Графични страници
PDF файл
ePub

Nun schrieb Klapka der Uebereilung des Generals Damjanics, dieser der Saumseligkeit Klapka's das Mislingen des auf die vollkommene Niederlage des Feindes berechneten Manoeuvres zu: während der vermittelnden Annahme, daß feindlicherseits die Absicht Klapka's noch zur rechten Zeit erspäht und durch eine beschleunigte Retirade vereitelt worden sei, die Hartnäckigkeit zu widersprechen schien, mit welcher der Feind dem General Damjanics jeden Schritt breit Terrain vor Waizen, ja die Stadt selbst noch, streitig zu machen bemüht gewesen.

Die zwischen den beiden Corpscommandanten Damjanics und Klapka ursprünglich durch den Tag von Täpiö-Bicske angeregte und durch den von Isaszeg merklich erhöhte Gespanntheit nahm somit, in Folge des Tages von Waizen, vollends einen Bedenken erregenden Charakter an.

Uebrigens hatten sich an diesem Tage außer Klapka auch noch der Oberst und Cavalerieeommandant des 3. Corps, Nagy-Sändor, und die einige hundert Mann zählende Polenlegion den heftigsten Unwillen des Generals Damjanics zugezogen: Nagy-Sändor, weil er einem Vorrückungsbefehle während des Gefechtes, etwa in ähnlich gedeihlicher Weise, wie bekanntermaßen am Tage von Täpiö-Bicske dem Verfolgungsbefehle, nachkam; die Polenlegion durch folgende Thatsache:

Die Brücke am südlichen Ende von Waizen — von den bis an die Lisiere der Stadt zurückgedrängten feindlichen Tirailleurs sehr lebhaft vertheidigt — sollte mit Sturm genommen werden. Derselbe ungarische Stabsoffizier, welcher sich am 4. April als Commandant des 3. HonvedBataillons bei der Erstürmung der Brücke über den Täpiö so rühmlich ausgezeichnet hatte, feuerte die unfern aufgestellte Polenlegion zum Sturme an und gedachte sie, ihre Fahne ergreifend, persönlich vorzuführen. Der polnische Fahnenträger aber verweigerte die Uebergabe des ihm anvertrauten Panieres und die gesammte Legion den Sturm.

Die erwähnte Brücke am südlichen Eingange der Stadt Waizen wurde nun von Abtheilungen des 3. und 9. Honved - Bataillons in ebenso entschiedener Weise, wie am 4. April jene über den Täpiö, ge nommen, wobei der erwähnte heldenmüthige Stabsoffizier, welcher hier abermals mit der Fahne voranstürmte, das Pferd unterm Leibe verlor.

Nach dem Verluste der Brücke vermochte der Feind die südlichen Eingänge von Waizen nicht länger zu halten; das 3. und 9. Bataillon drängten ihn zunächst in das Innere der Stadt zurück, bis er endlich diese ohne fernem Widerstand zu räumen begann.

Nun sammelten sich die Bataillone des 3. Corps und sormirten in der Ordnung, in welcher sie in die Stadt eingedrungen waren, Eine Marschcolonne; die Polenlegion aber, welche — wie gesagt — den Sturm auf die Brücke verweigert hatte und selbst während des weitern gefechtsweisen Vordringens in das Innere der Stadt blos dem 3. und dem 9. Honved-Bataillon nachgehumpelt war, wußte bei der Raillirung die Tete dieser Colonne zu gewinnen, und sich durch diesen Kniff das Ansehen zu verschaffen, als gebührte ihr die Ehre des Tages.

Ich hatte vollauf zu thun, um einerseits die Controversen zwischen Damjanics und den Offizieren seiner beiden Cavalerieregimenter, welche für ihren Commandanten Partei gegen jenen nahmen, andererseits den ernsten Reibungen zwischen der Polenlegion und den genannten HonvedBataillonen ein Ende zu machen.

Der Feind zählte unter seinen im Gefechte vom 10. April erlittenen Verlusten auch den G.-M. Götz. Dieser gerieth tödtlich verwundet in unsere Gewalt und starb Tags darauf.

Im Sinne unsers Operationsplanes trat nach der Erstürmung von Waizen das Gros unsers Heeres — das 3. Armeecorps (Damjanics), das 1. (Klapka) und zwei Drittheile des 7. Corps — seinen Marsch nach Levenz ohne Aufschub an, ward die Armeedivision Kmety von Dunakeszi nach Waizen verlegt, übernahm an der letztern Statt ein Theil des 2. Armeeeorps (Aulich) die Besetzung von Dunakeszi.

Zur Deckung einerseits der linken Flanke des nordwärts ziehenden Gros, andererseits der Armeedivision Kmety in Waizen, gegen von der obern Donau her zu befürchtende feindliche Unternehmungen, wurde eine aus zwei Husarendivisionen und zwei Geschützen des 7. Armeecorps zusammengesetzte Streifcolonne längs der Donau aufwärts an die untere Gran disponirt.

Während das Gros sich Levenz näherte, brachten wir in Erfahrung, daß jene ältere Streifcolonne vom 7. Armeecorps — welche, wie bekannt, den kais. Obersten Almäsy in Lossoncz überfallen hatte, gleich nach diesem Ereignisse aber angewiesen worden war, ihren Streifzügen die Richtung gegen den District der nördlichen Bergstädte und das Türöczer Comitat zu geben — mittlerweile gegen Eperjes zurückgekehrt sei und sich, in Folge einer ihr von Debreczin zugekommenen Verordnung, dem durch Kossuth abermals in Activität gesetzten, nämlich mit dem Commando über ein in Kaschau neu zusammengestelltes Armeecorps betrauten Generallieutenant Dembinski zur Disposition stellen mußte.

Da nun der District der Bergstädte feindlich besetzt war und hierdurch unser Gros, bei seinen fernern Bewegungen von Levenz gegen Komorn, im Rücken bedroht erschien: so wurde zur Vertreibung des Feindes aus den Bergstädten eine neue Streifcolonne unter dem Commando meines ältern Bruders, des Honve'd-Majors Armin Görgei, am 16. April zunächst gegen Schemnitz (8el,n«c-2bü„va) entsendet.

Tags vorher schon hatte unser Gros, welches in Folge ähnlicher Detachirungen und der bereits während des Feldzugs erlittenen Verluste kaum mehr 25000 Mann zählte, mit dem 1. Corps auf der Höhe von Levenz bei Szeese, mit dem 3. oberhalb dieses Punktes bei O-Bars, mit den zwei Armeedivisionen des 7. Corps hingegen unterhalb bei Zsemler, den Granfluß erreicht. An jedem der drei genannten Punkte sollte nun der Fluß rasch überbrückt werden.

Aber der Feind hatte vorsorglich das in der nächsten Umgebung vorräthige, hierzu geeignete Material größtentheils zu entfernen oder zu vernichten gewußt, und die einzige improvisirte Bockbrücke, welche wir mitführten, genügte kaum zur Ueberbrückung der halben Breite des eben ungewöhnlich hoch angeschwollenen Flusses.

Unter den oben bezeichneten drei Uebergangspunkten schien jener bei O-Bars den Brückenschlag am meisten zu begünstigen; auch lag es in unserer Absicht, das hierher disponirte 3. Armeecorps zuerst übersetzen zu lassen, damit durch dessen Herabrücken längs dem rechten Ufer die weiter unterhalb zwischen Szecse und Kälna vom 1. Armeecorps und bei Zsemler von den zwei Drittheilen des 7. Corps zu bewirkenden Flußübergänge gedeckt würden.

Zu diesem Ende wurden nicht nur die erwähnte vorräthige Bockbrücke, sondern auch die ersten Requisitionen an sonstigem Brücken- material dem mit dem Brückenschlage bei O-Bars betrauten Chef der ungarischen Pionniere zur Verfügung gestellt.

Indessen zeigte sich dieser der ihm gestellten Aufgabe nicht gewachsen, und trotz aller Begünstigungen des Brückenschlages bei O-Bars kam dennoch jener zwischen Kälna und Szecse früher, obschon auch erst in der Nacht vom 17. auf den 18. zu Stande.

Am 17. April erschien in meinem Hauptquartiere zu Levenz (I^«va) ein Courier von Debreczin mit der Nachricht: der Reichstag habe Kossuth's Antrag — als Antwort auf die octroyirte Verfassung vom 4. März 1849 die Dynastie Habsburg-Lothringen ihres Erbrechts auf den Thron des Königreichs Ungarn verlustig, die künftige Staatsform Ungarns hingegen als offene Frage zu erklären und einstweilen eine provisorische Landesregierung einzusetzen — angenommen.

Wie vollkommen nun auch — dank der Art und Weise, in welcher die genannte Dynastie, in dem vom Kroaten-Ban Baron Iellachich ursprünglich auf eigene Faust heraufbeschworenen Bürgerkriege, gegen Ungarn Partei genommen — ein ähnlicher Reichstagsbeschluß meinem nationalen Gefühle entsprach: so konnte er dennoch, wie ich dies dem Präsidenten Kossuth schon in Gödöllö warnend auseinandergesetzt hatte, nicht einmal vor dem Richterstuhle der gewöhnlichsten Staatsklugheit, geschweige denn vor dem einer vernünftigen Vaterlandsliebe, Gnade finden: so war ein solcher Beschluß durch die dynastische Gesinnung der alten Truppen, und namentlich der alten Offiziere der Armee, welchen selbstverständlich die Aufgabe zufallen mußte, ihm nicht nur in, sondern auch außerhalb Ungarn Geltung zu verschaffen, nichts weniger als gerechtfertigt.

Iener Reichstagsbeschluß stand überdies in grellem Widerspruche mit der in den ersten Märztagen zu Tisza-Füred von Kossuth selbst ausgesprochenen Ueberzeugung, daß es die heiligste Pflicht Aller sei, die es redlich mit dem Vaterlande meinen, keinen Schritt zu wagen, dessen Folgen die Nation in Sonderparteien zerklüften und somit nur die Macht des Allen gemeinschaftlichen Feindes vergrößern könnten. In noch grellerm Widerspruche stand jener Beschluß mit dem, was Kossuth mir zur selben Zeit und am selben Orte von der Reichstags-Majorität feigen Unterwürfig- keitsgelüsten erzählt hatte, deren wirkliche Eristenz übrigens auch der Ton jenes, bezüglich der im feindlichen Heere kriegsgefangenen Ungarn, an den F.-M. Fürsten Windisch-Grätz gerichteten Schreibens verrieth, welches, wie bekannt, dem Präsidenten Kossuth von Debreczin nach Gödöllö zur Genehmigung und Weiterbeförderung nachgesendet worden.

Angesichts dieser Widersprüche, wie angesichts des auffallenden Schweigens, mit welchem Kossuth in Gödöllö meine Einwürfe gegen die Zweckdienlichkeit eines offensiven Schrittes gegen Oesterreich — ohne sie zu widerlegen — hingenommen und mich glauben gemacht hatte, daß er seine flagrante Idee, auf die Octroyirte mit etwas Anderm als der noch energischem Fortsetzung des Vertheidigungskrieges zu antworten, aufgegeben habe, mußte ich, wo nicht an der Echtheit der nichtofficiellen mündlichen Mittheilungen des Debrecziner Couriers, so doch an der Unabänderlichkeit jenes Reichstagsbeschlusses zweifeln, und fand mich hierdurch bewogen, den Herren der Regierung und des Reichstages durch den sogleich wieder nach Debreczin zurückeilenden Courier mündlich sagen zu lassen, sie sollten doch endlich einmal aufhören, im Unglück feig, im Glück übermüthig zu sein.

Irgend einen energischen Schritt gegen die Regierung und den Reichstag zu unternehmen — wie dringend auch ein solcher, theils durch die allgemeine Entrüstung, welche die Nachricht von jenem Reichstagsbeschlusse in meinem Hauptquartiere hervorrief, theils als Consequenz meiner Proclamation von Waizen geboten schien — lag bei dem Umstande, daß ich mit dem Gros der Armee einerseits über 3l> Meilen von Debreczin entfernt, andererseits eben in der Lösung unserer wichtigsten strategischen Aufgabe, des Entsatzes von Komorn, begriffen war, außer allem Bereiche der Möglichkeit.

Ich mußte vielmehr, mich dem Unabwendbaren fügend, zunächst nur darauf bedacht sein, wie ich der plötzlichen Auflösung unserer Armee — der gefährlichsten Consequenz jenes verhängnißvollen politischen Schrittes — am sichersten vorbeugte.

« ПредишнаНапред »