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Licht der Welt erblickte — für das Ergebniß eines wenngleich unüberlegten oder aus Täuschungen hervorgegangenen, so doch freien Beschlusses des gesammten Reichstages genommen. Und weil ein ähnlicher Beschluß mit jenen Mitteilungen — welche mir Kossuth (Anfang März 1849 in Tisza-Füred) über das unablässige Drängen desselben Reichstages zur unbedigten Unterwerfung unter die Botmäßigkeit des F.-M. Fürsten Windisch-Grätz, gemacht hatte — ohne die gleichzeitige Annahme irgend eines entgegengesetzten plötzlichen Impulses schlechterdings nicht in Einklang zu bringen war: so hatte ich bisher vorausgesetzt, die Entrüstung, von welcher die Gesammtheit der ungarischen Volksvertreter ob des Olmützer Staatsstreiches ergriffen worden, sei so überaus intensiv gewesen, daß sie, im Vereine mit dem etwa durch den überraschend günstigen Fortgang der Aprilcampagne angefachten nationalen Uebermuthe, hingereicht habe, das Gesetz vom 14. April ins Leben zu rufen.

Bei dieser Voraussetzung aber konnte ich dem erwähnten Gesetze, trotz aller Unvernunft, welche darinnen ausgesprochen lag, den Nimbus des Nationalwillens dennoch nicht absprechen; und wie immer verderblich in seinen Consequenzen (für Ungarn mehr denn für Oesterreich) mir jenes Gesetz auch erscheinen mochte: die verdeckt feindliche Stellung, welche ich gegen dasselbe einnahm, ward mir eben durch die Idee, daß mit dem Reichstage gleichsam die gesammte Nation gegen mich stehe, sehr bitter verleidet.

Erst in Folge der Andeutungen Klapka's über die Entstehungsweise jenes Gesetzes — (der ersten Andeutungen, welche ich überhaupt hierüber erhalten) begann ich meine feindliche Stellung gegen dasselbe nach und nach in dem Maße erträglicher zu finden, als sich meiner die Ueberzeugung immer entschiedener bemächtigte, daß der 14. April kein von der Nation begehrtes, nur ein derselben aufgenöthigtes Machwerk Kossuth's sei.

Der empfindliche siebzehntägige Zeitverlust vor Ofen, — die leider nur zu sehr begründete Annahme, daß die Oesterreicher sich mittlerweile von den betäubenden Schlägen der Apnlcampagne merklich erholt, daß sie überdies ihre Hauptarmee in Ungarn durch Herbeiziehung sämmtlicher anderwärts entbehrlicher Streitkräfte namhaft verstärkt haben dürften — die Aufschlüsse Klapka's über die Unzulänglichkeit unserer nothwendigsten Kriegsvorräthe: — dies Alles war der Realisirbarkeit meiner Idee, den provisorischen Regierungen jenseits wie diesseits der Lajtha ein Compromiß auf Grundlage der im Iahre 1848 sanctionirten Landesverfassung noch vor dem factischen Beginne der russischen Intervention aufzunöthigen, nun freilich wohl höchst ungünstig.

Allein nichtsdestoweniger mußte ich in dem ernsten Versuche, diese Idee durchzuführen — bei meinem argen Zweifel an der Existenz thatkräftiger europäischer Sympathien für Ungarns staatliche Unabhängigkeit — den einzigen Balken erkennen, dessen Tragsähigkeit etwa noch hinreichen könnte, das letzte krampfhafte Sichanklammern des Versinkenden zu lohnen.

Und war ich von dem Gedanken einer gewaltsamen Auflehnung gegen das neue ungarische Reichsgesetz zu einer Zeit nicht zurückgeschreckt, wo ich bei einem ähnlichen Schritte — wie gesagt — noch die gesammte Nation wider mich zu haben wähnen mußte: so bedarf wohl die Consequenz keiner ferneren Motivirung, mit welcher ich an jenem Gedanken festhielt, nachdem sich die Angaben Klapka's über die Eristenz einer politisch mir gleichgesinnten zahlreichen Partei im Lande, einer Partei, welche die Mehrzahl der anerkannt uneigennützigsten Patrioten in sich vereinigte, bald als unbezweifelbar erwiesen.

Wenige Tage nach der Einnahme von Ofen nämlich erschien in Pest eine Deputation des Reichstages, um mich im Namen des letztern und der Regierung für meine Leistungen im Dienste des Vaterlandes mit dem Militär-Verdienstzeichen erster Classe und dem Feldmarschall-Lieutenants-Range zu belohnen.

Es widerstrebte mir, von jener Partei Belohnungen anzunehmen, deren politische Wirksamkeit ich als eine der Nation verderbliche anerkennen mußte. Um aber die eigentliche Bedeutung meines Refus möglichst zu maskiren, prävenirte ich die Reichstagsdeputation davon, und motivirte dasselbe theils aus den Statuten des Militär-Verdienstzeichens, nach welchen mir die erste Classe dieser Auszeichnungen gar nicht gebührte, theils durch die Unvereinbarlichkeit der Feldmarschalllieutenantswürde mit dem republikanischen Regierungs-Programme des MinisterPräsidenten Bartholomäus von Szemere.

In Folge dessen unterblieb jede officielle Berührung zwischen mir und den Abgeordneten. Dagegen wurde ich von den Führern der Letzteren mit einem Privatbesuche beehrt, — und lernte bei dieser Gelegenheit überraschenderweise zwei entschiedene Gegner des neuen Reichsgesetzes kennen.

Diese mochten nämlich meine Weigerung, die erwähnten Belohnungen anzunehmen, für die Bestätigung dessen — was ihnen durch Klapka während seiner Anwesenheit in Debreczin über meine Mißbilligung des Reichstagsbeschlusses vom 14. April angedeutet worden — erkannt, und sich hierdurch ermuthigt gefühlt haben, mir mit Vertrauen entgegen zu kommen.

Sie legten ganz unverhohlen ihre Freude über das offene Dementi an den Tag, welches ich der Regierung durch die unerwartete Ablehnung der mir zugedachten Auszeichnungen gegeben; bestätigten und ergänzten die früheren Andeutungen Klapka's über die Intriguen Kossuth's, mit welchen dieser die Unabhängigkeitserklärung ins Leben gerufen hatte, und warnten mich schließlich vor der Annahme des Minister-Portefeuilles für den Krieg, oder richtiger bemerkt, sie forderten mich geradezu dringend auf, die Armee nicht zu verlassen.

Nur so lange ich factisch an der Spitze der Armee stehe — meinten sie — könne ich auf deren Gehorsam, auf deren unbedingtes Vertrauen rechnen, falle mein Wort gewichtig in die Wagschale der öffentlichen Meinung, bleibe es maßgebend selbst für den von meinen persönlichen Feinden gegen mich gestimmten Großtheil der Nation. Dies sei den Führern der 14. April-Partei — den Männern der Regierung — eben so wenig ein Geheimniß, wie die Gefahr, von welcher ihre Politik durch meine Parteinahme gegen dieselbe bedroht würde. — Darum scheue sich die Regierung auch, mir das Obercommando über die Armee definitiv zu übertragen; darum möchte sie mich eben vom Kriegsschauplatze entfernen, und nur um hierzu vor der Armee berechtigt zu erscheinen, habe sie mir das Minister-Portefeuille angeboten.

Ich gab hierauf den beiden Führern der Reichstagsdeputation die beruhigende Versicherung, daß mich ohnedies anderweitige Umstände das Obercommando auf künftighin zu behalten nöthigten.

Von meinem frühern Entschlusse, den Reichstag seiner Zeit durch Waffengewalt zur Aufhebung des Gesetzes vom 14. April zu zwingen, machte ich ihnen gleichwohl keine Mittheilung, weil ich den Gedanken an die Ausführung jenes Entschlusses bereits in dem Augenblicke aufgegeben hatte, in welchem mich die Entdeckung einer politisch mir gleichgesinnten gewichtigen Partei im Reichstage, die Möglichkeit voraussetzen ließ, auf dasselbe Ziel, das mir anfänglich blos durch das Bayonnet erreichbar geschienen, nunmehr mit gleichzeitiger Beobachtung der in Ungarn zu so allgemeiner Geltung gelangten constitutionellen Formen lossteuern zu können.

Indessen hatte auch über die Art und Weise, in welcher dies Letztere sofort zu versuchen wäre, bei Gelegenheit des eben erwähnten Privat-Besuches, welchen mir die Führer der Reichstagsdeputation abgestattet, keinerlei Besprechung stattgefunden. Ich wußte damals bereits, daß ich im Laufe der nächsten Tage in Debreczin eintreffen werde, und zog es vor, die Gelegenheit abzuwarten, welche sich mir daselbst bieten dürfte, um meine Ansichten über die augenblickliche Situation Ungarns gleich vor mehrern Mitgliedern der Friedenspartei offen auszusprechen. Sechzehntes Capitel.

Darlegung der Umstände, welche mich cinnseits an das Armee Obemmmando sesseln, andererseits zur persönlichen Übernahme de« Lriegsministerium« bestimmen. — Plan zur Offensive gegen bic Vcsterreicher, — Entstehung der Senlral'Operations-KanzIei,

(General Aulich hatte unmittelbar nach der Einnahme von Ofen in Folge eines hartnäckigen innern Leidens um seine Versetzung in den Ruhestand angesucht.

General Damjanics lag mit seinem zerschmetterten Beine elend darnieder.

Alle übrigen Koryphäen der Armee — außer Klapla — waren als selbständige Truppenführer noch viel zu wenig erprobt, um ihnen das Obercommando derselben mit Beruhigung anzuvertrauen. Den General Klapka aber konnte ich bei meiner Absicht, die Offensive gegen die Oesterreicher — ehe uns die Russen daran hinderten — möglichst nachdrücklich wieder zu eröffnen, schlechterdings nicht an der Spitze der Armee wünschen, nachdem er sich in dem von ihm entworfenen und vom Ministerrathe in Debreczin gebilligten allgemeinen Operationsplan so entschieden für die Beobachtung der Defensive ausgesprochen hatte.

Unter diesen Umständen blieb ich fortan an das Obercommando der Armee gefesselt.

Indessen war ich — den wichtigen Einfluß des Kriegsministeriums auf die Leistungen und die politische Gesinnung des Heeres nicht ver

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