückzuge von Waizen bis Miskolcz hatten mehre Offiziere die Reihen der Armee eigenmächtigerweise verlassen. Einige dieses Gelichters waren mittlerweile in Szerencs aufgegriffen worden. Ich fand es den Umständen angemessen, die Todesstrafe über diese Unglücklichen zu verhängen.

Der Feind rechtfertigte nur theilweise unsere Voraussetzung, als hätte er die Absicht gehegt, unsere Stellung am Sajö, von Onod ans über Köröm zu umgehen und uns von der Rückzugslinie gegen Tokaj zu verdrängen. Er machte zwar einen Flußübergangsversuch zwischen Onod und Köröm, aber erst am 26. Iuli, also für die Erreichung jener Absicht offenbar zu spät und überdies mit so geringem Nachdruck, daß die bei Köröm aufgestellte schwache Flügelcolonne des 7. Corps für sich allein im Stande gewesen, das linke Hernädufer daselbst zu behaupten.

Der erwähnte Flußübergangsversuch war zugleich die einzige Unternehmung des Feindes im Laufe des 26. Iuli, von welcher wir Kenntniß erhielten. Alle Meldungen unserer Patrouillen, wie die Berichte der Kundschafter, stimmten darin überein, daß die feindliche Armee von Miskolcz weder vor- noch zurückgehe. Es hatte somit den Anschein, als sollte daselbst, vor der nachdrücklichen Weiterfortsetzung der Offensivoperationen gegen uns, erst noch das Eintreffen des General Grabbe aus den Bergstädten abgewartet werden. Und da wir in der irrthümlichen Annahme, daß nns Tags zuvor am Sajö das Gros der russischen Hauptarmee gegenübergestanden, um so mehr befangen blieben, als von Tisza-Füred noch keinerlei besorgnißerregende Meldung eingelaufen war: so beschloß ich am Hernäd so lange halten zu lassen, bis ich entweder durch einen überlegenen directen Angriff auf unsere Stellung, oder durch eine südliche Seitenbewegung des vermeintlichen Gros der russischen Hauptarmee zur Fortsetzung des Rückzuges hinter die Theiß gezwungen würde.

Zu diesem Entschlusse bestimmte mich einerseits die Absicht, der — im Widerspruche mit dem bekannten Concentrationsplane Dembinski's — noch immer unthätig in der Märmaros stehenden Division Kazinczv den Rückzug nach dem Banate zu erleichtern; andererseits die Ueberzeugung, daß ich — bei der augenblicklichen strategischen Sachlage im Süden des Landes, wie bei der Unmöglichkeit, die russische Hauptarmee mir von den Fersen zu schütteln — die vorhandenen Chancen für einen günstigen Umschwung der Dinge an der Nieder-Theiß und in Siebenbürgen nur durch die möglichste Verzögerung meines fernern Rückzuges, nicht durch Beschleunigung desselben zu sichern vermochte.

Die strategische Sachlage im Bereiche der südlichen Kriegsschauplätze war nämlich, den letzten Kundgebungen der Regierung und einigen Privatmittheilungen entnommen, nachstehende.

Der Ban Baron Iellachich hatte mit seiner Armee, in Folge einer (Mitte Iuli bei Hegyes) erlittenen Niederlage, die Bäcsta geräumt und sich am linken Donau- und rechten Theißufer ausschließlich auf die Behauptung des Plateau von Titel beschränkt. Das De'file von Perlasz, mit dessen Benutzung der geschlagene Ban — um sich einigermaßen zu regressiren — etwa noch eine Diversion von Titel auf das rechte Theißufer hätten versuchen können, war in unserer Gewalt; die Festung Peterwardein theilweise entsetzt. Der Retirade des Ban folgten unsererseits die Versuche, das Plateau von Titel zu erobern und Peterwardein vollends zu entsetzen. Diese Unternehmungen mußten jedoch — kaum begonnen — wieder aufgegeben werden: denn das südliche Vordringen der österreichischen Hauptarmee von Pest gegen Szegediu veranlaßte die provisorische Regierung, den größten Theil jener Streitkräfte, welche eben zu den erwähnten Unternehmungen bestimmt gewesen,

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