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unverweilt zu räumen, und seine Truppen bis hinter das, an der Komorner Straße gelegene, sogenannte Taubenwirthshaus zurückzuführen.

Während General Pöltenberg mit dem rechten Flügel diesem Befehle nachkam, wurde der linke von Szabadhegy nach Heese dirigirt.

Von dem letztern Punkte und dem erwähnten Taubenwirthshause ließ ich den Rückzug gegen Acs in zwei Colonnen, einstweilen bis auf die Höhe von Gönyö, antreten.

General Klapka, welcher mittlerweile von Komorn angelangt war, führte den linken Flügel über Szent-Ivän nach Szent-Iänos, General Pöltenberg die Infanterie und Artillerie des rechten nach Gönyö, während ich mit dem größten Theile der Cavallerie und einer Batterie die Deckung des Rückzuges besorgte.

Der Feind verfolgte uns bis beiläufig auf die Höhe der östlichen Spitze der Kleinen Schütt.

Die ungewöhnliche Uebermacht, welche die Oesterreicher im Laufe des Tages entwickelt hatten, veranlaßte mich zu dem Entschlusse — so lange die Concentrirung unserer Hauptarmee auf dem rechten Donauufer nicht vollends bewerkstelligt — jedem entscheidenden Conflicte möglichst auszuweichen; im schlimmsten Falle, d. h. so die Oesterreicher ihren Sieg verfolgend unaufgehalten vordringen, mit allen auf dem rechten Donauufer disponibeln Truppen bis in das verschanzte Lager gegenüber Komorn zurückzuziehen; mich auf die Behauptung desselben zu beschränken, und erst wenn die letzte Abtheilung der Hauptarmee vom linken Donauufer auf dem rechten eingetroffen, den Rückschlag gegen die Oesterreicher mit Aufbietung aller Kräfte zu führen.

Demzufolge verließen das 7. und 2. Corps (das letztere hatte, wenn ich nicht irre, im Laufe des 28. Iuni mit harter Mühe Gönvö erreicht) sammt den Colonnen vom 8. Corps ihre Bivouacs bei Gönyö und Szent-Iänos noch vor Tagesanbruch des 29. und setzten ihren Rückzug bis Acs, am 30. aber, mit Zurücklassung der Vortruppeu bei Acs, bis in das verschanzte Lager fort.

Nach Nagy-Igmänd wurde ein Cavalleriedetachement disponirt, zur Beobachtung des Feindes auf der Fleischhauerstraße, und um Nachrichten über die Division Kmety einzuholen, welcher ich noch am 28. von Raab über Szent-Märton den Befehl zugeschickt, ihren Rückzug auf Komorn über Romano und Kis-Be'r zu nehmen.

Indessen war dies Cavalleriedetachement durch das Anrücken einer feindlichen Heeresabtheilung schon im Laufe des 30. Iuni gezwungen worden, Nagy-Igmänd zu verlassen; worauf es sich aufdas verschanzte Lager zurückzog.

Die gemischten Vortruppen bei Acs hatten die Aufgabe, diesen Punkt und die Linie des Czonczö-Baches überhaupt nur vor einer feindlichen Uebermacht zu räumen, dann aber den zwischen Acs und dem verschanzten Lager gelegenen, südlich (gegen Puszta-Harkäly) hinziehenden Vorsprung des Acser Waldes zu besetzen.

Das letztere nun unterließ der Commandant dieser Vortruppen.

Nachdem ihn nämlich am 30. Iuni der — mit dem feindlichen Vorrücken gegen Nagy-Igmänd gleichzeitige — Anmarsch starker feindlicher Colonnen gegen Acs, zum Aufgeben der Czonczö-Linie genöthigt hatte, räumte er sofort, auch den bezeichneten Vorsprung des Acser Waldes, und eilte — ohne übrigens eine Meldung hierüber vorausgeschickt zu haben — das Innere des verschanzten Lagers zu erreichen, weil ihm das zur selben Zeit von Nagy-Igmänd gegen das verschanzte Lager retirirende Cavalleriedetachement ein feindliches geschienen, und er durch dasselbe abgeschnitten zu werden befürchtete.

Ihm folgte der Feind von Acs her auf dem Fuße, und gelangte somit ohne Schwertstreich in den Besitz des erwähnten Waldvorsprunges.

Es galt nun den letztern wieder zu gewinnen, was denn auch ohne besondere Schwierigkeit gelang, da der Feind keinen erheblichen Widerstand leistete, sondern nach einem kurzen Geschützkampf sich wieder auf Acs zurückzog.

Unsere Vortruppen besetzten den Waldvorsprung, rechts an die Donau, links — in einem weiten Bogen das verschanzte Lager umschließend — an den Flecken O-Szöny gelehnt.

Funkundzwanzigstes Capitel.

Zerwürsniß zwischen der Sicgierung und mir.

„streich auf Streich gegen Oesterreich allein!" Das war — ich wiederhole es — nach dem Einbruche der Russen en xi-os die einzige, allen Parteien Ungarns gemeinsame letzte Aufgabe: es mochte nun die Möglichkeit oder die Unmöglichkeit eines siegreichen Hervorgehens aus dem Kampfe in Abrede gestellt werden.

Im erstern Falle hatten Kossnth seine Unabhängkeits-Erklärung, Szemere seine Republik, und die unglücklichen Verfechter der Constitution vom Iahre 1848 diese zu rächen, und zwar minder an Rußland, denn an Oesterreich.

Im letztern Falle mußte die Methode, zunächst die dem Schwerpunkte unserer Gesammtstreitmacht näher stehende der beiden feindlichen Armeen — also die österreichische — aufzureiben, und sich, erst nachdem dies geglückt, in derselben Absicht auf die russische zu werfen, am sichersten zum Ziele führen.

Diese Methode hatte bei der Stellung der feindlichen Hauptarmee, und dem während unserer Operation gegen die Oesterreicher wahrscheinlichen Vordringen der Russen, nur den Einen Nachtheil, daß sie die Rückzugslinie auf den neutralen Boden der Türkei preisgab.

Kossuth aber — ohne dessen Einverständniß die vollkräftige Durchführung dieser Methode allerdings nur ein frommer Wunsch blieb — hatte ja schon am 14. April 1849, aus eigener freier Ueberzeugung, die Brücke hinter der gesammten Nation abgeworfen, und berechtigte hierdurch zu der für ihn nur ehrenvollen Erwartung, daß er selbst auf die genannte Rückzugslinie ferner keinen besondern Werth mehr lege.

Der Antrag, welchen ich im Ministerrathe vom 26. Iuni gestellt hatte, war somit gewissermaßen ein Compromiß: von mir — der ich die Rettung Ungarns für unmöglich hielt im Namen der Vertheidiger der 1848er Constitution angeboten dem Gründer des unabhängigen Ungarns mit unausgesprochener Staatsform (Kossuth), und dem Entdecker des republikanischen Elementes in Ungarn (Szemere), welche beide an die Möglichkeit einer Rettung des Vaterlandes noch immer zu glauben betheuerten.

Das Compromiß wurde angenommen: jedoch — wie bekannt — unter außergewöhnlichen Einflüssen und in einer Weise, welche nicht geeignet war, mein Vertrauen in die Aufrichtigkeit der Annahme zu wecken.

Und wenn es bereits am 26. Iuni — an welchem Tage Kossuth und Szemere von der am rechten Donauufer drohenden Offensive der Oesterreicher noch kaum etwas ahnen konnten — den Anschein hatte, als sei es den genannten Herren mit der Durchsührung meiner Vorschläge nicht Ernst: so konnte ich dies am 29. leider vollends für gewiß annehmen.

Nach den im vorstehenden Capitel geschilderten Kriegsereignissen vom 28. nämlich hätte die Regierung sofort von Pest nach Komorn übersiedeln müssen. Allein die Zumuthung, sich in Komorn möglicherweise sogar einschließen zu lassen, wurde von Seiten Kossuth's bekanntlich schon Ende April sehr entschieden zurückgewiesen, und Ende Iuni stand bei ihm derselben Zumuthung, Angesichts der weit kritischern Umstände, fürwahr keine günstigere Aufnahme bevor.

Die Sachlage schien somit nahezu dieselbe, als wäre mein im Ministerrathe vom 26. Iuni gestellter Antrag geradezu verworfen worden, für welchen Fall ich — wie erwähnt — schon vorsorgend einen bestimmten Entschluß gefaßt hatte, den Entschluß nämlich, die Lösung der — wie gesagt — meiner Ansicht nach einzigen, allen Parteien Ungarns gemeinsamen Aufgabe, mit der Hauptarmee allein anzustreben.

Zu diesem Entschlusse führte mich die Erkenntniß der Pflicht, Ungarns letzte Ehre zu wahren, zu verhüten, daß es vollends ruhmlos untergehe.

Bei der mit dem Einbruche der Russen en »si-os urplötzlich enthüllten Rathlosigkeit in der Landesvertheidigungsfrage war die Gefahr eines ruhmlosen Unterganges wirklich vorhanden. — Diese aber lag nach meinem Dafürhalten — vom national-militärischen Standpunkte beurtheilt — hauptsächlich in der großen Wahrscheinlichkeit einer ununterbrochenen siegreichen Fortsetzung der eben begonnenen Offensive der Oesterreicher; so die bei Komorn gebotene günstige Gelegenheit, denselben die Defensive — bevor die Russen dies verhindern konnten — noch einmal aufzunöthigen, unbenutzt gelassen würde.

Meinem starren Entschlusse, selbst mit der Hauptarmee allein bei Komorn zu bleiben, lag somit freilich nicht die Hoffnung, den Fall Ungarns dadurch aufzuhalten, wohl aber die zwiefache Ueberzeugung zu Grunde:

daß die Hauptarmee, eingedenk ihrer Pflicht gegen das Land, für dessen Gerechtsame sie eingestanden, bei ihrer eigenen Ehre gehalten sei, vor den Oesterreichern erst nach dem äußersten Widerstande das Feld zu räumen; und

daß sich unsere offensiven Rückschläge gegen die Oesterreicher an keinem Punkte des Landes so hoch potenziren ließen, wie eben bei Komorn.

Indessen war ich am 29. Iuni von der Unmöglichkeit, die Vereinigung der vor den Russen retirirenden Truppen des General Vvsocki mit der Hauptarmee am rechten Donauufer durchzusetzen, oder — richtiger bemerkt — Kossuth zu bewegen, daß er selbst nach Komorn komme (denn gelang dies nicht, so blieb jenes voraussichtlich ebenfalls unausführbar) noch immer nicht thatsächlich überzeugt.

Zwar durfte ich, wie gesagt, von einer wiederholten schriftlichen Motivirung meines im Ministerrathe vom 26. Iuni gestellten Antrages — bei der so entschieden ausgesprochenen Antipathie Kossuth's gegen

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