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Das Erstere sei allerdings bequemer. Ob auch ehrenvoller: darüber möge der Kriegsrath entscheiden.

Diese Wendung rettete meinen Antrag, die Offensive gegen die Oesterreicher am rechten Donauufer unverweilt zu ergreifen. Er wurde vom Kriegsrathe einstimmig angenommen, allein nur unter der von der Majorität des letztern gestellten Gegenbedingung, daß, nach gelungenem sowohl wie nach misglücktem Durchbruchsversuche, die Vereinigung des ursprünglich zum Rückzuge auf Szegedin beorderten Großtheiles der Hauptarmee, mit der Regierung und den übrigen Streitkräften des Landes, als nächstes Operationsziel festgestellt werde.

Durch diese Gegenbedingniß wurde zwar meine Absicht, den soeben beschlossenen möglicherweise erfolglosen Angriff auf die Stellung der Oesterreicher in Komorn consequent zu wiederholen, unausführbar gemacht; indessen mußte ich gleichwohl zufrieden sein, wenigstens so viel erreicht zu haben, daß die günstige Gelegenheit nicht vollends unbenutzt vorübergehe, welche sich unserer Hauptarmee zu einem kräftigen Rückschlage gegen die Oesterreicher bei Komorn darbot, und deren Wiederkehr nach den damaligen strategischen Conjuncturen ernstlich bezweifelt werden mußte.

General Klapka, welcher mit dem erwähnten Amendement der Majorität ebenfalls für meinen Antrag stimmte, sicherte sich hierdurch die Oberleitung des noch in demselben Kriegsrathe für den 9. Iuli bestimmten Angriffes auf die Hauptmacht der Oesterreicher.

Um so mehr mußte es mich überraschen, als im Laufe des 7. Iuli (der eben besprochene Kriegsrath war Tags zuvor abgehalten worden) das 1. Armeecorps (Nagy - Sändor) plötzlich von Komorn nach Bätorkeszi abrückte, um, gefolgt vom 3. und 7. Armeeeorps sofort, trotz des vorabendlichen Kriegsrathsbeschlusses, den Rückzug nach Szegedin auf dem linken Donauufer zu bewerkstelligen.

Ich konnte mir dies nur so erklären; indem ich entweder annahm, General Klapka und die Corpscommandanten hätten, Tags zuvor im Kriegsrathe, nur zum Schein für meinen Antrag gestimmt — etwa aus schonender Rücksicht gegen mich, um mir eine Kränkung zu ersparen, durch welche mein physisches Leiden verschlimmert werden könnte — insgeheim aber hätten sie General Klapka's Antrag zum Beschlusse erhoben: oder, indem ich dem erwähnten Abmarsche des 1. Armeecorps von Komorn eine Intrigue der Generale Klapka und Nagy-Sändor gegen meine Person zu Grunde legte.

Im erstem Falle war ich an der Spitze der Armee ferner überflüssig: im letztern mußte die Intrigue der Generale Klapka und NagySändor durchkreuzt werden.

Beiderlei Erkenntnisse bestimmten mich, das Commando der Armee nunmehr freiwillig und zwar ungesäumt niederzulegen.

Dies hatte zur Folge, daß noch am Abende des 7. Iuli eine Deputation, bestehend aus Offizieren sämmtlicher in Komorn anwesenden Heeresabtheilungen, bei mir erschien, welche mich im Namen der Hauptarmee aufforderte, das Commando derselben wieder zu übernehmen.

Ich hielt es unter den geschilderten Verhältnissen für meine Pflicht, diese Offiziere vor Allem über mein Verhältnis; zur Regierung aufzuklären.

Ich enthüllte vor ihnen die eigentlichen Mysterien des Zerwürfnisses zwischen mir und Kossuth. Ich machte sie darauf besonders aufmerksam, wie ich augenblicklich in offener Auflehnung gegen den Letztern siehe, weil ich den von ihm und seinen Armee-Obercommandanten angeordneten allgemeinen Rückzug gegen Süden für nichts weiter als den Beginn einer schimpflichen Flucht aus dem Lande erkenne, während ich gleichzeitig der Meinung bin, daß die Hauptarmee, um ihrer Pflicht gegen das Land, für dessen Gerechtsame sie eingestanden, ehrenhaft zu genügen, den Feind, der eben vor ihr steht, entschlossen angreifen, nicht aber ihm ausweichen solle, um etwa an jener Flucht ja noch bei Zeiten Theil nehmen zu können. — Ferner gab ich jenen Offizieren zu erwägen, wie ihre Aufforderung an mich, das Commando der Hauptarmee neuerdings zu übernehmen, einer Billigung meiner offenen Widersetzlichkeit gegen die Regierung gleichkäme; wie sie (die Abgeordneten der Armee) hiermit freilich kaum gegen ihr moralisches, wohl aber gegen ihr materielles Interesse handelten, denn ich hätte bereits mit dem Leben abgeschlossen, und wer fortan meiner Führung vertraut, müsse sich bequemen ein Gleiches zu thun; wie endlich von mir Angesichts der Hinfälligkeit meines physischen Zustandes durchaus nicht mehr dieselben persönlichen Leistungen zu erwarten ständen, deren ich sonst fähig gewesen. — Wenn aber die Hauptarmee — so schloß ich meine Erklärung — ungeachtet alles dessen, zu ihrem Commandanten mich verlangt; auch die Gegenbedingung, welche ich für diesen Fall an sie stelle, erfüllt, — Komorn nämlich erst dann verläßt, nachdem sie zuvor einen herzhaften Versuch, die Hauptmacht der Oesterreicher zu schlagen, unters nommen; und ich bis dahin wieder dienstfähig sein sollte: so werde ich es für meine Ehrenpflicht halten, die Führung der Armee neuerdings zu übernehmen.

Die Abgeordneten der Armee waren mit dieser Erklärung zufrieden. — Der Abmarsch des 1. Armeecorps nach Bätorkeszi erwies sich demnach als die Folge einer Intrigue der Generale Klapka und Nagv Sandor. — Der Letztere mußte sein Corps sogleich wieder nach Komorn zurückführen; der Erstere hingegen erklärte sich nichtsdestoweniger zur Ausführung derBeschlüsse des vorabendlichen Kriegsrathes abermals bereit.

Am 9. jedoch unterblieb der bekanntlich für diesen Tag bestimmte Angriff auf die Stellung der Oesterreicher am rechten Ufer der Donau, — und wurde derselbe bis zum 11. verschoben. Als Ursache dieser Verzögerung ward mir gemeldet, die Truppen seien sogar am späten Morgen des 9. Iuli, also mehre Stunden nach der für den Beginn der Vorrückung anberaumten Zeit, noch immer nicht marschfertig gewesen; während gleichwohl von Seiten des Feindes die außergewöhnliche Bewegung in unserm Lager bereits wahrgenommen und signalisirt worden. — Daß der 10. Iuli unbenutzt verstrichen, dürfte seine Erklärung etwa in der wahrscheinlichen Absicht des General Klapka finden, die in Folge der Wahrnehmungen vom 9. höher angespannte Wachsamkeit des Feindes vorläufig zu erschlaffen.

Am 11. Iuli endlich erfolgte der vollkräftige Angriff der vom General Klapka angeführten ungarischen Hauptarmee auf die unser verschanztes Lager von der Czonczö-Mündung bis Almas bogenförmig umschließende Stellung der Oesterreicher.

Die Gewinnung des Czonczö von dessen Mündung bis NagyJgmänd war die Aufgabe des Tages.

Sie blieb ungelöst, — und zwei Tage später (am 13. Iuli) zogen, mit der Armin Görgei'schen Streifcolonne als Avantgarde, die Armeecorps 1., 3. und 7. (die Streifcolonne des lctztern mit inbegriffen) auf dem linken Donauufer von Komorn ab, um von nun an unter meiner persönlichen Führung — dem Beschlusse des Kriegsrathes vom 6 gemaß — die Vereinigung mit den im Süden des Landes sich eben coneentrirenden Streitkräften, als nächstes Operationsziel festzuhalten; — während das 2. und 8. Armeecorps, als Besatzung von Komorn und des verschanzten Lagers, unter dem Obercommando des Generals Klapka zurückblieben.

Actitund?wan?igstes Capitel.

Ein Ibcil der Hauplarmcc verläßt Komorn. — Rückzug desselben bis Waizen. — Erstes Zusammentreffen mit Vorposten der rusffschen Hauptarme. — Gcfcchk bei Waizen <den 15. Julil. — «ußn Stande, die in demselben errungenen Borlheilc zu versolgen, und in die Kenntniß gesetzt, daß die russische Hauptarmcc uns unmillrlbar gegenüberstehe beschließe ich die Umgehung der letztem über Mi«kolcz. — Gründe für diese Kahl. — Rolbwendigkeit auf der neuen Rückzugslinie einen namhaslen Borsprung vor der rusffschen Hauptarmcc zu gewinnen. — Das einzige Mittel hierzu, der nächtliche Rückzug aus der Stellung vor Waizen, für die Rächt vom 16. auf den 17, Juli angeordnet. — Unerwartete Störung desselben. — Der seindliche Ucberfall am frühesten Morgen de« 17. Juli. — General Gras Lciningen ermöglicht dessenungeachtet den Abzug der Armee — Arrieregardegesechtc aus dem Saiznier Berge, vor Re'ls,ig und bei diesem Orte. — Fortsetzung des Rückzuges am 17. Juli bis Badkert. — «ntritt de« »eitern Rückzuges am I», gegen Balassa-Gyarmat.

^ie Truppenmacht, mit welcher ich am 13. Iuli 1849 Komorn verließ, um die Verbindung mit den unter F.-M.-L. Me'szäros im Süden sich concentrirenden Streitkräften, auf dem linken Donauufer zu bewirken, bestand, wie bereits vorläufig erwähnt, aus den Armeecorps 1 (Nagy-Sändor), 3 (Graf Leiningen), 7 (Pöltenberg) und der Colonne Armin Görgei, in einer Gesammtstärke — so viel mir erinnerlich — von etwa 27,lX>0 Mann.

Iene Verbindung herzustellen sollte zunächst mittels forcirter Märsche über Waizen und Gödöllö versucht werden.

Zu diesem Ende brach die Colonne Armin Görgei (als Avantgarde) schon am Abende des 12. Iuli von Komorn nach Bätorkeszi auf.

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