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empfange ich plötzlich einen heftigen Schlag auf das entblößte Haupt, und fühle, daß ich verwundet bin.

Von nun an bedarf ich meiner Kopfbedeckung, um sie in Ermangelung eines andern Verbandmittels als Compresse zu benutzen. Auch sind unsere Fronten mittlerweile schon zu nahe gerückt, um die gewünschte Directionsveränderung noch auszuführen, und ein ferneres Zeichengeben erscheint sonach bereits ebenso überflüssig, als das bisherige erfolglos geblieben. Endlich waren auch die Abtheilungen durch das heftige Feuer der feindlichen Geschütze aus ihrer manoeuvrirfähigen Verfassung gebracht.

Beunruhigt über das Resultat der Attaque, erwarte ich das Eintreffen der vordersten Abtheilungen mit dem Entschlusse, persönlich dahin zu wirken, daß der Nachtheil der ungünstig gewählten Angriffsdirection zum mindesten durch die Entschlossenheit des Angriffes selbst möglichst verringert werde. Die bis zum Eintreffen der ersten Abtheilungen noch übrige Zeit benutze ich einstweilen, um mir von einem Offizier meiner Suite einen Nothverband anlegen zu lassen. Mittlerweile nehme ich mit Befriedigung wahr, daß die rechte Flügelbatterie des feindlichen Centrums die Flucht ergreift. Diese Wahrnehmung richtet mein gebeugtes Hoffen auf ein günstiges Attaque-Resultat momentan wieder auf.

Allein der improvisirte Wundarzt kann bei dem besten Willen mit dem Nothverbande lange nicht fertig werden. Die Attaque rasselt inzwischen an mir vorüber, und als ich endlich wieder mobil werde, hatten die Husaren auch schon wieder umgekehrt.

Etliche Offiziere unterstützen mich mit seltener Aufopferung, die Flucht im Entstehen zu hemmen. In der That ermannen sich einzelne Gruppen und machen neuerdings Front gegen den Feind, werden aber von dem massenhaften Andrange der Mehrzahl immer wieder fortgerissen.

Während ich mit dem Nothverbande meiner Blessur beschäftigt gewesen, hatte ich den Gang des Gefechtes eben in seinem entscheidendsten Momente nicht beobachten können; und so blieb ich denn auch über die Veranlassung der Flucht so lange im Unklaren, bis ich endlich, aufs äußerste erschöpft, von den fernem Anstrengungen, der Flucht Einhalt zu thun, ablassen, meine Aufmerksamkeit wieder dem Feinde ^uwende, und nun außer dem verstärkten Geschützfeuer am rechten Flügel des feindlichen Centrums und den verfolgenden Uhlanen, auch einen Artillerieangriff in der Richtung von Mocsa her wahrnehme.

Der letztere Umstand läßt mich hoffen, daß der rechte Flügel der Oesterreicher im Anmarsche gegen unsern rechten Slrmecflügel sei, folglich auf die Behauptung von O-Szöny bereits verzichtet habe.

Ich bin entschlossen, mir hierüber mittels einer wiederholten Vorrückung der Cavalerie Gewißheit zu verschaffen, und fordere den General Pöltenberg, mit welchem mich der Zufall noch während der Debandade zusammentreffen läßt, dringend auf, den fliehenden Husaren vorauszueilen und die Tete derselben außer dem Bereiche der feindlichen Artillerie schnell wieder zu ordnen. Es gelingt ihm dies noch im Ertrage der aus der Richtung von Mocsa uns verfolgenden Batterie.

Indessen schöpfe ich — von dem Entschlusse des General Klapka, an die Wiedereroberung von O-Szöny das Aeußerste zu wagen, moralisch überzeugt — die Gewißheit, daß dieser Ort von den Ocsterreichern bereits aufgegeben worden, schon aus dem Schweigen des Kanonendonners auf unserm linken Armeeflügel.

Und die beabsichtigte nochmalige Vorrückung unsers ArtillerieGros unterbleibt.

Es wird blos die nächste unserer Cavalerie-Batterien, der — wie es schien — vereinzelt in der Richtung von Moesa her vorgedrungenen feindlichen Batterie entgegen beordert.

Im nächsten Augenblicke jedoch stellt die letztere ihr Feuer freiwillig ein, und beschließt hiermit die heißen Kämpfe des Tages.

Mittlerweile war mir vom Artillerie-Chef unserer Hauptarmee, welchem das Commando im Haupttreffen fortwährend anvertraut geblieben, die Meldung, daß er seine Position behauptet habe, vom äußersten rechten Flügel hingegen die Nachricht zugekommen, unsere Infanterie sei im Uferwalde längs der Donau aufwärts bis an den Czonczö-Bach vorgedrungen.

Diese Nachricht läßt mich die bittern Erinnungen an die schmachvolle Conduite der Komorner Bataillone am Monostor (am Morgen des Tages) einigermaßen verschmerzen.

Zugleich aber werde ich durch diese Nachricht veranlaßt, sofort Rückzugsbefehle an die im Uferwalde und dem südlichen Waldvorsprnnge befindlichen Infanterie-Divisionen abzusenden. Diese hatten nämlich mit einer Ausdauer, welche der besondern Erwähnung würdig, ein Terrain erobert, dessen Behauptung gegen den linken Flügel der Oesterreicher bei der augenblicklichen Stellung ihres Centrums ein voraussichtlich eben so verderbliches, als bei unserer vorgefaßten Absicht, die Armee nach Ofen zu führen, nicht motivirtes Unternehmen gewesen wäre.

Zur Links-Deckung des Rückzuges jener Infanterie-Divisionen bleiben das Haupttreffen und das Gros der Cavalerie bis zum vollen Einbruch der Nacht in derselben Stellung, welche beide unmittelbar vor unserm Cavalerieangriffe inne hatten.

Der Feind verhält sich indessen fortan ruhig; er scheint seine Aufgabe des Tages damit als gelöst zu betrachten, daß es ihm gelungen, dem durch seine eigenen Manoeuvers — scheinbar unabsichtlicherweise — herausgeforderten Rückschlag unsers rechten Armeeflügels gegen seinen linken, mit Aufopferung von O-Szöny, im letzten Stadium zu begegnen.

SiebenundzwMMStes Capitel.

Die letzten Tage in Komorn,

Unmittelbar nach der Rückkehr vom Schlachtfelde in meine Wohnung blieb ich in Folge ärztlichen Machtspruches drei volle Tage hindurch ohne aller Kenntniß der laufenden Ereignisse, ja selbst jeder dienstlichen Angelegenheit fern gehalten, und erfahre erst am Abende des 5. Iuli — auch da nur zufällig — die Ursachen, durch welche inzwischen der Abzug unserer Hauptarmee von Komorn nach Ofen verzögert worden.

Am erwähnten Abende nämlich kehrt ein Offizier des Hauptquartiers von Pest nach Komorn zurück, und wünscht mir irgend eine beruhigende, meinerseits mit Ungeduld erwartete Privatnachricht mündlich mitzutheilen. Der Arzt gestattet dies; der Offizier aber, von dem ärztlichen Verbote, die öffentlichen Tagesereignisse in meiner Gegenwart zu besprechen, nicht unterrichtet, erzählt nebenbei auch Einiges von den letzten Pester Neuigkeiten: einer Serenade dem G.-L. Dembinski zu Ehren, dem Inhalte mehrer bei dieser Gelegenheit, theils an, theils von dem Gefeierten abgehaltenen öffentlichen, gegen mich geharnischten, Reden u. dgl. m. — Die natürliche Consequenz dieser Mittheilungen war, daß vor mir nicht länger verheimlicht werden konnte, was sich bei der Hauptarmee seit meiner Verwundung zugetragen.

Am 2. Iuli 1849 — unmittelbar nach der Schlacht — empfing, so erfahre ich nun, General Klapka und außer ihm jeder einzelne Corpscommandant der Hauptarmee eine Regierungsdepesche mit der vom 1. Iuli 1849 datirten Verordnung des Landesgouverneurs Kossuth, in welcher die Ernennung des F.-M.-L. Me'szäros zum Oberbefehlshaber aller Truppen in Ungarn kundgegeben, und die Armee zum Gehorsam gegen denselben aufgefordert wird. — Gleichzeitig traf in meinem Hauptquartiere die an mich persönlich gerichtete Verordnung Kossuth's ein, laut welcher ich von der Armee abberufen werde, um meine Thätigkeit von nun an ausschließlich der Leitung der kriegsministeriellen Geschäfte zu widmen.

In der disciplinären wie in der strategischen Situation der Hauptarmee änderte diese Regierungsmaßregel — an und für sich betrachtet — gleichwohl nicht das Geringste: denn Klapka war ohnedies schon, in Folge meiner plötzlichen Dienstunfähigkeit, als der älteste General der Hauptarmee, augenblicklich auch der factifche Obercommandant derselben; und da er einerseits von dem Beschlusse des Ministerrathes, die Hauptarmee ohne Verzug von Komorn nach Ofen zu führen, durch mich persönlich unterrichtet worden; andererseits vom Oberbefehlshaber Me'szäros keine Contreordre erhalten; das 1. Armeecorps endlich schon am 3. längstens am 4. Iuli Komorn erreicht hatte: so wäre es allerdings die Pflicht des General Klapka gewesen, den Marsch der Hauptarme e von Komorn nach Ofen spätestens mit Einbruch der Nacht vom 4. auf den 5. Iuli einzuleiten.

Indessen erschienen — so erfahre ich ferner — den Corpscommandanten und ihren Offizieren meine Abberufung vom Armeeobercommando und die Ernennung des F.-M.-L. Me'szäros zum Oberbefehlshaber aller ungarischen Truppen weder durch die Machtvollkommenheit Kossuth's, noch durch die Beistimmung des Ministerrathes, am allerwenigsten aber durch die bekannten Feldherrnleistungen des F.-M.-L. Me'szäros hinreichend motivirt, und General Klapka ließ sich hierdurch bestimmen, vorläufig den Abmarsch der Armee zu verzögern, zugleich aber die Corps-, Divisions- und Abtheilungscommandanten, ja sogar Abgeordnete von den Offiziercorps der einzelnen

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