Графични страници
PDF файл
ePub

dem mühevollen Rückzuge durch das Wagengedränge im Innern der Stadt begriffenen Gros vorzubeugen. Auf sie selbst (die Vortruppen) aber hatte das plötzliche Auftauchen des Feindes in ihrem Rücken, dennoch bereits den entmuthigenden Eindruck eines gelungenen Ueberfalles gemacht: und zu den schlimmen Folgen ähnlicher Eindrücke gehört unter Andern auch die nachhaltige Disposition der überraschten Truppen zur Gespensterseherei.

Armin Görgei, von der feindlichen Vorrückung in Kenntniß gesetzt, führt ohne Bedenken das Gros seiner Colonne aus dem Innern der Stadt dem Feinde entgegen; bewirkt seinen Aufmarsch bei He'tkäpolna; disponirt seine repliirenden Vortruppen als äußerste Flankendeckung links gegen den Gombasbach und greift — hauptsächlich um das 3. Corps möglichst schnell zu avisiren — die anrückenden feindlichen Massen sogleich mit Geschütz an. Eine Zeit lang gelingt's ihm die Letztern aufzuhalten, ja selbst zurückzudrängen. Sein äußerster linker Flügel aber — noch an den moralischen Nachwehen der jüngsten Ueberraschung laborirend — glaubt mittlerweile in den Abtheilungen des 3. Corps jenseits des Gombäsbaches eine feindliche Umgehung zu erkennen, ergreift in Folge dessen die Flucht gegen den südlichen Haupteingang von Waizen und reißt bald die gesammte Cavallerie und Artillerie der Colonne mit sich fort. Armin Görgei außer Stand, dieser Debandade Einhalt zu thun, und selbst irre geführt durch die unrichtige Meldung seines linken Flügels, läßt nun auch die von der Reiterei und den Geschützen bereits verlassenen Bataillone zurückziehen, aber nicht durch die Stadt, sondern unmittelbar am Ufer der Donau.

Der Feind benutzt dies plötzliche Erlahmen unsers Widerstandes mit Raschheit und seltener Bravour; dringt — bevor noch die Cavallerie der Colonne Armin Görgei's wieder zur Besinnung kömmt — in die Stadt selbst ein und erobert im ersten Anlaufe vier Geschütze. Ein Theil der Infanterie der Colonne aber hatte sich bald wieder ermannt und eilt nun von der Donau her in das Innere der Stadt an den Ort der höchsten Gefahr; fast gleichzeitig erscheint von der entgegengesetzten Seite (der Eisenbahn) her ein Bataillon des 3. Corps auf dem bedrohten Punkte: und drei der eroberten Piecen werden dem Feinde sogleich wieder abgenommen, — eine derselben jedoch bleibt in seiner Gewalt; es gelingt ihm, sie in Sicherheit zu bringen, obschon er sofort aus der Stadt verdrängt und gleich darauf vom 3. Corps zum fernem Rückzuge gegen Szöd genöthigt wird.

General Graf Leiningen ließ nämlich auf den ersten Kanonenschuß der Colonne Armin Görgei die eine Hälfte seines Corps sogleich wieder am rechten Ufer des Gombäsbaches aufwärts gegen Duka vorrücken, mit der anderen hingegen eilte er selbst längs der Eisenbahn auf den zwischen dem Gombäsbache und der Donau gelegenen Terrain vor. Während dieser Bewegung von der Anwesenheit des Feindes in Waizen benachrichtigt, disponirte Graf Leiningen ein Bataillon (wie wir gesehen haben, kam dasselbe eben recht, um bei der Wiedereroberung der verlorenen Geschütze mitzuhelfen) in das Innere der Stadt; zwei Compagnien aber detachirte er — in der Absicht, der in Waizen eingedrungenen feindlichen Cavallerie den Rückzug abzuschneiden — zur schleunigen Besetzung des südlichen Ausganges. Die Stadt war jedoch feindlicherseits schon wieder geräumt als jene zwei Compagnien auf dem Punkte ihrer Bestimmung eintrafen. Und nun zeigte sich's erst, wie der Feind mit seiner Vorrückung kaum einen ernsten nachhaltigen Angriff, sondern höchstens eine Recognoseirung unserer Stärke und Stellung beabsichtigt haben konnte. Nur den zufälligen Umständen, daß General Nagy-Sändor seine Vorposten ebenso unüberlegter- als eigenmächtigerweise bei seinem Abrücken aus der Position eingezogen, die Cavallerie der Colonne Armin Görgei hingegen unsere eigenen Truppen für feindliche ansah, hatte jene Vorrücknng ein Resultat zu danken, welches allerdings dem eines gelungenen Ueberfalls gleichkam.

Uebrigens verdankten auch wir dem eben geschilderten Conflicte ungeachtet des namhaften Verlustes, welchen wir dabei erlitten, einen in unserer damaligen Situation durchaus nicht zu verachtenden Vortheil.

Ich habe im Vorhergehenden der besondern Härtnäckigkeit erwähnt, mit welcher die unglücklichen Inhaber der am nördlichen Ende von Waizen dicht zusammengedrängten Privatequipagen sich trotz der handgreiflichen Unmöglichkeit auf der Poststraße rasch fortzukommen, gegen das Ansinnen sträubten, diese zu verlassen und den östlichen Nebenweg nach Vadkert einzuschlagen. Diesem Sträuben nun machte der Schreckensruf: „die Kosaken in der Stadt!" und mehr noch das gleichzeitig vernehmbare lebhafte Kleingewehrfeuer urplötzlich ein Ende. Die bald darauf, bei der Vorrückung des 3. Corps, beginnende anhaltende Kanonade rüttelte endlich auch die bereits über die Brücke gelangten Flüchtlinge aus ihrem indolenten Sicherheitstaumel wach und spornte sie zu größerer Eile an. In Folge dieser moralischen Einflüsse des feindlichen Conflictes auf die civilen Gemüther beschleunigte sich der Abzug der Wagenmassen aus dem Manoeuvrirbereiche unserer Truppen um das Mehrfache.

Und während General Graf Leiningen mit der einen Hälfte des braven 3. Corps in dem Terrain zwischen dem Gombäsbache und der Donau die feindlichen Ueberfallstruppen bis nahe an die Szöder Weingärten nachdrücklichst verfolgte und sowohl durch dies entschlossene Auftreten, wie durch das gleichzeitige Vorrücken der anderen Hälfte seines Corps am rechten Gombäsufer den Feind zu der mit neuem Zeitverluste verbundenen vorläufigen Entwickelung seiner Vollkraft nöthigte; während hierauf beide Hälften des genannten Corps selbst dem mehrfach überlegenen Feinde nur Schritt für Schritt und nur fechtend Raum gaben: gelang es die gesammte Masse von Privatfuhrwerken aus dem Bereiche der Truppen zu entfernen, ja sogar noch den Rest des Armeetrains flott zu machen. Derselbe war, als General Gras Leiningen seinen Rückzug wieder bis auf die Höhe von Waizen bewirkt hatte, bereits über die Straßenserpentinen am Waizener Berge gefördert. Dem genannten Reste des Armeetrains folgte unmittelbar der Rest des 1. Corps, während die Colonne Armin Görgei zur Unterstützung des zum Theil auf der Poststraße über die Brücke, zum Theil auf dem freien Terrainstreifen östlich derselben und der Eisenbahn fechtend zurückziehenden 3. Corps bestimmt, die vom Waizener Berge südöstlich vorspringenden, mit Weingärten bedeckten Absenkungen besetzte, um hier im nächsten Gefechtsmomente die äußerste linke Flanke der, vom halben 3. Corps auf dem südlichen Abhange des Waizener Berges, unterhalb der Straßenserpentine zu nehmenden Arrieregardestellung zu bilden. Der Feind ließ einen Theil seiner Streitkräfte am rechten Gombäsufer und sofort östlich der Eisenbahn zum Angriffe auf die Position der Colonne Armin Görgei vorrücken; mit der Hauptmacht aber durchzog er gleichzeitig die Stadt Waizen und debouchirte am nördlichen Ausgange derselben in dem Augenblicke, als die letzten Abtheilnngen des 3. Corps die im Vorhergehenden wiederholt erwähnte Brücke pafsirten. Das lebhafte Artilleriefeuer, welches er alsbald gegen diesen Punkt eröffnete, mochte den Zweck haben, uns an der Zerstörung der Brücke zu hindern: es blieb jedoch ohne Erfolg. Die Brücke wurde abgebrannt und die Verzögerung, welche das Nachdrängen des Feindes auf der Poststraße hierdurch erlitt, sicherte der für die Arrieregardestellung am Waizener Berge bestimmten Hälfte des 3. Corps die zum Aufmarsche erforderliche Zeit.

II. 1«

Diese Stellung, deren linker Flügel die — wie erwähnt — von der Colonne Armin Görgei schon vorläufig auf den südöstlich vorspringenden Abfällen des Waizener Berges genommene Position bildete, ward nun gegen die lebhaften Angriffe des Feindes so lange behauptet, bis die andere Hälfte des 3. Corps auf der Poststraße einen Vorsprung von etwa einer halben Meile gewonnen, um mit Muße weiter rückwärts, aber noch vor Re'tsäg, eine zweite Arrieregardestellung zu wählen, in welcher die eben in der Action begriffenen Trnppeu erwartet und vom Dienste der Nachhut abgelöst werden sollten.

Das Arrieregardegefecht am Waizener Berge über den angedeuteten Zeitpunkt hinaus fortzusetzen, schien mir aus dem Grunde nicht rathsam, weil ich feindlicherseits ein Vordringen unmittelbar gegen Vadkert — auf dem im Vorhergehenden öfter erwähnten, von Waizen in östlicher Richtung abgehenden Nebenwege — folglich bei noch längerem Verweilen auf dem Waizener Berg die Gefährdung des fernern Rückzuges gegen Lossoncz befürchten zu müssen glaubte. Vadkert war auf diese Combination hin schon im vorhinein als Rückzugsobject des Tages festgestellt worden.

Der Rückzug aus der Position am Waizener Berge wurde somit schon nach etwa einstündigem Kampfe von der Colonne Armin Görgei, welche in der Stellung weit vorpoussirt und eben deshalb auch heftiger angegriffen war, fechtend eröffnet und in gleicher Weise von der gescimmten Nachhut bis zu der rückwärtigen Ausstellung der zweiten Hälfte des 3. Corps fortgesetzt, wo nun die letztere den Arrieregardedienst übernehmend, dem heftig nachdrängenden Feinde ein Gefecht lieferte, und ihn hierdurch wieder so lange aufhielt, bis die so eben zugleich mit der Colonne Armin Görgei abgelöste Hälfte des 3. Corps Re'tsäg erreicht hatte.

In Re'tsäg übertrug ich die Deckung des fernem Rückzuges bis Balassa-Gyarmat dem 7. Corps (General Pöltenberg) und beschloß zugleich die Auflösung der Colonne Armin Görgei, in der Absicht, ihre Bestandtheile zur möglichsten Ausgleichung der auffallenden Differenzen in der Einzelstärke der drei Armeecorps zu verwenden.

Der Feind folgte jener Hälfte des 3. Corps, welche ihm — wie erwähnt — noch vor Retsäg längere Zeit Widerstand geleistet, auf dem Fuße, und eröffnete seinen nächsten Angriff mit der lebhaften Beschießung der genannten Ortschaft — offenbar in der Voraussetzung, daß diese unsererseits noch besetzt sei. Die natürliche Folge war, daß Retsäg an mehren Punkten Feuer fing.

General Pöltenberg hatte mittlerweile mit dem 7. Armeeeorps aus den Höhen hinter Re'tsäg eine haltbare Position bezogen und behauptete sie trotz der ungemein heftigen Artillerieangriffe des überlegenen Feindes bis in die sinkende Nacht.

Gleich im Beginne dieses Gefechtes brach das Gros der Armee von Re'tsäg nach Vadkert auf. Ihm folgte, nachdem die Dunkelheit dem Gefechte ein Ende gemacht hatte, General Pöltenberg mit seinem Corps bis auf beiläufig die Hälfte des Weges zwischen den genannten beiden Ortschaften, und bezog hier das nächtliche Bivouac in gedrängter Schlachtordnung ü eneval der Straße. Das Gros der Armee lagerte in derselben Nacht (vom 17. auf den 18. Iuli) bei Vadkert.

Der weitere Rückzug gegen Balassa-Gyarmat wurde erst mit Tagesanbruch des 18. Iuli angetreten. Gleichzeitig räumte General Pöltenberg sein Bivouac (zwischen Vadkert und Re'tsäg) und folgte dem Gros der Armee in der Entfernung von etwa einer halben Meile ununterbrochen und vom Feinde unerreicht, bis er den Bach Mos

« ПредишнаНапред »