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auch dann noch zu seiner persönlichen machen, wenn die Antwort der Wiener Regierung das Zeichen zum letzten Kampfe auf Leben und Tod werden sollte.

Ich hätte freilich wohl alle Erfahrungen des Iahres 1849 verleugnen müssen, um mich der Täuschung hinzugeben, daß die Mehrzahl der Repräsentanten der Aufgabe gewachsen sei, das aus eigenem freien Antriebe zu erfüllen, was ich — wie oben erwähnt — von ihr erwartete: aber ich setzte meine Hoffnung auf die Friedenspartei und auf die Wirksamkeit der Maßregeln, mit deren Anwendung ich dieser Partei den Sieg im Parlamente zu ermöglichen gedachte.

Einige dieser Maßregeln — die möglichste Säuberung der Armee von jenen Führern, welche der 14. April-Partei angehörten, die Verstärkung der Friedenspartei im Reichstage, die Vorbereitungen zur Offensive — waren, wie erwähnt, zu jener Zeit, in welcher die Hinrichtungen Mednyänszkv's und Gruber's bekannt wurden, und all mein Wirken durch die intensive Erbitterung, welche sie gegen Haynau und die österreichische Regierung wachriefen, erfolglos zu machen schienen, bereits im Gange.

Die übrigen Maßregeln in Anwendung zu bringen schien mir erst dann rathsam, nachdem der Reichstag seine Sitzungen wieder eröffnet haben würde. Dann erst glaubte ich mit meinen Absichten gegen die Partei des 14. April offen hervortreten, dann erst mich als Anhänger der Friedenspartei unverhohlen bekennen zu sollen; dann erst hoffte ich dem Reichstage wie der Regierung im Namen der Armee nicht erfolglos zu bedeuten, wie die letztere wohl der Pflicht, die positiven Rechte der Nation auf Leben und Tod zu vertheidigen, mit derselben Gewissenhaftigkeit, wie bisher, nachkommen werde, aber nicht den geringsten Beruf in sich fühle, für die — trügerischerweise als von ihr (der Armee) begehrt hingestellte — Unabhängigkeits-Erklärung einzustehen.

So kam es, daß ich während meiner kriegsministeriellen Wirksamkeit selbst vor der Friedenspartei verbarg, was ich gegen ihre politischen Gegner im Schilde führte. So kam es, daß wahrscheinlich einerseits Kossuth für seinen 14. April, andererseits Szemere für seine Republik eine sichere Acquisition an mir gemacht zu haben wähnten.

Der Letztere mochte die Bemerkung, mit welcher ich den Feldmarschalllieutenantsrang abgelehnt (daß nämlich diese Würde meines Wissens in Republiken nicht einheimisch sei) für ein republikanisches Glaubensbekenntniß genommen haben. Aus diesem Umstande erklärte ich mir auch, wie es geschah, daß ich, ohne mich darum beworben zu haben, zum Deputirten, und zwar von einem Bezirke gewählt wurde, in welchem meines Wissens Szemere's Name sehr — der meine gar nicht populär war. Wenigstens gab mir Szemere nach der Hand deutlich genug zu verstehen, daß ich jene Ueberraschung ausschließlich seiner Verwendung für mich bei seinen Wählern zu verdanken habe.

Ueberhaupt war Szemere seit meinem Eintritte ins Ministerium mannigsach beflissen, mich für eine persönliche Coalition mit ihm, gegen Kossuth, zu gewinnen.

Ich that jedoch, als verstände ich ihn nicht.

Dasselbe Verhalten beobachtete ich Kossuth gegenüber, so lange dessen Verlangen nach dem Oberbefehle über sämmtliche in Ungarn und Siebenbürgen active vaterländische Streitkräfte sich blos in schüchternen Anspielungen kundgab.

Kossuth glaubte endlich deutlicher sprechen zu müssen, that es, und wurde von mir einstweilen vertröstet.

Vielleicht war's eine Folge hiervon, daß er mich als balddringend aufforderte, ihm an meiner Statt einen Obercommandanten für die Hauptarmee in Vorschlag zu bringen, da ich vollauf zu thun hätte, um nur allein als Kriegsminister meiner Stellung zu genügen. — Diese Bemerkung litt keinen Widerspruch; allein ich konnte den rechten Mann, d. h. denjenigen, welcher Kossuth recht gewesen wäre, nicht finden. Ich schlug Klapka vor, welchen ich — wie wir im zweitnächsten Capitel sehen werden — mittlerweile für die Offensive gewonnen zu haben glaubte. Kossuth erklärte sich mit dieser Wahl uneinverstanden. Eine bessere wußte ich damals nicht zu treffen.

Nun verlangte Kossuth hinwider, ich solle meine persönliche Thätigkeit ausschließlich der Leitung der Kriegsoperationen widmen, und mich als Kriegsminister vertreten lassen. Diese Aufforderung kam mir erwünscht. Mein Stellvertreter im Kriegsministerium wurde anstandslos bestätigt.

Vorher noch hatte ich den completen Stand der einzelnen Armeecorps auf 10 Bataillons Infanterie, 16 Escadrons Cavalerie und 5 Batterien — im Ganzen bei 8000 Mann Infanterie, 2000 Mann Cavalerie und 40 Geschütze — festgestellt.

Das Armeecorps zersiel in drei Divisionen: zwei Infanteriedivisionen je aus fünf Bataillons und einer Fußbatterie-, und eine Cavaleriedivision aus der sämmtlichen Cavalerie des Armeecorps und einer Cavaleriebatterie bestehend.

Cinc Zwölspfünder- und eine Cavaleriebatterie bildeten die Artilleriercserve, deren Verwendung auf dem Schlachtfelde ausschließlich nnr dem Armeecorps - Commandanten zustand.

Die Division sollte gewissermaßen das operative Individuum der Armee vorstellen. Ausnahmsweise Tetachirungen eines bedeutenden Theiles der Division erhielten die passagere Benennung „Colonne."

Zwei oder mehrere Armeecorps, unter einem Obercommando vereinigt, bildeten eine Armee.

Eine Folge dieser Bestimmungen war die definitive Trennung der Armeedivision Kmety vom 7. Armeecorps. Das letztere organisirte sich nach dem neuen Schema aus jenen zwei Drittheilen seines ursprünglichen Standes, welche bisher unter Pöltenberg vereinigt waren. Zugleich erhielt die frühere Armeedivision Kmety schon vorläufig die Eintheilung eines Armeecorps, welches demnächst completirt werden sollte. Pöltenberg und Kmety avancirten zu Generalen.

Während meiner persönlichen Betheiligung an den Regierungsgeschäften stellte der Communications-Minister Csänyi im Ministerrathe den Antrag, es solle der vielfach nachtheiligen Wirksamkeit der zur flagranten Ahndung der Verbrechen des Landesverrathes eingesetzen Nolhgerichte (v««?tii,v«„)sxekel<) durch eine allgemeine Amnestie ein rasches Ende gemacht werden. Auch die des Landesverrathes bezichtigten Flüchtlinge, wie die eben noch in den feindlichen Reihen dienenden ungarischen Staatsbürger sollten in diese Amnestie mit einbegriffen sein, wofern sie binnen einer bestimmten Zeit in die reoecnpirten Theile des Landes zurückkehrten.

Unüberlegterweise hatte ich dem Antragsteller mein Votum für die Abstimmung im Ministerrathe vorläufig zugesagt.

Indessen gelangte die Berathung in der ersten Sitzung noch nicht zum Abschluß. Ich gewann Zeit, alle Consequenzen der beantragten Amnestie reiflich zu überlegen: und erklärte mich nun gegen die Amnestie und blos für die Aufhebung der Nothgerichte.

Ich stimmte gegen die Amnestie, weil die Regierung der Mittel entbehrte, dem Gnadenacte Geltung zu verschaffen. Die Amnestirten wären zurückgekehrt: und der erste beste — durch die Agenten derselben Regierung, von welcher die Amnestie ausging, soeben erst gegen die Amnestirten fanatisirte — Bauernrudel (um der liebenswürdigen Guer rillas nicht zu gedenken) hätte sich zweifelsohne ungeachtet der Amnestie nach wie vor berufen gefühlt, das summarische Strafverfahren der Lynchjustiz gegen die arglos Zurückkehrenden einzuleiten.

Der Antrag auf Amnestie siel dnrch.

Obschon es mein wohlüberlegter Entschluß gewesen, die feindselige Gesinnung, von welcher ich gegen das Bestehen des Reichsgesetzes vom 14. April erfüllt war, nicht vor dem nächsten Wiederzusammentritte des Parlamentes kund zu geben: so unterlag ich dennoch vorfrüh der steigenden Gewalt meiner Entrüstung ob der Art und Weise, in welcher Kossuth jenes Reichsgesetz zum voraussichtlichen Verderben Ungarns ins Leben gerufen hatte.

Knapp vor dem Beginne der nächsten Offensive gegen die österreichische Hauptarmee gesellte sich zu jenen Hindernissen, welche denselben — wie wir später sehen werden — so lange verzögert hatten, auch noch ein von Tag zu Tag fühlbarer werdendes Abnehmen der unentbehrlichsten Geldzuflüsse.

Nun riß mir die Geduld. In einem dienstlichen Schreiben an Kossuth, worin ich das Misverhältniß zwischen den bedeutenden finanziellen Bedürfnissen der Armee und den spärlichen Mitteln zur Deckung jener Bedürfnisse beleuchtete, erhielt die Unabhängigkeits-Erklärung ein gebührendes — begreiflicherweise nicht ehrenvolles — Epitheton.

Ich wollte, daß der Inhalt dieses Schreibens zur Kenntniß des versammelten Ministerrathes gelange; und von der Absicht wie der Fähigkeit Kossuth's, es zu unterschlagen, oder dessen Wirkung irgendwie zu paralysiren, in vorhinein überzeugt, ließ ich zugleich das Duplicat desselben dem Finanzminister directe übermitteln. Ueberdies war ich darauf bedacht, die Sitzung des Ministerrathes, in welcher jenes Schreiben zur Sprache kommen sollte, ja nicht zu versäumen.

Kossuth erhielt die ominöse Depesche, und, wie ich voraus gesehen, hätte er's gerne vermieden, ihren Inhalt dem Miiüsterrathe mitzutheilen. Daß der Finanzminister bereits das Duplicat in Händen habe, wußte Kossuth noch nicht, als er mich unmittelbar vor dem Beginne der bevorstehenden Sitzung einlud, ihm, Behufs einer Besprechung unter vier Augen, in seine Privatwohnung zu folgen, welche von dem Berathungszimmer blos durch das Vorgemach getrennt war.

Hier ward ich von ihm wegen des in dem erwähnten officiellen Schreiben gegen die Unabhängigkeitsacte gebrauchten tadelnden Ausdruckes zur Rede gestellt. — Ich motivirte den Tadel durch die Behauptung, weder die Nation, noch deren Vertreter, am allerwenigsten die Armee, auf deren Rechnung die Unabhängigkeitsacte doch eigentlich in Vorschlag gebracht worden, hätten die letztere begehrt.

Um diese Behauptung zu entkräften, wies Kossuth auf die Huldigungsadressen hin, die ihm seit dem 14. April von allen reoccupirten Theilen des Landes zugeströmt. — Ich bat ihn hierauf, mir zu erklären, was ihn denn berechtigte, den Werth dieser Huldigungsadressen höher als den jener anzuschlagen, welche wenige Monate früher Fürst Windisch-Grätz mitunter in eben denselben Theilen des Landes eingesammelt.

Kossuth blieb mir die Erklärung schuldig.

Daß die Unabhängigkeitsacte von der Armee nicht begehrt worden, wagte er übrigens bei diesem töte ü töte nicht einmal versuchs» weise in Abrede zu stellen. Wohl aber that er sein Möglichstes, um mich zur Rücknahme und Vernichtung der unliebsamen dienstlichen Depesche zu bewegen: ich möge bedenken, daß mein officieller Ausfall gegen das bestehende Reichsgesetz die Eristenz des Ministeriums in Frage stelle u. dergl. m. — Erst nachdem er von mir die Versicherung erhalten, daß der Finanzminister das Duplicat jener Depesche Zweifels

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