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überschritten hatte, welcher von Cserhät dem Eipelflusse zueilend, die Poststraße zwischen Vadkert und Balassa-Gyarmat — näher dem erstem Orte — durchkreuzt.

Auf dem dominirenden rechten Ufer dieses Baches ließ General Pöltenberg sein Corps in einer vortheilhaften Defensivstellung aufmarschiren, um hier den nachrückenden Feind zu erwarten, längere Zeit aufzuhalten und dem Gros der Armee hierdurch abermals die Gewinnung eines größern Vorsprunges zu ermöglichen.

Von dem Zeitpunkte an, in welchem dieser Aufmarsch des 7. Corps am rechten Ufer des Lökosbaches bewirkt war, bis zur Nacht vom 20. auf den 21. Iuli nahm ich an der Führung der Armee nicht den geringsten Antheil. Ich hatte nämlich seit dem Abende des 16. die Bewegungen der Armee wieder persönlich geleitet und überwacht, somit dem ungewöhnlichen Anstrengen selbst meiner physischen Kräfte, welches in unserer kritischen Situation während der Nacht vom 16. auf den 17. der Dienst von mir forderte, unmöglich ausweichen können. In Folge dessen nun verschlimmerte sich meine Kopfwunde abermals. Schon am 18. Morgens war ich vollkommen dienstunfähig und blieb es, wie gesagt, auch im Laufe der folgenden zwei Tage.

Neunundzwanzigstes Capitel.

Kricgsercignisse vom 18. bis Zi), Juli. — Unsere damaligen Conjecturen über den seindlichen Operation«plan. — Einfluß derselben auf die Benvendung der einzelnen Corps der Armee. — Marschdievositionen für den A. Juli.

^n jenem dienstunfähigen Zustande, in welchen ich schon am Morgen des 18. Iuli verfallen, brachte man mich noch denselben Tag bis Lossoncz, den folgenden aber bis Rimaszombat. Hier blieb ich vom 19. Abends bis zum 21. Morgens. Eine 24stündige ununterbrochene Ruhe milderte mein physisches Leiden wenigstens in dem Grade, daß ich den Obliegenheiten als Führer der Armee wieder theilweise entsprechen konnte, — sofern dies nämlich unter so außergewöhnlichen Umständen, wie die damaligen, und in einem gleichwohl noch jede höhere körperliche wie geistige Anstrengung fortdauernd lähmenden Zustande überhaupt möglich war.

Am 20. Iuli Nachmittags empfing ich den ersten Bericht über die Ereignisse, welche sich bei der Armee seit dem Morgen des 18. zugetragen. Es waren dies im Wesentlichen folgende:

General Pöltenberg, nachdem er am 18. Vormittags mit dem 7. Corps am Lökosbache dem verfolgenden Feinde — um ihn aufzuhalten — ein Gefecht geliefert und hierauf bis Balassa-Gyarmat fechtend zurückgezogen hatte, wurde bei letzterm Orte durch General NagySändor (mit dem 1. Corps) im Arrieregardedienste abgelöst.

Ungleich den Generalen Graf Leiningen und Pöltenberg, vernachlässigte General Nagy-Sändor seine Pflicht als Führer der Nachhut. Anstatt den Feind so oft und so lange als möglich — selbst um den Preis empfindlicher Verluste — in der Verfolgung aufzuhalten und dem Gros der Armee hierdurch, wenn nicht mehr, so doch wenigstens die zum Abfüttern der Cavallerie- und Trainpferde unentbehrliche Muße zu sichern: begann General Nagy-Sändor seine Function als Arrieregardecommandant vielmehr mit einer Retirade über Hals und Kopf, und trat mit seinem eigenen Corps (dem ersten) fortwährend dem Gros der Armee (dem 3. und 7. Corps) buchstäblich auf die Fersen.

A.-F.-Ludäny — auf halbem Wege von Balassa-Gyarmat nach Lossoncz gelegen — war ursprünglich vom Chef des Generalstabes als Ruhepunkt für das Gros der Armee bestimmt worden. Da aber auf der ganzen Strecke von Balassa-Gyarmat bis A.-F.-Ludäny keine Position hatte ausfindig gemacht werden können, welche dem General Nagy-Sändor zur Deckung des beantragten Armeebivouacs bei letztenn Orte, haltbar genug vorgekommen wäre: so mußte das Gros der Armee — natürlich vom General Nagy-Sändor mitdem 1. Corps unmittelbar gefolgt — im Laufe des Tages noch um mehr denn eine Meile weiter, und zwar bis über den Eipelfluß bei Räros, zurückziehen.

Hier endlich stellte sich die ferner unabweisliche Nothwendigkeit ein, wegen allzu großer Erschöpfung der Truppen (die Distanz von Waizen bis Räros, welche binnen zwei Tagen zurückgelegt worden, beträgt 10 Meilen) über Nacht Halt zu machen. General Nagy-Sändor sollte mit dem 1. Corps das leicht zu vertheidigende Brückende'filee bei Räros nur bis zum nächsten Tagesanbruch (des 19. Iuli) behaupten, während das Gros der Armee etwas weiter rückwärts an der Poststraße das Marschlager bezog.

Ein blinder Allarm, wie deren vor dem Feinde fast allnächtlich vorkommen, genügte indessen, dem General Nagy-Sändor dermaßen zu imponiren, daß er die Position bei Räros noch während der stockpechfinstern Nacht räumte, das Gros der Armee hierdurch zum gleichzeitigen Wiederantritte des Rückzuges zwingend.

Und was den gleichwohl außerordentlichen Strapazen der letzten zwei Tage, der kritischen Situation bei Waizen, dem wiederholten ungleichen Kampfe mit einem weit überlegenen Feinde, ja selbst den unbedingt auch die bravste Truppe demoralisirenden Eigenthümlichkeiten einer, angesichts des verfolgenden Feindes ununterbrochenen Retirade, bisher nicht gelungen war — nämlich: die Bande der Disziplin in den Armeecorps 3 und 7 zu lockern — das gelang nun dem General Nagy-Sändor binnen der kürzesten Zeit, indem er sich, wie gesagt, durch einen blinden Allarm in der gewissenhaften Besorgung des ihm anvertrauten Sicherheitsdienstes so arg erschüttern ließ.

Die Dunkelheit der Nacht, die Schlaftrunkenheit der bis zum äußersten erschöpften Offiziere und Mannschaft waren Umstände, unter welchen ein panischer Schreck — wie er durch General Nagy-Sändor's kopfloses Fersengeldgeben vor einem Phantom, im Lager des Armeegros verbreitet worden — die gänzliche Auflösung des 3. und 7. Corps, also zweier Drittheile der Armee zur Folge haben mußte; und da der Zustand, in welchem sich das 1. Armeecorps befand, begreiflicherweise kein merklich geordneterer gewesen: so verdankte die Armee ihre fernere Eristenz wirklich nur dem glücklichen Zufalle, daß der Feind die bis Balassa-Gyarmat mit Uebermacht und energisch fortgesetzte Verfolgung schon etwa eine Meile über diesen Ort hinaus plötzlich ganz eingestellt hatte, wodurch am folgenden Tage (dem 19.) bei Lossoncz die Ralliirung der nach allen Richtungen zerstreuten Truppen ermöglicht blieb. Die Verluste der Letztern an Mann und Pferd überragten dessenungeachtet beiweitem die Summe der Opfer eines außergewöhnlich heißen Schlachttages.

Zur Erhöhung der Confusion während des vom General NagySändor — wie eben mitgetheilt worden — mit seltenem Ersolge aus unser eigenes Gros der Armee ausgeführten nächtlichen Ueberfalles, hatte überdies auch das unvermeidliche massenhafte Armeeanhängsel der fahrenden Civilflüchtlinge sein Möglichstes beigetragen. Um nun die Letztern, wenigstens für die nächsten entscheidenden Tage, der Armee aus dem Wege zu räumen, wurden sie bei Lossoncz abermals in eine vom Armeetrain abgesonderte Wagenburg vereinigt und unter Escorte auf Nebenwege verwiesen, welche die fernere Operationslinie nördlich cotoyirten.

Am 2tt. Iuli Nachmittags, als ich — wie gesagt — von den eben mitgetheilten Ereignissen der letzten zwei Tage zuerst Kenntniß erhielt, stand das 7. Armeecorps in Rimaszombat, das 3. in Osgy^n und das 1. als Nachhut in Apätfalva hinter Lossoncz. . Der Chef des Generalstabes hatte es nämlich für nothwendig erachtet, dem General Nagy-Sändor, welcher bisher seiner Aufgabe als Arrieregardecommandant nichts weniger als entsprochen, sofort Gelegenheit zu bieten, im Dienste der Nachhut — falls die Verfolgung feindlicherseits wieder aufgenommen würde — zur Rettung seiner Ehre mindestens halb so viel zu leisten, als von den Generalen Graf Leiningen und Pöltenberg im Laufe des 17. und 18. Iuli geleistet worden.

Ich mußte diese Maßregel um so mehr billigen, als mir die angegebene Disponirung der drei Armeecorps überhaupt die — während der neuen Phase, in welche unsere Operation mit der Erreichung des Punktes Lossoncz getreten — zweckmäßigste schien.

Von Waizen bis Lossoncz nämlich war unsere Operation in Zweck und Ausführung höchst einfach. Es handelte sich einzig und allein nur darum, die Punkte Balassa-Gyarmat und Lossoncz, wo möglich noch vor dem Eintreffen der nördlichen (durch die Arva eingedrungenen) russischen Heeresabtheilung daselbst, zu gewinnen. Und die zur glücklichen Lösung dieser Aufgabe für unerläßlich erkannten Behelfe waren — wie wir gesehen haben — Schnelligkeit der rückgängigen Bewegung und wiederholte Arrieregardekämpfe ü Wut risque, um das, die Ordnung des Rückzuges gefährdende Nachdrängen der feindlichen Hauptmacht möglichst zu hemmen.

Von Lossoncz weiter jedoch complicirte sich zwar nicht der Endzweck, wohl aber die Ausführung unserer Operation. Diese mußte nämlich nach wie vor im Rücken gedeckt, in der Front hingegen mußte ihr gleichzeitig Bahn gebrochen werden.

Die erstere Aufgabe, so halsbrecherisch sie während des Rückzuges von Waizen bis Balassa-Gyarmat auch gewesen, schien nun plötzlich die minder schwierige; nachdem jene Voraussetzung, welcher ich —

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