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die Eventualität, in Komorn vom Feinde eingeschlossen zu werden — keinen günstigen Erfolg erwarten; dagegen hoffte ich gleichwohl noch, Kossuth's Ehrgefühl werde reagiren, und ihn bestimmen, sich der Hauptarmee anzuschließen, wenn ich selbst — meinen Entschluß, die letzte Entscheidung auf dem rechten Donauufer herbeizuführen, wie seine Weigerung, das Schicksal der Hauptarmee zu theilen, als selbstverständlich hinnehmend — ihm die Salvirung seiner eigenen Person durch die Flucht geradezu empfehle.

Dies that ich denn auch. Am Ende meines kurzen schriftlichen Berichtes über den Verlust der Raablinie, und die Unzulänglichkeit unserer, zur unmittelbaren Deckung der Hauptstädte augenblicklich verwendbaren, Heeresabtheilungen, ertheilte ich nämlich Kossuth den Rath, die Regierung — so ihr nämlich Komorn nicht behagt — ohne weiteres von Pest nach Großwardein zu verlegen, — wobei ich ihn weder über meinen angedeuteten Entschluß, noch über die Resignation im Unklaren ließ, mit welcher ich bei demselben zu beharren gedachte.

Allein Kossuth kam nicht nach Komorn, nur seine bittere Beschwerde darüber, daß ich für ihn keinen minder unsichern Aufenthaltsort ausfindig zu machen gewußt, als eben die Stadt Großwardein, welche doch von den an der obern Theiß stehenden Russen binnen wenigen Tagen ohne Anstand besetzt werden könne.

Hierin nun hatte Kossuth allerdings Recht; aber ich gestehe, daß ich dessenungeachtet auf alles Andere eher, denn auf diese eben so naive als wohlbegründete Beschwerde gefaßt war. Und die Nachwehen dieser trostlosen Ueberraschung verwirrten oder klärten (die Wahl zwischen diesen beiden Ausdrücken bleibt dem Leser freigestellt) mein Urtheil derart, daß mir ein harmonisches Zusammenwirken mit Kossuth selbst in den letzten Stadien unserer öffentlichen Wirksamkeit eben so unmöglich erschien, als etwa das Miteinandergehen zweier Männer, deren Einer für seine Handlungen und jedwede ihrer Folgen zu jeder Zeit und unter allen Verhältnissen persönlich einzustehen bereit, während der Andere sich den unbequemen Folgen seiner Wirksamkeit aller Wege zu entziehen strebt. Zu jener Klärung oder Verwirrung meines Urtheils trug wesent lich auch folgendes Erlebniß bei.

Am 29. Iuni (mein oberwähntes Schreiben an Kossuth war bereits nach den Hauptstädten unterwegs) trafen in Acs, während ich daselbst den weitern Rückzug in das verschanzte Lager anordnete, plötzlich zwei Civilbeamte ein, um das Dorf von Amts wegen niederzubrennen. Sie erklärten sich hierzu von irgend einem Regierungscommissäre beauftragt, und beriefen sich überdies auf einen besondern, mir bishin unbekannt gebliebenen Erlaß der Regierung, laut welchem allen Wohnorten des Landes, sobald sie von unfern Truppen vor dem Feinde geräumt werden müßten, das gleiche Schicksal bevorstand.

Etwas Aehnliches, jedoch in minder ausgedehntem Maße, war schon im December 1848 dagewesen.

Bekanntlich wurden damals, beim Beginn unserer Retirade von der Lajtha gegen die Hauptstädte, alle zwischen Wieselburg und Raab zunächst der Chaussee aufgespeicherten Heu- und Getreide-Vorräthe durch Feuer vernichtet.

Iene versuchsweise begonnenen Verwüstungen (wie wir gesehen haben, waren sie nicht weiter als bis Raab fortgesetzt worden) ließen sich allenfalls noch, theils durch die Absicht, das Vordringen des Feindes zu verzögern, theils durch den überhand genommenen Wahn entschuldigen, als sei das Landvolk entschlossen, beim Anrücken der Oesterreicher seinen Wohnsitzen für immer Lebewohl zu sagen, oder mit andern Worten, als ständen wir am Eingange eines neuen Zeitalters der Völkerwanderungen.

Allein bekanntermaßen verrieth das Volk blutwenig Wanderlust, und eben deshalb erschien auch die consequente Durchsührung der — irrthümlicherweise im Interesse der Landesvertheidigung — eingeleiteten Verwüstungsmethode unverantwortlich.

Dies hatte Kossuth im December 1848 zweifelsohne selbst eingesehen: sonst würde er wohl das Werk der Verwüstung — ohne sich viel um meine Gegenvorstellungen zu kümmern — beharrlich haben fortsetzen lassen. Die geringe Völkerwanderlust seiner Mitbürger von damals war ihm also kein Geheimniß; und binnen den seither verflossenen sechs Monaten konnten sich die Ansichten des Landvolkes über den Werth seiner unbeweglichen Habe kaum hinreichend geändert haben, um die neueste Brandverordmmg des provisorischen Gouverneurs von Ungarn zu rechtfertigen.

Ich vermochte somit die Verordnung weder mit der von Kossuth so ermüdend oft betheuerten Volksfreundlichkeit seiner Denk- und Handlungsweise, noch mit seinem Glauben an die Möglichkeit der Rettung Ungarns in causale Verbindung zu bringen.

Allein auch hiervon abgesehen konnte ich weder den besondern heilsamen Zweck, zu welchem jene Verordnung und ihre Consequenzen als Mittel dienen sollten, noch überhaupt irgend einen erkennen, der solch ein Mittel zu heiligen genügte.

Die Ueberzeugung von der moralischen Unmöglichkeit eines fernern Einverständnisses zwischen mir und Kossuth war also für mich eine unabweisliche, und sie drängte mich, dem letztern in einem von Komorn den 30. Iuni datirten Schreiben unverblümt zu erklären, daß nicht der Regierung, wohl aber des Volkes Interesse zu fördern, das Ziel meiner bisherigen Kämpfe gewesen, und daß ich der Erste die Waffen zu strecken bereit wäre, wüßte ich dies Ziel damit erreicht.

Ehe ich indessen noch eine Antwort Kossuth's auf diese Erklärung erhalten konnte, ward ich von drei Abgeordneten der Regierung (Communications-Minister Csänyi, General Aulich und F.-M.-L. Kiß) mit der ofsiciellen mündlichen Mittheilung überrascht, es sei im Ministerrathe beschlossen worden, daß die Hauptarmee mit möglichster Beschleunigung von Komorn auf Ofen zurückziehen solle. Und Csänyi — wirksam unterstützt von Aulich, wirksamer noch von jenen freundlichen Gefühlen, welche für diese beiden Männer in mir lebten — gelang es, mich bald der Art umzustimmen, daß ich den bereits gefaßten Entschluß, bei Komorn die letzte Entscheidung herbeizuführen, wieder aufgab, ja sogar an meiner Ueberzeugung von der moralischen Unmöglichkeit eines fernern Zusammenwirkens mit Kossuth nicht länger festhalten zu dürfen wähnte.

Csänyi und Aulich besaßen nämlich — Dank ihrer vielseitig erprobten ungewöhnlich edlen Denk- und Handlungsweise — mein Vertrauen in so hohem Maße, daß mich ibre entschiedene Parteinahme für die Regierung wie ein Vorwurf traf, daß es mir nun plötzlich schien, ich hätte Kossuth dennoch Unrecht gethan, als ich — obschon gestützt auf seine Brandverordnung und sein verdächtiges Zögern, sich der Hauptarmee anzuschließen — voraussetzte, er habe nunmehr nächst der Rettung seiner eigenen Person nur noch die gänzliche Verwüstung Ungarns, — gleichviel, in welcher Absicht — vor Augen.

Demzufolge gab ich den Abgeordneten der Regierung das aufrichtig gemeinte Versprechen, dem Beschlusse des Ministerrathes mit möglichster Beschleunigung Folge zu leisten.

Und die Abgeordneten der Regierung kehrten sofort wieder nach Pest zurück.

Die Stellung der Hauptarme e (ohne der, wie bekannt, von der letztern abgeschnittenen Division Kmety) war am 1. Iuli 1849 folgende:

Das 2., 3. und 7. Corps standen im verschanzten Lager Komorn gegenüber vereinigt; das 1. Corps bei Neuhäusel und dem Nentraftnsse aufwärts; die Streifcolonne vom 7. Armeecorps in Verdelv und Neutra; während die Armin Görgei'fche Streifcolonne, deren Vorposten mittlerweile, durch Detachements der in der Arva stehenden russischen Heeresabtheilung, von der obern Waag gegen den District der Bergstädte zurückgedrängt worden, am genannten Tage eben Perk und Neusohl verließ, um, den letzterhaltenen Dispositionen gemäß, ihren Rückzug nach Komorn ohne Aufenthalt zu bewirken.

Der Marsch unserer Hauptarmee von Komorn nach Ofen (Angesichts der am Czonczö stehenden österreichischen, jedenfalls ein Wagstück, wenn auch kein unbedingt hoffnungsloses) konnte somit unter den obigen, den Abgeordneten der Regierung durch den Chef der Central-OperationsKanzlei in meiner Gegenwart umfassend mitgetheilten Dislocationsverhältnissen schlechterdings nicht vor dem 3. Iuli, und auch dann nur unter der Bedingung, angetreten werden, daß die beiden oft erwähnten Strcifcolounen (zusammen bei 5At0 Mann mit etwa 10 Geschützen) die Bestimmung erhielten, als Verstärkung der Komorner Besatzung von der Hauptarmee abzubleiben.

Sechsundzwanzigstes Capitel.

DerJuli,

Aas verschanzte Lager auf dem rechten Donauufer (Komorn gegenüber) war seit dem 26. April (dem Tage des vollständigen Entsatzes von Komorn) wieder hergestellt, ja theilweise durch Neubauten verstärkt worden.

Die wesentlichste der letztern, eine starke Redoute, auf dem südlich vor dem Donaubrückenkopfe sich erhebenden Sandhügel angelegt, vertrat die Stelle des frühern Objectes Nr. 8.

(Sämmtliche Objecte der verschanzten bogenförmigen Linie waren nämlich vom rechten Stützpunkte des Lagers, der Uferhöhe oberhalb Uj-Szöny — dem Monostor oder Sandberge — angefangen, mit den fortlaufenden Zahlen von 1 bis 10 benannt.)

Die übrigen Neubauten bestanden in einigen, dem äußersten rechten Flügel des Lagers (den Objecten 1 und 2) vorgelegten, in der Kehle offenen Erdwerken.

Von den seit dem 30. Iuni im verschanzten Lager vereinigten Heeresabtheilungen (in allem kaum 25,000 Mann mit etwa 120 Geschützen) hielt der anwesende Theil des 8. Corps (4 Bataillons) die Objecte am Monostor No. 1, 2 und 3, sammt den diesen Objecten — wie erwähnt — vorgeschobenen offenen Werken—, das 7. Corps unter

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